Vive La Vitesse – Es lebe die Geschwindigkeit

Mit dem Grand Paris Express soll sich der Großraum Paris in eine nachhaltige Metropolregion verwandeln. Insbesondere die Automatisierung könnte bei der Optimierung der Mobilität der französischen Hauptstadt eine entscheidende Rolle spielen.

Linie 14, Pariser Metro: In dieser vollautomatischen, ferngesteuerten Metro, die wie von selbst im Eiltempo von Station zu Station fährt, gibt es keinen Fahrer. Den Fahrgästen, die vorne stehen und in die Dunkelheit schauen, ist vermutlich nicht bewusst, dass die Linie 14 nur der Anfang von etwas Größerem ist. Aber war Paris nicht schon immer ein Ort für große Ideen? Man denke an den Eiffelturm, den Louvre und das Geschäftsviertel La Défense im Westen der Stadt. Für die meisten Menschen ist die 1998 in Betrieb genommene Linie 14 nur eine Metrolinie, die Saint-Lazare mit Olympiades verbindet. 
Und doch ist sie viel mehr. Sie ist die Grundlage für den Grand Paris Express (GPE), das derzeit größte Infrastrukturprojekt Europas. Die fahrerlose Zugstrecke in nördlicher Richtung wird bis zum Jahr 2023 bis Saint-Denis Pleyel ausgebaut und Anschlüsse zu den Linien 15, 16 und 17 bieten, die wiederum alle Teil des GPE-Systems werden. Im Süden wird auch die Strecke zum Flughafen Paris-Orly über Maison Blanche verlängert, um einen Anschluss an die Ringlinie 15 zu schaffen. Die Fertigstellung ist für 2027 geplant.

Der Grand Paris Express wird ein Innovationsmotor sein, der Transport- und Entwicklungsprojekte vorantreiben wird.

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Vorstandsvorsitzender der Société du Grand Paris

Größere Multimodalität, stärkere Integration

Der GPE ist eines von zehn Projekten, im Rahmen derer der französische Ballungsraum inmitten der Île-de-France zu einer Metropolregion, ähnlich dem Großraum London, entwickelt werden soll. „Der Grand Paris Express wird ein Innovationsmotor sein, der Transport- und Entwicklungsprojekte vorantreiben wird“, so Thierry Dallard, Vorstandsvorsitzender der Société du Grand Paris, die das Projekt plant und leitet. Beim GPE stehen ein grundlegendes Umdenken und eine Neugestaltung des öffentlichen Nahverkehrsnetzes, um es an die Größe der Metropolregion anzupassen, im Vordergrund.

Er wird dem Großraum Paris multimodale Verkehrslösungen und stärker integrierte Verkehrsdienstleistungen bieten und damit ein Modell zur polyzentrischen Entwicklung unterstützen. „Vom Ökodesign der Bahnhöfe über die Energieeffizienz der Metro bis hin zum Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetz – der Grand Paris Express wird ein enormer Innovationsbeschleuniger sein, der die wirtschaftliche Entwicklung und den weltweiten Einfluss des Großraums Paris fördern wird“, so Dallard weiter.

150.000 Autos weniger auf den überlasteten Straßen dank GPE

Der GPE soll als automatisiertes Transportnetz fungieren. Mit 68 neuen Bahnhöfen und 200 Kilometern zusätzlicher Strecke umfasst der Grand Paris Express eine Ringstrecke um Paris (Linie 15) und Linien zum Anschluss der in Entwicklung befindlichen Viertel (Linien 16, 17 und 18). Die vier neuen Linien umrunden die Hauptstadt und schaffen Verbindungen mit den Geschäftsvierteln, den Forschungszentren und den drei Flughäfen von Paris. Diese vollautomatischen, fahrerlosen Züge werden im neuen Netz mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 km/h fahren, also fast doppelt so schnell wie im derzeitigen Pariser Metronetz. Bis zum Jahr 2026 soll die geplante Fahrgastzahl 2 Millionen betragen. Somit werden die Pariser die Auswirkungen der neuen Linien hautnah miterleben. Mit dem Bau wurde im Juni 2015 begonnen. Er erfolgt in mehreren Abschnitten und wird bis 2030 andauern. Man rechnet damit, dass dann auf den überlasteten Straßen der französischen Hauptstadt etwa 150.000 Autos weniger unterwegs sein werden.


Umstrukturierung der Mobilität

Randgebiete werden zu den größten Verbindungspunkten in Europa

Es wird erwartet, dass in jedem Jahr der Projektlaufzeit bis zu 20.000 direkte Arbeitsplätze geschaffen werden. Das Projekt wird für Effizienz und Zeitersparnis sorgen: Vom Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle bis La Défense wird man nicht mehr 53, sondern nur noch 34 Minuten benötigen. Ähnlich bei der Strecke vom Flughafen Paris-Orly bis zum Campus der Universität Paris-Saclay, die man in 15 statt 66 Minuten zurücklegen wird.

Aber der GPE leistet noch mehr. „Er wird den Menschen, die außerhalb des historischen Stadtzentrums leben, zum ersten Mal größere Mobilitätsmöglichkeiten bieten. Gleichzeit wird er neue Mobilitätszentren schaffen und die zukünftige Mobilität für das gesamte Stadtgebiet umstrukturieren“, so Stéphane Kirkland, City Executive Paris bei Arcadis. Der weltweit tätige Anbieter von Beratungs-, Projektmanagement- und Ingenieurleistungen in den Bereichen Infrastruktur, Wasser, Umwelt und Immobilien ist am gesamten Projekt- und Programmmanagement beteiligt. Zudem betreut das Unternehmen die Schnittstellen zu anderen Teilen des Pariser Verkehrssystems. „Saint-Denis Pleyel etwa wird sich von einem einfachen Randgebiet entlang der Bahnstrecke zu einem der größten Kreuzungspunkte Europas entwickeln, der Bahn, Metro, GPE-Linien, Busse und individuelle Verkehrsmittel verbindet“, so Kirkland.

Allein dadurch, dass das Netz extrem dicht wird, machen wir Mobilität als Dienstleistung zukünftig möglich. 

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Stéphane Kirkland, City Executive Paris bei Arcadis

Ein digitaler Metro-Highway

Der intelligenteste Aspekt des Projekts besteht in der optimierten Nutzung des vorhandenen Gebiets. Kirkland fährt fort: „Wir haben ein sehr dichtes und dynamisches Zentrum, aber wir nutzen die äußerst wertvollen Liegenschaften, die es umgeben, kaum.“ Daher sollte das Projekt eine enorme territoriale Wirkung haben und den Wert des gesamten umliegenden Landes erhöhen. „Sämtliche GPE-Zentren werden miteinander verknüpft, verbinden bestehende Infrastrukturen und treiben andere Formen der Intermodalität voran. Allein dadurch, dass das Netz extrem dicht wird, machen wir Mobilität als Dienstleistung zukünftig möglich.“ 

Der Grand Paris Express, der die Region Paris durchquert, wird die Menschen ermutigen, vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Dies wird nicht nur bei der Verringerung der Treibhausgasemissionen helfen, sondern auch einen deutlichen Beitrag für eine umweltfreundlichere Hauptstadtregion leisten (der Grand Paris Express wird bis 2050 bis zu 27,6 Millionen Tonnen CO2-Emissionen einsparen). Dank seiner Bauweise nach dem Plattformkonzept bietet der GPE den Nutzern zugleich mehr Optionen und eröffnet zukünftige Möglichkeiten für neu hinzukommende Technologien.

„Die Baustelle des Jahrhunderts“

Er bietet auch die Möglichkeit, neue Synergien zwischen digitaler Technologie und dem Transportwesen zu nutzen. Mit Glasfasernetz, Rechenzentren und hochmodernen Wi-Fi- und Mobilfunknetzen will der Grand Paris Express auch der digital fortschrittlichste Metrodienst der Welt sein. Dank diesem digitalen Highway haben Nutzer, Unternehmen und Kommunen Zugang zu einer Vielzahl neuer, gemeinsamer und maßgeschneiderter Open-Data-Dienste. Kurz gesagt: Es ist ein Generationenprojekt, oder, wie Thierry Dallard es ausdrückt, „die Baustelle des Jahrhunderts“.


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