Design Thinking for Banknote Production

Banknoten vereinen High-Tech mit Design. Umso anspruchsvoller ist der Produktionsprozess einer Banknote. Mit dem Prinzip „Design for Production“ lässt sich die Symbiose aus Gestaltung und Produktion verlässlich und effizient realisieren. Ein Gespräch mit Jürgen Zerbes, Director und Head of Product Marketing Banknotes bei G+D Currency Technology.

Herr Zerbes, auf der einen Seite ein schönes Banknotendesign, auf der anderen Seite High-Tech-Herstellungsprozesse. Kann auch eine Produktion ein schönes „Design“ haben?

Natürlich, und zwar genau dann, wenn alle Prozesse, alle Verfahren nahtlos ineinander greifen. Wenn der Herstellungsprozess funktioniert und die fünf Millionen Banknoten, die für Mittwochabend eingeplant waren, auch am Mittwochabend im Gitterwagen auf der Palette sind – dann ist eine Produktion schön, dann ist sie „smooth“ und dabei auch produktiv.

Um sie „smooth“ und produktiv zu gestalten, gewinnt der Fertigungsprozess zunehmend an Komplexität – was wiederum ein integriertes Risikomanagement zur Folge haben muss?

Aufträge, die technisch wenig anspruchsvoll sind, kann jeder bearbeiten, komplexe Projekte eher nicht. Wir als G+D haben den Vorteil, dass wir eine große Tiefe in der Wertschöpfungskette abdecken und dadurch die ganze Palette an Unwägbarkeiten kennen, die während einer Produktion von Millionen Bögen auftreten können. Wir setzen schon lange auf Data Intelligence-Lösungen, um die Produktionsqualität zu überwachen und auszuwerten. Wir müssen zwangsläufig ein höchst professionelles Risikomanagement betreiben, um komplexe Aufträge sicher und verlässlich bearbeiten zu können. Um Prognosen und die Planungssicherheit zu erhöhen, haben wir die Möglichkeit, an verschiedenen Stellschrauben zu drehen, vom Papier bis hin zum einzelnen Sicherheitselement, von der Druckfarbe bis hin zur Endkontrolle. Jede Einzelkomponente wird dabei zwar überwacht, die Gesamtkomplexität steigt jedoch, sobald diese Elemente miteinander kombiniert werden.

Und „Design for Production“ hilft dabei?

Zunächst einmal heißt es offiziell „Design for Production and Customer Satisfaction“. Schließlich wollen wir nicht nur effizient produzieren, sondern in erster Linie den Kunden zufriedenstellen, indem wir seinen individuellen Anforderungen Rechnung tragen. Und ja, Design for Production ist zum großen Teil proaktives Risikomanagement und macht eine hohe Komplexität in der Fertigung für uns steuerbar.

Mit welchen Anforderungen kommen Kunden konkret auf Sie zu?

Jeder Kunde wünscht sich Banknoten, die langlebig und robust sind, die dem Nutzungsverhalten der Bevölkerung entsprechen, die eine ebenso sichere wie effiziente Fitness- und Echtheitsprüfung in ATMs und Banknoten-Bearbeitungsmaschinen ermöglichen. Und gleichzeitig möchte natürlich jeder Kunde auf eine breite Palette an Sicherheitsmerkmalen zurückgreifen können: vom Wasserzeichen über Sicherheitsfäden und Fenster bis hin zu Folien- und variablen Druckelementen. Sicherheit, die über aufwändige Herstellungsprozesse einen optimalen Schutz vor Fälschungen gewährleistet.

Wie lassen sich unter Umständen gegensätzliche Anforderungen vereinen?

Indem wir als „Integrator“ der Banknote agieren. Wir denken immer in Lösungen und vereinen Design-Kompetenz mit Feature-Integration, Produktionssicherheit mit Liefertreue. Und wir legen Wert darauf, dass unsere eigene Effizienz unseren Kunden zugutekommt. Hier setzt „Design for Production“ an: Wir müssen die Anforderungen des Kunden durch unsere gesamte Wertstromkette und Organisation führen. Als Technologieführer wird uns ein großes Vertrauen entgegengebracht. Für Banknotenprojekte, die kompliziert, zeitkritisch oder technisch extrem herausfordernd sind, sind wir der richtige Partner. Das heißt aber auch, dass wir den immer komplexer werdenden Produktionsprozess nicht nur begleiten, sondern aktiv gestalten müssen. Wir reduzieren nicht die Komplexität, sondern wir machen sie besser kontrollier- und planbar.

Welche unterstützende Rolle nimmt dabei das grafische Banknotendesign ein?

Ein Beispiel: Der Entstehungsprozess einer Banknote beinhaltet neben der Papier- und Folienherstellung auch unterschiedliche Druckverfahren. Der einzelne Bogen muss für jeden Druckschritt möglichst genau ausgerichtet werden. Dennoch kommt es zu produktionsbedingten Toleranzen in der Position der Druckbilder, die mitunter zu ästhetisch wahrnehmbaren und unschönen Artefakten führen. Die Rolle des Designers ist es nun, diese Zonen und Bereiche so anzulegen, dass ein Überlappen nicht zu sichtbaren Störungen des Erscheinungsbildes führt.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, oder?

Ja, aber eine, die schon so früh wie möglich im Gesamtprozess mitgedacht werden muss. Wir haben ein technisch anspruchsvolles Produkt, das über viele Wertschöpfungsschritte läuft. Design for Production stellt eine Verbindung zwischen den einzelnen Schritten her, so dass der gesamte Fluss vom ersten grafischen Design bis hin zum fertigen technischen Produkt gesteuert, überwacht und optimiert werden kann.

Wir wollen nicht nur effizient produzieren, sondern in erster Linie die Anforderungen des  Kunden erfüllen.

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Jürgen Zerbes , Director und Head of Product Marketing Banknotes bei G+D Currency Technology

Was kommt dabei zuerst: das Gestalten oder das Herstellen?

Die Antwort ist einfach: weder noch – wir arbeiten parallel. Über das Design lässt sich natürlich viel beeinflussen, andererseits hat eine hochgradig effiziente Produktion zunächst einmal wenig mit der Ästhetik einer Banknote zu tun. Ich möchte das aber gar nicht gegeneinander aufwiegen. Eines ist klar: Wir stehen immer in der Pflicht, dass wir das, was wir gemeinsam mit unseren Kunden erarbeiten, hinterher auch industriell produzieren können. Daher sind unsere Designer nicht nur Künstler, sondern verfügen auch über das nötige technische Fachwissen, um in einem Layout die Auswirkungen auf die Produktion zu erkennen.

Wie verändert das Design-for-Production-Prinzip die Arbeit des Designers?

Der Designer muss sich Gedanken machen, was sinnvoll miteinander kombinierbar ist. Denn in der Kombination steckt – wie wir wissen – letzten Endes der Teufel im Detail: Manche Anforderungen und Wünsche – breite Sicherheitsfäden, Folienfenster und gleichzeitig aufwendige Druckverfahren über viele Stufen – funktionieren einzeln betrachtet wunderbar, brauchen aber im Zusammenspiel eine „Sonderbehandlung“. Damit wird es auch zu einer neuen Qualität des Designers, dass er oder sie nicht nur ästhetische, schöne Dinge schafft, sondern auch so gestaltet, dass die Sicherheit der Fertigung hinterher nicht mit Unwägbarkeiten und Risiken belastet wird.

Bei G+D Currency Technology wird also nur designt, was sich auch fertigen lässt?

Genau, das klingt jetzt ein bisschen banal, ist es aber nicht. Freie Designer und Künstler entwickeln oft Ideen und Designs, die höchst attraktiv aussehen, aber in einem Prozess des „Banknotizings“ – also des Umsetzens in Banknotenverfahren – noch sehr stark verändert werden müssen. Kunden mögen zwar ein Höchstmaß an Kreativität und Flexibilität, wollen aber aus gutem Grund gleichzeitig funktionstüchtige Banknoten erhalten. Dazu bieten wir über unseren Design For Production-Ansatz eine vollumfängliche Beratung an: Im Schulterschluss mit dem Kunden analysieren unsere Experten aus dem Produktmarketing und -management die Prozesse, evaluieren ihr technisches Risiko und steuern sie so, dass die Produktionsplanung mit validen Zahlen arbeiten kann.

Design For Production ermöglicht die Kommunikation über die einzelnen Wertströme, bringt die Technik auf eine Linie mit dem Design was wiederum eng mit der Produktion abgestimmt ist.

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Jürgen Zerbes , Director und Head of Product Marketing Banknotes bei G+D Currency Technology

Erfordert diese Arbeitsweise eine neue Kommunikationskultur und Prozessstruktur?

Unser Design for Production ermöglicht die Kommunikation über die einzelnen Wertströme, bringt die Technik auf eine Linie mit dem Design. Dieses Mitdenken stellt sicher, dass eventuelle Risiken erkannt werden und somit gar nicht erst auftreten. Zusätzlich haben wir eine übergeordnete Instanz eingeführt: einen Projektleiter, der von der Folie über Papier und Druck bis zur fertigen Banknote gesamtverantwortlich ist. Dieser Technische Industrialisierungsmanager, kurz TIM, begleitet das gesamte Banknotenprojekt und sorgt dafür, dass alle Beteiligten den gleichen Informationsstand haben. Das ermöglicht uns robuste Produktionsketten, die gleichzeitig auch über ein gewisses Maß an Toleranzen verfügen, sodass wir nicht bei den geringsten Abweichungen im nächsten Schritt ein Problem in der Fertigung generieren.

Was heißt das für den Kunden?

Ein Höchstmaß an Flexibilität und Stabilität. Weil wir uns auch auf Liefertermine einlassen können, die zunächst vielleicht kritisch erscheinen, über unseren Design for Production-Ansatz aber Risiken und Konflikte früh genug erkennen und einschätzen können. Und weil wir genau wissen, was auf uns zukommt, können wir konkrete Zusagen machen. Das können wir auch deshalb, weil wir Gesamtanbieter sind und sämtliche Produktionsprozesse vom Substrat über die Sicherheitsfeatures und den Druck bis ins Detail kennen. Dazu kommt, dass wir auch den kompletten Bereich der Banknotenbearbeitung bedienen und schon beim Design auf die Anforderungen eines automatisierten, digitalisierten Cash Cycles achten. Genau diesen ganzheitlichen Lösungsansatz meinen wir, wenn wir von Advanced Currency Management sprechen.


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