Die Bargeldfrage: Währungsmanagement für Zentralbanken

Die Zentralbanken stehen derzeit vielfältig unter Druck: einerseits aufgrund der steigenden Kosten für Banknotenherstellung und -management, andererseits wegen des allgemeinen Trends zur Digitalisierung und bargeldlosen Gesellschaft. Hinzu kommt die allgegenwärtige Rechenschaftspflicht im öffentlichen Sektor. In der Folge überdenken viele ihre Rolle im Geldkreislauf.

Die Geldkreislaufmodelle der Zentralbanken werden weltweit überarbeitet. Auswirkungen dieser Veränderungen sind überall spürbar, von der Infrastruktur über die Kompetenzen der Währungsabteilungen bis hin zu den Rollen verschiedener Partner und Dritter entlang der gesamten Wertschöpfungskette. In den letzten Jahrzehnten kamen drei unterschiedliche Währungsmanagementstrategien oder „Zentralbankstile“ auf, die von „kontrolliert/involviert“ über „nutzenorientiert/gepoolt“ bis „delegiert/minimalistisch“ reichen, wobei es einige Hybridmodelle gibt. Selbst die Zentralbanken von Ländern mit etablierten „Stilen“ stehen vor strategischen Herausforderungen bezüglich der Risiken und Kosten des Banknotenkreislaufs, die sie unaufhörlich von ihren Kernkompetenzen ablenken.
Trotz der Zunahme bargeldloser Zahlungen ist Bargeld noch lange nicht überholt. Im Gegenteil: Das physische Bargeldvolumen nimmt weltweit jährlich um 5 % zu. Zudem soll der weltweite Markt für Bargeldlogistik in den nächsten Jahren um jährlich 10 % wachsen. Außerdem wird die stabile Versorgung mit Banknoten hinreichender Qualität als öffentliche Dienstleistung wahrgenommen. Die Währungsabteilungen der Zentralbanken wurden dazu angehalten, den Kosten der Bargeldbestände den Kampf anzusagen. Das veranlasste sie dazu, die kommerziellen Abläufe des Kreislaufs zu untersuchen.


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Von Barnabas Ferenczi

There is More to Currency Management than Meets the Eye: Leadership Challenges – Auszug aus dem Buch „Banknote Management for Central Banks“.

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Steigende Kosten der Bargeldbestände

Banknoten und Münzen müssen angesichts der sinkenden Kosten der Reproduktionstechnologien immer besser gegen Fälschung geschützt werden. Neue Sensoren, Datenerfassungs- und Automatisierungslösungen sorgen für höhere Ansprüche an das Produktdesign. Gleichzeitig erhöhen auch andere Zentralbankabteilungen wie IT und Sicherheit den Qualitäts- und Kontrolldruck. Zudem schossen die Infrastruktur- und Arbeitskosten in einigen Teilen der Welt rasant in die Höhe. Zwar funktionieren Zentralbanken nicht nach dem Profit-Center-Prinzip, die wachsenden Kosten für das Währungsmanagement machen aber trotzdem Kosteneinsparungen in gleicher Höhe erforderlich.

Die Automatisierung hat die Banknotenbearbeitung von der Annahme (z. B. Einzahlung und Smart Safes) bis zur Ausgabe (Geldautomaten) und Cash-Center-Bearbeitung revolutioniert. Das Design wird immer ausgeklügelter, je mehr Sicherheitsmerkmale auf der Oberfläche der Banknote eingeführt werden, die sich sowohl fürs Bezahlen als auch für die maschinelle Bearbeitung eignen müssen. Zudem müssen die Banknoten zukunftssicher gestaltet werden, um kostspielige Nachjustierungen von Bearbeitungsmaschinen zu vermeiden.


Reaktionen der Zentralbanken auf den kommerziellen Bargeldsektor

Wahl eines Geldkreislaufmodells

Die Zentralbanken reagierten auf diesen Druck sehr unterschiedlich. Die Zentralbanken, die einen „kontrollierten“ Stil verfolgen (z. B. Deutschland, Belgien und verschiedene osteuropäische Länder) haben ihre vorherrschende Rolle im Kreislauf gestärkt, indem sie Prozesse weiter im eigenen Haus durchführen und damit für Geschäftsbanken und Werttransportunternehmen Systeme zur Bearbeitung großer Volumina überflüssig machen. Am anderen Ende des Spektrums haben sich die „minimalistischen“ Zentralbanken aus dem alltäglichen Bargeldkreislauf vollständig zurückgezogen und diese Aufgaben an den kommerziellen Sektor delegiert. Die „nutzenorientierten“ und Hybridmodelle liegen mit unterschiedlichen Graden von Prozessauslagerung, Automatisierung und Digitalisierung zwischen diesen beiden Polen.

Kontrollierter Stil: Erfolgsstrategien

Hier müssen die internen Abläufe schnell, zuverlässig, homogen und flexibel sein. Eine hoch zentralisierte operative Führung ist erforderlich, unterstützt durch starke IT- und Compliance-Tools. Die Währungsabteilung hat ein „Produktionsmanagement“-Profil. Die Risikofaktoren sind intern: sie ergeben sich aus der Infrastrukturmodernisierung und Automatisierung von manuellen Aufgaben und Sicherheit. Wird eine Modernisierung aber versäumt, ist suboptimale Effizienz die Folge. Erfüllt die Bank die Anforderungen nicht, kann es zu Engpässen und Qualitätsabweichungen kommen. Hier schafft Folgendes Abhilfe:

  • One-Touch-Logistik: durchgehende Harmonisierung der Bargeldbearbeitungseinheiten sowohl intern als auch mit externen Geschäftspartnern (Druckereien, Einleger usw.)

  • Papierlose Arbeitsweise: intelligentere IT-Tools und Währungssoftware, die sogar Währungsbewegungen und Arbeitsschritte prognostizieren kann

  • Automatisierung: Übernahme manueller Arbeiten von geringem Wert durch Maschinen, die vernetzt werden können, um eine nahtlose Produktionslinie zu schaffen

Delegierter Stil: Wirtschaftliches Denken

Minimalistische Zentralbanken (z. B. UK, Kanada, Indien, Australien) lassen ihre Geschäftspartner alltägliche Bargeldoperationen übernehmen. Die Banken sollen den Bargeldkreislauf steuern, aber möglichst wenig selbst tun. Optimierungen sind durch direkte Regulierung, marktsensible Transaktionsgebühren, Bilanzentlastungsmechanismen und Netzwerkkonsolidierung möglich. Der Privatsektor entwickelt innovative Strategien zum Ausgleich der steigenden Kosten. Die Zentralbanken müssen sicherstellen, dass diese Strategien nicht zur Erosion der Standards und Zunahme der Risiken führen. Sie können Folgendes einführen:

  • Ein angemessenes Banknotendesign mit einer Sicherheitsarchitektur, die die automatische Authentifizierung von Banknoten ermöglicht

  • Ein Rahmenwerk für die Umlauffähigkeit von Banknoten, das die Mindestqualität für eine Wiederinverkehrbringung festlegt

  • Strenge, aber faire Regeln bezüglich Sicherheit, Lizenzierung und Compliance für die kommerziellen Akteure, die an der Lagerung, dem Transport und der Bearbeitung von Währungsmitteln beteiligt sind

„Nutzenorientierte/gepoolte“ und Hybridmodelle

Beim nutzenorientierten Modell schließt die Zentralbank ihre Währungsoperationen mit ihren kommerziellen Bankpartnern zusammen. Üblicherweise konzentrieren sie sich auf Bargeldoperationen mit hohen Volumina mit oder ohne spezielle Beteiligung der Zentralbank (z. B. Mechanismus zur Bilanzentlastung). Manchmal dominieren diese Konstellationen den gesamten Kreislauf (Niederlande, Norwegen, Südafrika, Saudi-Arabien), in anderen Ländern (Brasilien, Mexiko, Türkei usw.) decken sie aber häufig nur einige Geschäftsbanken und einen Teil des Bargeldkreislaufs ab.

Zentralbanken als Vorreiter des Wandels

Alle oben genannten Modelle sind stabil und gut für die Wirtschaft, wenn sie konsequent umgesetzt werden. Allerdings sollten Zentralbanken den kommerziellen Teil ihrer Bargeldkreisläufe aktiv gestalten, wenn sie ihre Führungsrolle behalten möchten. Auch hier gilt das alte Sprichwort: „Wenn alles so bleiben soll, wie es ist, muss sich alles ändern.“


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Mit Beiträgen von Zentralbankern aus aller Welt bietet diese maßgebliche Publikation praktische Anleitungen zum Management des Bargeldkreislaufs in einem Sektor, den neue Technologien revolutionieren.

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