Bargeld und Digitalisierung – Gegensätze ziehen sich an

Es wird viel über die Zukunft des Bargelds diskutiert, nicht zuletzt auch angesichts der digitalen Transformation. Dabei schließen sich Substrat und Software nicht aus, im Gegenteil: Mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) kann das Bargeld von der technologischen Entwicklung profitieren – und damit auch Notenbanken sowie Geschäftsbanken.

In der öffentlichen Wahrnehmung steht Bargeld unter Druck. Mal ist vom „War on cash“ die Rede, mal von der anstehenden „Demonetarisierung“. Treiber der Entwicklung sind der Kampf gegen Schwarzgeld und Korruption, aber auch der Wunsch nach weniger Cash-Management-Aufwand im Handel. Und natürlich argumentieren auch die Vertreter der Digitalisierung gegen Münzen und Noten, um den gesamten Geldzyklus nahtlos in Software abbilden zu können.

Diese technische Entwicklung eröffnet gleichzeitig aber die große Chance, die Produktion von Bargeld und seine Distribution deutlich wirtschaftlicher als bisher zu gestalten. Grundlage hierfür bilden umfangreiche Analysen entlang des Bargeldzyklus, die aus kleinsten Abweichungen vom Zustand einer Note intelligente Schlüsse zulassen, die sich in großen Effekten für Zentralbanken niederschlagen. Ziel ist es, die Entwicklung und Produktion von Banknoten effizienter zu machen.


„Connected Banknote“ – Substrat und Software ergänzen sich ideal

Die technologische Grundlage

Technische Basis der Digitalisierung der Banknotenindustrie bilden Big Data und Künstliche Intelligenz (KI) – nur auf den ersten Blick ein Widerspruch zu den vermeintlich analogen Geldscheinen. „Banknoten sind ein hochkomplexes High-Tech-Produkt, das rund 40 bis 50 Sicherheitsmerkmale enthält“, erläutert Oliver Pannke, Head of Business Line Software and Eco-Systems bei G+D Currency Technology. Diese Merkmale erfassen die Bearbeitungssysteme der Zentralbanken detailliert: Moderne Prüfmaschinen ziehen aus jeder Banknote 800 bis 1.000 Datenpunkte heraus, etwa zur Haltbarkeit von Sicherheitsmerkmalen wie der Infraroterkennbarkeit oder Fluoreszenz. Individuelle Daten von Nutzern lassen sich aber aus diesen Verfahren nicht erheben, solche Informationen sind immer auf die einzelne Banknote bezogen.

In Zukunft können wir mit Smart Analytics bestimmen, ob einzelne Standorte der Zentralbank und der Maschinenpark vor Ort dem tatsächlichen Bedarf entsprechen.

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Oliver Pannke, Head of Business Line Software and Eco-Systems bei G+D Currency Technology

„Werden diese Daten über einen längeren Zeitraum in einem Land gesammelt, kann man die Langlebigkeit der gesamten Banknote oder ihrer individuellen Sicherheitsmerkmale unter den vorherrschenden regionalen Bedingungen analysieren und erkennen, welche Funktionen am haltbarsten sind“, berichtet Pannke. So lassen sich mit digitalen Technologien die Umlaufdaten der Noten mit den Anforderungen des jeweiligen Kunden verbinden und künftige Serien sowohl im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit als auch auf die Sicherheit optimieren. „Diese Entwicklung zeigt, dass auch Banknoten von der Digitalisierung profitieren – in der Connected Banknote liegt die Zukunft.“

Damit dies gelingt, nutzt G+D Currency Technology modernste Verfahren aus den Bereichen Deep Learning, Machine Learning und Data Mining. Die Algorithmen werden vom Entwicklungsteam mit einer Hälfte des vorliegenden Datenbestands für ihre Aufgaben trainiert. Ist das Modell vollständig erarbeitet, wird die andere Hälfte der Daten von den Forschern für intensive Tests verwendet. Je näher die Prognosen der Software an der Realität sind, desto größer ist die Leistungsfähigkeit der Modelle. Die Ergebnisse sind über die Analytics-Plattform von G+D Currency Technology via Browser zugänglich und können von Kunden mit individuellen Business-Intelligence-Tools für weitere Analysen verwendet werden.

Vielfältige Nutzungsszenarien

Anwendungsbereiche für die „Connected Banknote“ bei Zentral- und Notenbanken gibt es viele. So lässt sich beispielsweise berechnen, ob ein Schutzlack für eine spezifische Notenserie langlebiger ist als ein Nachdruck. Zudem geben die Daten Aufschluss über die Wirtschaftlichkeit des Filialnetzes: „In Zukunft können wir mit Smart Analytics bestimmen, ob einzelne Standorte der Zentralbank und der Maschinenpark vor Ort dem tatsächlichen Bedarf entsprechen“, sagt Pannke. Bei den Analysen wird auch auf Daten zugegriffen, die in Geldautomaten anfallen. Die Technologie entwickle sich derzeit mit einer rasanten Geschwindigkeit, berichtet der G+D-Softwareexperte: „Banknoten sind auf direktem Weg in das Industrial Internet of Things.“


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Trend-Report Digitalisierung

Weitere Informationen zum Einsatz der Künstlichen Intelligenz und zum wirtschaftlichen Potenzial der „Connected Banknote“ finden Sie unserem Trend-Report.