Intelligence inside

Wenn sie an Automatisierung denken, haben viele Leute noch immer Charlie Chaplin und seinen Klassiker „Modern Times“ vor Augen, auch wenn dies eine nostalgische und unrealistische Sicht der Dinge ist. Aber eines ist sicher: Automatisierung ist bahnbrechend – für jede Branche, jeden Kontext, jedes System.

„Selbst-Replikation ist ein wesentlicher Aspekt der Biologie, der in Systemen künstlicher Intelligenz weitgehend übersehen wurde. Hier beschreiben wir, wie man selbstreplizierende neuronale Netze baut und trainiert“, so schreiben Oscar Chang und Hod Lipton vom Department of Computer Science der Columbia University in New York in ihrem Artikel „Neural Network Quine“. Darin erklären die beiden Wissenschaftler, wie sich Software nicht nur selbst optimiert, sondern auch vermehrt. Das Prinzip des Überlebens des am besten Angepassten, sprich „survival of the fittest“, ist also beim Code angekommen. Gibt es noch mehr, was künstliche Intelligenz erreichen kann? Und wenn man die Idee eines sich selbst replizierenden Programms weiterdenkt, welche Art von Automatisierung wäre dann möglich?

Eine globale Kraft, die alle Tätigkeiten betrifft

Von der Software bis zur künstlichen Intelligenz, vom maschinellen Lernen bis zum Deep Learning, von der Kommunikation zwischen Maschinen bis hin zum kollaborativen Roboter – all diese Entwicklungen finden ihren Weg in die Automatisierung und steigern dadurch Produktivität und Effizienz. Aber dies bleibt nicht folgenlos: „Automatisierung wird eine globale Kraft, die alle Länder, alle Sektoren, alle Arbeitsplätze und alle Tätigkeiten betrifft“, heißt es im McKinsey-Bericht „A Future That Works: Automation, Employment, and Productivity“. Und weiter: „Schon heute spielen Maschinen und Algorithmen eine viel größere Rolle am Arbeitsplatz. Aber wie lange wird es dauern, bis wir alle die Auswirkungen der Automatisierungstechnologien spüren? Könnten Maschinen wirklich viele oder den größten Teil der Arbeiten ausführen, die Menschen heute verrichten – und wenn ja, ab wann?“
Die Automatisierung mag als eine einfache Übertragung von Aufgaben vom Menschen auf Maschinen erscheinen. Ihre wahre Stärke aber liegt in der Fähigkeit, traditionelle Arbeitsweisen von Unternehmen und Menschen grundlegend zu verändern. Maschinen verfügen – in Bezug auf Größenordnungen, Geschwindigkeit und die Fähigkeit, Komplexitäten zu reduzieren – über andere Stärken und Fähigkeiten als Menschen und können diese somit entscheidend ergänzen.

Agilität, Skalierbarkeit, Reaktionsfähigkeit und Transparenz

Während die vordigitale Wirtschaft hauptsächlich auf Effizienz ausgelegt war, sind in der digitalen Wirtschaft Agilität, Skalierbarkeit, Reaktionsfähigkeit und Transparenz entscheidend“, so Aman Katyal, Head of Supply Chain bei Capgemini Business Services, in der Publikation „Reimagining the Supply Chain in the Era of Intelligent Automation“.

Eine Transformation, die sich auf vier Säulen stützt: vernetzte Systeme, intelligente Prozesse, kognitive Analytik und autonome Ausführung. Und außerdem: neues Denken. „Eine erfolgreiche digitale Transformation entsteht nicht allein durch die Implementierung neuer Technologien, sondern durch die Transformation des jeweiligen Unternehmens, um die Möglichkeiten der neuen Technologien umfassend zu nutzen“, so Katyal weiter.
Es gilt also, sich neue Wege für Wachstum vorzustellen, um die heutige Tätigkeit für morgen relevant zu machen: Umstrukturierungen, um mit weniger mehr zu erreichen und bessere Geschäftsergebnisse zu erzielen, und die Entwicklung neuer, innovativer Arbeitsweisen. Beim Automatisierungsprozess implementieren und übernehmen Unternehmen die robotergesteuerte Prozessautomatisierung (RPA), automatisieren regelbasierte Prozesse mit Softwareprogrammen, die keine menschliche Interaktion erfordern, und wenden diese auf Systeme wie ERPs oder Datenbanken an.


Maschinen, die einen immer höheren Grad an Komplexität verstehen

Systeme, die menschliche Leistung erreichen und übertreffen

Noch weiter als RPA geht die intelligente Automatisierung, „die etwa maschinelles Lernen und dynamische Workflows umfasst“, so der Dienstleister Genpact. „Intelligente Automatisierung liefert extremen Mehrwert, indem sie lernt und sich immer weiter anpasst.“ Je besser Maschinen die menschliche Sprache samt Nachrichten und Blogs lesen und verstehen, desto besser werden sie Komplexitäten bewältigen und Daten und Zusammenhänge so strukturieren, dass ihre menschlichen Kollegen sie einfacher nutzen können. 
„Dadurch werden sie zu immer nützlicheren Assistenten, mit denen Menschen die Qualität ihrer Dienstleistungen verbessern können. Da KI-gestützte Systeme mehr Routinearbeiten übernehmen, wird der Mensch mehr Zeit für kreativere Aufgaben haben“, vermutet UBS Group Innovation im Whitepaper „Intelligent Automation“.
Eine Erkenntnis, die sogar in die hohe Politik vorgedrungen ist: „Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass Maschinen in den nächsten zwanzig Jahren eine breit anwendbare Intelligenz aufweisen werden, die mit der des Menschen vergleichbar ist, dürften Maschinen bei immer mehr Aufgaben die menschliche Leistung erreichen und übertreffen“, so die Studie „Artificial Intelligence, Automation, and the Economy“, die von der US-Regierung im Dezember 2016 veröffentlicht wurde.

Ergebnis werden wirklich intelligente Umgebungen sein, die den Menschen genau am richtigen Ort zur Verfügung stehen.

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Paul Daugherty, Chief Technology Officer bei Accenture

„Internet des Denkens“ dank Robotik, immersiver Realität und KI

Was bedeutet das in der Praxis? Die Logistik zeigt, wie weit die intelligente Automatisierung bereits fortgeschritten ist und neue Geschäfts- und Betriebsmodelle ermöglicht. Wenn Sendungen und Systeme per Bilderkennung überprüft werden können oder Software und intelligente Automatisierung einen völlig autonomen Transport ermöglichen und repetitive Aufgaben reduzieren, kann der Bediener sich auf anspruchsvollere Aufgaben konzentrieren. 

„Mit intelligenter Automatisierung können Unternehmen innovativ sein, ihre Agilität erhöhen, Systeme und Abläufe weniger komplex gestalten, ihre Markteinführungszeit verkürzen und kontinuierlich mit neuen Produkten und Dienstleistungen zu experimentieren“, erklärt Paul Daugherty, Chief Technology Officer bei Accenture.
Er prognostiziert sogar ein „Internet des Denkens“, das auf Robotik, immersiver Realität, künstlicher Intelligenz und vernetzten Geräten basiert und damit ein neues Maß technologischer Raffinesse  bringt. Hierzu müssen Unternehmen aber ihre Geschäftsprozesse und Strategien überarbeiten, vom Servicedesign über die Transformation der Infrastruktur bis hin zu Hardware. Daugherty formuliert es in Accentures „Technology Vision 2018“ wie folgt: „Ergebnis werden wirklich intelligente Umgebungen sein, die den Menschen genau am richtigen Ort zur Verfügung stehen.“


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Die wahre Stärke von Intelligent Automation liegt in der Fähigkeit, traditionelle Arbeits- und Betriebsweisen grundlegend zu verändern. G+D zeigt, wie dies auch in der Bargeldlogistik angewendet werden kann.

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