Zwei Seiten einer Geschichte

Banknotendesign ist viel mehr als einfach nur Design, erklärt Marc Mittelstaedt, Head of Design bei G+D. Man muss sich dabei mit verschiedenen Anforderungen sowie den Interessen der unterschiedlichen Akteure auseinandersetzen. Es muss eine Geschichte designt werden, die die Sicherheit verstärkt – sowohl hinsichtlich eingesetzter Technologien als auch in der Wahrnehmung der Nutzer.

Oberflächlich betrachtet, gilt bei Banknoten das Prinzip „What you see is what you get“, man erhält also das, was darauf dargestellt ist: ein Bild, eine Zahl, ein Wert – durch Farbe, Form und Muster verkörpert. Ist damit nicht immer Gewissheit verbunden: Man kann es akzeptieren, es ist vertrauenswürdig, man kann damit bezahlen?

Wir sind überzeugt, dass es so ist, und um sicherzustellen, dass wir diese zugrunde liegende Gewissheit vermitteln, müssen wir kombinieren, verbinden und gestalten. Damit aus einem Entwurf eine Banknote wird, bedarf es mehr als nur einer Druckvorlage. Eine Banknote mag auf den ersten Blick „flach“ aussehen (mit einem Hauch von Dreidimensionalität, wenn wir die Tiefe eines optisch variablen Sicherheitsmerkmals ergänzen), doch unsere Arbeit ist alles andere als zweidimensional. Im Hinblick auf die Designarbeit ist sie näher am Produktdesign als am Grafikdesign; sie hat mehr mit der Entwicklung eines Kotflügels gemein als mit der Gestaltung eines Hochglanzmagazins.


Woran liegt das?

Beim klassischen Grafikdesign kann man seine Vorstellungen ganz einfach in eine entsprechende Druckversion übertragen. Beim Banknotendesign muss man sich jedoch mit einer Vielzahl verschiedener Aspekte auseinandersetzen, von der Papierherstellung über eingebettete Sicherheitsmerkmale bis hin zur Maschinenlesbarkeit. Es ist eben dieser Prozess des Zusammenführens der einzelnen Fäden, der unsere Arbeit – und damit auch das Produkt – so faszinierend macht.

Die wahre Essenz unseres Designs? Menschen, etwas geben mit dem sie sich identifizieren

Wenn Papierherstellung, Sicherheitsmerkmale und Produktdesign geklärt und die Kundenwünsche erfüllt sind, bleibt wohl kaum noch Raum für Kunst und Kreativität – oder etwa doch?

Kunst und Kreativität sind gefragt, wenn es darum geht, die einzelnen Details zu kombinieren. Wenn wir die Anfrage bekommen, ein Designkonzept zu entwickeln, beginnen wir unsere Arbeit auf dem Papier. Danach geht es mit den großen Fragen weiter: Was ist die Basis, das Substrat? Polymer, Papier oder ein Hybridprodukt? Große oder kleine Wasserzeichen? Wie und wo werden Fäden, Folie oder Wasserzeichen eingebettet? All diese Punkte müssen im Entwurfsprozess bereits sehr früh berücksichtigt werden. Als Designer haben wir es mit verschiedenen Akteuren zu tun, die alle ihre eigenen Ideen und Konzepte haben. Eine Banknote ist das Ergebnis dieses Entwicklungsprozesses.

Banknoten sind also immer ein Kompromiss? Es gibt nicht die eine perfekte Lösung?

Natürlich sind Kompromisse nötig, und zwar meist auf beiden Seiten. Doch durch geschicktes Verbinden unseres Fachwissens mit der Erfahrung und den Erwartungen unserer Kunden gelingt es uns immer, überzeugende Lösungen zu entwickeln. Wir wissen, dass es so etwas wie die perfekte Banknote nicht gibt – zumindest nicht in dem Sinne, dass jede der Beteiligten sie als perfekt betrachten würde. Aber es gibt einen Kunden, ein Volk, ein Land, für den bzw. das unser Produkt funktionieren muss. Den Menschen etwas zu geben, mit dem sie sich identifizieren können, ist das Wesentliche an unserer Designarbeit.

Zwei Seiten, die miteinander „sprechen“

Wo bleiben bei all der Technologie und den vielen Kompromissen denn die Kunst und der Ehrgeiz, etwas Einzigartiges zu schaffen?

Wir erzählen einzigartige Geschichten! Der Trick dabei besteht darin, Vorder- und Rückseite der Banknote so zu verbinden, dass ein Handlungsbogen entsteht, der verschiedene Elemente umfasst. Eine Geschichte, die sich von der Vorder- zur Rückseite hin entwickelt, sodass beide Seiten miteinander „kommunizieren“. Anschließend integrieren wir die Sicherheitsmerkmale in das Design – beispielsweise greift ein Folienstreifen ein Designelement auf, sodass der Faden das Bild in eine Geschichte verwebt. Das bedeutet, dass Mission und Vision miteinander verschmelzen; die Banknote erzählt die Geschichte und eben dadurch wird die Sicherheit verstärkt – sowohl durch die eingesetzte Technologie als auch in der Wahrnehmung des Nutzers. Wenn wir eine Vielzahl formaler Sicherheitsmerkmale durch das Design miteinander verbinden und eine starke Geschichte zu erzählen haben, schaffen wir ein Gefühl von Sicherheit.

Es klingt so, als sei das Entwerfen von Banknoten deutlich komplizierter als das Entwerfen eines Kotflügels.

Natürlich, denn durch die Geschichte auf der Banknote schaffen wir eine Verbindung zwischen Geld und Menschen. Wir nutzen in der Regel einen bekannten nationalen Mythos oder ein Motiv, das die Bevölkerung sofort erkennt und mit dem sie sich identifizieren kann – etwas Bleibendes, das gut funktioniert, etwas, zu dem möglichst viele Menschen einen Bezug haben. Banknoten sind die Visitenkarten eines Landes.


Trotz aller nationalen Symbolik steht die Banknote als solche durchaus unter "digitalem Beschuss". Heißt das nicht, dass sie sich heutzutage ganz anders behaupten muss?

Vielleicht sollten wir stärker dafür werben und dieses Thema stärker in den Vordergrund rücken. Natürlich stehen wir mit alternativen Zahlungsarten – digitalen wie auch mobilen – im Wettbewerb. Bargeld ist ein öffentliches Gut, das für jeden einfach zu handhaben ist – man braucht weder ein Bankkonto noch ein Smartphone. Bargeld ist universell nutzbar und spielt eine wichtige Rolle bei der finanziellen Inklusion. Gelegentlich fehlt mir diese Seite des Bargelds in der Debatte – die wahre Bedeutung freien, uneingeschränkten Bezahlens.

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