Mehr Rentabilität durch Prognosen des Bargeldbedarfs

Die genaue Prognose des Bargeldbedarfs gewinnt zunehmend an Bedeutung, da Banken und Cash-in-Transit-Unternehmen aufgrund der aktuellen Pandemie auf schwankende Nachfrage reagieren müssen. Wir wollten von Tajan Joseph Kattacherry, Product Owner der Cash Forecasting Software, erfahren, warum die Prognose von Bargeld heute wichtiger ist denn je und wie neue Technologien dabei helfen können. Wir sprechen außerdem über die Vorteile, die Unternehmen mit fortschrittlicher Cash Forecasting-Technologie erzielen können, und erhalten Einblicke in die neuesten Trends.

Herr Kattacherry, vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmen, die Bargeld bearbeiten, heute und in Zukunft?

Die größte Herausforderung besteht heute darin, die Bargeldbearbeitung rentabel zu machen. Daher haben viele Geschäftsbanken die Bearbeitung ausgelagert oder sich zu Konsortien zusammengeschlossen. Bei beiden Strategien werden die Kosten durch Mengenrabatte gesenkt. Auch Werttransportunternehmen (Cash-in-Transit, CIT) stehen unter Kostendruck und müssen Preise und Routen sorgfältig aushandeln.

Tajan Joseph Kattacherry, Product Owner der Cash Forecasting Software

Eine weitere Herausforderung stellt die Tatsache dar, dass das Bargeldvolumen in einigen Gebieten abnimmt und in anderen zunimmt. Dadurch ist es schwierig, zukünftige Volumina vorherzusagen, zu bestimmen, ob neue Bearbeitungscenter benötigt werden, und die Preisgestaltung über die Vertragslaufzeit festzulegen. CIT-Unternehmen müssen die Technologie auf dem neuesten Stand und die Kosten möglichst niedrig halten. In bestimmten Gebieten ist bereits eine Konsolidierung der Branche erkennbar, zum Beispiel die Übernahme von G4S durch Brink‘s. G+D steht seinen CIT-Partnern zur Seite, damit diese wettbewerbsfähig bleiben.

Warum sind Bargeldprognosen so wichtig? 

Bargeldprognosen können die Kosten erheblich senken. So kann etwa die Prognose für Geldautomaten die Anzahl an erforderlichen Stopps des Geldtransporters drastisch reduzieren. Traditionell fährt der Kurier eine feste Route an einem bestimmten Tag und wird nach der Anzahl an Stopps bezahlt. Aus der Prognose von Versorgung und Bedarf kann jedoch hervorgehen, dass für einige Standorte eine weniger häufige Auffüllung ausreichend ist. Darüber hinaus ist eine genaue Bargeldprognose innerhalb der Filiale und beim Händler unerlässlich. Hier ein aktuelles Beispiel: Wir stellten kürzlich fest, dass bei einer Bank mehr als 50 Prozent Restgeld im Geldautomaten vorhanden waren. Es war daher nicht nötig, so häufig einen Kurier zu diesem Standort zu schicken. Das Streichen unnötiger Stopps spart Geld. Leiter lokaler Bankfilialen wünschen in der Regel ein Überangebot an Bargeld, damit ihre Geldautomaten nie leer sind und Kundenbeschwerden vermieden werden. Wir haben jedoch festgestellt, dass es viel einfacher ist, die Menge zu optimieren und Sicherheitsbestände zu reduzieren, wenn die Banken die Bargeldversorgung von einer zentralen Stelle und nicht von der Filiale aus verwalten. In fast allen Fällen führt dies zu geringeren Bargeldbestellungen und erheblichen Einsparungen. Genaue Prognosen machen es möglich!

 


Hat die Bargeldprognose durch die aktuelle COVID-19-Krise an Bedeutung gewonnen?

Die Pandemie hat verdeutlicht, wie wichtig es ist, unterschiedliche Szenarien simulieren zu können. Sie hat klar gezeigt, dass sich aus der Vergangenheit nicht immer auf die Zukunft schließen lässt! Einerseits waren viele Geschäfte geschlossen, sodass weniger gekauft wurde. Außerdem haben einige Läden die Annahme von Bargeld vermieden und sind vermehrt zu kontaktlosen Zahlungsarten übergegangen. Andererseits haben die Menschen mehr Geld für etwaige Notfälle abgehoben. Wenn das Geschäft wieder anläuft, können Prognosen dabei helfen zu ermitteln, wann und wo Bargeld benötigt wird. Wenn Bargeld seltener genutzt wird, können Prognosen paradoxerweise sogar noch nützlicher sein. Wenn ich zum Beispiel einen viel genutzten Geldautomaten habe, der jeden Tag aufgefüllt werden muss, ist es einfacher, das benötigte Bargeld für diesen Automaten zu ermitteln. Wenn er nur alle zehn Tage aufgefüllt werden muss, gewinnt die entsprechende Optimierung des Geldautomaten und der Routen entscheidend an Bedeutung. 


Welche neuen Technologien sind für Bargeldprognosen wichtig?

Bei unserer Lösung CashWebCommunity (CWC) ist künstliche Intelligenz ein grundlegender Faktor, und wir haben bereits KI-Algorithmen in unser Prognosesystem eingebettet. Wir arbeiten mit promovierten Statistikern zusammen, um noch schnellere Algorithmen zu entwickeln, und konzentrieren uns auf die Kombination von Routenoptimierung und Prognosen. 


Welche Kunden nutzen Bargeldprognosen bereits und mit welchem Ergebnis? 

Für Banken bedeutet es, dass weniger Bargeld nutzlos in einem Geldautomaten oder Tresor liegt. Für CIT-Unternehmen können Bargeldprognosen weniger Stopps – und damit geringere Kosten – bedeuten. Einer unserer CIT-Kunden wechselte von einem Modell mit Bezahlung nach Stopps zu einem Modell mit einer monatlichen Gebühr. Hier gab es den Anreiz, die Routen zu optimieren, um unnötige Stopps um 50 Prozent zu reduzieren. Das CIT-Unternehmen sparte Geld, indem es Arbeitsaufwand und Kraftstoffverbrauch reduzierte und trotzdem alle Service Level Agreements erfüllte.

Was ist das Besondere an dieser Bargeldprognose-Lösung?

Eine einzigartige Funktion ist beispielsweise unsere Feedbackschleife, die sicherstellt, dass die geplante Route eingehalten wurde. Wenn ein Auftrag in letzter Minute storniert wird, berücksichtigt das System dies für den nächsten Tag. Diese bei Paketzustellungssystemen für Endverbraucher gängige Funktion ist einer der Vorteile von CWC, den unsere Konkurrenz derzeit nicht in einer derart integrierten Form anbietet. Zudem bestimmen wir den besten Algorithmus basierend auf dem Datensatz – Regression oder KI. Auf Grundlage von Forschung haben wir mehrere Prognoseverfahren ermittelt, sowohl Autoregressions- als auch selbstlernende Verfahren. 

Anhand der verfügbaren historischen Muster entscheiden wir gemeinsam mit dem Kunden, welcher Algorithmus verwendet werden soll. Im Laufe der Zeit wird diese Entscheidung überprüft, und es kann gegebenenfalls ein anderer Algorithmus angewendet werden. Bald wird die Wahl des Algorithmus automatisch erfolgen.

Welche neuen Technologien werden Ihrer Meinung nach in den nächsten 5 bis 10 Jahren für Unternehmen und Behörden, die Bargeld bearbeiten, am wichtigsten sein? Gibt es regionale Unterschiede?

Für die Zukunft sehe ich einen stärkeren Fokus auf Data Intelligence, eine vermehrte Nutzung von Robotik und intelligentere Hardware für stärker automatisierte Prozesse. Durch mehr Automatisierung innerhalb des Cash-Centers können auch die Volumina gesteigert werden. Netzwerkprognosen können dabei helfen, dies zu simulieren und den Bargeldfluss vor und nach Upgrades zu vergleichen. Ich gehe auch davon aus, dass eine Auslagerung weiterhin notwendig sein wird. Das führt zu größeren Cash-Centern. Regional wirken sich die Arbeitskosten auf die Amortisation der Automatisierung aus. Doch je weniger Menschen in der Bargeldbearbeitung tätig sind, desto geringer sind die Verluste durch Fehler und Diebstahl. Somit sind Automatisierungssysteme wie zum Beispiel NotaTracc® überall auf der Welt wertvoll. In dem kürzlich veröffentlichten Artikel „Zeig mir das Geld“ hat mein Kollege Ross Knight drei Technologien identifiziert, die – auch meiner Meinung nach – für die Zukunft von Bedeutung sind: Routenoptimierung, Self-Service und dynamische Zeitplanung.

Schließlich bin ich der Meinung, dass Cash Forecasting Software immer häufiger eingesetzt und zu einem integralen Bestandteil der Bargeldverwaltung werden wird.


Was empfehlen Sie bargeldbearbeitenden Unternehmen, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

Schicke Transportfahrzeuge sind nicht so wichtig! Das war in den 1990er Jahren von Bedeutung. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf IT und Automatisierung und darauf, wie Sie dazu beitragen können, Innovation voranzutreiben, um Prozesse im Bargeldkreislauf zu optimieren. Wie bereits erwähnt, gibt es Modelle mit einer festen monatlichen Gebühr (im Gegensatz zur Anzahl an Stopps), mit denen die Effektivität gesteigert wird. Der Einzelhandel ist es gewohnt, einen gewissen Prozentsatz für elektronischen Zahlungsverkehr zu zahlen. Können Sie dasselbe Modell für Bargeld anbieten?

Das letztendliche Ziel ist es, von Verkaufsstopps und Bargeldzählung weg zu kommen und dem Einzelhandel zu helfen, Probleme mit Bargeld zu vermeiden. Wenn Sie in der Lage sind, die manuelle Bearbeitung zu reduzieren und eine einfache Lösung anzubieten, können Sie den Einzelhandel davon überzeugen, dass Bargeld eine profitable Zahlungsart ist, die er weiterhin akzeptieren sollte.

Bargeld ist ein attraktives Zahlungsmittel. Wie tragen Bargeldprognosen dazu bei, dass es so bleibt?

Papiergeld muss nicht teurer sein als elektronische Zahlungen. Oft kann es kostengünstiger sein. Die Endverbraucher lieben Bargeld nach wie vor. Technologie, wie etwa Smart Safes, sorgt dafür, dass Zahlungen viel schneller und mit weniger manuellem Aufwand auf dem Geschäftskonto gutgeschrieben werden können. Ich gehe davon aus, dass Smart Safes für viele Unternehmen zum Standard werden. Der Datenfluss von Smart Safes kann nachverfolgt und als Teil unserer Cash Forecasting Software verwendet werden. Viele der Kompakt- oder Tischlösungen von G+D, wie etwa BPS® C2 und BPS® C5, können Bargeld schnell und zuverlässig prüfen, zählen, sortieren und bündeln. Dadurch fallen viele Stunden manueller Bearbeitung weg, selbst bei kleineren Mengen. Durch Automatisierung sind Barzahlungen einfacher zu handhaben und für den Einzelhandel attraktiver.


Wann sollte sich eine Bank oder ein Bargelddienstleister mit dem Thema Prognose beschäftigen?

Prognosen sollten immer Teil des Ressourcenplanungsprozesses sein. Für CIT-Unternehmen sind sie unerlässlich für die Steuerung des gesamten Betriebs. Für Zentralbanken ermöglichen Prognosen die Optimierung von Bargeldbestellungen bei einer Druckerei. Es gibt zum Teil Druckereien und Treasury Departments, die sich auf ein einziges „Genie“ verlassen, eine äußerst begabte und erfahrene Person, die aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrung und einer speziellen Tabellenkalkulation die zu druckende Menge an Bargeld ermittelt. Wenn diese Person in den Ruhestand geht oder sich die Lage plötzlich drastisch ändert, wie es bei der COVID-19-Pandemie der Fall war, kann die Umstellung schwierig sein. Durch Prognosen fallen Spekulationen weg, und die Entscheidungsfindung erfolgt stärker datengesteuert.


Welche Trends erkennen Sie im Hinblick auf Prognosen? Welche neuen Lösungen stehen in den Startlöchern?

Der wichtigste Trend ist die Planung von CIT-Routen mithilfe von Prognosen. Wenn Geldtransporter nicht mehr nach Stopps bezahlt werden, ändert sich das Gesamtbild. Wir helfen unseren Kunden, unterschiedliche Szenarien zu simulieren und die Ergebnisse zu erkennen. Prognosen sind auch bei der Planung von Cash-Centern hilfreich. Wenn ich zum Beispiel einen Neukunden mit 500 Geldautomaten habe – brauche ich dann ein neues Cash-Center? Was passiert, wenn seine Bargeldeinzahlungen um 50 Prozent sinken? Wann muss ich ein Cash-Center schließen? Diese Überlegungen mit „Was-wäre-wenn“-Szenarien unterstützen CIT-Unternehmen und Cash-Center dabei, über mehrere Jahre hinweg verschiedenste Eventualfälle einzukalkulieren. Per Zufall fiel die Einführung unserer Network Forecasting-Lösung mit der größten Weltwirtschaftskrise seit Jahren zusammen. Wir können unseren Kunden helfen, sich an neue Situationen anzupassen und auf niedrigere (oder höhere) Bestellungen angemessen zu reagieren.

Zukünftige Projekte umfassen neue Engines für KI, neue Prognosefunktionen, verbesserte Verbindungen mit der Compass-Software und verbesserte Auftragsoptimierung. Unsere Wissensquelle ist exponentiell mit unserem erweiterten Entwicklungsteam und unserem Kundenstamm gewachsen, der mittlerweile Bargeldexperten auf der ganzen Welt umfasst.

Weiterführende Themen