Haltbarkeitstest von 10-Euro-Banknoten zur Überprüfung der Widerstandsfähigkeit und Langlebigkeit des Materials
#Currency Management

Rohstoff Banknote

Technische Innovation
5 Min.

Banknote Fiber Extraction (BFE®) revolutioniert die Wiederverwertung von Banknoten am Ende ihres Lebenszyklus. Aus unfitten Banknoten gewonnene Fasern werden zu kommerziell verwertbaren Produkten weiterverarbeitet: Dadurch eröffnet sich ein neuer Weg zur Nachhaltigkeit im Cash Cycle – mit Auswirkungen weit über die Währungsindustrie hinaus.

Weltweit nimmt die Anzahl der im Umlauf befindlichen Banknoten weiter zu. Eine aktuelle Untersuchung, die mehr als hundert Währungen zwischen 2013 und 2023 analysiert hat, kommt zu dem Ergebnis, dass „die mittlere Wachstumsrate über den gesamten Zeitraum bei über 4 % lag“. Mit anderen Worten: In mindestens der Hälfte aller Länder wuchs die Bargeldmenge jährlich um 4 % oder mehr.1 

„Für viele Bürgerinnen und Bürger ist Bargeld nach wie vor die einzige verfügbare Zahlungsoption“, heißt es in der Studie weiter.2 Doch auch darüber hinaus ist Bargeld weiterhin attraktiv: als unabhängiges Zahlungsmittel und als stabiler Wertspeicher, besonders in Zeiten wirtschaftlicher Krisen und politischer Unsicherheit.

All dies zeigt: Bargeld bleibt, auch wenn Produktionsprozesse und ein reibungslos funktionierender Bargeldkreislauf herausfordernd sein können; zudem rücken die ökologischen Auswirkungen zunehmend in den Vordergrund. 

Nachhaltigkeit gilt inzwischen als mitentscheidender Faktor für sämtliche Bereiche des Bargeldkreislaufs, daher lohnt auch ein genauer Blick darauf, was passiert, wenn eine Banknote das Ende ihres Lebens erreicht.

Nachhaltigkeit und Wiederverwertung

Unabhängig davon, wie robust oder hochwertig eine Banknote gefertigt wurde, wird sie irgendwann unbrauchbar. Bisher hieß das: vernichten und sicher entsorgen. Eine Praxis, die gleichzeitig eine grundlegende Frage aufwirft: Lässt sich eine Banknote am Ende ihres Lebenszyklus nicht besser nutzen?

„Wir standen jahrelang vor der Herausforderung, hochwertige Baumwollfasern für Banknoten zu verwenden und das Restmaterial zu entsorgen“, berichtet Alexander Tantscher, Director Head of Research and Development/Technology Substrates and Security Paper bei G+D. „Damit zahlten wir doppelt: für die Beschaffung der Fasern und für deren Entsorgung.“

Ein Aufwand, der weder wirtschaftlich sinnvoll noch ökologisch tragbar war. Es brauchte eine effiziente, nachhaltige und skalierbare Alternative.

Banknote Fiber Extraction: Lösung für sichere und nachhaltige Vernichtung unbrauchbarer Banknoten

Der wirtschaftliche Anreiz zur Wiederverwendung

Der entscheidende Impuls kam, als die Frage nach der Wertschöpfung aus unbrauchbaren Banknoten mit dem umfassenden Nachhaltigkeitsanspruch von G+D verknüpft wurde. Repurposing – die Weiterverwendung von Materialien für neue Zwecke – wurde zum Leitgedanken. Zwar hatten die betreffenden Banknoten ihr „Lebensende“ erreicht, doch ihre wertvollen Bestandteile blieben erhalten. Könnte man sie extrahieren und weiterverwenden, ließe sich ihre Lebensdauer signifikant verlängern – und sie wären weit mehr als nur Abfall.

„Wir müssen aufhören, Banknoten als Wegwerfartikel zu betrachten – und anfangen, ihren bleibenden Wert zu erkennen“, sagt Ferdinand Storek, Head of Cash Life Cycle Solutions Central Bank and Printworks bei G+D. Denn aus dieser Perspektive endet die Nutzbarkeit einer Banknote nicht mit dem Verlust ihrer Zahlungsfunktion. Die hochwertigen Fasern lassen sich zurückgewinnen und an anderer Stelle sinnvoll einsetzen.

Sobald man etwas nicht mehr als Wegwerfprodukt, sondern als Ressource mit bleibendem Wert sieht, kann man Wege finden, es wieder in den Kreislauf zurückzuführen oder weiterzuverwenden.

Ann-Kathrin Röndigs
Group Vice President Sustainability bei G+D

BFE® weist den Weg

Das Verfahren der Banknote Fiber Extraction (BFE®) wurde von G+D konsequent unter ökologischen Gesichtspunkten entwickelt. Es arbeitet trocken, heißt: ohne Wasser, ohne Chemikalien. Das senkt die Umweltbelastung des Prozesses erheblich, wie Forschungsleiter Alexander Tantscher erklärt.

Und: Der extrahierte Faserstoff findet direkt im Unternehmen neue Verwendung. „Wir haben die BFE®-Fasern erfolgreich in unsere Betriebsabläufe integriert und verwenden sie unter anderem zur Herstellung von Verpackungsmaterial“, sagt Tantscher. „Wir haben bis zu einem Drittel BFE®-Fasern in Kartonmaterialien eingearbeitet, ohne Qualitätseinbußen.“

Ursprünglich entwickelt, um Abfälle in der eigenen Produktion zu reduzieren, trifft die Technologie einen Nerv. „Zentralbanken weltweit verfügen über große Mengen unbrauchbarer Banknoten“, sagt Ann-Kathrin Röndigs, Group Vice President Sustainability bei G+D. „Diese würden normalerweise verbrannt oder deponiert. Mit BFE® können sie einer neuen Verwendung zugeführt werden.“

Das rosafarbene Material sind Baumwollkämmlinge, die für die Banknotenherstellung verwendet werden
Geschredderte Banknotenfasern, die im Rahmen der BFE-Recyclinglösung von G+D gewonnen werden

Ein bleibender Effekt

„Am Anfang war BFE® ein rein technisches Projekt“, erinnert sich Tantscher. „Wir wollten ein Abfallproblem lösen. Doch mit der Zeit veränderte sich etwas Grundsätzliches: Wir begannen, nicht mehr umlauffähige Banknoten als Rohstoffe zu betrachten.“

Heute geht es für ihn und sein Team um weit mehr als Effizienz: Es geht um Verantwortung, um Ressourcenschonung, um langfristigen Impact. „Damit ist auch ein neuer Sinn jenseits von Produktionskennzahlen entstanden. Und eine Neugier, die herkömmliche Methoden infrage stellt, wenn dies bedeuten kann, unsere Prozesse nachhaltiger zu gestalten.“

Parallel dazu wächst das Interesse anderer Branchen. Verpackungs- und Textilhersteller haben bereits bei G+D angefragt. Überall dort, wo hochwertige Baumwoll- oder Zellulosefasern verarbeitet werden, spielt Faserrückgewinnung eine zentrale Rolle.

„Industrien, die mit hochspezifischen Baumwoll- oder Zellulosematerialien arbeiten, erkennen, dass das Ende der Lebensdauer nicht das Ende der Verwendung bedeutet“, sagt Tantscher. Die Technologie wird sich weiterentwickeln, doch das Potenzial ist klar erkennbar.

Das Leben unbrauchbarer Banknoten zu verlängern, findet inzwischen branchenweit Anerkennung: Die Papierfabrik Louisenthal GmbH und ihre BFE®-Lösung wurden auf der High Security Printing (HSP) Latin America 2025 mit dem erstmals vergebenen Environmental Project Award ausgezeichnet.3

„Alles beginnt mit einem Perspektivwechsel“, fasst Ann-Kathrin Röndigs zusammen. „Sobald man etwas nicht mehr als Wegwerfprodukt, sondern als Ressource mit dauerhaftem Wert betrachtet, eröffnen sich neue Wege, es in den Kreislauf zurückzuführen oder weiterzuverwenden. Genau diese Haltung prägt unser Handeln bei G+D.“

Key Takeaways

  • Nachhaltigkeit bleibt für Zentralbanken weltweit ein wichtiges Thema.
  • Der Bargeldkreislauf ist nach wie vor von entscheidender Bedeutung für die wirtschaftliche und soziale Stabilität weltweit. Angesichts seiner Bedeutung ist es klar, dass jeder Teil des Kreislaufs – einschließlich der Entsorgung von Banknoten am Ende ihres Lebenszyklus – unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit betrachtet werden muss.
  • Die Anwendung von BFE®, um unbrauchbare Banknoten wiederzuverwerten, kann Teil der Nachhaltigkeitsstrategie einer Zentralbank sein.
  1. Impacts of Recent Developments on the Cash Cycle: A Global Analysis, Antti Heinonen/CashEssentials, 2025 https://cashessentials.org/impacts-of-recent-developments-on-the-cash-cycle-a-global-analysis/

  2. Ibid.

  3. Design and Innovation in Banknotes and ID Recognised at HSP Latin America 2025, Reconnaissance, 2025, https://reconnaissance.net/design-and-innovation-in-banknotes-and-id-recognised-at-hsp-latin-america-2025/

Veröffentlicht: 02.12.2025

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