A Brazilian woman uses a CBDC app for making a payment on her smartphone while being at a market.
#CBDC #Digital Payments

CBDC & IPS: Es geht nicht um ein Entweder-oder

Expertenbeitrag
6 Min.

Für eine Zentralbank ist die Wahl zwischen einer digitalen Zentralbankwährung für die Allgemeinheit (rCBDC) und einem Instant-Payment-System (IPS) eine falsche Dichotomie. Zwar weisen beide gewisse Gemeinsamkeiten auf und ermöglichen viele der gleichen Ziele, darunter finanzielle Inklusion und Innovation, doch wurden sie für unterschiedliche Zwecke entwickelt. Richtig konzipiert, können sie sich daher optimal ergänzen.

„Um digitale Zahlungen voranzutreiben, Innovationen zu fördern und die Sicherheit und Effizienz im Finanzsektor zu verbessern, stehen den Zentralbanken mehrere Instrumente zur Verfügung“, heißt es in einem Papier der BIZ aus dem Jahr 2024.1 Darin werden insbesondere zwei Instrumente genannt: Retail-CBDCs und Instant-Payment-Systeme (Sofortzahlungssysteme) (IPS; manchmal auch als Fast-Payment-System oder FPS bezeichnet).

Es ist selbstverständlich, dass Zentralbanken „digitale Zahlungen vorantreiben“ müssen. Angesichts des weltweiten Tempos der Digitalisierung wäre es fahrlässig, dies nicht zu tun. Zu den Aufgaben der Zentralbanken gehört jedoch auch, die Interessen ihres Landes und seiner Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Daher müssen Souveränität, Sicherheit und Effizienz gewährleistet sein.

Sowohl CBDCs als auch IPS weisen in diesem Zusammenhang gewisse Vorteile auf. CBDCs werden aktuell weltweit in verschiedenen Testphasen erprobt. Sollte die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Zeitplan einhalten, können voraussichtlich in der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre mehr als 350 Millionen Menschen in der Eurozone einen digitalen Euro für Zahlungen nutzen.2 Die Stärke von IPS wird beispielsweise durch den Erfolg von PIX in Brasilien und von UPI in Indien demonstriert. 

Tatsächlich arbeiten viele Länder, darunter auch Brasilien und Indien, parallel sowohl an einer CBDC als auch an Instant-Payment-Systemen. Kwame Oppong, Leiter FinTech und Innovation bei der Bank of Ghana, erklärte in einer in diesem Jahr veröffentlichten Umfrage: „Wenn man bedenkt, wie sich Zahlungen entwickeln, glauben wir, dass diejenigen, die jetzt zu einem IPS übergehen, später ohnehin zu einer CBDC wechseln werden, also können wir genauso gut gleich diesen Weg einschlagen.“3 Er steht mit dieser Meinung nicht allein da: 48 % der Befragten derselben Studie erwarten die Einführung einer CBDC innerhalb der nächsten fünf Jahre.4

Um zu ermitteln, wie diese beiden Systeme einander ergänzen könnten, werfen wir einen Blick auf die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede.

An Indian shopkeeper shows a customer and his family how they can pay easily with their smartphone.

CBDC & IPS – wertvolle Instrumente für Zentralbanken

„Eine CBDC ist öffentliches Geld in digitaler Form. Sie wird von einer Zentralbank ausgegeben, um bestimmte Herausforderungen wie finanzielle Ausgrenzung oder die Wahrung der Währungshoheit zu bewältigen“, erklärt Roman Hartinger, Senior Business Analyst Digital Currencies bei G+D. „Ein IPS ist ein Instrument zur Abwicklung von Transaktionen mit Geschäftsbankengeld, das den sofortigen Transfer zwischen privatwirtschaftlichen Akteuren ermöglicht. Es verbessert ebenfalls die finanzielle Inklusion und die Effizienz im Zahlungsverkehr.“ 

Im Wesentlichen erfüllen sowohl CBDCs als auch IPS sehr wichtige Anforderungen an ein funktionierendes Zahlungsökosystem.

„Sie haben einige Eigenschaften gemeinsam, die Zentralbanken schätzen“, betont Daniel Nagy, Senior Business Analyst Digital Currencies bei G+D. Unter anderem ermöglichen sowohl gut konzipierte CBDCs als auch IPS sofortige, kostengünstige Überweisungen und fördern die Effizienz und Interoperabilität des Zahlungsverkehrs. Beide bieten die Möglichkeit, auf öffentlicher Infrastruktur aufgebaut zu werden, während sie gleichzeitig Raum für die Dynamik und Innovation privater Akteure, einschließlich Zahlungsdienstleister (PSPs), lassen.

Tatsächlich kann ein IPS auch mit einer vollständig privaten Infrastruktur aufgebaut werden, die Innovationen ermöglicht und gleichzeitig Sicherheit und Effizienz im Finanzsektor verbessert. Die Benutzerfreundlichkeit und der Echtzeitcharakter eines IPS können den Nutzerinnen und Nutzern helfen, ihre Finanzen besser zu verwalten. Außerdem erfordert ein IPS in der Regel nur ein einfaches Mobiltelefon oder Ähnliches und einen einfachen Internetzugang. 

Seine Online-Funktionalität kann jedoch an Orten mit Infrastrukturproblemen oder bei Ereignissen wie beispielsweise dem Stromausfall in Spanien und Portugal im April 2025 von Nachteil sein. Die Offline-Funktionalität einer gut konzipierten CBDC kann sich in dieser Hinsicht als vorteilhaft erweisen, wie wir später noch detaillierter erläutern werden.

Wenn sie in den passenden Kontexten zum Einsatz kommen, tragen sowohl CBDCs als auch IPS zur finanziellen Inklusion bei. In vielen Teilen der Welt ist dies eine der wichtigsten Aufgaben einer Zentralbank. Dieser Aspekt sollte bei der Bewertung der Attraktivität und Einzigartigkeit einer CBDC berücksichtigt werden.

Es besteht ein wachsender Bedarf an einem digitalen Äquivalent zum Bargeld, das sicher, effizient und für alle Bürgerinnen und Bürger zugänglich ist.

Roman Hartinger
Senior Business Analyst Digital Currencies bei G+D

Einzigartige Merkmale einer CBDC

Eine CBDC ist Geld der Zentralbank, genauso wie Bargeld. Sie birgt kein Konkursrisiko. Sie kann von jedermann verwendet werden. Da sie in der Regel tokenbasiert ist, kann sie direkt zwischen Nutzerinnen und Nutzern übertragen werden, ohne dass ein Bankkonto erforderlich ist. Es erfolgt keine Weitergabe persönlicher Daten an Dritte. Und wenn sie gut konzipiert ist, ist sie auch offline nutzbar.

In Regionen mit eingeschränkter Infrastruktur ist die Offline-Funktionalität von entscheidender Bedeutung, um unterversorgte Bevölkerungsgruppen in das digitale Finanzökosystem einzubinden. Sie ist aber auch ein entscheidender Faktor für die Widerstandsfähigkeit einer Währung. Bargeld genießt zu Recht Anerkennung für seine stabilisierende Funktion, insbesondere in turbulenten Zeiten. Eine gut konzipierte CBDC hat eine ähnliche Wirkung. Eine nationale Währung muss unter allen Umständen zuverlässig funktionieren, auch bei extremen Bedingungen wie technischen Störungen, Stromausfällen, Naturkatastrophen und Cyberangriffen. G+D hat es sich zur Aufgabe gemacht, sichere und nahtlose Offline-Zahlungen zu gewährleisten, da diese für den Erfolg einer CBDC-Lösung von entscheidender Bedeutung sind. Unser tokenbasiertes CBDC-System G+D Filia® ermöglicht die Abwicklung dualen aufeinanderfolgenden Offline-Zahlungen und trägt so zur Robustheit und Zuverlässigkeit bei. Die Lösung G+D Filia® Unplugged kann beispielsweise in IP-Systeme integriert werden, um diese um Offline-Funktionen zu erweitern.

„Selbst die fortschrittlichsten IPS sind letztlich auf Strom-, Internet- und Telekommunikationsverbindungen angewiesen“, so Abbas Albasha, Senior Strategy Consultant CBDC bei G+D. „Wenn eine dieser Infrastrukturen ausfällt, könnte das gesamte Zahlungssystem erheblich gestört werden.“ 

Darüber hinaus werden programmierbare Zahlungen mit CBDCs vielseitiger und eröffnen eine breite Palette von Anwendungsfällen.

Eine Regierung kann CBDCs nutzen, um Wohlfahrts-, Konjunktur- und andere Sozialzahlungen direkt an die Bürgerinnen und Bürger auszuzahlen, auch an diejenigen, die keine Bankverbindung haben.

So können CBDCs Teil einer größeren digitalen öffentlichen Infrastruktur werden und den Bürgerinnen und Bürgern einen effizienten Zugang zu Bereichen bieten, die für den privaten Sektor weniger attraktiv sind. „Es besteht ein wachsender Bedarf an einem digitalen Äquivalent zum Bargeld, das sicher, effizient und für alle Bürgerinnen und Bürger zugänglich ist“, betont Hartinger. CBDCs erfüllen diese Anforderung. 

Es gibt jedoch noch einen weiteren Aspekt, wie CBDCs die digitale Wirtschaft stärken.

Ein geldpolitischer Anker

Zentralbanken schätzen Souveränität. Angesichts des starken Vordringens globaler Akteure in die digitale Wirtschaft hat sich dies zum Hauptantrieb für CBDC in vielen Ländern entwickelt. Es ist jedoch von entscheidender Bedeutung, die Perspektive zu wahren.

„Eine CBDC stellt kein Allheilmittel dar“, fügt Nagy hinzu. „Sie kann jedoch als Teil eines größeren politischen Programms hilfreich sein, da sie ein zentralbankgestütztes Zahlungssystem als Alternative zu extern betriebenen und verwalteten Plattformen bietet.“

In diesem Zusammenhang ist es aufschlussreich, eine der entscheidenden Funktionen des öffentlichen Geldes zu beleuchten. „Mit dem Fortschreiten der Digitalisierung in der Wirtschaft nimmt die Nutzung privater Geldformen in der Bevölkerung zu. In einem digitalen System kann Bargeld aber nicht eingesetzt werden. Mit einer CBDC kann öffentliches Geld in diesem Bereich präsent sein und dabei seine Funktion als monetärer Anker bewahren“, so Albasha. Ein monetärer Anker, den die Zentralbank herausgibt, um die Kontrolle über die Finanzinfrastruktur zu bewahren und Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Einflüssen zu gewährleisten. 

A smartphone rests on a wooden table next to a QR code for digital payment transactions.

Der Blick nach vorn

Die Idee der „Zukunftssicherheit“ ist angesichts des raschen Wandels in unserer Welt durchaus umstritten. Dennoch ist es eine Tatsache, dass Zentralbanken nach Stabilität streben. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Vorbereitung auf die Zukunft. 

„Anarchie ist ein starkes Wort“, gibt Nagy zu bedenken, „aber es kann eine Art von Anarchie drohen, wenn die Regulierung völlig gelockert wird.“ Die Innovationen privater Akteure sind durchaus willkommen, jedoch kann der unkontrollierte Fluss privaten Geldes durch das System weitere Probleme verursachen, einschließlich finanzieller Instabilität. Tokenisiertes öffenliches Geld bringt ein gewisses Maß an Kontrolle in das System und macht es dadurch widerstandsfähiger und schockresistenter.

Der Bereich der digitalen Zahlungen wächst rasant. Eine gut konzipierte CBDC ermöglicht es den Zentralbanken, die notwendige Aufsicht sowohl jetzt als auch in Zukunft aufrechtzuerhalten und sicherzustellen, dass die Bedürfnisse und Interessen aller Bürgerinnen und Bürger wirksam erfüllt und geschützt werden. Ob allein oder zusammen mit einem IPS, bietet sie die Sicherheit und Stabilität, die ein dynamisches digitales Finanzsystem benötigt.

Key Takeaways

  • Eine Zentralbank muss sich nicht zwischen einer Retail-CBDC und einem IPS entscheiden: Sie können zusammen eingesetzt werden.
  • Zentralbanken schätzen Widerstandsfähigkeit und streben nach Souveränität: CBDCs fördern diese Ziele auf verschiedene Weise.
  • Als eine digitale Form von öffentlichen Geld können CBDCs als monetärer Anker in der schnell wachsenden digitalen Wirtschaft fungieren.
  1. Central bank digital currencies and fast payment systems: rivals or partners? Aurazo, Banka et al. for BIS/World Bank, 2024, https://www.bis.org/publ/bppdf/bispap151.htm

  2. https://www.ecb.europa.eu/euro/digital_euro/html/index.en.html  

  3. CBDCs: it’s time for action. Why central banks should take the next step. G+D & Digital Monetary Institute/OMFIF, 2025, GD-OMFIF-2025-CBDCs-Report.pdf 

  4. Ibid.

Veröffentlicht: 02.09.2025

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