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#eSIM #IoT

Die Treiber softwaredefinierter Fahrzeuge

Insights
6 Min.

Die Automobilindustrie setzt zunehmend auf softwaredefinierte Fahrzeuge, während die Nachfrage nach vernetzten Autos wächst. Dafür sind sichere, flexible Konnektivitätslösungen über den gesamten Lebenszyklus nötig – von der Produktion bis zum Flottenbetrieb. Die neuen eSIM-Technologien IFPP und SGP.32 schaffen dafür die Basis.

Die Automobilindustrie hat in den vergangenen Jahren einen tiefgreifenden Wandel erlebt. Einer der wichtigsten Trends ist die Entwicklung hin zu softwaredefinierten Fahrzeugen (Software-Defined Vehicles, SDVs). Laut einer aktuellen Deloitte-Studie sollen bis 2030 rund 81 Prozent der Flotten von Automobilherstellern (OEMs) softwaredefiniert sein.¹

Ein zentrales Merkmal eines SDV ist seine Konnektivität. Software muss aktualisiert werden, und ein SDV benötigt im Laufe seines Lebenszyklus zahlreiche Updates.

OEMs wollen Fahrzeugfunktionen schnell, effizient und aus der Ferne aktualisieren. Dafür ist eine robuste Konnektivität erforderlich, die sowohl anpassungsfähig ist als auch über leistungsfähige Plattformen gemanagt werden kann. Diese Konnektivität muss über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs hinweg verfügbar sein, da Updates remote eingespielt werden. Darüber hinaus gilt es, auch die Prozesse direkt an den jeweiligen Produktionsstandorten der OEMs zu optimieren.

Bestimmte Fortschritte im Bereich der Konnektivität haben es ermöglicht, diese Anforderungen zu erfüllen. Zunächst lohnt sich jedoch ein Blick darauf, warum Konnektivität mit der Weiterentwicklung der Automobilindustrie immer wichtiger wird.

Die Bedeutung sicherer und zuverlässiger Konnektivität

Moderne Fahrzeuge – insbesondere SDVs – sind für zahlreiche Anwendungsfälle auf Konnektivität angewiesen, dazu gehören

  1. Telematik. Durch die Erfassung einer Vielzahl von Fahrzeugdaten lassen sich Effizienzpotenziale identifizieren, etwa zur Senkung von Versicherungs- oder Kraftstoffkosten. Telematik ist unter anderem im Flottenmanagement ein entscheidender Faktor.
  2. Infotainmentsysteme. Von der Routenplanung über freihändiges Telefonieren bis hin zur Unterhaltung von Kindern auf der Rückbank: Nahtlose Konnektivität ist heute nahezu eine Grundvoraussetzung.
  3. Häufige – und meist unsichtbare – Software-Updates. Die umfangreiche Technologie im Fahrzeug muss aktuell gehalten werden, möglichst ohne Unterbrechungen oder zusätzlichen Aufwand.

Ermöglicht wird dies durch Embedded SIMs (eSIMs) und Remote SIM Provisioning (RSP). „Diese eSIMs benötigen in unterschiedlichen Phasen des Fahrzeuglebenszyklus verschiedene Profile – von der Produktion über die Markteinführung bis hin zur weiteren Nutzung auf der Straße. Sehr wahrscheinlich werden sie an einem anderen Ort gekauft und verkauft als dort, wo sie hergestellt wurden“, erläutert Robert Leibfarth, Director Product Strategy bei G+D.

In der Europäischen Union bewegen sich Fahrzeuge beispielsweise häufig zwischen verschiedenen Ländern. Nahtlose Konnektivität darf daher nicht an Stadt- oder Landesgrenzen enden. Über verschiedene Märkte und Roaming-Regime hinweg lassen sich eSIM-Profile über IP-Kommunikation mithilfe standardisierter RSPs wechseln, wobei Servicequalität und regulatorische Konformität gewahrt bleiben. Aus all diesen Gründen ist durchgängige Konnektivität eine Grundvoraussetzung für Fahrzeuge im Betrieb.

Fahrzeuge benötigen lange Entwicklungszeiten und sind – nicht zuletzt aufgrund ihres Preises – auf eine lange Nutzungsdauer ausgelegt. Betrachtungen des Lebenszyklus eines Automobils erfolgen daher in Zeiträumen von Jahrzehnten. Die Anforderungen an die Konnektivität eines Fahrzeugs müssen diesem Umstand Rechnung tragen.

Am anderen Ende des Lebenszyklus – gewissermaßen bei der „Geburt“ des Fahrzeugs – hat die Einführung der In-Factory Profile Provisioning (IFPP) ebenfalls einen Wendepunkt markiert. Ein Blick darauf zeigt, wie IFPP die Herstellung von Automobilen, insbesondere von SDVs, verändert.

Vernetzte Roboterarme montieren Autos in einer smarten Fabrik mit digitalen Datenüberlagerungen

Die Notwendigkeit von IFPP

IFPP revolutioniert den gesamten IoT-Bereich, indem es sicherstellt, dass Geräte „vernetzt geboren werden“. Hersteller können damit im Produktionsprozess – direkt an der Fertigungslinie – ein eSIM-Profil sicher auf ein Gerät laden, in diesem Fall auf ein Fahrzeug oder eine entsprechende Komponente.

Für Fahrzeuge ist das von zentraler Bedeutung, da sichere Konnektivität damit fest in ihrer DNA verankert ist. Gerade bei SDVs ist Konnektivität integraler Bestandteil des Produktionsprozesses. Während der Fertigung müssen große Datenmengen in das Fahrzeug geladen werden, etwa im Rahmen der Flash-Programmierung oder bei Firmware-Updates.

Ein wesentlicher Vorteil ist, dass Hersteller dass Hersteller nun eine einzige, globale Stock Keeping Unit (SKU) für das Modem oder die Telematic Control Unit (TCU) über alle Fahrzeuge hinweg verwenden können. Das optimiert das Bestandsmanagement und spart übergreifend Zeit und Kosten.

Darüber hinaus bietet IFPP unter anderem folgende Vorteile:

  • schnellere und effizientere Produktion
  • kürzere Markteinführungszeit
  • höhere Sicherheit
  • das Laden länderspezifischer eSIM-Profile bereits im Werk – ohne auf die Auslieferung des Fahrzeugs warten zu müssen
  • geringere Gesamtkosten und reduzierte Komplexität; in diesem Zusammenhang trägt auch die zunehmende Verbreitung nicht-öffentlicher Netze (Non-Public Networks, NPNs) zu mehr Sicherheit und Effizienz bei.

Die Vorteile privater 5G-Netzwerke

Der Einsatz privater 5G-NPNs hat die Art und Weise, wie Fahrzeughersteller ihre Produktionsprozesse steuern können, grundlegend verändert. 5G-NPNs bieten Kontrolle vor Ort, geringe Latenzzeiten und hohe Bandbreite für das sichere Laden von Daten und die Prozessautomatisierung in Fabriken.

Vernetzte Fahrzeuge verfügen – wie andere vernetzte Geräte auch – über potenzielle Angriffsflächen. Deren Absicherung ist essenziell. Da NPNs lokal betrieben werden, erhöht sich das Sicherheitsniveau. Zudem sind sie nicht von Überlastungen betroffen, wie sie in öffentlichen Netzen und auch bei WLAN-Lösungen auftreten können. Für Produktionsstätten, in denen große Datenmengen zuverlässig und schnell verarbeitet werden müssen – etwa bei der Flash-Programmierung –, können NPNs einen entscheidenden Vorteil darstellen.

Die Lösung besteht darin, die Konnektivität all dieser Assets – unabhängig von ihrem Standort – über eine Managementplattform zu steuern, die sowohl ältere als auch aktuelle Standards unterstützt, in diesem Fall SGP.02 und SGP.32.

Robert Leibfarth
Director Product Strategy bei G+D

SGP.32 als möglicher Gamechanger

„Vernetzte Fahrzeuge und insbesondere SDVs profitieren vom aktualisierten RSP-Standard der GSMA, SGP.32“, sagt Leibfarth. Wie er erläutert, führt SGP.32 ein modernes, IP-basiertes Profilmanagement mit IPA (Device Agent) und eIM (Cloud Manager) ein und nutzt dabei bestehende SM-DP+-Backends weiter. (Siehe „Verbesserung der Mobilität durch SGP.32“ weiter unten.)

Das ermöglicht hohe Geschwindigkeiten und Leistungsfähigkeit bei gleichzeitig niedrigen Integrationskosten. In der Praxis unterstützt SGP.32 das Management großer Fahrzeugflotten und eine durchgängige Konnektivität über den gesamten Lebenszyklus. OEMs können Profile für ganze Flotten und Märkte regelbasiert herunterladen, aktivieren, deaktivieren oder löschen – also über automatisierte Regeln, die die Konnektivität in Echtzeit steuern, ohne jedes Fahrzeug manuell konfigurieren zu müssen.

Mit der richtigen Connectivity-Management-Plattform (CMP) können Geräte, die diesen Standard unterstützen, problemlos zwischen Netzbetreibern und Profilen wechseln. Auch groß angelegte Flotten, wie sie typischerweise in der Logistik eingesetzt werden, profitieren davon. Diese Flexibilität ermöglicht es Automobilherstellern zudem, frühzeitig zu planen und sich mit Netzbetreibern in ihren Zielmärkten zu verbinden, um die sonst komplexen regionalen und rechtlichen Anforderungen rund um Roaming, Preisgestaltung und Regulierung zu bewältigen.

„Zu den Vorteilen von SGP.32 zählen Flexibilität, Effizienz, geringere Kosten und Skalierbarkeit“, betont Leibfarth. „Darüber hinaus verschiebt sich die Kontrolle über die gesamte ‚Journey‘ – vom Netzbetreiber hin zum OEM. In älteren Versionen wie SGP.02, die SMS-basiert waren, gab es eine gewisse Anbieterbindung. Das entfällt nun.“ Voraussetzung dafür sei allerdings der Einsatz einer geeigneten, einheitlichen CMP.

Person nutzt Touchscreen im Auto, umgeben von digitaler Konnektivität und Datenvisualisierungen

Ein neues Business-Ökosystem

Zusammengefasst ermöglichen IFPP und SGP.32 Fahrzeugen eine sofort verfügbare Konnektivität ab Werk, die OEMs zentral über eine einheitliche Plattform steuern können. Das Remote-Management der eSIM-Profile über den gesamten Lebenszyklus unterstützt Telematik-Anwendungen, Flottenmanagement und Over-the-Air-Updates (OTA).

Diese Fortschritte eröffnen in Bezug auf Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, Zuverlässigkeit und sicherer automobilbezogener Konnektivität neue Erlösquellen und Geschäftsmöglichkeiten für Fahrzeughersteller und ihre Partner. Dazu zählen unter anderem:

  1. Functions on Demand, ein wachsender Bereich, in dem Fahrer oder Fahrzeughalter auch nach der Auslieferung Services wie Sitzheizung, adaptiver Tempomat (ACC) oder Sprachsteuerung abonnieren können; die Bereitstellung erfolgt mittels OTA, die Abrechnung nutzerbasiert
  2. Energiedienstleistungen für Elektrofahrzeuge
  3. Nutzungsbasierte Versicherungsmodelle, etwa Pay-as-you-drive-Tarife, bei denen sich die Kosten nach Fahrleistung, befahrenen Regionen und sogar dem individuellen Fahrstil richten

Auch das Management großer Flotten gewinnt weiter an Bedeutung, insbesondere wenn Teile einer Flotte noch auf älteren Standards wie SGP.02 basieren. Scania, Teil der globalen TRATON Group und weltweit führend im Bereich schwerer Nutzfahrzeuge, sah sich mit genau dieser Herausforderung konfrontiert.

Gerade im hochpreisigen Nutzfahrzeugsegment, in dem Scania tätig ist, sind Fahrzeuge langlebige Wirtschaftsgüter. Diese außer Betrieb zu nehmen, nur weil sie einem älteren Konnektivitätsstandard entsprechen, ist keine Option – ebenso wenig wie der Verzicht auf Konnektivität. „Die Lösung besteht darin, die Konnektivität all dieser Assets – unabhängig von ihrem Standort – über eine Managementplattform zu steuern, die sowohl ältere als auch aktuelle Standards unterstützt, in diesem Fall SGP.02 und SGP.32. Zudem sollte eine solche Plattform flexibel genug sein, um bei Einführung eines neuen Standards darauf umzuschwenken“, sagt Leibfarth.

Die CMP-Lösung von G+D für den IoT-Markt – und speziell für die Automobilindustrie – ist eine solche Plattform. Ob es um das Management großer Fahrzeugflotten, die Anbindung älterer Fahrzeuge oder das Onboarding neuer Modelle geht: Sie verbindet alle Elemente und nimmt Komplexität aus dem Prozess. Die Plattform unterstützt bestehende Standards und ist bereits auf den nächsten, SGP.42, vorbereitet.

„Mit der IoT-CMP von G+D konnten wir reibungslos auf den neuen Standard SGP.32 umstellen und gleichzeitig eine zuverlässige Konnektivität für unsere bestehende Flotte auf Basis von SGP.02 sicherstellen“, sagt Peter Vincent, ehemaliger Head of Connected Systems bei Scania CV AB. Er hebt hervor, dass die Plattform Diagnosedaten bereitstellt und zugleich eine effiziente und skalierbare Lösung für das Management aller vernetzten Scania-Fahrzeuge bietet.

Indem sie OEMs bei der Skalierung der Produktion vor Ort unterstützt, die Konnektivität über den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs hinweg stärkt, neue Erlösmodelle erschließt und das Flottenmanagement über unterschiedliche Konnektivitätsstandards hinweg transformiert, erfüllt die IoT-CMP von G+D alle Anforderungen an eine sichere, effiziente und skalierbare Connectivity-Management-Plattform für die Automobilindustrie.

Verbesserung der Mobilität durch SGP.32

Die neue SGP.32-Spezifikation ist für die Anforderungen des breiteren IoT-Ökosystems optimiert, von Umgebungen mit geringem Stromverbrauch und geringem Speicherbedarf bis hin zum Automobilsektor, wodurch die Bereitstellung in großem Maßstab zuverlässiger wird als bei herkömmlichen Ansätzen.

Dieser Standard ist Teil des gemeinsamen GSMA-eSIM-Ökosystems für Verbraucher- und IoT-Geräte. Er baut auf dem bestehenden SGP.22-Ökosystem auf und ist in dieses integriert, während er gleichzeitig IoT-spezifische Komponenten einführt: den IoT Profile Assistant (IPA) innerhalb des Geräts und den eSIM IoT Remote Manager (eIM) im Netzwerk.

Diese Architektur verhindert den sogenannten Vendor Lock-in und gibt dem OEM die volle Kontrolle über seine Flotte. Sie ermöglicht eine automatisierte Profilbereitstellung sowie ein effizientes Lifecycle-Management. Prozesse können durch Ereignisse wie die Erstaktivierung oder Änderungen der Netzabdeckung in Echtzeit ausgelöst werden.

Key Takeaways

  • Technologien wie IFPP und SGP.32 sind für OEMs von entscheidender Bedeutung, um effizientere Produktionsprozesse und eSIM-Konnektivität für die nächste Generation vernetzter Fahrzeuge zu ermöglichen.
  • Diese Entwicklungen ermöglichen auch innovative Dienstleistungen und Chancen für Nutzer und Besitzer auf der ganzen Welt.
  • Dank dieser neuen Technologien entstehen spannende neue Geschäftsmodelle im Automobilbereich.
  1. Software defined vehicle: global manufacturer readiness study, Deloitte, 2024
    https://www.deloitte.com/ua/en/Industries/automotive/analysis/software-defined-vehicles.html

Veröffentlicht: 10.02.2026

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