Was steckt in der EUDI Wallet?
Die neue EUDI Wallet enthält wiederverwendbare verifizierbare Nachweise, sogenannte Verified Credentials (VC). Da sie in der digitalen Wallet der Nutzerinnen und Nutzer gespeichert werden, sind sie dezentral organisiert. Es handelt sich um digital signierte Nachweise, die von einer vertrauenswürdigen Stelle ausgestellt werden. Ähnlich wie ein physisches Dokument können sie zum Beispiel bestätigen, ob eine Person an einem bestimmten Ort gemeldet ist oder wie alt sie zum Zeitpunkt der Abfrage ist.
Die Grundlage bilden die Person Identification Data (PID), also etwa Name, Alter und Anschrift, die von einer staatlichen Stelle verifiziert werden. Darüber hinaus lassen sich zahlreiche weitere Angaben in der EUDI Wallet hinterlegen, zum Beispiel Studienstatus, Berufsbezeichnung oder Staatsangehörigkeit. Solche Datenpunkte oder Attribute müssen elektronisch bestätigt werden. Diese Electronic Attestations of Attributes (EEA) werden von autorisierten Anbietern ausgestellt und bestätigen die Richtigkeit einer konkreten Angabe. Anschließend können sie in der EUDI Wallet gespeichert und vorgelegt werden.1 Solche digitalen Nachweise eröffnen im neuen Ökosystem erhebliche Geschäftschancen. Darauf kommen wir später zurück.
Entscheidend ist, dass die Nutzerinnen und Nutzer selbst bestimmen, welche Nachweise sie weitergeben. Die Kontrolle verlagert sich damit von Plattformen, die Identitätsdaten festlegen und speichern, hin zu den Menschen selbst. Sie entscheiden, wie ihre Identität dargestellt und verifiziert wird. Dazu gehört insbesondere die Entscheidung,
- welcher Nachweis geteilt wird, zum Beispiel der Beleg der Volljährigkeit, der Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaats oder eines Hochschulabschlusses, je nach Situation und Abfrage
- mit wem der Nachweis geteilt wird,
- wann der Nachweis geteilt wird
Diese dezentralen Nachweise bestätigen die Identität der Nutzerinnen und Nutzer und können etwa bei Banken, im Gesundheitswesen oder im Bildungsbereich eingesetzt werden. Dass die Verified Credentials unter ihrer Kontrolle bleiben, ist ein zentraler Baustein selbstbestimmter digitaler Identitäten, sogenannter Self-Sovereign Identities (SSI). Unternehmen und Organisationen in Bereichen mit SCA-Anforderungen müssen ihre Identitätsinfrastruktur darauf vorbereiten, künftig unterschiedlichste Nachweise zu verarbeiten. Auch Onboarding-Prozesse müssen Identitäten aus EUDI Wallets akzeptieren. Das betrifft unter anderem Banken, Krankenversicherer und sehr große Onlineplattformen (Very Large Online Platforms, VLOPs), darunter große soziale Netzwerke und Shoppingplattformen.
Besonders stark dürfte sich diese Entwicklung auf den Zahlungsverkehr auswirken. Zahlungen und digitale Identitäten wachsen zunehmend zusammen. Für Zahlungsdienstleister (Payment Service Provider, PSP) verschiebt sich der Fokus von der Frage, ob jemand zahlen kann, hin zur verlässlichen Feststellung, wer die Person ist. Ist ihre Identität bestätigt, kann die Zahlung anschließend automatisiert erfolgen.
Dabei geht es um weit mehr als ein IT-Upgrade. Es verändert grundlegend, wie Vertrauen in der digitalen Welt hergestellt und weitergegeben wird. Unternehmen sollten die Entwicklung deshalb als Chance verstehen, ihre Prozesse und insbesondere ihre Identitätsinfrastruktur neu zu denken.