Echtzeitzahlungen auf dem Vormarsch. Aber: Mit Tempo wächst das Risiko
Echtzeitzahlungen haben die Zahlungslandschaft in vormals bargelddominierten Märkten wie Indien, Brasilien und China grundlegend verändert. In etablierten Märkten wie den USA und Europa verlief die Entwicklung bislang langsamer. Das dürfte sich nun ändern. Die neue EU-Verordnung zu Echtzeitzahlungen, in Kraft seit dem 09. Oktober 2025, verpflichtet Banken und Zahlungsdienstleister im Euroraum dazu, Überweisungen in Echtzeit zu senden und zu empfangen. Die Abwicklung muss innerhalb von zehn Sekunden erfolgen.
Was bedeutet das konkret? Das haben wir den G+D-Experten Barnabás Ferenczi gefragt.
„Für Verbraucher verändert sich zunächst wenig. An der Kasse entsteht mehr Flexibilität. Für Händler hingegen eröffnen sich klare Vorteile: sofortiger Zugriff auf Liquidität und geringere Gebühren. Für Banken liegt das Potenzial noch höher. Echtzeitzahlungen stärken ihre Präsenz am Point of Sale und schaffen neue, personalisierte Kontaktpunkte, die die Kundenbindung stärken.“
Mit der Geschwindigkeit steigt jedoch auch das Risiko. Betrugsformen wie Authorised Push Payment Fraud, bei denen Kunden zur Freigabe unwiderruflicher Zahlungen verleitet werden, nehmen zu und bremsen die breite Akzeptanz. Die verpflichtende Empfängerprüfung, bei der Name und IBAN abgeglichen werden, reduziert dieses Risiko. Für nachhaltige Sicherheit reicht das jedoch nicht aus. Ergänzende Schutzmechanismen, vergleichbar mit Kartenprozessen, etwa Rückbuchungsmöglichkeiten und starke Authentifizierung, gewinnen an Bedeutung.
Ferenczi betont:
„Auch wenn sich für Endkunden wenig sichtbar verändert, entstehen neue Anwendungsfälle, etwa im Treasury-Management im B2B-Bereich. Gleichzeitig bleiben Betrugsrisiken bestehen. Entscheidend ist daher ein Zusammenspiel aus Empfängerprüfung, Datenaustausch zwischen Banken, Zahlungsdienstleistern und Händlern sowie weiteren Sicherheitsmaßnahmen.“





