Eine Hand hält ein Smartphone für eine kontaktlose Zahlung über eine Kiste mit Äpfeln.
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Expertenblick: Fünf PayTech-Trends für 2026

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7 Min.

Von der EU-Verordnung zu Echtzeitzahlungen über den Einsatz von KI in der Betrugsbekämpfung bis hin zu Stablecoins und der Zukunft nationaler Zahlungssysteme: Spotlight beleuchtet aktuelle Entwicklungen im Zahlungsverkehr mit Einschätzungen von Barnabás Ferenczi, Head of Marketing & Strategy im PayTech-Geschäft von G+D.

Echtzeitzahlungen auf dem Vormarsch. Aber: Mit Tempo wächst das Risiko

Echtzeitzahlungen haben die Zahlungslandschaft in vormals bargelddominierten Märkten wie Indien, Brasilien und China grundlegend verändert. In etablierten Märkten wie den USA und Europa verlief die Entwicklung bislang langsamer. Das dürfte sich nun ändern. Die neue EU-Verordnung zu Echtzeitzahlungen, in Kraft seit dem 09. Oktober 2025, verpflichtet Banken und Zahlungsdienstleister im Euroraum dazu, Überweisungen in Echtzeit zu senden und zu empfangen. Die Abwicklung muss innerhalb von zehn Sekunden erfolgen.

Was bedeutet das konkret? Das haben wir den G+D-Experten Barnabás Ferenczi gefragt. 

„Für Verbraucher verändert sich zunächst wenig. An der Kasse entsteht mehr Flexibilität. Für Händler hingegen eröffnen sich klare Vorteile: sofortiger Zugriff auf Liquidität und geringere Gebühren. Für Banken liegt das Potenzial noch höher. Echtzeitzahlungen stärken ihre Präsenz am Point of Sale und schaffen neue, personalisierte Kontaktpunkte, die die Kundenbindung stärken.“

Mit der Geschwindigkeit steigt jedoch auch das Risiko. Betrugsformen wie Authorised Push Payment Fraud, bei denen Kunden zur Freigabe unwiderruflicher Zahlungen verleitet werden, nehmen zu und bremsen die breite Akzeptanz. Die verpflichtende Empfängerprüfung, bei der Name und IBAN abgeglichen werden, reduziert dieses Risiko. Für nachhaltige Sicherheit reicht das jedoch nicht aus. Ergänzende Schutzmechanismen, vergleichbar mit Kartenprozessen, etwa Rückbuchungsmöglichkeiten und starke Authentifizierung, gewinnen an Bedeutung.

Ferenczi betont: 

„Auch wenn sich für Endkunden wenig sichtbar verändert, entstehen neue Anwendungsfälle, etwa im Treasury-Management im B2B-Bereich. Gleichzeitig bleiben Betrugsrisiken bestehen. Entscheidend ist daher ein Zusammenspiel aus Empfängerprüfung, Datenaustausch zwischen Banken, Zahlungsdienstleistern und Händlern sowie weiteren Sicherheitsmaßnahmen.“

KI und Betrug. Ein zweischneidiges Schwert für Banken

Mit der Verbreitung digitaler und insbesondere schneller Zahlungen wächst der Druck, Betrug wirksam zu bekämpfen. Künstliche Intelligenz verändert dabei die Spielregeln.

Auf der einen Seite erleichtert generative KI kriminelle Aktivitäten. Täuschend echte Texte, Deepfakes und Stimmenklone machen es zunehmend schwer, Betrugsversuche zu erkennen. Was früher durch fehlerhafte Sprache auffiel, wirkt heute oft glaubwürdig. Täter geben sich als Bankmitarbeiter, Freunde oder Familienangehörige aus und bringen Opfer dazu, Zugangsdaten preiszugeben oder Transaktionen freizugeben.

Auf der anderen Seite wird KI selbst zum zentralen Instrument der Verteidigung. Maschinelles Lernen analysiert Verhaltensmuster, etwa Zeitpunkt, Häufigkeit oder genutzte Geräte, und erkennt Abweichungen in Echtzeit. In einigen Fällen lässt sich sogar feststellen, ob Nutzer während einer Transaktion beeinflusst werden. Je stärker Banken Daten über Produkte hinweg verknüpfen und auch organisationsübergreifend nutzen, desto wirksamer wird diese Form der Betrugsabwehr.

Ferenczi formuliert es klar

„Es bleibt abzuwarten, wie Anwendungsfälle der KI-gestützten Betrugserkennung in regulatorischer Hinsicht unterstützt werden können. Anforderungen an Transparenz und fehlende Klarheit bei der Regulierung führen dazu, dass einige Institute beim Einsatz von KI zögern. Hier braucht es eindeutige Leitlinien.

Kriminelle müssen keine Zugangsdaten mehr stehlen. Mit Hilfe von KI überwinden sie Sicherheitsmechanismen über Sprache. Neben technologischen Lösungen bleibt deshalb die kontinuierliche Aufklärung von Kunden über Betrugsmaschen unerlässlich.“

A hand holding a smartphone for a contactless payment over a crate of fresh apples.

Nationale Zahlungssysteme stärken. Aber ohne Insellösungen

Nationale Zahlungssysteme sind ein wichtiger Bestandteil jeder Zahlungsinfrastruktur. Gleichzeitig geraten sie zunehmend ins Hintertreffen gegenüber globalen Netzwerken wie Visa oder Mastercard. Die Modernisierung ist daher nicht nur eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch der strategischen Souveränität und Resilienz.

Was also müssen nationale Systeme leisten? Zunächst müssen sie vollständig für mobile und digitale Anwendungen ausgelegt sein. Wer seine Girocard gegenüber internationalen Karten bevorzugen soll, muss damit auch online einkaufen, In-App-Zahlungen durchführen, Abonnements verwalten und Zahlungen vorautorisieren können. Das ist die Grundlage. Darüber hinaus müssen Nutzererlebnis und Sicherheit das Niveau globaler Anbieter erreichen.

Ferenczi sieht einen überraschenden Aspekt als besondere Herausforderung:

„Die größte Herausforderung liegt jedoch weniger in der Technik als in der Organisation. Viele Systeme sind als Verbünde strukturiert, in denen Entscheidungen im Konsens getroffen werden. Das verlangsamt Innovationen. Wettbewerbsfähig werden sie nur, wenn sie klarere Strukturen, verbindliche Standards und eine stärker unternehmerische Ausrichtung entwickeln. Dies wird die Entwicklung neuer Funktionen beschleunigen und sicherstellen, dass einheimische Zahlungssysteme glaubwürdig mit größeren, globalen Wettbewerbern konkurrieren können.“
„Wir sollten nationale Kartensysteme gezielt stärken und zukunftssicher aufstellen, um ein resilienteres und wettbewerbsfähiges Ökosystem zu schaffen.“

Stablecoins auf dem Weg in den Mainstream?

Stablecoins zählen zu den meistdiskutierten Themen der vergangenen Monate. Auslöser ist unter anderem der US-amerikanische Genius Act, der im Juli 2025 als erster umfassender Regulierungsrahmen für Zahlungs-Stablecoins verabschiedet wurde.

Stablecoins sind blockchainbasierte Token, deren Wert durch liquide Vermögenswerte eins zu eins gedeckt ist. Im Unterschied zu klassischen Kryptowährungen unterliegen sie geringeren Kursschwankungen. Dennoch sind sie weder klassische Währungen noch derzeit ein etabliertes Zahlungsmittel im Alltag. Es könnten sich jedoch Anwendungsfälle ergeben, die einen echten Mehrwert haben.

Ihr größtes Potenzial liegt im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr. Hier können sie Überweisungen schneller und kostengünstiger machen, sowohl für Privatpersonen als auch im B2B-Bereich. Zudem eröffnen sie neue Möglichkeiten im Bereich tokenisierter Finanzprodukte, etwa einen einfacheren Zugang zu Geldmarktfonds.

Für den Einsatz im stationären Handel oder im E-Commerce ist kurzfristig jedoch kaum Dynamik zu erwarten. Bestehende Zahlungsmethoden erfüllen die Anforderungen der Verbraucher bereits gut.

Ferenczis Einschätzung: „Stablecoins bieten interessante Möglichkeiten. Unsere Aufgabe ist es, die Probleme zu identifizieren, die sich am besten mit Stablecoins lösen lassen – und dann die Sicherheitstechnologie bereitzustellen, damit diese Anwendungsfälle genauso sicher und bequem sind wie alle anderen Zahlungswege.“

Hände bedienen Laptop und Smartphone mit eingeblendeten Symbolen für Biometrie und Sicherheit.

Hyperpersonalisierung bei Zahlungskarten

Trotz des Aufstiegs digitaler Zahlverfahren bleibt die physische Zahlungskarte ein wichtiger Touchpoint für Banken, die sie zunehmend als Differenzierungsmerkmal nutzen, um Kundenbeziehungen in einem immer stärker umkämpften Markt zu stärken.

Die Möglichkeiten reichen von individuellen Designs über Materialien und Oberflächen bis hin zu Düften. Karten werden so zu Ausdruck persönlicher Identität.

Für statusorientierte Kunden stehen hochwertige Materialien wie Metall oder Keramik im Vordergrund. Umweltbewusste Nutzer bevorzugen recycelte oder natürliche Materialien. Um die Kundenbindung zu stärken, ist dabei nicht nur die Karte selbst entscheidend, sondern das gesamte Erlebnis, vom ersten Kontakt mit der Verpackung bis zur Nutzung im Alltag.

„Hyperpersonalisierung geht über reine Gestaltung hinaus. Sie eröffnet Banken die Möglichkeit, Kundenbeziehungen zu vertiefen und messbaren wirtschaftlichen Mehrwert zu schaffen“, sagt Ferenczi. „Die Daten zeigen, dass Kunden mit personalisierten Zahlungskarten mehr ausgeben und ihren Banken länger treu bleiben, was einen echten Return on Investment für Investitionen in die Personalisierung bedeutet.“

Ein globales Institut berichtet von einem Anstieg der Neukunden um 40 % durch personalisierte Kartenangebote. Bei einem anderen führte der Einsatz von Metallkarten zu einem vergleichbaren Wachstum beim Umsatz.

Ferenczi fügt hinzu: „Mit der heutigen Technologie können Banken ein bisher unerreichtes Maß an Personalisierung bieten und gleichzeitig die Sicherheit und Zuverlässigkeit gewährleisten, die ihre Kunden erwarten.“

KEY TAKEAWAYS

  • Mit der verpflichtenden Einführung von Echtzeitzahlungen in der EU hängt der Erfolg maßgeblich von Sicherheits- und Schutzmechanismen ab.
  • Künstliche Intelligenz erleichtert Betrug, verbessert aber zugleich die Möglichkeiten der Abwehr.
  • Nationale Zahlungssysteme sind strategisch relevant und müssen digital, mobil und sicher aufgestellt sein, um konkurrenzfähig zu bleiben.
  • Stablecoins entwickeln sich weiter – es bleibt jedoch abzuwarten, wie sie im täglichen Zahlungsverkehr am besten eingesetzt werden können. Kurzfristig liegt ihr größtes Potenzial im internationalen Zahlungsverkehr.
  • Hyperpersonalisierung schafft nicht nur individuelle Produkte, sondern messbaren geschäftlichen Mehrwert.

Veröffentlicht: 26.05.2026

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