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#CBDC

Integriertes CBDC-System für Retail und Wholesale

Insights
5 Min.

Eine CBDC bleibt eine digitale Form von öffentlichem Geld, unabhängig von ihren Retail oder Wholesale-Anwendungsfällen. Ein einheitliches Währungssystem liefert einen einzigen Zentralbankgeld-Token, der nur auf Wallet-Ebene differenziert wird. Dies bietet die Vorteile der Tokenisierung ohne On-Chain-Implementierung und gibt den Zentralbanken Flexibilität. Weniger komplex, zukunftssicherer und ohne Abhängigkeit von einer Distributed Ledger Technologie.

Unterschiedliche Anwendungsfälle erfordern unterschiedliche Formen digitaler Zentralbankwährungen (CBDC). So lautet die derzeit weithin akzeptierte Argumentation. Die Bank for International Settlements (BIS) konstatiert, dass Zentralbanken weltweit zwei Varianten verfolgen. Zum einen eine Retail-CBDC für die breite Öffentlichkeit und den täglichen Zahlungsverkehr. Zum anderen eine Wholesale-CBDC für Abwicklungen zwischen Banken und auf den Finanzmärkten.

Diese Unterscheidung findet sich in allen Umfragen und Veröffentlichungen zu digitalen Zentralbankwährungen. Auch die Finanzindustrie folgt dieser Logik in ihren Machbarkeitsstudien, Pilotprojekten und teilweise bereits in der konkreten Umsetzung. In ihrer jüngsten branchenweiten Erhebung stellte die BIS fest, dass Zentralbanken Wholesale- und Retail-CBDC in der Regel aus unterschiedlichen Gründen vorantreiben, sei es aus geldpolitischen oder aus operativen Motiven.1

Dieser zweigleisige Ansatz hat die Diskussion über CBDC bislang dominiert. Betrachtet man CBDC jedoch schlicht als öffentliches Geld, spricht einiges für einen Ansatz, der den Anwendungsfall nicht in den Mittelpunkt stellt.

Tatsächlich ergeben sich deutliche Vorteile für Zentralbanken sowie für Verbraucherinnen und Verbraucher, wenn Retail- und Wholesale-CBDC in einem einheitlichen öffentlichen Währungssystem zusammengeführt werden, welches die Interoperabilität zwischen klassischen und tokenisierten Finanzökosystemen ermöglicht.

Warum Zentralbanken auf wCBDC setzen

Die Gründe, weshalb sich ein Land für eine Retail-CBDC entscheidet, reichen von finanzieller Inklusion bis zur Stärkung der monetären Souveränität. Bei Wholesale-CBDC hingegen verfolgen Zentralbanken meist ähnliche Ziele. Dazu zählen:

  • Verbesserung von Liquiditätssparmechanismen durch effizientere Abwicklung, insbesondere auf Wertpapier- und Devisenmärkten
  • Ermöglichung atomarer und bedingter Delivery-versus-Payment- (DvP) oder Payment-versus-Payment-Mechanismen (PvP), die Risiken reduzieren und Marktprozesse beschleunigen
  • Bereitstellung einer Schnittstelle zwischen konventioneller RTGS-Infrastruktur und Plattformen für tokenisierte Vermögenswerte sowie Integration in Nachrichtenstandards auf Basis von ISO 20022
  • Vorbereitung auf grenzüberschreitende CBDC-Interoperabilität und Schaffung eines robusten regulatorischen Rahmens über mehrere Rechtsräume hinweg, der sichere Implementierung, breite Nutzung und Skalierbarkeit ermöglicht

Die Prioritäten sind klar. Interoperabilität, Programmierbarkeit und operative Verlässlichkeit sind entscheidend, damit sich Wholesale-CBDC vom Pilotprojekt zur produktiven Anwendung entwickeln können. Ebenso wichtig ist eine flexible Architektur, die sowohl tokenbasierte als auch kontobasierte Modelle unterstützt und damit unterschiedlichen rechtlichen und marktbezogenen Anforderungen gerecht wird.

Frau hält Smartphone mit Finanz-App und schwebenden Kurs-Grafiken im dunklen Raum

Tokenisierung: über die Blockchain hinausdenken

Wer eine On-Chain-Implementierung erwägt, sollte zunächst die Ziele und Motive für den Einsatz von Distributed-Ledger-Technologie (DLT) in einem tokenisierten nationalen Währungssystem wie einer CBDC definieren. Entscheidend ist, dass die Emission durch eine zentrale Autorität erfolgt. Andernfalls handelt es sich bei dem erzeugten Geldtoken nicht um eine CBDC, sondern um einen Stablecoin oder eine tokenisierte Bankeinlage.

Darüber hinaus sollte das Ziel darin bestehen, eine Form digitaler öffentlicher Infrastruktur zu schaffen. Diese stellt eine neue Geldform für Zahlungen und Abwicklungen bereit, steigert Effizienz und Resilienz und bildet zugleich eine öffentliche Plattform für Innovation.

In Bezug auf Tokenisierung und CBDC lohnt ein Blick auf einige verbreitete Missverständnisse:

  • Ein kryptografisch erzeugter Token, wie er etwa im Modell der Unspent Transaction Outputs (UTxO) vorkommt, muss nicht zwingend auf einer Blockchain ausgegeben oder gespeichert werden, um die Vorteile der Tokenisierung zu nutzen. Auch Off-Chain-Lösungen wie verteilte Datenbanken können ähnliche Effekte erzielen.
  • Streng genommen erfordern CBDC-Implementierungen keine Blockchain-Technologie. Alternative Architekturen sind möglich, auch für Wholesale-CBDC.
  • Programmierbarkeit lässt sich auf unterschiedliche Weise realisieren. Sie muss nicht ausschließlich über Smart Contracts auf einer Blockchain erfolgen. Auch programmierbare Logikbausteine auf Wallet-Ebene außerhalb der Blockchain sind denkbar.

Dass gängige Finanzanlagen zunehmend auf Blockchains abgebildet werden, bedeutet nicht zwangsläufig, dass Zentralbankgeld auf derselben Infrastruktur herausgegeben werden muss. Zentralbanken können je nach technischen und regulatorischen Anforderungen unterschiedliche Plattformen wählen.

Ob Wholesale oder Retail, ob Abwicklung, Überweisung oder Zahlung: Der konkrete Anwendungsfall sollte die grundlegenden monetären Eigenschaften einer CBDC als öffentliches Geld nicht verändern.

Abbas Albasha
Senior Strategy Consultant CBDC bei G+D

CBDC: individuelle Anforderungen berücksichtigen

Bei der Gestaltung eines CBDC-Systems können sich Zentralbanken stärker an den eigenen Anforderungen und den wirtschaftspolitischen Zielen ihres Landes orientieren, statt primär aktuellen Technologietrends zu folgen. Ein solcher Ansatz erleichtert die Wahl einer Lösung, die den spezifischen Rahmenbedingungen am besten entspricht. Mögliche Architekturmodelle sind:

  1. Off-Chain

    Vollständige Implementierung sowohl des CBDC-Währungssystems als auch der Tokenisierung von Vermögenswerten auf einer verteilten Datenbank. Dazu zählen etwa tokenisierte Wertpapiere, Staatsanleihen, Unternehmensanleihen oder Commercial Paper.

  2. Hybrid™

    Implementierung des CBDC-Systems auf einer verteilten Datenbank, gekoppelt über Schnittstellen (APIs) mit einer ausgewählten Blockchain für die Tokenisierung von Vermögenswerten. Dieses Modell bietet sich beispielsweise an, wenn tokenisierte Wertpapiere auf einer Blockchain ausgegeben werden sollen.

  3. On-Chain

    Vollständige Implementierung sowohl des CBDC-Systems als auch der Tokenisierung von Vermögenswerten auf Blockchains, wobei unterschiedliche Netzwerke genutzt werden können. Über spezielle Brücken lassen sich Interoperabilität zwischen den Blockchains und der direkte Tausch von Token ermöglichen.

Diese Optionen geben Zentralbanken den nötigen Handlungsspielraum und vermeiden eine technologische Bindung an eine einzelne DLT in einem Umfeld mit mehreren Blockchains. Wenn Zentralbanken und Marktteilnehmer über die optimale Ausgestaltung von CBDC und tokenisierten Vermögenswerten entscheiden, gilt es festzuhalten: Eine universelle Lösung gibt es nicht. Jedes Rechtssystem benötigt einen maßgeschneiderten Ansatz.

 

Einheitliches digitales öffentliches Geld

Vor diesem Hintergrund stellt sich erneut die Ausgangsfrage: Warum ist es überhaupt notwendig, zwischen Retail- und Wholesale-CBDC zu unterscheiden?

Eine CBDC ist letztlich nichts anderes als eine digitale Form von Bargeld. So wie eine Banknote unabhängig von ihrer Verwendung eine Banknote bleibt, könnte auch digitales öffentliches Geld nach demselben Prinzip behandelt werden. Anders formuliert: Warum nicht ein einheitliches CBDC-System schaffen?

„Ob Wholesale oder Retail, ob Abwicklung, Überweisung oder Zahlung: Der konkrete Anwendungsfall sollte die grundlegenden monetären Eigenschaften einer CBDC als öffentliches Geld nicht verändern“, sagt dazu Abbas Albasha, Senior Strategy Consultant CBDC bei Giesecke+Devrient. Die zentralen Merkmale, die eine CBDC als öffentliches Geld oder sogar als gesetzliches Zahlungsmittel auszeichnen, hängen nicht von ihrer Verwendung ab.

Das zentrale technische Ziel einer CBDC besteht darin, eine kryptografisch gesicherte, tokenisierte Form öffentlichen Geldes zu schaffen, die bestehende Formen ergänzt, also physisches Bargeld und digitale Zentralbankreserven. Technisch ist es durchaus möglich, ein integriertes CBDC-System zu entwickeln, das einen einzigen Zentralbankgeld-Token erzeugt. Dieser ließe sich sowohl für Wholesale- als auch für Retail-Anwendungen einsetzen, einschließlich Offline- und grenzüberschreitender Szenarien.

Ein solches Währungssystem würde sowohl Wholesale-Wallets umfassen, die ausschließlich Finanzdienstleistern zugänglich sind, als auch Retail-Wallets für Endverbraucherinnen und -verbraucher sowie Händler. Die umlaufende Menge an Wholesale- und Retail-CBDC ergäbe sich dann aus der Summe der Bestände in den jeweiligen Wallet-Typen. In diesem Modell wäre lediglich die Übertragung zwischen den Wallets der Faktor, der CBDC-Token als Wholesale- oder Retail-Bestand unterscheidet.

Eine Basis, viele Möglichkeiten – ein vereintes digitales Währungssystem

Die Technologie von G+D unterstützt einen solchen integrierten Ansatz für Wholesale- und Retail-Anwendungen. Dies gewährleistet die Einheitlichkeit des Geldes sowie hohe Standards bei Datenschutz und Sicherheit. Gleichzeitig fördert es Innovation und Wettbewerb im gesamten Ökosystem.

Eine Zentralbank kann beispielsweise zunächst mit Wholesale-Anwendungen beginnen, etwa für Interbank- oder Wertpapierabwicklungen, und später den Zugang für den Einzelhandel öffnen, etwa für Verbraucherzahlungen und Händlerabrechnungen. Ebenso ist der umgekehrte Weg möglich, ohne dass die zugrunde liegende Infrastruktur neu aufgebaut werden muss.

Diese Flexibilität beruht auf einem grundlegenden Prinzip: CBDC ist CBDC, so wie Bargeld Bargeld ist. Wird die digitale Zentralbankwährung von spezifischen Anwendungsfällen entkoppelt, kann das für Zentralbanken und andere Akteure im CBDC-Ökosystem deutliche Vorteile bringen.

Key Takeaways

  • Die Entkopplung einer CBDC von ihren Anwendungsfällen ändert nichts an ihrem Wesen und ihren Eigenschaften als digitale Form von öffentlichem Geld.
  • Ein einheitliches öffentliches digitales Währungssystem würde die Interoperabilität sowohl zwischen konventionellen als auch zwischen tokenisierten Ökosystemen unterstützen.
  • Eine Zentralbank kann sich dafür entscheiden, entweder mit einer Wholesale-CBDC oder einer Retail-CBDC zu beginnen: Da sich diese beiden Bereiche nicht gegenseitig ausschließen, ist dies weniger komplex als der Aufbau zweier separater Systeme und zukunftssicherer.
  1. BIS Papers No 159: Advancing in tandem – results of the BIS survey on central bank digital currencies and crypto, Illes, Kosse, and Wierts/BIS, https://www.bis.org/publ/bppdf/bispap159.pdf, 2025 

Veröffentlicht: 06.04.2026

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