Ein winziger Mikrochip balanciert auf der Spitze einer menschlichen Fingerkuppe
#IoT

Klein und nachhaltig: neue eSIM-Formfaktoren

Technische Innovation

Neue standardisierte eSIM-Formfaktoren wie MFF3 und MFF4 ermöglichen die Entwicklung noch kompakterer und nachhaltigerer vernetzter Geräte. Dank ihrer geringen Größe sind sie bereit für die Serienproduktion und stellen für viele IoT- und Consumer-Anwendungen eine praxisnahe Alternative zu MFF2-Modulen und iSIMs dar.

Miniaturisierung ist ein zentraler Treiber für Innovation im Bereich vernetzter Geräte. Je kleiner die Geräte, desto vielfältiger ihre Einsatzmöglichkeiten. Leichtere und kompaktere Lösungen eröffnen neue Anwendungen, etwa bei Wearables, Tracking-Systemen, in der Logistik oder in Sensornetzwerken.

Ein Fitness-Tracker beim Schwimmen oder ein Hörgerät im Alltag müssen unauffällig und leicht sein. Große, sperrige Geräte sind hier keine Option. Im Kontext vernetzter Technologien gilt daher: kleiner ist besser.

Doch der verfügbare Raum innerhalb der Geräte ist begrenzt. Vor diesem Hintergrund wurde die Standardisierung neuer eSIM-Module durch das European Telecommunications Standards Institute begrüßt. Die Formfaktoren MFF3 und MFF4 messen lediglich drei mal drei beziehungsweise zwei mal zwei Millimeter1.

Diese neuen Formate markieren einen bedeutenden Fortschritt für eUICCs. Mit dem MFF4 steht erstmals ein vollständig standardisiertes eSIM-Modul in einem derart kleinen Gehäuse zur Verfügung. Das entspricht der steigenden Nachfrage nach ultra-kompakten und zugleich energieeffizienten Geräten.

Fortschritte in der Halbleitertechnologie ermöglichen es, sichere Elemente in immer kleineren Chipgrößen zu fertigen. Die neuen ETSI-Standards greifen diese Entwicklungen auf und schaffen die Grundlage für eine neue Generation leistungsfähiger und extrem kompakter eUICCs. „Durch die Verkleinerung auf nur zwei mal zwei Millimeter eröffnet MFF4 neue Spielräume für Innovation. Sei es für kleinere Wearables, kompakte IoT-Sensoren oder einfach mehr Platz für Batterien und Antennen“, sagt Ralf Schedel, Head of Portfolio Management & Business Planning bei G+D. Mehr Raum für zentrale Komponenten bedeutet längere Laufzeiten, bessere Konnektivität und schlankere Geräte.

Diese neuen Formfaktoren verschaffen Herstellern von IoT- und vernetzten Geräten einen klaren technologischen Vorteil..

Das neue Machine Form Factor 4 (MFF4) eSIM-Modul ist 87% kleiner als das früher verbreitete MFF2.
MFF4 ist 87 % kleiner als das MFF2‑Modul.

Die aktuelle eSIM-Landschaft

eSIM-Technologie ist heute in vielen vernetzten Geräten etabliert. Sie ermöglicht sichere und flexible Konnektivität ohne physische SIM-Karten. Viele der aktuell eingesetzten Module basieren jedoch noch auf dem älteren MFF2-Design mit einer Größe von fünf mal sechs Millimetern. Dieses Format ist in IoT-Anwendungen, im Automotive-Bereich und in industriellen Umgebungen weit verbreitet.

MFF4 kombiniert die Kompaktheit von iSIM und WLCSP mit den Vorteilen standardisierter eSIM-Module. Gleichzeitig bleibt er vollständig kompatibel mit der Pin-Anordnung des MFF2. Hersteller können ihn daher ohne grundlegende Anpassungen bestehender Plattformen integrieren.

Ralf Schedel
Head of Portfolio Management & Business Planning bei Giesecke+Devrient

Andere Ansätze existieren ebenfalls, sind jedoch bislang nur eingeschränkt skalierbar:

Wafer Level Chip Scale Packages (WLCSP) bieten eine sehr kompakte Bauform. Allerdings fehlt eine standardisierte Pin-Belegung. Dadurch müssen Leiterplatten individuell angepasst werden, was die Produktion komplexer macht und die Flexibilität bei Zulieferern einschränkt.

iSIM integriert die SIM-Funktion direkt in den Modem-Chipsatz. Das spart Platz, bindet Hersteller jedoch an einen bestimmten Chipanbieter. Zudem können Anforderungen an die Zertifizierung separater Sicherheitselemente zusätzliche Herausforderungen darstellen.

Die Bedeutung neuer Formfaktoren

Die neuen Formfaktoren bieten entscheidende Vorteile. Besonders der kleinere MFF4 vereint mehrere Eigenschaften. “Er kombiniert die Kompaktheit von iSIM und WLCSP mit den Vorteilen standardisierter eSIM-Module. Gleichzeitig bleibt er vollständig kompatibel mit der Pin-Anordnung des MFF2. Hersteller können ihn daher ohne grundlegende Anpassungen bestehender Plattformen integrieren,” sagt Ralf Schedel, Head of Portfolio Management & Business Planning bei Giesecke+Devrient.

Die wichtigsten Vorteile im Überblick:

  • MFF4 ist aktuell der kleinste standardisierte eSIM-Formfaktor
  • Der geringere Materialeinsatz führt zu messbaren Nachhaltigkeitsvorteilen gegenüber größeren Modulen
  • Auch wenn Chips mit sehr großem Non-Volatile Memory (NVM) aufgrund ihrer Chipgröße möglicherweise noch nicht in das MFF4-Gehäuse passen, werden sie dank steigender Chipdichte dort in Zukunft ebenfalls Platz finden
  • Die standardisierte Bauform macht Hersteller unabhängig von einzelnen Hardwareanbietern
  • Die identische Pin-Anordnung zu MFF2 erleichtert die Migration erheblich

Durch die Verkleinerung auf nur zwei mal zwei Millimeter eröffnet MFF4 neue Spielräume für Innovation. Sei es für kleinere Wearables, kompakte IoT-Sensoren oder einfach mehr Platz für Batterien und Antennen.

Ralf Schedel
Head of Portfolio Management & Business Planning bei Giesecke+Devrient

Hersteller können die neuen Formfaktoren sowohl in bestehende Produkte integrieren als auch als Grundlage für neue Entwicklungen nutzen. Das beschleunigt die Markteinführung und schafft strategische Flexibilität. 

Usable across industries

Durch ihre kompakte Bauweise eröffnen die neuen Formfaktoren zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten: 

Consumer electronics Mehr Platz für Batterien, Antennen und zusätzliche Funktionen eröffnet neue Gestaltungsspielräume für mobile Geräte und Laptops.

Health Tech und Wearables Von Hörgeräten über medizinische Sensoren bis hin zu Fitness-Trackern bleibt eine Anforderung konstant: maximale Kompaktheit.

Industrielles IoT Smart Meter, Umweltsensoren und Wartungssysteme in anspruchsvollen Umgebungen benötigen robuste, langlebige und kompakte Module.

Mobilität und Automotive Die neuen Formfaktoren bieten eine standardisierte und zuverlässige Grundlage für vernetzte Fahrzeuge und V2X-Systeme.

Logistik Tracking-Lösungen, Paketverfolgung und smarte Labels profitieren von der geringen Größe und dem niedrigen Energieverbrauch bei gleichzeitig sicherer globaler Konnektivität.

Kleine Mikrochips auf grauem Untergrund
Ein MFF2 eSIM Module

Blick in die Zukunft

MFF3 und MFF4 vereinen Miniaturisierung, Nachhaltigkeit und Interoperabilität. Damit stellen sie eine überzeugende Alternative zu den bislang dominierenden MFF2-Modulen dar. 

Mit standardisierten, kompakten und sicheren eSIM-Modulen hat ETSI die Grundlage für die nächste Generation vernetzter Geräte geschaffen. Da Miniaturisierung weiterhin ein entscheidender Innovationstreiber bleibt, werden insbesondere Formfaktoren wie MFF4 die Entwicklung in Bereichen wie Consumer Electronics, Mobilität und IoT maßgeblich prägen. 

Als globaler SecurityTech-Anbieter verbindet G+D langjährige Erfahrung in sicherer Konnektivität mit einem umfassenden Portfolio. Dieses reicht von eSIM-Lösungen über Geräteeinbindung bis hin zu Lifecycle-Management und globaler IoT-Konnektivität. 

Damit unterstützt G+D Hersteller und Serviceanbieter dabei, zuverlässige, skalierbare und zukunftsfähige vernetzte Produkte zu entwickeln.

Key Takeaways

  • Kleinere eSIM-Module gab es bereits, doch fehlende Standardisierung erschwerte ihre breite Nutzung. MFF3 und MFF4 schließen diese Lücke und sind kompatibel mit bestehenden Designs.
  • Die neuen Formfaktoren ermöglichen Anwendungen in Bereichen wie Gesundheitswesen, Wearables, Logistik und Asset Tracking.
  • Miniaturisierung bringt klare Nachhaltigkeitsvorteile. Gerade bei großen Stückzahlen in Consumer Electronics und IoT ist das ein entscheidender Faktor.
  1. ETSI TS 102 671 V18.1.0 (2024-29), European Telecommunications Standards Institute, 2024

Veröffentlicht: 30.04.2026

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