Eine lächelnde junge Frau, die auf ihr Smartphone schaut, vor einem unscharfen, hellen Hintergrund mit EU-Motiven.
#Digital Payments

Vertrauen ist der Schlüssel

Technische Innovation
6 Min.

A pair of imminent deadlines are markers toward the convergence of payments and digital identity. The rollout of the EUDI Wallet and the corresponding requirement to accept it as proof of identity pose challenges to banks and other payment providers. Organizations that move strategically to treat this challenge as an opportunity to rethink both their digital identity infrastructures and how that impacts their relationships will customers stand the best chance of success in the new era.

Key Takeaways

  • Im europäischen Kontext stellt die Verpflichtung, bis Dezember 2027 EUDI-Wallets für die Authentifizierung zu akzeptieren, für Banken sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance dar
  • Die Identitätskonvergenz verspricht, den Vertrauensfluss im digitalen Handel grundlegend neu zu gestalten
  • Banken sollten dies nicht nur als IT-Thema betrachten: Es handelt sich um eine strategische Chance, ihre Beziehung zu den Kunden neu zu gestalten

Zunächst der regulatorische Ausgangspunkt: Alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union sind verpflichtet, ihren Bürgerinnen und Bürgern bis Ende 2026 Zugang zur EU Digital Identity Wallet, kurz EUDI, bereitzustellen.

Ausweise oder papierbasierte Nachweise müssen künftig nicht mehr mitgeführt werden. Stattdessen können EU-Bürgerinnen und -Bürger sie als digitale Nachweise sicher in einer App auf dem eigenen Gerät speichern. Diese universelle Identitätslösung wird EU-weit anerkannt. Entscheidend ist, dass Unternehmen und andere Stellen, die eine starke Kundenauthentifizierung (SCA) benötigen, diese Wallets und die darin enthaltenen Nachweise bis Ende 2027 als Identitätsbeleg akzeptieren müssen.

Die Mitgliedstaaten treiben derzeit groß angelegte Pilotprojekte voran, an denen mehr als 350 Wirtschaftspartner beteiligt sind.¹ Parallel werden die technischen Spezifikationen in den einzelnen Märkten finalisiert. Jeder Mitgliedstaat muss mindestens eine EUDI-Wallet anbieten. Erste praxisnahe Anwendungsfälle zeichnen sich bereits ab, während die beteiligten Akteure ihre Strategien darauf ausrichten.

In der Zahlungs- und Bankenbranche rücken damit Fragen der Umsetzung in den Vordergrund. Organisationen müssen jetzt ihre eigene Position in diesem neuen Umfeld klären.

Die Bedeutung der digitalen Identität

„Man kann sich die EUDI-Wallet als eine persönliche digitale Brieftasche vorstellen, mit der sich die eigene Identität sicher speichern und vorzeigen lässt“, sagt Martin Zeisel, Experte für digitale Identität bei G+D Netcetera. Dazu gehören elektronische Bescheinigungen von persönlichen Merkmalen ebenso wie rechtlich verbindliche elektronische Signaturen.

Die Wallet folgt einheitlichen EU-Standards und kann unionsweit für Anwendungen wie Steuerangelegenheiten, elektronische Rezepte oder den Zugang zu Sozialleistungen genutzt werden. Auch für private Dienstleistungen kommt sie zum Einsatz, etwa bei KYC-Prozessen, gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren zur Identifizierung und Überprüfung von Kundenidentitäten, wie der Kontoeröffnung oder beim Erwerb einer SIM-Karte. Ob beim Wechsel der Versicherung oder bei der Registrierung bei einem neuen Onlinehändler, die EUDI-Wallet und das, was sie enthält, genügen als Identitätsnachweis.

Für Banken und Zahlungsdienstleister bedeutet dies einen potenziell tiefgreifenden Wandel. „Sicherheit und Vertrauen sind im Zahlungsverkehr grundlegend, von der Aufnahme neuer Kundinnen und Kunden bis zur Authentifizierung von Transaktionen“, betont Zeisel. „Ein belastbarer Rahmen für digitale Identitäten schafft genau dieses Vertrauen. Die Herausforderung besteht darin, Sicherheit so nutzerfreundlich umzusetzen, dass die Customer Journey nicht leidet.“

Heute sind KYC-Prozesse häufig von umfangreichen Formularen, physischen Dokumenten und aufwendigen Videoident-Verfahren geprägt. Künftig könnte all das durch eine mobile Anwendung ersetzt werden. Kundinnen und Kunden behalten die Kontrolle über ihre Daten und geben sie nur mit ihrer Zustimmung weiter. Die Bank kann sich darauf verlassen, dass die vorgelegten Nachweise staatlich verifiziert sind, ohne dass staatliche Stellen Zugriff auf Transaktionsdaten erhalten. Das Potenzial, Prozesse zu vereinfachen und Kosten zu senken, ohne Vertrauen einzubüßen, ist erheblich.

Früher stand die Frage im Vordergrund, ob jemand zahlen kann. Künftig wird es darum gehen, eindeutig festzustellen, wer eine Person ist. Die Zahlung folgt dann quasi automatisch.

Martin Zeisel
Digital Identity Expert bei G+D Netcetera

Auswirkungen auf den Zahlungsverkehr

Über KYC hinaus markiert der Übergang von musterbasierter Betrugserkennung hin zur kryptografischen Verifikation von Nachweisen im Rahmen der europäischen digitalen Identität einen grundlegenden Wandel. Identität und Zahlungsverkehr wachsen dabei eng zusammen.

Klassische Formen des Identitätsbetrugs wie Kontoübernahmen, der Diebstahl von Zugangsdaten oder synthetische Identitäten werden deutlich erschwert, da die Authentifizierung kryptografisch an eine staatlich ausgestellte Identität gebunden ist. „Viele Risikomodelle basieren heute noch auf Mustererkennung“, sagt Zeisel. „Das verliert an Bedeutung. Eine entscheidende Rolle wird dem Credential Management (Verwaltung von Zugangsdaten, die Red.) zukommen. Wie interagieren Sie mit den Identitätsnachweisen, die Ihre Kundinnen und Kunden vorlegen?“

Banken müssen ihre Systeme zur Betrugserkennung, etwa Verhaltensbiometrie und Transaktionsmonitoring, an diese neue Vertrauensarchitektur anpassen. „Früher stand die Frage im Vordergrund, ob jemand zahlen kann. Künftig wird es darum gehen, eindeutig festzustellen, wer eine Person ist. Die Zahlung folgt dann quasi automatisch“, so Zeisel.

Damit geht es um weit mehr als eine zusätzliche Authentifizierung. Der gesamte Vertrauensfluss im Zahlungsverkehr wird neu strukturiert, insbesondere im digitalen Handel. Banken und Finanzinstitute sollten dies nicht als reines IT-Thema betrachten, sondern als strategische Chance, den Ansatz für ihre Identitätsarchitektur neu auszurichten und die Beziehung zu ihren Kundinnen und Kunden im Zeitalter der EUDI-Wallet neu zu definieren.

Transparente Nutzerführung als Erfolgsfaktor

Im Sinne der europäischen Vorgaben geben EUDI-Wallets den Nutzerinnen und Nutzern maximale Kontrolle darüber, welche Daten sie wann und mit wem teilen. Banken und Zahlungsdienstleister waren bislang häufig Gatekeeper von Daten. Dieses Modell wird durch ein nutzerzentriertes Einwilligungsprinzip abgelöst.

Institute, die diesen Wandel am konsequentesten vollziehen und transparente, intuitive Prozesse bieten, werden das Vertrauen ihrer Kundinnen und Kunden gewinnen. Die Ära des ungezielten Datensammelns dürfte damit an ihr Ende kommen. Entscheidend werden die Qualität der Nutzererfahrung und die Frage sein, wie der Prozess der Einwilligung gestaltet ist.

Ein lächelnder Mann mit Brille, der in einer dunklen Umgebung ein Smartphone mit dem EUDI-Logo in der Hand hält.

Integration als zentrale Herausforderung

Kein Institut möchte Kundinnen oder Kunden abweisen, weil gesetzlich geforderte Identitätsnachweise nicht verarbeitet werden können. Gleichzeitig sind die Systeme vieler Banken noch nicht darauf ausgelegt, mit dezentralen Identitäts-Wallets zu interagieren. Die Integration wird damit zur Schlüsselaufgabe. Banken, die diese Herausforderung im Sinne einer reibungslosen Customer Journey lösen, können sich als Marktführer positionieren und Standards setzen.

Notwendig sind unter anderem Übersetzungs- und Schnittstellenlösungen, die bestehende Systeme mit den künftig vorgelegten Wallets verbinden. Partner, die entsprechende Infrastrukturen bereitstellen, können Banken und Zahlungsdienstleister dabei unterstützen, die Anforderungen der EUDI-Wallets zu bewältigen.

Die integrierte Plattform für digitale Identitäten von G+D Netcetera verbindet zentrales Identitätsmanagement mit der Integration neuer Wallets wie der EUDI-Wallet. Diese Komponenten verbinden Unternehmen mit vertrauenswürdigen Identitätsquellen und ermöglichen es bestehenden Systemen, mit verschiedenen Arten digitaler Zugangsdaten zu arbeiten. Die Möglichkeit, die Akzeptanz von Wallets zu ermöglichen, ohne eine vollständige Systemumstellung vornehmen zu müssen, ist zweifellos ein entscheidender Faktor.

Herausforderungen auf dem Weg zur EUDI

Der Übergang in die EUDI-Ära wird nicht reibungslos verlaufen. Wallets, die in einem Mitgliedstaat ausgegeben werden, müssen EU-weit akzeptiert werden. Das setzt Interoperabilität voraus. In der Praxis dürften jedoch Unterschiede bei Infrastruktur und Umsetzungstempo zu einem heterogenen Bild führen.

Banken mit grenzüberschreitender Tätigkeit müssen sich auf eine fragmentierte Wallet-Landschaft einstellen und dennoch ein konsistentes, nutzerfreundliches Angebot sicherstellen. Wer auf diese Dynamik vorbereitet ist, kann sich daraus ergebende Chancen gezielt nutzen.

Derzeit befinden sich viele Banken und Zahlungsdienstleister noch in der Phase der Positionsbestimmung. Klar ist jedoch, dass eine grundlegende Transformation bevorsteht. Digitale Identität und Zahlungsverkehr wachsen zusammen. Daraus ergibt sich erhebliches Wachstumspotenzial, während die Führungsrolle in diesem neuen Markt noch offen ist.

Während sich viele Akteure auf technische Spezifikationen, Rolloutpläne und Compliance-Anforderungen konzentrieren, liegt die eigentliche Chance möglicherweise in der strategischen Neugestaltung von Kundenbeziehungen und Geschäftsmodellen.

Die Europäische Union hat ihre Vision eines Open-Finance-Ökosystems bereits skizziert. Nutzerinnen und Nutzer erhalten darin ein bislang unerreichtes Maß an Kontrolle über ihre Daten. Mit der Konvergenz von Identität und Zahlungsverkehr stellt sich die Frage, welche weiteren Funktionen in diese Wallets integriert werden können und welche Auswirkungen dies auf zukünftige Geschäftsmodelle hat. Ein geeigneter Partner kann Banken dabei unterstützen, sich in diesem neuen Umfeld sicher zu orientieren.

  1. EU Digital Identity Wallet Pilot Implementation, European Commission

Veröffentlicht: 11.06.2026

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