Beginnen wir mit einer Arbeitsdefinition für Agentic Commerce: „… eine neue Form des Online- und Mobile-Shoppings, bei der ein KI-Agent den Prozess abschließt oder Aufgaben für einen Nutzer übernimmt, etwa Produkte sucht, Optionen vergleicht und einen Kauf tätigt, wobei nur wenige oder gar keine manuellen Eingaben des Nutzers erforderlich sind.“1
Entscheidend ist dabei die Formulierung „wenige oder gar keine manuellen Eingaben“. Befürworter sehen darin den Schritt von mehr Effizienz hin zu echter Autonomie im Transaktionsökosystem. Kritiker verweisen dagegen unter anderem auf Grenzen der heutigen Technologien, unzureichende regulatorische Leitplanken und fehlendes Wissen im gesamten Ökosystem.
„Im Jahr 2026 kamen drei branchenweite Entwicklungen zusammen“, erklärt Ivan Vukelikj, Payment Security Expert bei G+D Netcetera. „Erstens begann Agentic Commerce, sich vom Konzept in erste reale Anwendungen zu bewegen. Mehrere Zahlungsdienstleister veröffentlichten konkrete Rahmenwerke für KI-Agenten, die im Auftrag von Nutzern Transaktionen ausführen. Zweitens verschärften europäische Vorschriften die Anforderungen an Haftung und Einwilligung und stärkten zugleich die starke Kundenauthentifizierung, kurz SCA. Dadurch rückte die Frage in den Mittelpunkt, wie Einwilligung funktioniert, wenn ein Agent für eine Person handelt. Drittens stiegen die Betrugsverluste bei Echtzeit- und Account-to-Account-Zahlungen weiter an. Ursache war dabei häufig die Manipulation der zahlenden Person und nicht ein Versagen der Authentifizierung. Das zeigt ein Vertrauensproblem, das sich durch Automatisierung allein nicht lösen lässt.“
Viele Debatten über den Zahlungsverkehr drehen sich darum, Reibungsverluste zu reduzieren. Doch wo bleibt der Mensch in einer Welt, in der Zahlungen zunehmend durch Orchestrierung und KI gesteuert werden?
Anders gesagt: Verbraucher und Händler wünschen sich möglichst reibungslose Sofortzahlungen. Zugleich erwarten Banken, Zahlungsdienstleister und andere Beteiligte höchste Sicherheit. Kommt noch die Frage hinzu, wer haftet, wenn ein Agent beteiligt ist, wird die Komplexität deutlich.
Ob man dieses Spannungsfeld Vertrauensparadox nennt oder anders: Es zu lösen und Vertrauen entlang der gesamten Kette zu schaffen, ist entscheidend dafür, Agentic Commerce in großem Maßstab zu etablieren.




