Als Europa Anfang der 2000er-Jahre sein Satellitennavigationssystem Galileo startete, stellten Kritiker auf beiden Seiten des Atlantiks die Investition infrage. Warum Milliarden für ein neues System ausgeben, wenn das amerikanische GPS bereits zuverlässig funktionierte und kostenlos verfügbar war? Die Antwort lautet Autonomie. Sie ist der Grund, warum das Programm bis heute erfolgreich ist.
Im Jahr 2026 steht Europa vor einer ähnlichen Debatte, diesmal im Zusammenhang mit einer völlig anderen Technologie: dem digitalen Euro.
Der digitale Euro ist Teil einer globalen Entwicklung. 91%1 der von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) befragten Zentralbanken befassen sich mit digitalen Zentralbankwährungen (Central Bank Digital Currencies, CBDCs) und erkennen die strategische Bedeutung öffentlicher digitaler Zahlungsinfrastrukturen. Während die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Pläne für eine Pilotphase im Jahr 2027 und eine vollständige Einführung im Jahr 2029 vorantreibt, wird die Diskussion um den digitalen Euro zunehmend intensiver geführt. Der Bankensektor äußert Vorbehalte, und manche politische Stimmen argumentieren, der digitale Euro sei eine Lösung auf der Suche nach einem Problem. Diese Debatte greift jedoch zu kurz: Die Einführung eines digitalen Euro zielt nicht in erster Linie darauf ab, unmittelbare Verbraucherwünsche zu bedienen – viel mehr geht es darum, eine widerstandsfähige Infrastruktur mit digitalem, öffentlichem Geld für die Menschen zu schaffen.






