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Was hinter den neuen IoT-Spezifikationen steckt

Trend Update
7 Min.

Mit der wachsenden Zahl vernetzter Geräte rückt die Interoperabilität in der IoT-Branche noch stärker in den Fokus. Standards wie SGP.32 spielen dabei eine zentrale Rolle – doch welche Entwicklungen prägen die nächste Phase, wenn die Vernetzung  weiter an Fahrt gewinnt?

Weltweit wächst die IoT-Landschaft rasant. Laut Prognosen von GSMA Intelligence wird es bis 2030 global rund 5,8 Milliarden IoT-Verbindungen über Mobilfunknetze geben – mehr als 37 % davon werden durch eSIM-Technologie ermöglicht¹. Während die Automobilindustrie derzeit die Vorreiterrolle einnimmt, dürften neue Anwendungsfelder in Smart Cities, Landwirtschaft, Lieferketten und Gesundheitswesen die Nachfrage weiter beschleunigen.

Mit der wachsenden Zahl vernetzter Geräte steigt jedoch auch die Komplexität. Skalierung führt zu Fragmentierung: mehr Geräte, mehr Anwendungsfälle, mehr Bereitstellungsmodelle – alle müssen sicher und zuverlässig mit Mobilfunknetzen in unterschiedlichen Regionen und unter verschiedenen regulatorischen Rahmenbedingungen verbunden werden. Interoperabilität ist das verbindende Element, das dieses riesige Netz an Geräten funktionsfähig hält.

Darum sind Industriestandards so entscheidend. „Da IoT über Branchen und Regionen hinweg weiter expandiert, braucht es einheitliche Standards, damit Geräte dieselbe Sprache sprechen können“, erklärt Claus Dietze, Senior Director Standardization bei G+D. Ohne solche Standards wäre die global vernetzte Welt undenkbar. Sie schaffen einen gemeinsamen Rahmen, der es Geräten und Netzwerken erlaubt, effektiv miteinander zu kommunizieren. Standardisierung erhöht die Sicherheit, reduziert Integrations- und Betriebskosten und ermöglicht Herstellern, ihre Lösungen weltweit zu skalieren.

Die Evolution der IoT-Standards

Mit der steigenden Komplexität der Geräte und dem Aufkommen neuer IoT-Anwendungsfälle mussten sich auch die Standards kontinuierlich weiterentwickeln. Frühe GSMA-Spezifikationen wie SGP.02 entstanden, um die Remote-SIM-Bereitstellung (Remote SIM Provisioning, RSP) in Machine-to-Machine-(M2M-)Anwendungen zu ermöglichen – etwa in vernetzten Fahrzeugen oder industriellen Sensoren. SGP.22 hingegen erlaubt den Download von eSIM-Profilen auf Konsumentengeräte wie Smartphones, Tablets oder Wearables.

Da IoT über Branchen und Regionen hinweg weiter expandiert, braucht es einheitliche Standards, damit Geräte dieselbe Sprache sprechen können.

Claus Dietze
Senior Director Standardization bei G+D

Doch keine dieser Spezifikationen deckte die Anforderungen groß angelegter, sogenannter Headless-IoT-Anwendungen ab – also von Geräten ohne Bildschirm oder Benutzerschnittstelle, wie intelligenten Zählern oder landwirtschaftlichen Sensoren, die autonom und häufig in schwer zugänglichen Regionen arbeiten. Diese Lücke war der Auslöser für die Entwicklung von SGP.32. Erstmals im April 2024 veröffentlicht, wurde SGP.32 konzipiert, um eSIM-Profile über ein IP-basiertes Protokoll herunterzuladen – ein entscheidender Schritt weg von der bisher SMS-basierten Kommunikation der SGP.02-Spezifikation.

Das vereinfacht die weltweite Bereitstellung großer Headless-M2M- oder -IoT-Flotten mit nur einer einzigen global vorvernetzten Bestandseinheit (Stock Keeping Unit, SKU) und erleichtert das Connectivity Management über den gesamten Lebenszyklus eines Geräts hinweg. Wenn ein Gerät beispielsweise in einer neuen Region eingesetzt wird, kann das Betreiberprofil per Fernzugriff gewechselt werden – ohne physischen SIM-Tausch oder Vor-Ort-Montage. Diese Flexibilität senkt Betriebskosten und ermöglicht globale, skalierbare Einsätze.

Wie bei allen Spezifikationen zögerten Hersteller, Mobilfunknetzbetreiber (MNOs) und Unternehmen, SGP.32 zu implementieren, bis ein gewisser Reifegrad erreicht war. Seit der Veröffentlichung von Version 1.2 im Juni 2024 (nur drei Monate nach V1.1) gilt die Spezifikation nun als kommerziell einsatzfähig – die Akzeptanz wächst in zahlreichen Branchen. In der Automobilindustrie ermöglicht SGP.32 beispielsweise vernetzten Fahrzeugen die Nutzung von Ausweich- und Notfallprofilen, die dafür sorgen, dass Fahrerinnen und Fahrer auch in Gebieten mit schlechter Netzabdeckung sicher und vernetzt sind, und gleichzeitig gewährleisten, dass regulatorische Anforderungen an Sicherheit und Compliance erfüllt werden.

Mit neuen Funktionen entstehen jedoch auch neue Anforderungen. Die derzeit in Entwicklung befindliche Version 2 von SGP.32 soll zusätzliche Möglichkeiten erschließen – insbesondere für die Automobilbranche. Dazu zählen:

  • Geräteinitiierter Profilwechsel: Das Gerät kann den Profilwechsel selbst auslösen – etwa basierend auf der Verbindungsqualität.
  • Multiple Enabled Profiles (MEP): Geräte können mehrere Profile gleichzeitig halten oder aktivieren. So kann etwa ein Profil Sicherheitsfunktionen wie eCall übernehmen, während ein anderes für Infotainment oder Telematik zuständig ist.
  • Hybrid®-UICC-Unterstützung: Sie bietet größere Flexibilität für Geräte mit unterschiedlichen Hardware-Bedingungen.
Stadtstraße mit vernetzten Autos und digitalen Linien, die smarte Mobilität darstellen

Das Puzzle der Interoperabilität

Auch wenn SGP.32 als marktreif gilt, verdeutlicht die schrittweise Einführung eine zentrale Herausforderung im IoT-Bereich: Interoperabilität. Diese sicherzustellen, ist ein fortlaufender Prozess und eine ständige Anpassung an neue Technologien, Einsatzmodelle und Anwendungsfälle. Ein zentrales Element ist dabei der eSIM IoT Remote Manager (eIM) – eine Backend-Komponente, die als Kontrollzentrum für die Remote-Bereitstellung von IoT-Geräten dient.
Standards wie SGP.32 stellen sicher, dass Komponenten wie eIM mit einer Vielzahl von Geräten zuverlässig kommunizieren können – unabhängig von Hersteller, Gerätetyp, Bereitstellungsmodell oder Netzwerk. Allerdings können unterschiedliche Interpretationen der Spezifikationen insbesondere in Bezug auf das Verhalten oder die Schnittstellen eines eIM Kompatibilitätsprobleme verursachen.

Die Vielfalt der IoT-Landschaft verschärft diese Komplexität weiter: Was für einen Automobilhersteller mit vernetzten Fahrzeugen funktioniert, kann für einen Energieversorger mit einem Bestand an intelligenten Stromzählern völlig ungeeignet sein. Gerätetypen, Batteriekapazitäten und Anforderungen an die Konnektivität unterscheiden sich erheblich – von den verwendeten Transportprotokollen bis hin zu den Methoden des Profilmanagements. Auch die Wahl des Bereitstellungsmodells spielt eine Rolle: Manche Unternehmen integrieren den IoT Profile Assistant (IPA) direkt ins Gerät, während andere ihn in die eUICC einbetten. Beide Ansätze haben Auswirkungen auf Latenzzeiten, Speicherbedarf und Energieeffizienz – Faktoren, die die Interoperabilität ebenfalls beeinflussen.

Unternehmen stehen dadurch vor einem „Jetzt oder später“-Dilemma: Einige setzen frühzeitig auf neue Spezifikationen, während andere abwarten – aus Sorge um die Reife des Ökosystems, die Kompatibilität mit bestehenden Systemen und die Rentabilität. Doch zu langes Warten kann Innovationen hemmen. Viele Probleme werden erst im Realbetrieb sichtbar – wenn Geräte tatsächlich von Kundinnen und Kunden genutzt werden. Frühe Implementierungen sind daher entscheidend, um Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Darum sind umfangreiche Tests und Feedbackschleifen zwischen industriellen Anwendern und der GSMA als Normungsinstanz von zentraler Bedeutung. Ebenso wichtig ist es, eine Herstellerbindung zu vermeiden – also proprietäre Lösungen, die andere Marktteilnehmer ausschließen.

Modernes automatisiertes Lager mit IoT-Maschinen auf einem Förderband, die Pakete sortieren

Funktionalität und Sicherheit durch Zertifizierung gewährleisten

Um die Herausforderungen, die die erforderliche Interoperabilität mit sich bringt, branchenweit anzugehen, hat die GSMA Zertifizierungen eingeführt. Sie ermöglichen es den Akteuren im Ökosystem – Geräteherstellern, Mobilfunknetzbetreibern oder Software-Entwicklern – nachzuweisen, dass ihre Lösungen in Bezug auf Funktionalität und Sicherheit den Spezifikationen wie SGP.32 entsprechen. Durch einheitliche Interoperabilitäts- und Sicherheitskriterien sorgt die Zertifizierung für Transparenz und kann als Katalysator für die branchenweite Einführung neuer Spezifikationen wirken.

Im April 2024 wurde G+D als erstes Unternehmen ausgezeichnet, das seine eUICC-Produkte im Rahmen des eSA-Evaluierungsschemas zertifizieren ließ. Als langjähriges Mitglied der GSMA spielt G+D weiterhin eine führende Rolle bei der Gestaltung und Erprobung neuer Standards – sowohl bei der Skalierung von SGP.32 als auch bei der Vorbereitung der nächsten Evolutionsstufe: SGP.42.

Infografik: Chronologische Entwicklung der eSIM-Standards (M2M, Consumer, IoT, IFPP) der GSMA

Was kommt als Nächstes? SGP.42 und „Born Connected®“-Geräte

SGP.42 ist eine neue Spezifikation, die derzeit entwickelt wird und die die In-Factory-Profilbereitstellung (In-Factory Profile Provisioning, IFPP) ermöglichen soll. Damit können Hersteller bereits in der Produktion Bootstrap-Profile installieren, sodass eSIM-Geräte – sowohl IoT- als auch Consumer-Geräte – sofort nach der Inbetriebnahme eine Verbindung aufbauen können (Born Connected®). Im Einsatz kann anschließend über SGP.32 das passende Profil heruntergeladen und aktiviert werden – etwa basierend auf lokalen Netzbedingungen.

Auf den ersten Blick mag IFPP wie eine inkrementelle Funktion erscheinen – schließlich ist Remote-Bereitstellung bereits möglich. Warum also noch im Werk? Doch IFPP adressiert ein zentrales Problem bei energieeffizienten Headless-Geräten: Das Remote-Authentifizieren, Herunterladen und Aktivieren neuer eSIM-Profile etwa auf Smart Metern oder Umweltsensoren verbraucht viel Energie – was die Lebensdauer solcher Geräte oft um Jahre verkürzt. Bei Tausenden weltweit eingesetzten Geräten summieren sich diese Energieverluste schnell – sowohl finanziell als auch ökologisch. Die Bereitstellung von eSIM-Profilen in der Produktion mit SGP.42 hilft, diese Effekte zu verringern und die Langlebigkeit der Geräte zu erhöhen.

Zu den weiteren Vorteilen von IFPP zählen:

  • Effizientere Fertigung: Mit nur einer SKU können Geräte für globale Einsätze in Serie produziert werden – ohne regionale Varianten.
  • Schnellere, berührungslose Bereitstellung: Geräte sind bereits vorkonfiguriert und verbinden sich nach der Auslieferung automatisch – ohne manuelle Einrichtung.
  • Niedrigere Bereitstellungskosten und geringere Komplexität: Frühzeitige Konnektivität vereinfacht Abläufe für Hersteller, Betreiber und Unternehmen gleichermaßen.

Wichtig zu wissen: SGP.42 ersetzt SGP.32 nicht, sondern ergänzt es. Beide Spezifikationen sind so konzipiert, dass sie Hand in Hand über verschiedene Phasen des Gerätelebenszyklus arbeiten: IFPP übernimmt die Konnektivität ab der Produktion, während RSP ein flexibles Konnektivitätsmanagement während der Nutzungsphase erlaubt.

SGP.42 befindet sich noch in der Entwicklung. Die Architektur und die Anforderungen für IFPP (SGP.41) wurden im Februar 2025 veröffentlicht, die vollständige technische Spezifikation (SGP.42) wird für das 3. Quartal 2026 erwartet. Bis dahin wird SGP.32 weiter reifen – und mit neuen Anwendungsfällen auch neue Herausforderungen mit sich bringen.

Mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten, ist bereits eine Herausforderung für sich. Es ist eine Sache, die Einhaltung neuer Standards zu gewährleisten, aber eine ganz andere, sich ständig an deren Weiterentwicklung anzupassen. Ob Gerätehersteller, Netzbetreiber oder Unternehmen mit breit angelegten IoT-Anwendungen: Die Zusammenarbeit mit erfahrenen Partnern kann helfen, Komplexität zu reduzieren und die Einführung zu beschleunigen. Als weltweit führender Anbieter für Konnektivitätslösungen ist G+D bestens aufgestellt, IoT-Nutzerinnen und -Nutzer auf diesem Weg zu unterstützen – nicht nur mit einer modularen Suite aus IoT- und eSIM-Lösungen, sondern auch als aktiver Partner der GSMA, der die Standards selbst mitgestaltet.

Key Takeaways

  • Standards sind unerlässlich, um die Interoperabilität in einer zunehmend vernetzten IoT-Landschaft sicherzustellen.
  • SGP.32 hat die kommerzielle Reife erreicht, aber die Interoperabilität bleibt eine Herausforderung.
  • SGP.42 ist auf dem Weg, die Bereitstellung in der Fabrik zu ermöglichen – und bietet damit mehr Flexibilität über den gesamten Lebenszyklus eines Geräts hinweg.
  1. IoT and mobile operators - Progress and pain points“, Feb 2025, IoT and mobile operators: progress and pain points | GSMA Intelligence

Veröffentlicht: 06.11.2025

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