In der heutigen, sich rasant verändernden Finanzlandschaft werden Formen und Funktionen des Geldes vielfältiger und es entwickelt sich ein immer komplexeres Zahlungssystem. Und wieder stehen digitale Zentralbankwährungen (Central Bank Digital Currencies, CBDCs) im Mittelpunkt globaler Diskussionen, etwa auf Tagungen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Diese wachsende Aufmerksamkeit kommt nicht von ungefähr: CBDCs haben das Potenzial, die Finanzwelt zu revolutionieren, indem sie den Weg zu einem einheitlichen und integrierten Währungssystem bereiten. Ein System, das sowohl Wholesale CBDC als auch Retail CBDC umfasst, würde die Interoperabilität des Finanzsektors verbessern und die Voraussetzungen für ein inklusiveres und effizienteres Finanzökosystem schaffen.

Wie CBDCs die Interoperabilität im digitalen Finanzwesen verbessern
In vielen Teilen der Welt entwickelt sich parallel zu etablierten Zahlungsmethoden eine tokenisierte Währungsarchitektur. Interoperabilität ist dabei von entscheidender Bedeutung, wobei sowohl Vertrauen als auch Zugänglichkeit gewahrt bleiben müssen. Als öffentliche Infrastruktur können CBDCs diese Interoperabilität gewährleisten und reibungslose Transaktionen zwischen konventionellen und tokenisierten Systemen ermöglichen.
Zusammenspiel von öffentlichem und privatem Geld
Um die heutige Finanzlandschaft zu verstehen, lohnt sich ein Blick aus doppelter Perspektive: Zum einen lässt sich zwischen öffentlichem Geld (also Geld der Zentralbank) und privaten Geldformen (etwa Bankeinlagen oder E-Geld) unterscheiden. Zum anderen geht es um die Unterscheidung von klassischen Zahlungssystemen und neuen, tokenbasierten Infrastrukturen.

Die Entwicklung von Zahlungssystemen ist eine Geschichte der Symbiose – gekennzeichnet durch das dynamische Zusammenspiel der Kreativität des privaten Sektors und der Kontrollfunktion des öffentlichen Sektors. Während der Privatsektor Innovationen vorantreibt und neue Finanzprodukte und -dienstleistungen entwickelt, die unseren Alltag und die Wirtschaft prägen, sorgt der öffentliche Sektor für Regulierung und Stabilität.
Zentralbanken geben dabei nicht nur Bargeld und Reserven aus, sie schaffen auch das Rückgrat für Finanzdienstleistungen – etwa durch robuste Infrastrukturen wie Echtzeitzahlungssysteme zwischen Banken (Real-Time Gross Settlement Systems, RTGS) – und viele entwickeln sogar nationale Sofortzahlungssysteme (Instant-Payment-Systeme, IPS).
Kommerzielle Banken und andere private Akteure wiederum entwickeln eigene Formen privaten Geldes und die dazugehörigen Infrastrukturen. Von Kartensystemen bis zu mobilen Zahlungslösungen – diese Innovationen sind heute weltweit unverzichtbar, ob in den USA, Europa oder Afrika. Doch das Vertrauen in diese privaten Formen von Geld beruht letztlich auf ihrer Umtauschfähigkeit in öffentliches Geld.
Trotz der fortschreitenden Digitalisierung bleibt dessen Rolle unverzichtbar. Es ist der Anker für Vertrauen und Stabilität, der ultimative Garant für die Widerstandsfähigkeit des Währungssystems – auch in Krisenzeiten.
Allerdings besteht derzeit eine deutliche Lücke: Der Zugang zu öffentlichem digitalem Geld für Privatpersonen ist noch begrenzt, da sich CBDCs (Central Bank Digital Currency, digitales Zentralbankgeld) noch in der Erprobungsphase befinden. Das zeigt nicht nur, wie sich Finanzsysteme entwickeln, sondern dass wir eine Brücke zwischen traditionellem öffentlichem Geld und digitalen Geldformen benötigen.
Traditionelle Zahlungen und tokenisierte Ökosysteme
Das Finanzsystem befindet sich im Übergang zu einer tokenisierten Geldarchitektur, in der Geld und Vermögenswerte als digitale Tokens abgebildet werden. Sowohl öffentliche als auch private Geldformen (Bargeld, Einlagen) und Infrastrukturen (RTGS, Instant-Payment-Systeme) erhalten tokenisierte Entsprechungen. Mit der Einführung von Wholesale- und Retail-CBDCs, tokenisiertem Geschäftsbankengeld (CBMT) und regulierten Stablecoins verändert sich unser Verständnis von Wertübertragung, Zahlungsabwicklung und Programmierbarkeit grundlegend.
Entscheidend für den Erfolg ist eine nahtlose Interoperabilität – sowohl innerhalb der jeweiligen Systeme als auch zwischen konventionellen und tokenisierten Systemen. Diese Interoperabilität stellt sicher, dass die Nutzer und Nutzerinnen problemlos zwischen verschiedenen physischen und digitalen Zahlungsmethoden wechseln können und dabei Vertrauen und Zugänglichkeit erhalten bleiben. CBDCs als öffentliche Infrastruktur können diese Interoperabilität gewährleisten und die Integration fördern.

Vorteile von CBDCs gegenüber Stablecoins
Wholesale-CBDCs (wCBDCs) positionieren sich zunehmend als zentrale Abwicklungsebene im digitalen Währungsraum – insbesondere für Transaktionen mit verschiedenen Stablecoins, da sie Fungibilität und universelle Akzeptanz ermöglichen. Anders als Stablecoins, die von den Rücklagen privater Emittenten abhängen, sind wCBDCs nicht anfällig für Kredit- und Liquiditätsrisiken. Dadurch bieten sie ein stabiles und verlässliches Medium für Transaktionen über verschiedene Plattformen hinweg.
Mehrwert für RTGS
wCBDCs sind weit mehr als eine Alternative zu Stablecoins: Sie können RTGS-Systeme substanziell verbessern. Mit der Fähigkeit, „atomare Abwicklungen“ (atomic settlements) in Echtzeit durchzuführen, stellen wCBDCs sicher, dass Transaktionen nicht nur sofort möglich, sondern auch unumkehrbar sind, was die Abwicklungsrisiken erheblich mindert. Zudem eröffnen sie neue Möglichkeiten der Programmierbarkeit über Smart Contracts, die komplexe Transaktionen automatisieren, wie zum Beispiel für bedingte Zahlungen oder „Delivery versus Payment“-Abwicklungen (DvP; Lieferung gegen Zahlung) bei Wertpapieren. Auch grenzüberschreitende Zahlungen profitieren: wCBDCs können Payment versus Payment (PvP)-Transaktionen effizienter und sicherer machen. Darüber hinaus könnten sie einen wertvollen Beitrag zu einem verbesserten Liquiditätsmanagement leisten, indem sie Finanzinstitute dabei unterstützen, ihre Mittel präziser zu verwalten.
Wie sich rCBDC und IPS ergänzen
Zentralbanken müssen sich nicht zwischen einer Retail-CBDC (rCBDC) und einem Instant-Payment-System (IPS) entscheiden – beide Systeme ergänzen sich. Während ein IPS Zahlungen zwischen Banken oder Zahlungsdienstleistern abwickelt, bietet rCBDC Privatpersonen und Unternehmen einen direkten Anspruch gegenüber der Zentralbank und fördert so die finanzielle Inklusion über die Möglichkeiten eines IPS hinaus.
Selbst in Ländern mit hohem Bankenzugang und etablierten Echtzeitzahlungssystemen – etwa in Europa oder Indien – treiben Zentralbanken ihre CBDC-Projekte weiter voran. Dies unterstreicht die Koexistenz und komplementäre Rolle dieser Systeme.
Nahtlose Zukunft mit einem einheitlichen Währungssystem
Fachleute sind sich weitgehend einig, dass das Finanzsystem der Zukunft durch ein vielfältiges Ökosystem geprägt sein wird, in dem verschiedene Formen öffentlichen und privaten Geldes nebeneinander existieren. Ein einheitliches Währungssystem, das sowohl Retail- als auch Wholesale-CBDCs umfasst, kann dabei eine Fragmentierung verringern und unterschiedliche Geldformen integrieren – für ein gerechteres und nutzerfreundlicheres Finanzsystem.
Die Relevanz von öffentlichem Geld bleibt zentral: Es bedient die Marktnachfrage nach risikofreiem Zentralbankgeld in tokenisierter Form und sichert Souveränität, Inklusion und Resilienz des Währungssystems. Der Zeitpunkt ist gekommen, Innovationen zu nutzen und mit CBDCs als digitaler öffentlicher Infrastruktur den Grundstein für die Zukunft des Finanzsystems zu legen.
Key Takeaways
- Während öffentliches und privates Geld weiterhin in enger Wechselwirkung stehen, bleibt die Funktion des öffentlichen Geldes als Vertrauensanker essenziell für die Stabilität und das reibungslose Funktionieren des Zahlungssystems.
- Interoperabilität zwischen traditionellen und tokenisierten Währungsökosystemen ist unerlässlich: CBDCs als öffentliche Infrastruktur können dies gewährleisten.
- Die Zukunft bietet Platz sowohl für öffentliches als auch für privates Geld: Ein einheitliches, von CBDCs unterstütztes Währungssystem ist ein Weg zu einem gerechteren und kundenfreundlicheren Finanzsystem.
Veröffentlicht: 09.12.2025
Diesen Artikel teilen
Verpassen Sie nicht die neusten Artikel von G+D SPOTLIGHT: Wenn Sie unseren Newsletter abonnieren, bleiben Sie immer auf dem Laufenden über aktuelle Trends, Ideen und technische Innovationen – jeden Monat direkt in Ihr Postfach.


