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#Payment Technology

Innovationen im Zahlungsverkehr: was sich ändert

Interview
8 Min.

Der Zahlungsverkehr ist so komplex wie nie zuvor. Themen wie Infrastrukturkosten, Kundenservice und Kundenzufriedenheit sowie die Betrugsbekämpfung erhöhen den Druck auf alle Beteiligten. Dabei konkurrieren neue Zahlungsmethoden mit bewährten Kartensystemen um Banken sowie Verbraucherinnen und Verbraucher. Das Ziel ist der begehrte „Top-of-Wallet“-Status. Im Spotlight-Interview spricht Gabrielle Bugat, CEO von G+D ePayments, über die rasante Entwicklung der Zahlungssysteme, die Vielfalt der Modelle weltweit und den harten Wettstreit, der derzeit in diesem Bereich ausgetragen wird.

Gabrielle Bugat spricht in einem modernen Büro über Wallet- und Zahlungsinnovationen.
Gabrielle Bugat, CEO, G+D ePayments

Der Zahlungssektor bietet viele Möglichkeiten, ist aber auch von Herausforderungen geprägt. Weltweit erwarten Verbraucherinnen und Verbraucher, dass Bezahlmodelle – egal ob bar, kartenbasiert oder digital – bequem, sicher und zuverlässig sind; zudem sollen sie leicht zugänglich für alle sein. Darüber hinaus wünschen sie sich Angebote, die ihren persönlichen Wertvorstellungen und ihrem Lebensstil entsprechen, mit möglichst geringen oder gar keinen Gebühren sowie zusätzliche Bonusleistungen. Und sie erwarten, dass der Wechsel zwischen verschiedenen Zahlungsmethoden reibungslos funktioniert.

Als CEO von G+D ePayments hat Gabrielle Bugat täglich mit Zahlungsdienstleistern, FinTechs, Banken und anderen Akteuren im weltweiten Zahlungswesen zu tun und unterstützt sie dabei, diesen agilen Anforderungen gerecht zu werden. Das gibt ihr eine einzigartige Einsicht in die Entwicklungen in verschiedenen Ländern bei allen Themen rund ums Bezahlen –und sie weiß genau, welche Erwartungen die Endkundinnen und Endkunden sowie die Händlerinnen und Händler haben. Im Spotlight-Interview gibt sie uns einen exklusiven Einblick in ihre Erfahrungen. 

Ein Smartphone, auf dem mehrere App-Symbole und ein Symbol für die digitale Geldbörse zu sehen sind.

Der Zahlungsverkehr wird vielfältiger

Willkommen bei Spotlight, Gabrielle! Zahlungsmodelle entwickeln sich weltweit sehr schnell und berücksichtigen zunehmend lokale Gegebenheiten. Welche Beispiele zeigen dies Ihrer Meinung nach besonders deutlich?

Die internationale Payment-Landschaft ist in der Tat unglaublich vielfältig. Spontan fallen mir drei ganz verschiedene Beispiele ein. In den USA sind Kredit- und Debitkarten nach wie vor weit verbreitet. Sich dort ausschließlich auf kontaktloses Bezahlen mit dem Handy zu verlassen, könnte problematisch werden. Die Menschen lieben ihre Karten und benutzen sie gerne. Viele definieren sich auch über ihre Kreditkarte bzw. den Aussteller der Karte.

Ganz anders ist das in Indien: Dort nutzen immer mehr Menschen das Sofortzahlungssystem UPI (Unified Payment Interface). Dieses System wurde mit Unterstützung der Reserve Bank of India entwickelt und ermöglicht Bank-zu-Bank-Transaktionen über Mobiltelefone. UPI hat sich in Indien unglaublich weit verbreitet, vor allem weil es aus Sicht der Händlerinnen und Händler so einfach einzurichten ist. Egal ob großer Händler oder kleine Händlerin, sie müssen lediglich einen QR-Code-Aufkleber anbringen und schon können sie Zahlungen entgegennehmen. Ende 2024 waren rund 633 Millionen solcher QR-Codes im Umlauf – doppelt so viele wie noch vor einem Jahr.1

An welche anderen Länder denken Sie noch in diesem Zusammenhang?

Da wäre beispielsweise Brasilien. Früher existierten dort viele verschiedene POS-Systeme und hinter jedem stand ein anderes Bezahlverfahren. Also eine sehr komplexe und deshalb auch teure Ausgangslage. Daher gab es sowohl bei Verbraucherinnen und Verbrauchern als auch bei Unternehmen und Behörden den Bedarf nach einem einfacheren, inklusiveren System. Im Jahr 2020 führte die brasilianische Zentralbank dann das Sofortzahlungssystem PIX ein und schon bald wurde ein großer Teil der Transaktionen darüber abgewickelt. Im März 2025 lag die Zahl der PIX-Zahlungen bei mehr als 6,25 Milliarden, was einem Anstieg von rund 30 % innerhalb eines Jahres entspricht.2

Neue Zahlungssysteme werden immer dann eingeführt, wenn die bestehenden Systeme den Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Sei es, weil sie digital nicht kompatibel sind oder weil sie zu viele Menschen von der Nutzung ausschließen. In Indien und Brasilien wurden die neuen Zahlungsmethoden nicht eingeführt, damit die Bürger und Bürgerinnen mehr kaufen. Vielmehr ging es darum, das Zahlungssystem deutlich inklusiver zu gestalten, also Zahlungen einer deutlich breiteren Bevölkerungsgruppe zugänglich zu machen, sowohl auf Nutzer- als auch auf Händlerseite. 

In Australien hingegen war der Grund, das Zahlungssystem zu reformieren, ein ganz anderer: Zahlungen sollten schlichtweg schneller und einfacher werden. Infolgedessen kam es zu einer raschen Einführung von Konto-zu-Konto-Zahlungen (Account-to-Account; A2A). Dabei wird das Geld direkt vom Bankkonto des Bezahlenden auf das Konto des Empfängers oder der Empfängerin überwiesen, ohne dass zusätzliche Vermittler oder Zahlungsinstrumente erforderlich sind.

Das A2A-Verfahren hat auch dazu beigetragen, größere Sicherheitsprobleme zu lösen. In den letzten Jahren wurden Australierinnen und Australier von einer Welle von Betrugsfällen im Zusammenhang mit Sofortzahlungen heimgesucht, bei denen persönliche Daten abgegriffen wurden. Über die erbeuteten Daten der Betroffenen konnten sich die Täter Zugang zu deren Konten verschaffen. Der Staat reagierte ziemlich schnell und führte Australian Payments Plus“ ein, ein sicheres nationales System, das gleich mehrere Zahlungswege umfasst.

Eine spanische Frau prüft ihre letzte Transaktion über ihre digitale Geldbörse auf ihrem Smartphone.

Bei der Konzeption von Zahlungsmodellen spielt die vorhandene Infrastruktur eine entscheidende Rolle. Nehmen Sie beispielsweise die Zahlungsinfrastruktur in Europa und Nordamerika: Sie hat sich bereits amortisiert und verfügt über einen umfassenden rechtlichen Rahmen, der für Sicherheit sorgt. Hier ist es nicht so einfach, einen Business Case für einen völlig neuen Ansatz zu entwickeln.

Im Gegensatz dazu haben Indien und Brasilien, beides Länder, die sich rasant weiterentwickeln, den Sprung von einem überwiegend bargeldbasierten System zur großflächigen Einführung digitaler Zahlungen geschafft. China befindet sich irgendwo dazwischen: Die Anzahl von Super-App-Plattformen, insbesondere Alipay und WeChat, ist dort explosionsartig angestiegen. Die Zahlungen finden hier in einer Art in sich geschlossenem Ökosystem statt – natürlich datengesteuert und personalisiert. Allerdings benötigen die Verbraucherinnen und Verbraucher nach wie vor eine Karte, die mit diesen Super-Apps verknüpft ist.

Unabhängig vom Zahlungssystem kommt es heutzutage nicht nur auf das eigentliche Bezahlen an, sondern zunehmend auf das Zahlungserlebnis als solches – sei es im Geschäft (Tap-to-Pay) oder online (Click-to-Pay). Hier steht der nächste Wettstreit bevor, denn einerseits soll das Zahlungserlebnis (Click-to-Pay, Tokenized Card on File usw.) mithilfe gesicherter Daten verbessert werden. Andererseits will man die Nutzerdaten natürlich weiterverarbeiten, um den Verbraucherinnen und Verbrauchern zusätzliche Dienste anbieten zu können.

Es geht also mehr um die Plattform an sich als um die eigentliche Transaktion. Dank unserer starken Position im Bereich der Kartenzahlungs- und anderer Ökosysteme sind wir bei G+D in der Lage, Banken sowie weiteren Dienstleistern dabei zu helfen, dieses Erlebnis positiver zu gestalten.

Unabhängig vom Zahlungssystem liegt die Aufmerksamkeit heute nicht mehr nur auf der Zahlung selbst, sondern zunehmend auf dem gesamten Zahlungserlebnis.

Gabrielle Bugat
Gabrielle Bugat
CEO, G+D ePayments

Das System der Kartenzahlung wird sicher nicht abgeschafft, aber es muss sich verändern.

Gabrielle Bugat
Gabrielle Bugat
CEO, G+D ePayments

Die Karte ist mehr als ein alltägliches Zahlungsmittel. Sie wird zum Statussymbol – zum Markenprodukt einer Bank, die die Werte der Kundinnen und Kunden versteht.

Gabrielle Bugat
Gabrielle Bugat
CEO, G+D ePayments

Wie sich Kartenzahlungssysteme entwickeln

Wie schätzen Sie die künftige Entwicklung von Kartenzahlungen ein, angesichts der unterschiedlichen Ökosysteme im Zahlungsverkehr?

Kartenzahlungssysteme – und mit ihnen die vielen Zahlungssysteme und Netzwerke, die dahinterstehen – gibt es seit 50 bis 60 Jahren. Dass sie sich heute weiterentwickeln, liegt vor allem an zwei Faktoren: der massiven Konkurrenz des Online-Handels und dem Druck, den die neuen Zahlungsmethoden auf bestehende Geschäftsmodelle ausüben. Das System der Kartenzahlung wird sicher nicht abgeschafft, aber es muss sich verändern. Die Frage ist, inwieweit es sich den Forderungen des Online-Handels anpasst und wie tiefgreifend die Veränderungen durch den Aufschwung neuer Zahlungssysteme sein werden. 

Angesichts des E-Commerce-Booms darf man auf keinen Fall den Anschluss verlieren. Dazu gehört, sich an Online-Zahlungsvorgänge anzupassen (z. B. mit virtuellen Karten), die Sicherheitsherausforderungen zu bewältigen (z. B. mit 3DS) und in Schwellenländern In-Store-Zahlungen anzubieten.

Insbesondere in Nordamerika und Europa erfreut sich die Kartenzahlung großer Beliebtheit – sowohl in physischer als auch in digitaler Form, denn sie bietet viele Vorteile: die verzögerte Abrechnung, das verlängerte Zahlungsziel sowie Cashback-Optionen, Rabatte und Prämien. Für den Handel ist die Karte ein Kaufanreiz, für Betreiber von Zahlungssystemen, Kartenherausgeber und Zahlungsabwickler generiert sie Gebühren. Wir haben es hier mit einer Win-win-Situation für alle Beteiligten zu tun.

Und trotzdem setzen sich neue Zahlungsmethoden durch. Vor allem wenn wie bei Peer-to-Peer-Transaktionen spezielle Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer bedient werden. Diese neuen Verfahren, wie beispielsweise Sofortzahlungen, mögen zwar flexibler sein, sie sind aber auch risikoreicher: Es fehlt ihnen (noch) an einer soliden Infrastruktur und umfassenden Sicherheitsstandards. Das zeigt sich auch daran, dass die meisten Betrugsdelikte auf das Konto dieser neuen Zahlungsmodelle gehen.

Zahlungsinfrastruktur
Als „Payment Rail“ (dt. Zahlungsschiene) bezeichnet man die konkrete Infrastruktur, über die Geld zwischen dem Bezahlenden und dem Zahlungsempfänger oder der Zahlungsempfängerin bewegt wird. Ähnlich einer „Schiene“ für Züge wird dafür eine genau definierte Route verwendet, die den sicheren elektronischen Geldtransfer ermöglicht. Beispiele für diese sogenannten Payment Rails sind SWIFT (für internationale Banküberweisungen), ACH (das elektronische Netzwerk für die Abwicklung von Finanztransaktionen in den USA) und SEPA (das neue grenzüberschreitende Transaktionssystem, das den größten Teil Europas abdeckt) sowie Kartenzahlungsnetzwerke, die Zahlungssysteme wie Visa und Mastercard unterstützen.

Zahlungssysteme
Ein Zahlungssystem definiert einen komplexen Rahmen von Regularien und Prozessen, dem sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verpflichtet haben. Dieser Rahmen stellt sicher, dass Transaktionen je nach Zahlungsmittel sicher und effizient abgewickelt werden können. Zu den möglichen Systemen zählen Überweisungen, Lastschriften, mobile Apps, digitale Geldbörsen, Bezahlkarten und vieles mehr.

Zahlungsnetzwerke
Zahlungsnetzwerke sind Unternehmen und Organisationen, die als Vermittler für elektronische Finanztransaktionen fungieren. Sie stellen eine vernetzte Struktur für die Zahlungsabwicklung zwischen Finanzinstituten (z. B. Banken und anderen Anbietern von Zahlungsinstrumenten) einerseits und Händlerinnen und Händlern, die diese akzeptieren, andererseits bereit. Beispiele hierfür sind u. a. Visa, American Express und Mastercard, aber auch neuere Netzwerke wie PayPal, Stripe und WeChat Pay.

Veränderte Einstellung gegenüber Karten

Glauben Sie, dass sich die Einstellung der Verbraucherinnen und Verbraucher gegenüber Kartenzahlungen verändert hat? Und wie reagieren die Kartenherausgeber darauf?

In Ländern mit hoher Kreditwürdigkeit haben die Menschen in der Regel mehrere Karten im Portemonnaie. Das führt im Grunde zu einem Wettbewerb zwischen den Banken, wer die sogenannte „Top-of-Wallet“-Position einnimmt – sowohl in der analogen als auch in der digitalen Geldbörse. Physische Karten stehen bei den Emittenten hoch im Kurs. Selbst Banken, die nur Online-Konten anbieten, stellen in fast allen Fällen eine physische Bezahlkarte zur Verfügung. Betrachten wir nur einmal die großen digitalen Player: Unternehmen wie Apple, PayPal oder Trade Republic haben es in Deutschland für notwendig erachtet, physische Karten herauszugeben, um die Markenidentität und das Einkaufserlebnis am Point of Sale zu stärken. Eins ist klar: Die Karte ist gekommen, um zu bleiben.

Es geht nicht darum, für oder gegen Bezahlkarten zu sein, sondern darum, welche Karte wie häufig für was genutzt wird: ob man seine Karten beispielsweise einem bestimmten Zweck zuordnet und etwa eine Karte für Auslandsreisen, eine für Online-Käufe und wieder eine andere nur für Treueprogramme nutzt.  

Kommt es bei der tagtäglichen Nutzung einer bestimmten Karte darauf an, welche Merkmale sie hat und wie sie sich von anderen Karten unterscheidet?

In Zukunft dürfte es stärker darauf ankommen, was eine Karte über den Kunden oder die Kundin und ihren Aussteller aussagt. Hier gibt es einige interessante Entwicklungen: Die heutigen Karten bestehen zwar noch überwiegend aus Plastik, aber viele Aussteller wollen auf den Einsatz von Primärkunststoff verzichten. Bei G+D unterstützen wir das mit unserem Versprechen, bis 2030 auf die Verwendung von Primärkunststoff in Bezahlkarten zu verzichten.

Darüber hinaus werden Premiumkarten immer beliebter, mit denen man beim Bezahlen seinen Status zeigen kann. In Indien besaßen bis vor ein paar Jahren nur wenige Menschen Kreditkarten, doch mit der rasanten Entwicklung des Landes hat sich das geändert und führt zu neuen Trends. Immer mehr der in Indien herausgegebenen Kreditkarten bestehen heute aus Metall, weil das als Zeichen finanzieller Stabilität und Kreditwürdigkeit vermarktet wird. 

Neben den prestigeträchtigen Premiumkarten und gewöhnlichen Bezahlkarten gibt es noch viele andere Ausführungen. Zu den Karteninnovationen von G+D gehören unter anderem Karten aus Holz, Leichtmetall und Keramik sowie aus recyceltem Kunststoff. Um sowohl die Sicherheit als auch das Image zu verbessern, lassen sich diese Karten mit modernsten Funktionen wie der Aktivierung per Fingerabdruck ausstatten. So brauchen Sie sich keine PIN mehr zu merken oder sie vor den Augen anderer Leute in ein Gerät einzutippen.

Eine derzeit in China sehr beliebte Karte verfügt über eine haptische Oberfläche, die sich anfühlt, als würde man mit den Fingern über ein Ölgemälde streichen. Ein alltägliches Zahlungsmittel wird somit zu einem Lifestyle-Objekt und zum Markenprodukt einer Bank, die versteht, worauf ihre Kundinnen und Kunden Wert legen.

Eine Kundin hält eine Kreditkarte in der Hand, während sie zu Hause online per Smartphone bezahlt.

Digitalisierung als Impulsgeber

Ein wichtiger Aspekt bei der Entwicklung neuer Zahlungsmodelle ist sicherlich auch die ständig zunehmende Betrugsgefahr – insbesondere bei den immer beliebter werdenden Sofortzahlungen …

Das ist richtig: Kartenzahlungssysteme sind in der Regel sehr gut geschützt; Manipulationen sind schwieriger. Also verlagert sich der Betrug auf Sofortzahlungen. Wir brauchen hier dringend Maßnahmen für mehr Sicherheit. 

Seit die Verordnung über Sofortzahlungen in der Europäischen Union in Kraft getreten ist, müssen alle Zahlungsdienstleister standardmäßig Sofortzahlungen anbieten. Mit diesem Schritt wird die EU-Initiative, einen einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA) zu schaffen, ausgeweitet.Überweisungen sind nun rund um die Uhr möglich und müssen innerhalb von zehn Sekunden abgewickelt werden. Wir befinden uns also gerade mitten in einem tiefgreifenden Wandel des Zahlungsverkehrs.

Einige Verbraucherinnen und Verbraucher haben vielleicht Sorge, dass auf die sofortige Zahlung der sofortige Betrug folgt. Warum? Weil die von den Kartensystemen und Kartenbetreibern akzeptierte Haftung für die Sicherheit von Transaktionen in vielen Sofortzahlungssystemen nicht existiert. Zwar bietet die SEPA-Verordnung einige zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen, doch das reicht nicht aus. Tatsache ist aber, dass die gesamte Branche aktiv daran arbeitet, effektive Lösungen zur Betrugsbekämpfung in diesem Bereich zu finden.

Daraus ergibt sich eine interessante Dynamik bzw. ein Spannungsfeld, das fast überall zu beobachten ist: Kundinnen und Kunden sowie Händlerinnen und Händler verlangen einfache und reibungslose Zahlungen; gleichzeitig wächst die Angst vor Betrug und Abzocke.

Gabrielle Bugat
Gabrielle Bugat
CEO, G+D ePayments

Zahlungsdienstleister stehen vor unternehmerischen Herausforderungen, wie ich sie in den letzten zehn Jahren nicht erlebt habe.

Gabrielle Bugat
Gabrielle Bugat
CEO, G+D ePayments

Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen gibt es seitens der Banken: Zahlungen werden nach Möglichkeit nicht immer unmittelbar ausgeführt, da kleine Verzögerungen das System und den Bezahlvorgang sicherer machen. Wenn Sie heute eine Online-Transaktion durchführen wollen, werden Sie daher oft gefragt: „Sind Sie sicher, dass Ihre Überweisung an die richtige Person geht?“ Und vielleicht in einer zweiten Abfrage und über ein anderes mobiles Gerät: „Können Sie bestätigen, dass Sie tatsächlich der oder die Überweisende sind?“ Aufgrund des wachsenden Betrugsrisikos bei Sofortzahlungen beginnen wir alle – Verbraucherinnen und Verbraucher, Banken und Zahlungssysteme –, unser Verhalten zu ändern.

Daraus ergibt sich eine interessante Dynamik bzw. ein Spannungsfeld, das fast überall zu beobachten ist: Kundinnen und Kunden sowie Händlerinnen und Händler verlangen einfache und reibungslose Zahlungen; gleichzeitig wächst die Angst vor Betrug und Abzocke. Die PayTech-Branche mit Akteuren wie G+D sorgt dafür, dass der Zahlungsverkehr die Erwartungen der Kundinnen und Kunden erfüllt und sicher ist – ohne dabei das Nutzererlebnis zu beeinträchtigen.

Nur wer innovativ und kreativ ist, wird sich behaupten

Der Kern all dessen ist und bleibt die konkrete Zahlung. Es scheint eine Art darwinistischen Wettstreit zu geben, was die Aspekte der Sicherheit, Kundenerfahrung oder Kosten dieser Zahlungen angeht. 

Wenn ich mit den verschiedenen Akteuren spreche, wird immer wieder deutlich, vor welch enormen unternehmerischen Herausforderungen sie stehen. Das habe ich in den letzten zehn Jahren so nicht erlebt.

Die Systeme stehen unter Druck, weil es schlicht und ergreifend mehr von ihnen gibt. Sie müssen sich immer wieder neu anpassen – an den sich wandelnden Online-Handel und die damit verbundenen neuen Zahlungsmethoden. Die Herausforderungen sind vielschichtig: mehr Zahlungsmodelle, höherer Komfort für die Händlerinnen und Händler, Innovationen internationaler Zahlungsdienstleister. Bei manch einem geht es wirklich ums Überleben.

Beispielsweise konkurrieren nationale Zahlungssysteme in Europa mit Systemen, die ihren Sitz in den USA haben. Dabei spielen nicht nur Aspekte wie Dimension und Reichweite eine Rolle, sondern auch die Frage der Souveränität. Nationale Kartensysteme, etwa in Brasilien, werden von Instant-Payment-Systemen wie PIX herausgefordert. 

Händlerinnen und Händler stehen unter Druck, möglichst viele Bezahlmethoden anzubieten, wobei die Einführung jeder weiteren Option mit Investitionen verbunden ist.

Die etablierten kartenausgebenden Banken wiederum bekommen die Konkurrenz von reinen Digitalbanken und FinTechs zu spüren und müssen ihrerseits Modelle wie Sofortzahlungen unterstützen. Das bringt eine neue und teils erschreckend effektive Art von Betrug und Abzocke mit sich.

Für Banken steht angesichts des mobilen Zahlungsverkehrs auch ihre Relevanz auf dem Spiel: Bezahlen die Verbraucherinnen und Verbraucher nur noch mit ihrer digitalen Wallet, verlieren sie möglicherweise nach und nach aus den Augen, bei welcher Bank sie eigentlich Kundin oder Kunde sind.

Im Grunde kämpfen alle um die Aufmerksamkeit der Verbraucherinnen und Verbraucher. Wie viele Ihrer Smartphone-Apps nutzen Sie zum Bezahlen und fürs Online-Banking? Bei manch einem machen sie mehr als ein Viertel der Apps aus. Daran sieht man, was für eine wichtige Rolle digitale Finanzdienstleistungen mittlerweile in unserem Leben spielen.

Wer diesen Wettstreit gewinnt, hängt auch davon ab, welche Gebührenmodelle die Banken zugrunde legen. Man denke nur an Apples Öffnung der NFC-Schnittstelle in der EU.

Für die Branchenakteure gibt es noch zahlreiche Fragen zu klären und Hürden zu überwinden, doch für viele ist das eher eine Herausforderung und die Resonanz darauf ist wiederum positiv: Gerade diese Herausforderungen sorgen nämlich für einen Innovationsschub und setzen im gesamten Zahlungsökosystem enorme Kreativität frei.

  1. India Digital Payments Report 2H 2024, Worldline, 2025 (PDF)

  2. https://www.bcb.gov.br/en/financialstability/pixstatistics, Banco Central do Brasil, 2025

Veröffentlicht: 10.07.2025

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