Der Zahlungsverkehr wird vielfältiger
Willkommen bei Spotlight, Gabrielle! Zahlungsmodelle entwickeln sich weltweit sehr schnell und berücksichtigen zunehmend lokale Gegebenheiten. Welche Beispiele zeigen dies Ihrer Meinung nach besonders deutlich?
Die internationale Payment-Landschaft ist in der Tat unglaublich vielfältig. Spontan fallen mir drei ganz verschiedene Beispiele ein. In den USA sind Kredit- und Debitkarten nach wie vor weit verbreitet. Sich dort ausschließlich auf kontaktloses Bezahlen mit dem Handy zu verlassen, könnte problematisch werden. Die Menschen lieben ihre Karten und benutzen sie gerne. Viele definieren sich auch über ihre Kreditkarte bzw. den Aussteller der Karte.
Ganz anders ist das in Indien: Dort nutzen immer mehr Menschen das Sofortzahlungssystem UPI (Unified Payment Interface). Dieses System wurde mit Unterstützung der Reserve Bank of India entwickelt und ermöglicht Bank-zu-Bank-Transaktionen über Mobiltelefone. UPI hat sich in Indien unglaublich weit verbreitet, vor allem weil es aus Sicht der Händlerinnen und Händler so einfach einzurichten ist. Egal ob großer Händler oder kleine Händlerin, sie müssen lediglich einen QR-Code-Aufkleber anbringen und schon können sie Zahlungen entgegennehmen. Ende 2024 waren rund 633 Millionen solcher QR-Codes im Umlauf – doppelt so viele wie noch vor einem Jahr.1
An welche anderen Länder denken Sie noch in diesem Zusammenhang?
Da wäre beispielsweise Brasilien. Früher existierten dort viele verschiedene POS-Systeme und hinter jedem stand ein anderes Bezahlverfahren. Also eine sehr komplexe und deshalb auch teure Ausgangslage. Daher gab es sowohl bei Verbraucherinnen und Verbrauchern als auch bei Unternehmen und Behörden den Bedarf nach einem einfacheren, inklusiveren System. Im Jahr 2020 führte die brasilianische Zentralbank dann das Sofortzahlungssystem PIX ein und schon bald wurde ein großer Teil der Transaktionen darüber abgewickelt. Im März 2025 lag die Zahl der PIX-Zahlungen bei mehr als 6,25 Milliarden, was einem Anstieg von rund 30 % innerhalb eines Jahres entspricht.2
Neue Zahlungssysteme werden immer dann eingeführt, wenn die bestehenden Systeme den Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Sei es, weil sie digital nicht kompatibel sind oder weil sie zu viele Menschen von der Nutzung ausschließen. In Indien und Brasilien wurden die neuen Zahlungsmethoden nicht eingeführt, damit die Bürger und Bürgerinnen mehr kaufen. Vielmehr ging es darum, das Zahlungssystem deutlich inklusiver zu gestalten, also Zahlungen einer deutlich breiteren Bevölkerungsgruppe zugänglich zu machen, sowohl auf Nutzer- als auch auf Händlerseite.
In Australien hingegen war der Grund, das Zahlungssystem zu reformieren, ein ganz anderer: Zahlungen sollten schlichtweg schneller und einfacher werden. Infolgedessen kam es zu einer raschen Einführung von Konto-zu-Konto-Zahlungen (Account-to-Account; A2A). Dabei wird das Geld direkt vom Bankkonto des Bezahlenden auf das Konto des Empfängers oder der Empfängerin überwiesen, ohne dass zusätzliche Vermittler oder Zahlungsinstrumente erforderlich sind.
Das A2A-Verfahren hat auch dazu beigetragen, größere Sicherheitsprobleme zu lösen. In den letzten Jahren wurden Australierinnen und Australier von einer Welle von Betrugsfällen im Zusammenhang mit Sofortzahlungen heimgesucht, bei denen persönliche Daten abgegriffen wurden. Über die erbeuteten Daten der Betroffenen konnten sich die Täter Zugang zu deren Konten verschaffen. Der Staat reagierte ziemlich schnell und führte „Australian Payments Plus“ ein, ein sicheres nationales System, das gleich mehrere Zahlungswege umfasst.









