Asiatische Geschäftsfrau steht vor einem Bildschirm und tätigt eine Sofortzahlung auf dem Smartphone
#Payment Technology

Sofortzahlungen: Chancen erkennen und nutzen

Expertenmeinung
8 Min.

Die EU-Verordnung über Sofortzahlungen (Instant Payments Regulation, IPR) bietet Banken die Chance, die Kontrolle über ihre Kundenbeziehungen zurückzugewinnen und neue Erlösmodelle jenseits des Kartengeschäfts aufzubauen. Wie können sie diese Chance nutzen?

Stellen Sie sich einen Lebensmittelauslieferer in São Paulo vor, der an einem Freitag seine Schicht beendet und seinen Tagesverdienst innerhalb von Sekunden nach Verlassen des Büros erhält – und dadurch in der Lage ist, seine Familie nach Feierabend zum Essen einzuladen. Oder einen Taxifahrer in Delhi, der die Bezahlung für eine Flughafenfahrt per QR-Code erhält und das Geld sofort zum Tanken verwenden kann, ohne tagelang auf den Eingang der Summe warten zu müssen. 

Genau das ist die Realität in Märkten wie Brasilien und Indien, wo die nationalen Sofortzahlungssysteme – Pix und UPI – die Zahlungslandschaft verändert haben.

In Europa sieht die Sache ein wenig anders aus: Obwohl die Technologie in Gestalt von SEPA Instant bereits seit der Einführung im Jahr 2017 zur Verfügung steht und Überweisungen zwischen teilnehmenden Banken ermöglicht, sind Echtzeitzahlungen noch nicht im Mainstream angekommen – nur 11 % aller Euro-Überweisungen erfolgen auf diese Weise.1

Dafür gibt es einige gute Gründe. Im Gegensatz zu Schwellenländern, in denen fragmentierte und ineffiziente Systeme ein einheitliches Zahlungssystem dringend erforderlich machten, bietet Europa bereits eine zuverlässige Mischung aus nahtlosen, schnellen und bequemen Zahlungsoptionen – sei es per Karte, Mobile Wallet oder nationalen Debitverfahren. Den meisten Verbraucherinnen und Verbrauchern reicht das aus.

Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen daran, wie schnell Geld in der heutigen digitalen Wirtschaft fließen sollte. Händlerinnen und Händler wünschen sich schnellere Abwicklungen und geringere Gebühren. Verbraucherinnen und Verbraucher wollen reibungslose Zahlungserlebnisse, ohne bei Sicherheit oder Datenschutz Kompromisse eingehen zu müssen. Banken stehen unterdessen gleich vor mehreren Herausforderungen: von der Bewältigung des technologischen Wandels und steigender Regulierung über den Schutz vor Betrug bis hin zur Konkurrenz durch FinTechs und neue Marktteilnehmer.

Vor diesem Hintergrund tritt am 9. Oktober 2025 die neueste Frist der EU-Verordnung über Sofortzahlungen (Instant Payments Regulation, IPR) in Kraft. Von diesem Tag an müssen Banken und Zahlungsdienstleister (Payment Service Providers, PSP) in der EU rund um die Uhr und an jedem Tag des Jahres die Möglichkeit bieten, Euro-Überweisungen zu versenden, die innerhalb von zehn Sekunden abgewickelt werden.

Für einige etablierte Anbieter mag diese Veränderung wie eine weitere regulatorische Hürde wirken – tatsächlich geht es aber um viel mehr als das.

Eine Person scannt einen QR-Code auf dem Smartphone, um eine Taxifahrerin zu bezahlen

Die Kluft zwischen Banken und Kundinnen und Kunden überbrücken

Die Verbreitung von Sofortzahlungssystemen bietet Verbraucherinnen und Verbrauchern eine Alternative zu Kartenzahlungen – dem in Europa nach wie vor dominanten Zahlungsmittel mit einem Transaktionsvolumen von 1,7 Billionen Euro im zweiten Halbjahr 2024 (ein Anstieg um 9,4 %)2. Laut dem World Payments Report 2025 könnten Sofortzahlungen von Konto zu Konto (A2A) jedoch aufholen und 15–25 % des zukünftigen Kartenvolumens ersetzen3.

Diese Verschiebung hat das Potenzial, bestehende Zahlungsökosysteme zu verändern – durch neue Konkurrenz, durch mehr Auswahl für Verbraucherinnen, Verbraucher und Unternehmen sowie durch sinkende Gebühren. So könnten Händler und Händlerinnen von niedrigeren Akzeptanzgebühren und schnelleren Abwicklungen profitieren. Banken haben die Möglichkeit, neue Erlösquellen auf Basis von Instant-Payment-Strukturen zu erschließen.

Der eigentliche Vorteil einer geringeren Abhängigkeit von Drittanbietersystemen liegt jedoch nicht in sinkenden Kosten, sondern darin, dass sich Banken und Kundinnen und Kunden einander wieder annähern. Über Sofortzahlungen können Banken ihre Präsenz am Point of Interaction zurückerobern und gleichzeitig die Transaktionsdaten behalten, die Personalisierung, Treueprogramme und andere Mehrwertdienste ermöglichen. Solche Services können Verluste aus rückläufigen Kartenumsätzen mehr als ausgleichen: Banken, die personalisierte Embedded-Finance-Lösungen anbieten, erzielen laut Studien einen drei- bis fünfmal höheren Customer Lifetime Value als Institute, die ausschließlich auf traditionelle kartengestützte Modelle setzen4

Beispiele dafür sind etwa Echtzeitauszahlungen auf Marktplätzen, bei denen Plattformbetreiber sofort mit Verkäufern und Verkäuferinnen abrechnen, oder der On-Demand-Zugang zu Gehaltszahlungen, der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zwischen Gehaltszyklen mehr finanzielle Flexibilität verschafft. Versicherungen experimentieren mit sofortigen Schadensauszahlungen und verwandeln so einen einst mühsamen, papierlastigen Prozess in ein nahtloses Kundenerlebnis.

In all diesen Fällen sind es die Banken, die regulierte Sofortzahlungswege bereitstellen, auf denen Geld in Echtzeit sicher transferiert werden kann, während sie selbst ein zentraler Akteur der Transaktion bleiben. Die Frage ist nun: Sind sie bereit, diese Vorteile umzusetzen und davon zu profitieren?

Wie Banken die Chance des sofortigen Zahlungsverkehrs nutzen können

Trotz der Chancen ist nur eine kleine Minderheit der Finanzinstitute wirklich auf den Wandel vorbereitet: Lediglich 5 % der befragten Banken zeigen sowohl eine hohe geschäftliche als auch technologische Bereitschaft, führend bei der Einführung von Instant Payments zu sein5. Europa verfügt mit SEPA Instant zwar bereits über eine fortschrittliche Infrastruktur für Sofortzahlungen, aber viele Banken müssen erst noch in neue Technologien investieren, um Echtzeitzahlungen in großem Umfang zu verarbeiten. Die erfolgreiche Integration wird maßgeblich von drei Faktoren abhängen:

  1. Monetarisierungsstrategie

    Wenn Banken und PSPs Sofortzahlungen voranbringen wollen, müssen sie Gebühren vermeiden oder abbauen, die deren Nutzung hemmen. In Indien etwa gaben 73 % der befragten Verbraucherinnen und Verbraucher an, sie würden das (bis zu einem Limit) kostenlose UPI-System nicht mehr für private Transfers nutzen, sobald Gebühren eingeführt würden. Die europäischen Banken sollten das im Hinterkopf behalten.

    Das begrenzt natürlich den Spielraum im Privatkundensektor – die größeren Chancen liegen ohnehin im B2B-Bereich: Unternehmen schätzen verbesserte Liquidität, schnellere Abwicklung und 24/7-Verfügbarkeit. Banken können hier mit Premium-Services wie priorisierter Abwicklung, erweiterten Reporting-Funktionen oder Embedded-Finance-Lösungen zusätzliches Umsatzpotenzial erschließen – laut McKinsey könnte dieser Markt in Europa bis 2030 ein Volumen von über 100 Milliarden Euro erreichen6.

  2. Differenzierung durch Kundenerlebnis

    Big Techs und Mobile-First-FinTechs haben die Erwartungen an Geschwindigkeit und Bequemlichkeit neu definiert – diese gelten nun als selbstverständlich. Um die Akzeptanz zu fördern, müssen Sofortzahlungen genauso nahtlos funktionieren wie das Antippen einer Karte oder einer Wallet, dabei aber die Sicherheit im Hintergrund gewährleisten. Initiativen wie Bizum oder der Zahlungsdienst Wero der European Payments Initiative gehen in die richtige Richtung: Partnerbanken können Wero direkt in ihre Apps integrieren, sodass Nutzerinnen und Nutzer den gewohnten Komfort erhalten, ohne zu einer Drittanbieter-Wallet wechseln zu müssen.

    Auf dieser Grundlage können Banken gezielt Use Cases wie Echtzeitauszahlungen oder Peer-to-Peer-Zahlungen bedienen – und dabei durch personalisierte Dienste und reibungslose Sicherheitsmechanismen zusätzlichen Mehrwert bieten. So können Instant Payments nicht nur mit neuen Anbietern in puncto Geschwindigkeit und Komfort konkurrieren, sondern auch durch Vertrauen und Kundenbindung überzeugen.

  3. Sicherheit und Vertrauen

    Je schneller Transaktionen verlaufen, desto höher ist das Betrugsrisiko. Authorized Push Payment (APP) Scams – bei denen Kundinnen und Kunden dazu verleitet werden, Zahlungen freizugeben – verursachen bereits jährlich Schäden von rund 2,4 Milliarden Dollar, mit einem Anstieg von 20–25 % pro Jahr7. Anders als bei Kartenzahlungen gibt es bei A2A-Transfers keinen integrierten Chargeback-Mechanismus, was Verbraucherinnen, Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen gefährdet.

    Ab Oktober 2025 wird die EU durch die Einführung der Empfängerverifizierung (Verification of Payee, VoP) ein wichtiges Schutzinstrument schaffen: Die Kontodaten des Empfängers oder der Empfängerin werden vor der Überweisung überprüft – ein kartenähnlicher Schutz vor fehlgeleiteten Zahlungen. Mit diesem Instrument erhalten die Banken die Möglichkeit, die Sicherheit der Zahlungen in einen strategischen Vorteil zu verwandeln, der sie von ihren Konkurrenten unterscheidet.

„Die Verifizierung des Zahlungsempfängers oder der Zahlungsempfängerin wird ein wichtiger Vertrauensanker für Instant Payments sein“, sagt Martina Forster, Portfolio Owner Payment & Identity bei G+D Netcetera. „Indem Kontodetails des Empfängers vor der Abwicklung validiert werden, können Banken den Verbraucherinnen und Verbrauchern Sicherheit in Sachen neue Zahlungswege geben, während das Risiko fehlgeleiteter oder betrügerischer Zahlungen reduziert wird.“

Eine Frau nutzt ihr Smartphone, um einen Lieferboten kontaktlos für Pizza und Kaffee zu bezahlen

Sicherheit als Unterscheidungsmerkmal

Selbst wenn Sofortzahlungen schneller, günstiger und bequemer als Kartenzahlungen sind – ihre breite Akzeptanz hängt davon ab, wie sicher sich Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Händler damit fühlen. Banken können das Vertrauen stärken, indem sie Schutzinstrumente wie Verification of Payee (VoP) aus der neuen EU Instant Payments Regulation mit anderen eingebetteten Sicherheitsmerkmalen wie biometrischer Authentifizierung, Passkeys, Verhaltensanalyse und KI-gestützter Betrugserkennung kombinieren.

Zusätzlich können Banken und PSPs durch Echtzeitdatenaustausch bei der Betrugserkennung zusammenarbeiten und so die Widerstandsfähigkeit im Gesamtsystem erhöhen. Diese Maßnahmen sorgen dafür, dass Echtzeittransaktionen sicher bleiben – und stärken zugleich die Rolle der Banken als vertrauenswürdige Geldverwalter.

Die nächste Herausforderung besteht auf der Systemebene: Damit Sofortzahlungen ihr volles Potenzial entfalten – insbesondere grenzüberschreitend –, muss Europa bestehende Interoperabilitäts- und Governance-Lücken schließen. Ob Initiativen wie die European Payments Initiative (EPI) klare Regeln etablieren können, die A2A-Zahlungen für Wallets, Emittenten und Akzeptanzpartner wirtschaftlich attraktiv machen, wird ebenfalls ein Wettbewerbsfaktor sein.

Mit der nahenden Oktoberfrist sollten Banken über die bloße Erfüllung von Compliance-Verpflichtungen hinausblicken. Die wahre Chance besteht darin, Sofortzahlungen als Grundlage für eine neue Generation des Bankings zu nutzen – eine, die Kundenbeziehungen, Transaktionsdaten und Vertrauen wieder in die eigenen Hände legt.

Als weltweit führendes Unternehmen für Zahlungsdienstleistungen unterstützt G+D Finanzinstitute dabei, Sofortzahlungen als Chance zu nutzen – von der Einhaltung regulatorischer Anforderungen über die Verbesserung der Sicherheit bis hin zu erstklassigen Kundenerlebnissen.

Podcast: Future Proof mit Martina Forster: Digitale Zahlungen jenseits der Kartenschienen

Key Takeaways

  • Die EU-Verordnung über Sofortzahlungen tritt am 9. Oktober 2025 in Kraft.
  • Sofortzahlungen bieten Banken die Möglichkeit, Kundenbeziehungen von Big Techs zurückzugewinnen und neue Erlösmodelle jenseits des Kartengeschäfts zu schaffen.
  • Banken können sich durch die Kombination von hoher Sicherheit mit der Geschwindigkeit und Bequemlichkeit, die Kundinnen und Kunden heute erwarten, von der Konkurrenz abheben.
  1. Instant payments in Euro, European Parliament, 2024

  2. Payments statistics: second half of 2024, European Central Bank, 2025

  3. World Payments Report 2025, Capgemini, 2024

  4. Embedded Finance: Financial services whenever and wherever customers need them, Plaid/Accenture, 2021

  5. Capgemini: A2A Payments Poised to Disrupt Card Networks, Fintech Magazine, 2024

  6. Embedded finance: How banks and customer platforms are converging, McKinsey & Company, 2024 

  7. The APP fraud problem and its impact on the payments industry, The Paypers, 2024

Veröffentlicht: 30.09.2025

Diesen Artikel teilen

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Verpassen Sie nicht die neusten Artikel von G+D SPOTLIGHT: Wenn Sie unseren Newsletter abonnieren, bleiben Sie immer auf dem Laufenden über aktuelle Trends, Ideen und technische Innovationen – jeden Monat direkt in Ihr Postfach.

Bitte geben Sie Ihre Daten an: