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#Digital

Fintechs und traditionelle Banken: Freunde oder Feinde?

Globale Trends
6 Mins.

Die revolutionären Fintechs haben traditionellen Banken lange großes Kopfzerbrechen bereitet. Da jedoch die aufstrebenden Unternehmen und etablierten Banken gleichermaßen versuchen, die sich ständig verändernden Erwartungen der Kundinnen und Kunden zu erfüllen, arbeiten sie immer mehr zusammen als gegeneinander

Blick von oben auf Geschäftsfrauen, die eine App für mobiles Banking nutzen und eine App mit biometrischer Authentifizierung starten – alles Möglichkeiten des Online-Bankings
Die Zusammenarbeit zwischen Fintechs und traditionellen Banken eröffnet unzählige Möglichkeiten für Verbraucherinnen und Verbraucher.

Die Bankenlandschaft hat sich im letzten Jahrzehnt stark verändert. Der Finanzcrash von 2008 löste eine Fintech-Revolution aus, als neue Herausforderer der traditionellen Banken deren Trägheit sowie den Wunsch der Kunden nach digitalen Dienstleistungen ausnutzten, wobei ihnen der enorme technologischen Fortschritt zu Hilfe kam. Seit Kurzem mischen sich nun auch noch Tech-Giganten ein und wollen Plattformen anbieten, die alle Aspekte des Finanzlebens der Verbraucherinnen und Verbraucher abdecken.

Die Konvergenz der Technologien, die regulatorische Unterstützung für neue Banken und die verbesserte Zahlungsverkehrsinfrastruktur waren die perfekten Bedingungen, um den Aufstieg von Fintech-Unternehmen zu begünstigen. Als neue Banken wie Starling Bank, Monzo und Revolut an den Start gingen, reagierte ein Großteil der Branche mit Skepsis. Sie glaubten, dass ihre Kundschaft nicht von der langjährigen Beziehung zu ihrer Bank weggelockt werden könnte. Dass sich diese überkommenen Überzeugungen als falsch herausstellten, war entscheidend für den Erfolg der Fintechs.

In der zweiten Hälfte des Jahres 2018, als die neuen Banken erhebliche Marktanteile gewannen, ging es immer weniger um die Frage, ob die Challenger-Banken überleben würden, als vielmehr darum, welches Challenger-Bankenmodell triumphieren würde. Das markierte einen entscheidenden Moment für den Wettbewerb bei Finanzdienstleistungen. Seitdem sind die digitalen Banken weitergewachsen und haben sich weiterentwickelt. Das zeigt, dass die Verbraucher aufgeschlossen sind, wenn es darum geht, was sie von ihrer Bank erwarten und wem sie ihr Geld anvertrauen. Viele Challenger-Banken sind so weit gereift, dass sie nun die gleichen Standards erfüllen, die von etablierteren Banken erwartet werden.

Veränderung der Kundenbeziehung

Die Herausforderer mögen vielleicht noch nicht profitabel sein, aber sie haben die Kundenbeziehung grundlegend verändert: Sie bieten nicht nur eine offenere, regelmäßigere und transparentere Kommunikation, sondern auch praktische Konten, die auf Knopfdruck und nach einer schnellen Anmeldung von jedem Ort aus zugänglich sind.

Traditionelle Banken haben inzwischen das Nachsehen, wenn es darum geht, das Kundenerlebnis und die Benutzerfreundlichkeit der Challenger-Banken zu erreichen, deren flexible und vielseitige Bankoptionen den Lebensstil und das Verhalten der Verbraucher unterstützen und widerspiegeln.

Die Betreuung vieler ihrer Bestandskunden, die Filialen und Papierschecks bevorzugen, ist teuer. Einige wollen nie auf eine digitale Plattform umsteigen und tragen nur wenig zur Rentabilität bei. Dennoch müssen Banken ihre Verantwortung ihnen gegenüber erfüllen und gleichzeitig mit einer Belegschaft arbeiten, die für die Arbeit in physischen Filialen ausgebildet wurde, sowie Systeme und Leistungskennzahlen verwenden, die auf die Erbringung des Status quo ausgerichtet sind.

Etablierung von Bankenmarken

Die Zukunft des Bankwesens als Kampf zwischen Fintechs und traditionellen Banken zu bezeichnen, ist kein so sauberer Vergleich, wie es vielleicht scheint. Viele Fintechs sind auf dem besten Weg, sich als Bankenmarke zu etablieren, und traditionelle Banken investieren stark in Innovationsprogramme. „Die eigentliche Debatte über die langfristige Überlebensfähigkeit beider Geschäftsmodelle wird größtenteils durch die Rentabilität entschieden werden“, erklärt Julian Sawyer, Managing Director bei Gemini, einer Kryptowährungsbörse. Die Balance zwischen Kundenorientierung und der Fähigkeit, nachhaltig Geld zu verdienen, wird der Schlüssel sein.

“Die eigentliche Debatte über die langfristige Überlebensfähigkeit beider Geschäftsmodelle wird größtenteils durch die Rentabilität entschieden werden“
Julian Sawyer
Managing Director, Europe, at Gemini

Die Erkenntnis der Banken, dass sie mit der sich entwickelnden Finanzlandschaft Schritt halten müssen, spiegelt sich in der Anzahl der Open-Banking-Partnerschaften wider, die sie bereits mit agilen Fintechs eingegangen sind, um Innovationen zu beschleunigen und ihre Ziele zu verwirklichen. Eine aktuelle Studie der Open-Banking-Plattform Tink ergab, dass 69 % der europäischen Finanzinstitute die Anzahl ihrer finanztechnologischen Partnerschaften im Jahr 2019 erhöhten.

Dabei profitieren beide Seiten von den Partnerschaften. Für etablierte Banken könnte der Zugang zu neuen Technologien und innovativen Arbeitsweisen dazu 

beitragen, ihren Wettbewerbsvorteil zu vergrößern und schnell auf die sich ändernden Kundenanforderungen einzugehen. Für Fintechs kann die Partnerschaft mit großen Finanzinstituten ihre eigenen Wachstumsambitionen unterstützen und ihnen einen Zugang zu Finanzmitteln und Kunden eröffnen, der weit über das hinausgeht, was sie allein aufbauen könnten.

„Da COVID-19 den Wechsel zu digitalen Kanälen beschleunigt, sind die Kundinnen und Kunden bereit für eine grundlegende Veränderung der Art und Weise, wie sie auf Finanzdienstleistungen zugreifen und diese konsumieren“, sagt Rafael Plantier, Tink Country Manager für Großbritannien und Irland.

Bequeme Nutzung von Smartphones und sozialen Medien

Die Banken erkennen, dass nicht andere Banken oder gar Fintechs ihre Konkurrenten sind, wenn es um das Kundenerlebnis geht. Kunden vergleichen ihren Finanzanbieter nicht mit anderen Finanzanbietern; sie vergleichen ihn mit den Erfahrungen, die sie auf ihren Smartphones und in den sozialen Netzwerken machen. Da die Grenzen zwischen Bank- und Tech-Industrie zunehmend verschwimmen, wissen Banken und Fintechs gleichermaßen, dass ihre Klientel Komfort und Einfachheit wünscht. Anwendungsprogrammierschnittstellen (APIs) sind entscheidend für die Zusammenarbeit, um diese Erwartungen zu erfüllen.

Der umfassende Einblick der Banken in das Leben der Menschen birgt ein riesiges Potenzial für neue Produkte und Geschäftsmodelle. Deshalb sind Partnerschaften zwischen Fintechs und Banken wichtig. Banken bringen Größe, Kunden, Vertrauen und Daten mit, Fintechs hingegen sorgen für Agilität und Innovation.

Die Finanzdienstleistungslandschaft hat sich in den letzten zehn Jahren aufgrund der starken Konkurrenz, die Fintechs für das traditionelle Bankwesen darstellen, rasant entwickelt. Die nächste Phase der Innovation erfordert jedoch, dass die beiden Akteure zusammenkommen. Durch die Kombination der schieren Größe und des enormen Datenzugriffs traditioneller Banken mit der Agilität und dem Innovationstempo von Fintechs können beide gemeinsam die Erwartungen der Verbraucher erfüllen und die Bedrohung durch die anrückenden Tech-Giganten abwehren.

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