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#Digital

Kann eine neue Initiative für den europäischen Zahlungsverkehr erfolgreich sein?

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6 Mins.

Um erfolgreich zu sein, muss die European Payments Initiative die Fragmentierung überwinden, mit etablierten und aufstrebenden Akteuren konkurrieren und die Menschen davon überzeugen, dass sie notwendig ist. Trotz der Herausforderungen, die der Eintritt in einen überfüllten Markt mit sich bringt, hat die EPI ein enormes Potenzial, ein einheitliches, umfassendes Zahlungsökosystem in Europa zu schaffen

Im Juli 2020 startete ein Konsortium europäischer Banken die European Payments Initiative (EPI) mit dem Ziel, eine einheitliche Zahlungslösung für Verbraucher und Händler in ganz Europa zu schaffen. Die EPI versucht, ein Problem zu lösen, an dem andere Initiativen zuvor gescheitert sind – das Fehlen eines paneuropäischen Angebots, das es mit etablierten Akteuren wie Mastercard und Visa, aufstrebenden digitalen Anbietern wie Apple Pay, PayPal und Stripe und den konsolidierten regulatorischen Netzwerken in den USA oder China aufnehmen kann. Derzeit sind sieben Länder in der EPI vertreten: Deutschland, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Finnland, Spanien und interessanterweise auch Polen, ein Land außerhalb des Euro-Währungsgebiets.

Europäische Banken haben in der Vergangenheit nationale Systeme genutzt. Aber solche Systeme sind auf dem Rückzug, da die Banken ihre Kartenangebote an Anbieter mit einer globalen Zahlungsinfrastruktur ankoppeln. Es gibt jetzt eine Vision und den Wunsch, eine hausgemachte, paneuropäische Zahlungslösung erfolgreich umzusetzen. Eine von G+D und Netcetera im Rahmen eines Live-Webinars durchgeführte Umfrage ergab, dass die Hälfte von 100 Branchenexpertinnen und -experten glaubt, dass die EPI in erster Linie die europäische Zahlungsverkehrsbranche stärken wird, um im Wettbewerb mit anderen Regionen wie Nordamerika bestehen zu können. Viele denken auch, dass sie die Kosten sowohl für Banken als auch für Verbraucher senken wird.

Infografik mit Umfrageergebnissen zu den wichtigsten Erwartungen an die EPI

Von national bis regional

Der Wunsch nach einer paneuropäischen Lösung besteht schon seit der Einführung des Euro. Der Verantwortliche für den Bereich Binnenmarkt und Steuern der Europäischen Kommission, Frits Bolkestein, sagte im Jahr 1999: „Das politische Ziel der Kommission ist … ein moderner einheitlicher Zahlungsverkehrsraum für die gesamte EU, in dem die grenzüberschreitenden Zahlungen durch keinerlei Grenzen behindert werden.“1 In den vergangenen 22 Jahren wurde der einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA) geschaffen, um grenzüberschreitende Überweisungen und Lastschriften zu erleichtern. Kartenzahlungen haben jedoch noch nicht in gleichem Maß profitiert. Derzeit gibt es europaweit 13 nationale Card Schemes, was die Fragmentierung des Sektors verdeutlicht.

Die EPI will umfassende Lösungen anbieten, die alle Anwendungsfälle abdecken – geplant ist eine einheitliche Karte und digitale Geldbörse, die für Person-to-Person-Zahlungen (P2P), Echtzeitüberweisungen, In-Store- und Online-Zahlungen sowie Bargeldabhebungen in ganz Europa genutzt werden kann. Eine solche Konsolidierung stellt den Endverbraucher in den Vordergrund, da sie die Komplexität des Zahlungsverkehrs reduziert und den Komfort enorm erhöht. Anstatt sich mit mehreren Passwörtern, Apps oder Authentifizierungsmethoden herumzuschlagen, hätten die Verbraucher eine einheitliche und weit verbreitete Zahlungslösung, die alle Karten- und digitalen Angebote abdeckt. Dies würde das Reisen und die Registrierungsverfahren vereinfachen und gleichzeitig ein hohes Maß an Sicherheit gewährleisten. Die EPI könnte auch parallel zu digitalen Zentralbankwährungen (CBDC) und einem europäischen Identitätssystem entwickelt werden, um die Benutzerfreundlichkeit und Wahlfreiheit bei Zahlungen zu verbessern.

 

Infografik zu den Produkten und Anwendungsfällen der EPI

Erleichterung von grenzüberschreitenden Zahlungen

Die EPI strebt eine starke Standardisierung und Zusammenarbeit zwischen den Ländern an, damit Europa zu einem dominanten Akteur auf dem Weltmarkt werden kann. Die Europäische Zentralbank begrüßt die EPI, da sie die Autonomie des europäischen Retailzahlungsmarkts effektiv stärken kann. Händler werden sich für die anfallenden Gebühren und für die einfache Integration interessieren, die dadurch ermöglicht wird. Laut Kurt Schmid, Marketing and Innovation Director von Secure Digital Payments bei Netcetera, „steht dahinter die Idee, den Weg für grenzüberschreitende Zahlungen über die europäischen Grenzen der Nationalstaaten hinaus zu ebnen. Zahlungen können entweder über EPI-Prozessoren oder -Router oder beides laufen. Die Länder sollten flexibel entscheiden können. Echtzeitüberweisungen können dann als Grundlage für die Abrechnung verwendet werden.“

Infografik zu den Funktionsprinzipien der EPI

Herausforderungen bei der Umsetzung

Martina Weimert, CEO der EPI, sagte gegenüber Finanz-Szene, dass es eine umfassende europäische Lösung geben müsse. „Wir brauchen eine allumfassende Lösung mit einem konsistenten und einzigartigen Erscheinungsbild“, erklärte sie.2 Sie geht davon aus, dass es etwa zwei Jahre dauern wird, bis die EPI einsatzbereit ist. Danach werden noch einmal drei bis fünf Jahre vergehen, bis die EPI in der breiten Masse Anwendung findet. Die Umstellung der nationalen Systeme auf die EPI und die Entwicklung einer neuen Netzwerkinfrastruktur mit Apps, Plattformen, E-Commerce-Lösungen, Karten und kompatiblen Point-of-Sale-Geräten (POS) erfordern Investitionen in Milliardenhöhe. Auch der Bau neuer Router zur Autorisierung von Prozessen zwischen den Banken ist ein großes Unterfangen. Darüber hinaus muss die EPI ein gemeinsames Regelwerk und technische Standards, das angestrebte Geschäftsmodell sowie Rechts- und Risikomanagementverfahren aufstellen und verwalten.

“Dies wäre eine bahnbrechende Entwicklung, da sie unsere Interaktion und Zahlungsoptionen revolutioniert und Innovation in verschiedene Branchen bringt.“
Dr. Carsten Wengel
Head of Global Sales & Distribution im Bereich Smart Card & Digital Payment bei G+D

Eine der größten Herausforderungen besteht wohl darin, Händler und Verbraucher davon zu überzeugen, dass eine EPI überhaupt notwendig ist. Weimert zufolge können die Verbraucher nur dann Vertrauen fassen, wenn sie den Mehrwert selbst sehen und erleben. Dr. Carsten Wengel, Head of Global Sales & Distribution im Bereich Smart Card & Digital Payment bei G+D, ist zuversichtlich, dass die European Payments Initiative für alle Beteiligten Vorteile bietet.

„Die EPI sollte alle Formen neuer digitaler Zahlungen unterstützen und ergänzen, auch den digitalen Euro und e-IDs“, sagt er. „Dies wäre eine bahnbrechende Entwicklung, da sie unsere Interaktion und Zahlungsoptionen revolutioniert und Innovation in verschiedene Branchen bringt. Es ist keine Frage der Technologie, sondern eine Frage des politischen Willens und der Bereitschaft des europäischen Finanzdienstleistungssektors, eine Führungsposition einzunehmen.“

  1. “Opening speech round table on retail payments,” European Commission, 2000

  2. “Das ist der Masterplan für die EPI,” Finanz Szene, 2021 (available in German only)

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