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#Digital

Bitte nicht berühren – die Verbreitung der kontaktlosen Zahlung

Globale Trends
6 Mins.

Innerhalb weniger Monate hat das Coronavirus die Welt so tiefgreifend verändert, dass uns das ganze Ausmaß erst nach und nach bewusst wird. Wenn das „normale Leben“ wieder beginnt, wird es nicht die Normalität sein, an die wir uns erinnern – und dazu gehört auch die Art, wie wir für Waren und Dienstleistungen bezahlen. Nach Jahren der vielversprechenden Entwicklungen und unterschiedlich starker Nutzung weltweit setzen sich digitale Zahlungstechnologien jetzt endgültig durch

Hand einer Frau, die ein Smartphone hält und bei einer kontaktlosen Zahlung im Café während der Pandemie einen Code scannt
Aufgrund von Gesundheits- und Sicherheitsbedenken nutzen viele Kunden kontaktlose Technologien

Seit dem Ausbruch der Pandemie haben die Regierungen Abstandsmaßnahmen eingeführt, für die digitale Zahlungen und mobile Wallets geeigneter sind als Zahlungskarten und Bargeld. Ein Artikel von McKinsey sagt voraus, dass „das Volumen klassischer POS-Zahlungen kurzfristig sogar um 30 bis 40 % zurückgehen könnte“.1 Millionen von Menschen bezahlen zum ersten Mal mit E-Wallets und viele neue Kunden strömen in die Online-Shops, wo sie mit einer Art „One Click“-Lösung bezahlen, wie sie Amazon eingeführt hat.

Wenn Kunden im Laden einkaufen und an der Kasse bezahlen, sorgen Gesundheits- und Sicherheitsbedenken vermehrt dafür, dass sie kontaktlose Technologien nutzen. In vielen Ländern wurden die Höchstbeträge angehoben, sodass die Kunden auch teurere Artikel kaufen können, ohne eine PIN eingeben zu müssen. Und Kunden, die mit einem Smartphone oder einem Wearable mit Zahlungsfunktion bezahlen, können Käufe, die das Sicherheitslimit überschreiten, in ihrer E-Wallet-App autorisieren. So müssen sie nicht die Tastatur des Händlers nutzen – eine willkommene Option in diesen hygienebewussten Zeiten.

 

 

Kontaktlose Zahlungen verleihen der Branche Rückenwind

E-Wallets verzeichnen ein starkes Wachstum in China und anderen südostasiatischen Ländern, während europäische und US-amerikanische Kunden nur zögerlich auf den Gebrauch von Karten verzichten. Dies könnte sich aber ändern, wenn wir immer mehr versuchen, uns dem Coronavirus so wenig wie möglich auszusetzen. Dan Schulman, CEO von PayPal, berichtete vor Kurzem, es gebe eine steigende Nachfrage nach den sicheren digitalen Zahlungsdienstleistungen seines Unternehmens, darunter auch seine nur in den USA verfügbare E-Wallet-App Venmo.

Auch die Banken können sich diesen Trend noch zunutze machen. Zu lange dürfen sie allerdings nicht warten, denn Big Tech hat schon jetzt einen Vorsprung in diesem Bereich. Wie Jukka Yliuntinen, Head of Digital Payment Solutions bei G+D, in einem kürzlich erschienenen Artikel2 erklärt, haben diese Unternehmen eine besonders starke Position, weil sie selbst festlegen, wie ihre Geräte und Dienstleistungen aufgebaut sein sollen und wie sichere, kontaktlose Zahlungstransaktionen mit ihnen durchgeführt werden.

„Sie können das Nutzererlebnis viel besser beeinflussen als alle anderen“, sagt er und fügt hinzu, dass die Unternehmen außerdem Zugang zu großen Datenmengen haben, mit deren Hilfe sie ein feiner abgestimmtes Kundenerlebnis bieten können.

“Big-Tech-Unternehmen können das Nutzererlebnis viel besser beeinflussen als alle anderen“
Jukka Yliuntinen
Head of Digital Payment Solutions bei G+D

Zahlungen per Sprachsteuerung sind eine weitere Zahlungsmethode, die einen Wachstumsschub erleben könnte. Anders als Smartphones können NFC-fähige Wearables wie die Apple Watch zum Bezahlen genutzt werden, ohne dass ein POS-Terminal oder das Wearable selbst berührt werden muss. Es gibt auch Zahlungs-Apps, mit denen Sie an der Tankstelle das Benzin bezahlen können, ohne das Auto zu verlassen. Irgendwann wäre auch eine vollständig integrierte Zahlungsfunktion im Auto denkbar. Aufgrund der Bemühungen, die Ansteckungsgefahr zu minimieren, könnten solche Funktionen in Zukunft immer beliebter werden.

Sicherheitsbedenken ausräumen

Natürlich müssen all diese kontaktlosen Zahlungsmethoden nachweislich sicher sein und zuverlässigen Betrugsschutz bieten. Außerdem müssen sie so schnell und komfortabel nutzbar sein, wie es die Kunden gewohnt sind. Mit den richtigen Technologien können Einzelhändler, Banken und andere Unternehmen, die kontaktlose Zahlungen erhalten oder anbieten, Betrugsschutz gewährleisten und den Kunden gleichzeitig einen sicheren und effizienten Bezahlvorgang bieten. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, ist die Tokenisierung. Hierbei werden sensible Daten durch ein unverfängliches Äquivalent ersetzt, zum Beispiel eine einzigartige Zahlenreihe. Eine andere Methode ist die biometrische Sicherheit, die zunehmend zu einem wesentlichen Teil der kontaktlosen Zahlung wird.

Im Prinzip nutzt Biometrie die physischen oder verhaltensbezogenen Eigenschaften einer Person, um sie zu identifizieren. Biometrische Fingerabdruck- und Gesichtserkennungstechnologie ist bereits eine Standardfunktion in vielen Smartphones und wird beispielsweise verwendet, um die Nutzer bei Apple-Pay-Transaktionen zu authentifizieren. Verhaltensbiometrie geht noch einen Schritt weiter, indem sie eine Person anhand ihres einzigartigen Verhaltens identifiziert, wenn diese mit ihrem Smartphone interagiert. Die Person wird zum Beispiel daran erkannt, wie sie tippt oder das Gerät hält. Bei korrekter Implementierung ebnet diese Funktion den Weg für ein absolut reibungsloses Erlebnis.

Juniper Research sagt voraus, dass Biometrie bis 2024 mobile Zahlungstransaktionen im Wert von 2,5 Billionen US-Dollar absichern wird.3 Ein weiterer Zukunftsausblick ist in China zu finden. Dort können Kundinnen und Kunden mit der „Smile to Pay“-Technologie von Alipay ein Bild von ihrem Gesicht mit einem digitalen Zahlungssystem oder einem Bankkonto verknüpfen und einen Kauf tätigen, indem sie einfach vor POS-Geräten posieren, die mit einer Kamera ausgestattet sind. Das System wurde bereits in 100 Städten eingeführt. Obwohl es einige Sorgen bezüglich Datenschutz und Sicherheit geschürt hat, sind seine Befürworter davon überzeugt, dass der Komfort die Risiken überwiegt.

Solche reibungslosen Zahlungssysteme machen sich die Tatsache zunutze, dass das Kundenerlebnis das Hauptunterscheidungsmerkmal ist, wenn es um die Innovation von Zahlungsmethoden geht. Eine Umfrage von Accenture ergab zum Beispiel, dass sich ca. 70 % der Millennials und der Generation Z sowohl für digitale Zahlungen interessieren als auch für Dienstleistungen, die mehr Kontrolle über die persönlichen Ausgaben ermöglichen.4

Weiteres Innovationspotenzial

Unsichtbare Zahlungen, bei denen die Kunden ihre Zahlung überhaupt nicht mehr initiieren oder autorisieren müssen, sind wohl der Endpunkt vieler dieser Trends. Seit 2018 können Kunden in Amazon-Go-Stores einkaufen, ohne physisch bezahlen zu müssen. Spezielle Sensoren und Computer-Vision-Elemente erkennen, wenn Artikel aus den Regalen genommen werden. Wenn die Kunden den Store verlassen, werden die Artikel, die sie bei sich haben, automatisch über ihr Amazon-Konto in Rechnung gestellt.

Es bleibt abzuwarten, ob die Kunden die Option der unsichtbaren Zahlung langfristig annehmen. Nicht zu bezweifeln ist hingegen, dass viele Menschen aktuell neue Formen der digitalen Zahlung ausprobieren und diese eventuell auch nach der Krise weiter nutzen werden. Trotz der derzeitigen finanziellen Unsicherheit stellt McKinsey fest, dass „die Stabilität der (Zahlungs-)Branche von unschätzbarem Wert für den wirtschaftlichen Aufschwung sein wird und dass das Innovationspotenzial funktionierende Wirtschaften beim Übergang zu einer ‚neuen Normalität‘ unterstützen kann.“ Nach Jahren vielversprechender Entwicklungen könnte die Zahlungsbranche also endlich auf der Überholspur in die Zukunft sein. 

  1. McKinsey “How payments can adjust to the coronavirus pandemic – and help the world adapt” 2020

  2. PaymentGenes “How innovative payment technology makes the act of payment disappear” Q2 2020

  3. Juniper Research “Biometrics to secure $2.5 trillion in mobile payments by 2024” 2019

  4. Accenture “Driving the future of payments: 10 mega trends” 2017

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