Eine Frau nutzt die Technologie einer elektronischen Geldbörse (E-Wallet) auf ihrem mobilen Gerät.
 
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Wie Super Wallets Banken zu digitalen Stars machen können

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Um dem Konkurrenzdruck durch innovative Wettbewerber entgegenzuwirken und aktuelle Kundenwünsche zu erfüllen, sollten traditionelle Banken das Potenzial digitaler Wallets verstärkt nutzen. Diese virtuellen Geldbörsen können viel mehr, als nur Zahlungen abzuwickeln. Wenn Banken entsprechende „Super Wallets“ entwickeln – die eine Vielzahl sich ergänzender Dienstleistungen und Tools unterstützen –, können sie im Alltag ihrer Kundinnen und Kunden in vielerlei Hinsicht relevanter sein.

 

 

Die Einstellung von Kundinnen und Kunden im Hinblick auf die Verwaltung ihrer Finanzen und ihre Erwartungen gegenüber ihren Finanzdienstleistern wandeln sich derzeit rasant. Ob auf dem Desktop oder auf dem Smartphone –  Kundinnen und Kunden wünschen sich Dienstleistungen, die auf ihre Bedürfnisse abgestimmt und komplett personalisiert sind, anstatt lediglich eine Auswahl von herkömmlichen Bankdienstleistungen.1 Für traditionelle Banken eröffnet sich hiermit ein essenzielles neues Spielfeld: Wie wollen sie sich gegenüber ihren Kundinnen und Kunden positionieren und welche Bandbreite an Anwendungen sind sie bereit oder in der Lage zu bieten?

Das Bankenwesen im Wandel

In einem zunehmend gesättigten und umkämpften Markt befindet sich der Bankensektor in einem neuen Zeitalter von digitalem Darwinismus. Immer mehr Kundinnen und Kunden nutzen mobile Wallets, und BigTech- und FinTech-Unternehmen setzen alles daran, ihnen dementsprechend noch bessere Nutzererlebnisse zu bieten.

Wenn traditionelle Banken diesen qualitativ hochwertigen Service nicht gewährleisten können, dann besteht die Gefahr, dass sie ihre zentrale Rolle im Finanz-Ökosystem an neue Marktteilnehmer verlieren.

Das Ausmaß der Disruption lässt sich am besten in China erkennen, wo bereits neun von zehn Personen eine digitale Geldbörse verwenden. Dabei werden rund 90 Prozent aller Wallet-Zahlungen über Apps von AliPay oder WeChat abgewickelt – und nicht über traditionelle Finanzinstitute.2 Es ist zwar eher unwahrscheinlich, dass diese Zahlen unmittelbar auf andere Märkte übertragbar sind – sei es wegen unterschiedlicher Bestimmungen zu Daten- oder Urheberschutz –, dennoch zeigt dies, was passieren kann, wenn traditionelle Banking-Anbieter nicht schnell genug Neuerungen einführen, um Kundinnen und Kunden die gewünschte Bandbreite an Dienstleistungen zu bieten.

Banken müssen ihre Kundinnen und Kunden in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen und sich dementsprechend an Gesellschafts- und Branchenentwicklungen anpassen. Nur dann werden sie in der Lage sein, sich bei ihren Kundinnen und Kunden neue Geltung zu verschaffen.

Ein hart umkämpfter Markt für Apps

Eine Frau, die ihr Smartphone benutzt, um den Kontostand ihrer Online-Geldbörse zu überprüfen.

Damit haben digitale Geldbörsen das Potenzial, eine dominante Stellung in der Konsumfinanzierung einzunehmen. Betrachtet man die Geschwindigkeit, mit der Cyberwallets vom Markt angenommen werden, ist diese Zukunft nicht weit entfernt. Juniper Research zufolge werden 2026 weltweit schon mehr als 5,2 Milliarden Menschen digitale Wallets nutzen – ein Anstieg um 3,4 Milliarden im Jahr 2022.3 Dann wird erwartet, dass jährlich 12 Billionen US-Dollar aus elektronischen Wallets ausgegeben werden.

Nicht nur digitale Geldbörsen werden häufiger genutzt – auch mehr mobile Wallets werden verwendet. Verbraucherinnen und Verbraucher in wachstumsstarken Märkten wie Indien und Indonesien verwenden im Durchschnitt jeweils drei oder mehr Cyberwallets.4 In einer derart wettbewerbsintensiven Umgebung müssen sich Finanzinstitutionen selbst neu erfinden, um relevant und wettbewerbsfähig zu bleiben. Und das bedeutet, mehr anzubieten als Zahlungsabwicklung.

Banken haben mehrere Optionen, um sich auf diesem umkämpften Markt zu positionieren. Sie können:

  1. versuchen, wettbewerbsfähig zu bleiben, indem sie vorrangig ihre eigenen Angebote in den Vordergrund stellen
  2. zu einer Plattform werden, die Finanzdienstleistungen von Drittanbietern unter anderen Markennamen anbietet (so genanntes Banking-as-a-Service)
  3. die eigene Bank-Marke bei den Kundinnen und Kunden ins Zentrum stellen und eine Anwendungsplattform für eine größere Bandbreite an Dienstleistungen errichten.

Dabei bietet die letzte Option das größte Potenzial für Wachstum und Mehrwert. Traditionelle Banken haben gute Voraussetzungen, um sich zu einer Basis für ein reichhaltiges Dienstleistungs-Ökosystem zu entwickeln. Denn sie verfügen über zwei wichtige Wettbewerbsvorteile: ein gutes Ausgangsniveau an Kundeninteraktionen und Vertrauen bei den Kundinnen und Kunden.

Im Schnitt interagieren Kundinnen und Kunden im Rahmen von Zahlungsprozessen zweimal täglich mit ihrer Bank. Diese Transaktionen machen mehr als 80 Prozent der Interaktion mit Banken aus – was Zahlungen zu einem guten strategischen Ausgangspunkt macht, um weitere Services anzubieten.5

Dazu kommt das große Vertrauen, das viele Menschen in traditionelle Banken haben: Mehr als drei Viertel der Verbraucherinnen und Verbraucher in europäischen Schlüsselmärkten geben an, dass traditionelle Banken ihre wichtigste Finanzbeziehung darstellen.6 All dies bedeutet, dass es nicht nur wünschenswert ist, ein Ökosystem zu erschaffen – sondern auch lohnenswert.

“In unserer schnelllebigen Welt nutzen bereits viele Menschen Digital Wallets im Alltag. Und so erwarten immer mehr Kundinnen und Kunden von ihrer Bank, diesem Beispiel zu folgen und eine Auswahl an digitalen Produkten und Dienstleistungen kompakt in einer App anzubieten“
Tobias Ott
Mitglied des Managements-Teams, Abteilung Sichere Digitale Zahlungen, Netcetera

Die Ambitionen von Banken sollten sich heute nicht auf Zahlungsabwicklung und Finanzdienstleistungen beschränken. Während ein Digital Wallet vornehmlich für Zahlungen verwendet wird, bildet ein „Super Wallet“ die zentrale Anlaufstelle für viele Anwendungen im täglichen Leben. Dies gilt insbesondere für Investments, Versicherungen, E-Commerce, Reisen oder viele andere geldwerte Angebote.

Banken verfügen über eine breite Kundenbasis, die eine Vielzahl unterschiedlicher Dienstleistungen benötigt. Aus diesem Grund muss das Super Wallet auch mit breit aufgestellten Angeboten ausgestattet sein. Allerdings unterscheiden sich die Bedürfnisse eines 18-jährigen Kunden und von denen einer 81-jährigen Kundin sehr stark. Aus diesem Grund ist Personalisierung entscheidend, um sicherzustellen, dass alle Kundinnen und Kunden die Angebote als relevant und nützlich empfinden.

Jedes Cyberwallet sollte über einen festgelegten Kern an Funktionalität verfügen, wie Zahlungs-, Karten- und Kontomanagement. Daneben können sie jedoch viel mehr beinhalten. Kundinnen und Kunden erwarten zunehmend, dass zusätzliche Dienstleistungen angeboten werden, und sie sind bereit, für die Nutzung zu zahlen oder ihre Daten zu teilen.1

Aufbau eines kundenzentrierten Ökosystems

Super Wallets beschränken sich nicht auf reine Finanzdienstleistungen wie etwa Transaktionen. Stattdessen können sie den gesamten Alltag einer breit gestreuten Kundenbasis bereichern. Sie versetzen Banken in die Lage, ein umfassendes Servicespektrum anzubieten: von traditionellen Bank-Dienstleistungen und Zahlungsangeboten bis zu Darlehen, Investments, Versicherungen, Kryptowährungen oder Reise-Services.

Diese Banking-Lösungen der Zukunft sind geeignet für all jene Kundinnen und Kunden, die digitale Lösungen schnell und einfach anwenden möchten und dafür schon heute eine einzelne App für jede denkbare Anwendung nutzen möchten.

Auf diese Weise können traditionelle Banken auf dem umkämpften Markt für Finanzdienstleistungen bestehen. Mit echtem Mehrwert sichern sie sich einen festen Platz im Digitaluniversum ihrer Kundinnen und Kunden. Mit Expertise und Erfahrung bei der Entwicklung solcher Lösungen unterstützt G+D gemeinsam mit seinem strategischen Partner Netcetera Banken bei diesem Ziel.

  1. Global Financial Services Consumer Study, Accenture, 2019

  2. China Cards and Payments – Opportunities and Risks to 2025, Global Data, July 2022

  3. Digital Wallets, Accelerating to a Cashless Society, Juniper Research, April 2022

  4. Mobile Wallets Report, Juniper/Boku, 2021

  5. The digital battle that banks must win, McKinsey, 2014

  6. NextWave Global Consumer Banking Survey, EY, 2021

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