Durch die Nutzung der Gesetzmäßigkeiten der Quantenmechanik eröffnen leistungsfähige, fehlertolerante Quantencomputer die Aussicht, bestimmte Problemklassen zu lösen, die selbst die modernsten heutigen Computersysteme an ihre Grenzen bringen.
Besonders großes Potenzial wird ihnen bei kombinatorischen Optimierungsaufgaben zugeschrieben. Sie könnten hochgradig effiziente Lieferketten ermöglichen oder optimale Anlagestrategien berechnen. Als klassisches Beispiel gilt das sogenannte Traveling-Salesperson-Problem. Dabei geht es darum, für eine festgelegte Anzahl geografisch verteilter Städte die kürzeste Reiseroute zu ermitteln. Sind lediglich fünf Städte zu besuchen, existieren 24 mögliche Routen. Mit jeder weiteren Station wächst die Zahl der Kombinationen jedoch exponentiell. Bereits bei 20 Städten müssen mehr als sechs Billiarden mögliche Routen berücksichtigt werden. Für klassische Computer ist eine solche Berechnung praktisch nicht zu bewältigen, während sie ein Quantencomputer theoretisch in kurzer Zeit lösen könnte.¹
Neben der kombinatorischen Optimierung versprechen Quantencomputer erhebliche Fortschritte bei der Lösung von Differentialgleichungen. Dadurch lassen sich komplexe Systeme deutlich präziser modellieren, von chemischen Reaktionen bis hin zur Dynamik des Klimas. Auch in der linearen Algebra eröffnen sich neue Möglichkeiten. Das könnte unter anderem das Training von KI-Modellen beschleunigen und die Erkennung komplexer Betrugsmuster erheblich verbessern.
Die Technologie birgt jedoch auch erhebliche Risiken. Quantencomputer sind besonders leistungsfähig bei der Faktorisierung, also der Zerlegung großer Zahlen in ihre Primfaktoren. Genau darauf beruht jedoch die Sicherheit eines Großteils der heutigen Public-Key-Kryptografie, insbesondere des RSA Verfahrens. Dessen Schutzmechanismus basiert darauf, dass die Faktorisierung großer Zahlen für herkömmliche Computer praktisch nicht lösbar ist.
Auch ein weiteres weit verbreitetes Verfahren der Public Key Kryptografie, die Elliptic Curve Cryptography (ECC), gilt durch Quantencomputer als gefährdet. Ihre Sicherheit beruht auf der Schwierigkeit, das sogenannte diskrete Logarithmusproblem auf elliptischen Kurven zu lösen. Auch diese mathematische Hürde könnte leistungsfähige Quantencomputer künftig überwinden.
Kurz gesagt: Quantencomputer werden voraussichtlich in der Lage sein, die heute eingesetzten Verschlüsselungsverfahren zu brechen, die digitale Werte und Kommunikationssysteme in Wirtschaft, Staat und Privatleben schützen.
Besonders zwei Bedrohungsszenarien stehen dabei im Mittelpunkt. Das erste ist als „Harvest now, decrypt later“ bekannt. Dabei zeichnen Angreifer bereits heute verschlüsselte Daten auf, um sie zu einem späteren Zeitpunkt mit leistungsfähigen Quantencomputern zu entschlüsseln und auszuwerten.
Wann dieser Zeitpunkt erreicht sein wird, oft als „Q Day“ bezeichnet, wird unterschiedlich eingeschätzt. Viele Fachleute gehen davon aus, dass zwischen 2030 und 2040 Quantencomputer verfügbar sein werden, die leistungsfähig genug sind, gängige Public Key Verschlüsselungsverfahren zu kompromittieren. Regulierungsbehörden und staatliche Stellen weltweit fordern Unternehmen und Organisationen deshalb auf, ihre Systeme bis spätestens 2035 vollständig auf Post-Quantum-Cryptography (PQC) umzustellen.
Die zweite große Herausforderung ergibt sich aus den langen Lebenszyklen vieler sicherheitskritischer Systeme. Ein Personalausweis, ein Führerschein oder ein Reisepass muss über zehn Jahre oder länger vertrauenswürdig bleiben. Deshalb ist es entscheidend, diese Systeme bereits heute gegen künftige Angriffe durch Quantencomputer abzusichern.



