Frau tätigt eine digitale Zahlung mit ihrem Smartphone und Kreditkarte
#Card Payment

Die Zukunft inländischer Zahlungssysteme

Insights
4 Min.

Attraktive inländische Zahlungssysteme sind für die Zahlungssouveränität unerlässlich. Ihre internationalen Pendants verfügen jedoch über einen Vorsprung hinsichtlich der weltweiten Anerkennung und bieten Vorteile wie grenzüberschreitende und Online-Funktionalitäten. Ein tragfähiges inländisches System müsste über einige Erfolgsfaktoren verfügen, die über den bloßen Preisvorteil hinausgehen.

Ein aktueller Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB) zu Kartensystemen zeigt, dass Kartenzahlungen inzwischen die dominierende elektronische Zahlungsmethode in der Europäischen Union sind. Im Jahr 2023 entfielen 54 Prozent aller bargeldlosen Transaktionen auf Kartenzahlungen. Insgesamt wurden auf diesem Weg rund 70 Milliarden Zahlungen abgewickelt.1

Das allein ist schon bemerkenswert. Zugleich weist die Zentralbank darauf hin, dass 61 Prozent dieser Kartenzahlungen über internationale Kartensysteme abgewickelt wurden.2

Starke nationale Systeme neben den großen internationalen Anbietern sind aber für Europas Zahlungssouveränität und die Widerstandsfähigkeit des Systems von großer Bedeutung. Innerhalb der EU richtet sich daher der Fokus erneut auf Innovationen in den nationalen Zahlungssystemen, damit diese weiter wachsen und ihre Kundschaft halten können. „Kunden erwarten, dass die Funktionen, die sie von internationalen Systemen kennen, auch bei nationalen Lösungen verfügbar sind. Noch wichtiger ist jedoch, dass nationale Zahlungsoptionen flexibel auf die besonderen Anforderungen lokaler Akteure reagieren können, also auf Banken, den Handel sowie auf Nutzerinnen und Nutzer gleichermaßen. Ein Ökosystem, in dem nationale und internationale Systeme nebeneinander bestehen, ist ideal“, sagt Barnabas Ferenczi, Head of Strategy & Product Marketing für Financial Platforms bei G+D.

Auf diese Weise entstehen möglichst effiziente und sichere Zahlungsprozesse. Gleichzeitig können Regulierungsbehörden sicher sein, dass der Wettbewerb zwischen verschiedenen Angeboten entsteht und die Stabilität des Systems gestärkt wird.

Herausforderungen für nationale Systeme

„Wie kann ein Land ein vielfältiges und wettbewerbsfähiges Zahlungsökosystem aufbauen? Wie lässt sich ein nationales System so gestalten, dass es den eigenen Anforderungen gerecht wird und die Entwicklung des Zahlungsverkehrs aktiv prägt?“, fragt Karagianis Charalampos, Head of Field Experts bei G+D.

Um diese Fragen zu beantworten, lohnt zunächst ein Blick auf die Herausforderungen für nationale Systeme. Europa liefert dafür ein anschauliches Beispiel. Die Europäische Zentralbank stellt fest:

  1. Kartenzahlungen dominieren den elektronischen Zahlungsverkehr in der Europäischen Union.
  2. Internationale Kartensysteme machten im Jahr 2022 jedoch mehr als 60 Prozent der Kartentransaktionen im Euroraum aus.
  3. Der Marktanteil nationaler Kartensysteme sinkt.3

Für diese Entwicklung gibt es historische Gründe, sagt Charalampos. „Viele nationale Kartensysteme in Europa sind aus dem Bedarf an interoperablen Geldautomatennetzen entstanden und mit deren Ausbau gewachsen. Mit dem Aufkommen von Kartenzahlungen hat sich ihre Rolle verändert und muss nun weiterentwickelt werden.“

Zahlreiche nationale Systeme kämpfen zudem mit einem Mangel an modernen Funktionen und verlieren dadurch Marktanteile. Auch die Tatsache, dass einige Banken und Neobanken internationale Kartenmarken ausgeben, hat diese Tendenz verstärkt.

Weitere Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle. „Man könnte es ein Paradox nennen“, sagt Ferenczi. „Der größte Vorteil eines nationalen Systems liegt in den geringeren Kosten für Händler. Gleichzeitig erwarten die Nutzer Funktionen, die mindestens mit internationalen Systemen mithalten können.“ Für technologische Weiterentwicklungen stehen jedoch häufig weniger Mittel zur Verfügung, weil die Gebührenstrukturen so niedrig sind.

Nationale Zahlungsstrukturen können zusätzliche Innovationen hervorbringen, Verbraucherinnen und Verbrauchern mehr Wahlmöglichkeiten bieten und ein produktives Nebeneinander lokaler und internationaler Anbieter ermöglichen.

Barnabas Ferenczi
Head of Strategy & Product Marketing für Financial Platforms bei G+D

Hinzu kommt, dass nationale Systeme innerhalb der Europäischen Union bislang nur begrenzt miteinander vernetzt sind. Das erschwert die Akzeptanz bei einer Nutzergruppe, die beruflich wie privat international unterwegs ist.

Anpassung als Voraussetzung für Erfolg

Ein umfassend modernisierter Funktionsumfang ist entscheidend, um neue Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen und bestehende zu halten. Das gilt besonders für mobile und Onlinezahlungen. „Der Fokus liegt heute nicht mehr nur auf der Zahlung selbst, sondern zunehmend auf dem gesamten Zahlungserlebnis, sowohl im Laden als auch beim Online-Shopping“, sagt Gabrielle Bugat, CEO von G+D ePayments. Gerade für einige Systeme im europäischen Markt, die derzeit an Boden verlieren, bleibt dies eine zentrale Herausforderung.

Natürlich gibt es auch Gegenbeispiele. Frankreich etwa geht voran mit einer „Click to pay“-Lösung, die sichere und nutzerfreundliche E-Commerce-Transaktionen ermöglicht.

Ein weiteres Beispiel ist TWINT in der Schweiz. Das nationale System hat sich gegenüber anderen Lösungen erfolgreich behauptet, weil es genau die Funktionen bietet, die lokale Nutzer benötigen und auf die sie Wert legen. Inzwischen ist TWINT im Land nahezu flächendeckend verbreitet und kann am Point of Sale (PoS), online, für Peer-to-Peer-Transaktionen und in vielen weiteren Szenarien eingesetzt werden. Im Jahr 2024 wurden darüber 773 Millionen Transaktionen abgewickelt.4

In Deutschland bildet die Girocard traditionell das nationale Kartenökosystem. Allerdings fehlen der Girocard Funktionen, die Nutzer heute erwarten. Dazu gehören etwa umfassende Onlinefunktionen, Vorautorisierungen oder moderne Verfahren zur Betrugsprävention. Barnabas Ferenczi erläutert: „Ein etabliertes System wie die Girocard kann dennoch eine solide Grundlage sein, gerade weil es im stationären Handel weithin bekannt und akzeptiert ist.“ Mit anderen Worten: Bestehende Strukturen sollten gezielt weiterentwickelt werden, damit sie ihre Stärken ausbauen und neue Anwendungsfelder erschließen.

Die European Payment Initiative (EPI), ein Zusammenschluss verschiedener Banken und Zahlungsdienstleister aus der Region, hat mit Wero ein Angebot für Echtzeitzahlungen entwickelt. Der Dienst ist bereits in Deutschland, Frankreich und Belgien verfügbar und soll bald auch in weiteren europäischen Ländern starten.5 Ende 2025 befindet sich Wero noch in einer frühen Wachstumsphase. Rund 50 Millionen Nutzer sind bereits angebunden, teilweise auch durch Übernahmen. Der Schwerpunkt liegt derzeit vor allem auf Peer-to-Peer-Zahlungen.

Person am Pool hält Smartphone mit Finanz-App und Aktienchart

Der Blick nach vorn

Die Herausforderungen sind zweifellos offensichtlich. Gleichzeitig zeigen erfolgreiche Beispiele, dass nationale Systeme durchaus bestehen können, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Die Notwendigkeit eines widerstandsfähigen Zahlungsökosystems ist unbestritten. Entsprechend groß ist auch das Potenzial, weiterhin in nationale Systeme zu investieren.

Damit ein solches System langfristig tragfähig bleibt, müsste es vor allem folgende Kriterien erfüllen. Zumindest gilt das für den europäischen Kontext.

  1. Ein ausschließlich auf Plastikkarten ausgerichteter Ansatz wäre angesichts der wachsenden Verbreitung digitaler Wallets nicht mehr zeitgemäß. Digitale Angebote sollten kein Zusatz sein, sondern integraler Bestandteil des Systems.
  2. Die technologische Architektur sollte sich möglichst einfach in die Angebote von Fintechs und Neobanken integrieren lassen. Diese arbeiten derzeit überwiegend mit internationalen Systemen und erreichen eine schnell wachsende Gruppe digitalaffiner Nutzer.
  3. Die Funktionen müssen mit denen internationaler Anbieter Schritt halten. Neben mobilen und Onlinezahlungen spielen dabei auch Betrugsprävention und Verbraucherschutz eine zentrale Rolle.

„Nationale Zahlungsstrukturen können zusätzliche Innovationen hervorbringen, Verbraucherinnen und Verbrauchern mehr Wahlmöglichkeiten bieten und ein produktives Nebeneinander lokaler und internationaler Anbieter ermöglichen“, sagt Ferenczi. „Es geht ausdrücklich nicht um eine Entweder-oder-Entscheidung. In einer globalisierten Welt wäre das wenig sinnvoll. Entscheidend sind strategische Resilienz und offene Autonomie. Wenn die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, können nationale Systeme in der EU erfolgreich wachsen. Dann entfaltet auch das Ökosystem, das sie tragen, sein volles Potenzial.“

Cartes Bancaires goes Click to Pay

STET, Cartes Bancaires (CB) und G+D bündeln ihre jeweiligen Stärken und bieten 2026 eine auf EMVCo-Standards basierende Click-to-Pay-Lösung an. 

CB ist das französische Kartensystem. STET verfügt über Fachwissen im Bereich der Echtzeit-Tokenisierung für Emittenten, während G+D Kompetenzen in der Händlerintegration sowie ein ganzheitliches Verständnis des Ökosystems einbringt. „Diese Zusammenarbeit ermöglicht es uns, Cartes Bancaires eine sichere, nahtlose Ein-Klick-Lösung für Online-Transaktionen anzubieten, die das digitale Zahlungserlebnis verbessert und gleichzeitig die europäische Souveränität wahrt“, sagte Philippe Delanoue, CEO von G+D France.

Key Takeaways

  • Inländische Zahlungssysteme gelten weltweit als wesentlicher Bestandteil einer widerstandsfähigen Zahlungsinfrastruktur.
  • Allerdings wird eine Lücke bei den Funktionen zwischen inländischen und internationalen Zahlungssystemen wahrgenommen, einschließlich der Online-Funktionalitäten.
  • Ein robustes Zahlungsökosystem würde sowohl etablierten internationalen Zahlungssystemen als auch ihren inländischen Pendants Raum bieten.
  1. Report on card schemes and processors, European Central Bank, 2025, www.ecb.europa.eu/pub/pdf/other/
    ecb.reportcardschemes202502~1614226b0a.en.pdf

  2. Ibid.

  3. Most EU countries rely on international card schemes for card payments, ECB report shows, European Central Bank, 2025, https://shorturl.at/sqKfR

  4. 773 million TWINT transactions: more sovereignty for users and merchants, TWINT, 2025, www.twint.ch/en/press/773-million-twint-transactions-more-sovereignty-for-users-and-merchants/

  5. Wero wallet: News, 2026, https://wero-wallet.eu/news

Veröffentlicht: 21.04.2026

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