Ein Reisepass voll mit Stempeln liegt auf einer blau eingefärbten Weltkarte.
#ePassports #Authentication

Physische Ausweisdokumente bleiben relevant

Expertenbeitrag
5 Min.

Laut den Vereinten Nationen hat jeder Mensch das Recht auf Rechtsfähigkeit und auf eine eigene rechtliche Identität. Da nicht jedes Land in der Lage ist, digitale Ausweise zur Verfügung zu stellen, sind physische Dokumente die geeignete Lösung. Darüber hinaus dienen sie jeder ePass-Besitzerin und jedem ePass-Besitzer als Identitätsnachweis, falls es zu einer Datenpanne oder Unterbrechung der digitalen Infrastruktur kommt. Es gibt also gute Gründe, warum physische Ausweisdokumente auf absehbare Zeit relevant bleiben.
 

Für viele Menschen auf diesem Planeten ist es eine Selbstverständlichkeit, eine rechtliche Identität zu besitzen und diese auch mit Dokumenten belegen zu können. Die Bürgerinnen und Bürger der meisten Länder erhalten daher ohne Probleme einen Personalausweis, sobald sie ein gewisses Alter erreicht haben. Auch der Führerschein wird ihnen ausgestellt, sobald sie ihre Fahrprüfung bestanden haben. Wer verreisen möchte, kann sich einfach einen Reisepass ausstellen lassen.

Identitätsdokumente gehören zum Alltag, weshalb man oft vergisst, was für ein Privileg es ist, sie zur Verfügung zu haben. Eine Rechtspersönlichkeit zu besitzen, kann das Leben auf vielerlei Arten beeinflussen. 

„Klar kann man mit einem Reisepass in den Urlaub fahren, doch er ermöglicht noch so viel mehr als das“, sagt Andreas Kuba, Global Head of Sales bei Veridos. „Er ebnet den Weg, um an einem anderen Ort ein neues Leben zu beginnen, einen Job zu finden oder den Lebensunterhalt remote zu verdienen. Er kann einem selbst und der Familie Zugang zu einer besseren Gesundheitsversorgung und zu Bildung verschaffen. Eine rechtmäßig ausgestellte, verwaltete und überprüfte Identität ist und bleibt die Grundlage für ein besseres Leben.“

Ein Fakt, der weltweit von Behörden und anderen staatlichen Institutionen anerkannt wird. Die Notwendigkeit einer rechtlichen Identität wird auch von den Vereinten Nationen bestätigt. Laut ihrem Nachhaltigkeitsziel (Sustainable Development Goals, kurz SDG) 16.9 verpflichten sie ihre Mitglieder, bis 2030 – unter anderem durch die Registrierung von Geburten – dafür zu sorgen, dass alle Menschen eine rechtliche Identität haben.1

Einer der Gründe dafür: 850 Millionen Menschen auf der Welt besitzen keine rechtliche Identität2 – dadurch wird ihnen der Zugang zu sozialen und wirtschaftlichen Grundbedürfnissen wie Nahrung, Gesundheit und Bildung erschwert. Es steht außer Frage, dass sich daran etwas ändern muss.

Die konkrete Ausgestaltung dieser Identität wird von globalen Standards und den nationalen Gegebenheiten bestimmt. Das gilt sowohl für physische Dokumente als auch für digitale Identifikationsoptionen. Je fortschrittlicher eine Nation ist, desto anspruchsvoller werden auch die kollektiven Anforderungen an Identitätsnachweise. Rechtliche Identitäten bereitzustellen, kann deshalb nur unter individuellen Gesichtspunkten funktionieren und niemals mit einer Einheitslösung.

Zwei lettische Pässe liegen auf einem grauen Koffergriff und symbolisieren Reisen und Mobilität.

Was für physische Dokumente spricht

Digitale Identitätsnachweise stehen derzeit hoch im Kurs, denn die Digitalisierung macht viele Dinge effizienter und einfacher. Dieser Prozess lässt sich angesichts der Geschwindigkeit, mit der er vonstattengeht, auch nicht aufhalten.  

Dennoch gibt es Aspekte, die physische Dokumente weiterhin notwendig machen. Dazu gehören:

  1. Zugang: Digitalisierung kann nur stattfinden, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Rund 3,45 Milliarden Menschen haben jedoch keinen Zugang zum Mobilfunk.3 Auch Smartphones, Wearables und andere digitale Geräte, die eine legale ID speichern können, sind nicht so weit verbreitet, wie man vielleicht annimmt.
  2. Infrastruktur: Die Registrierung, Ausstellung und Überprüfung digitaler Ausweise ist mit Kosten verbunden, die ärmere Länder oft nicht stemmen können. Der Aufbau der entsprechenden Infrastruktur ist teuer und dauert lange, während die Bereitstellung von Identitäten schnell und unkompliziert erfolgen muss. Langfristig können digitale Ausweise zwar kostengünstiger sein, doch bis dahin bleiben physische Ausweise relevant.
  3. Vereinheitlichung: Vorschriften und Standards variieren weltweit. Nimmt man das Reisen als Beispiel, so sind nicht alle Grenzübergänge für die Bearbeitung digitaler Dokumente ausgerüstet, seien es Reisepässe, ePässe oder digitale Ausweise. Bis Protokolle und Standards vereinheitlicht sind, werden physische Dokumente weiterhin erforderlich sein.
  4. Datensicherung: Selbst in hochgradig digitalisierten Bereichen bleiben physische Dokumente als Back-up für ihre digitalen Pendants bestehen. Bei Strom- oder Netzwerkausfällen, Datenfehlern oder mangelnder Interoperabilität sind physische Dokumente nach wie vor unverzichtbar. Daran wird sich zumindest mittelfristig nichts ändern.

Eine rechtmäßig ausgestellte, verwaltete und überprüfte Identität ist und bleibt die Grundlage für ein besseres Leben.

Andreas Kuba
Global Head of Sales, Veridos

Mit dem Fortschritt ändern sich die Anforderungen

Da sich nicht alle Nationen gleich schnell digital weiterentwickeln, unterscheiden sich auch die Möglichkeiten zur Identifizierung. Der Ausbau der Infrastruktur kostet Zeit und Geld und die Voraussetzungen hierfür sind überall unterschiedlich: Manche Orte müssen erst ans Stromnetz angeschlossen werden, bevor über einen Netzausbau nachgedacht werden kann. Physische Dokumente bleiben daher auf absehbare Zeit unverzichtbar.

Dazu kommt, dass nicht alle Aspekte des Identitätsprozesses gleichzeitig digitalisiert werden können. Es gibt viele Länder, die weder technisch noch gesellschaftlich oder strukturell so weit entwickelt sind, dass sie digitale Verfahren anwenden könnten, insbesondere wenn biometrische Daten erfasst werden müssen. So gibt es beispielsweise auf Kuba Gegenden, in denen die Daten einer Frau im Ausweis ihres Ehemanns erfasst sind. Erst wenn die erforderlichen Voraussetzungen in diesen Regionen geschaffen sind, können überhaupt individuelle Dokumente ausgestellt und zu gegebener Zeit auch digital verifiziert werden.

Letztendlich geht es aber um den Einzelnen und den darf man bei der ganzen Diskussion nicht aus den Augen verlieren. „Jeder Mensch hat eine Kernidentität“, sagt Kuba. „Aus dieser lassen sich entweder physische oder digitale Identitätsnachweise ableiten. Oder beides! Trotzdem ist und bleibt es ein Ausweis.“ 

Ob physisch oder digital: Der Identitätsnachweis muss zugänglich und sicher sein. Sichergestellt wird dies durch geeignete Identifikationssysteme, die im besten Fall flexibel genug sind, um auch die jeweils andere Form einzubeziehen.

Eine Frau mit Kopftuch bekommt ein offizielles Dokument bei einer Registrierung ausgehändigt.

Auf den richtigen Partner kommt es an

Die Ausstellung von Ausweisdokumenten ist kein triviales Unterfangen und verlangt einen erfahrenen und kompetenten Partner. Er kann die beteiligten Behörden zu Fragen des regulatorischen Umfelds und der erforderlichen Technologien beraten und sicherstellen, dass das System auch mit zukünftigen Entwicklungen kompatibel ist.

Dieser Partner sollte über Erfahrung und Fachwissen in allen Bereichen physischer und digitaler Identitätslösungen verfügen – von der Registrierung und Ausstellung bis zur Überprüfung. Gefragt sind ebenso Erfahrung in der Konzeption und Umsetzung von Projekten wie die Kenntnis landesspezifischer Anforderungen.

Veridos, ein Joint Venture zwischen Giesecke+Devrient und der Bundesdruckerei, ist so ein Partner. Das Unternehmen blickt auf eine lange Tradition in der Entwicklung und Lieferung modernster Ausweisdokumente zurück. Zu den Erfolgsgeschichten von Veridos zählen Reisepässe in Bangladesch und Lettland, Wählerausweise in Mexiko sowie Führerscheine in Kanada und den USA. Als vertrauenswürdiger Partner stellt Veridos sichere Kernidentitäten für Bürgerinnen und Bürger eines jeden Landes bereit. Ändern sich die staatlichen Anforderungen, kann sich Veridos dank seiner globalen Erfahrung und seines Know-hows diesen ohne Weiteres anpassen – einschließlich des Umstiegs auf ein sicheres digitales Dokumentationssystem.

Key Takeaways

  • Die Ausstellung grundlegender rechtlicher Identitäten für Menschen auf der ganzen Welt bleibt eine dringende Notwendigkeit.
  • Je nach Entwicklungsstand stellen Länder ihren Bürgerinnen und Bürgern Ausweisdokumente auf unterschiedliche Weise zur Verfügung.
  • Der richtige Partner kann ein Land bei der Digitalisierung von Identitätsnachweisen unterstützen – mit technischem Fachwissen und Erfahrung in allen Bereichen der Bereitstellung und Überprüfung physischer und digitaler Identitäten.
  1. Transforming our World: the 2030 Agenda for Sustainable Development, United Nations Department of Economic and Social Affairs, https://sdgs.un.org/2030agenda

  2. Why legal identity is essential to tackling the climate crisis, Arai, Verma & Sharma/UNDP, 2024, https://www.undp.org/blog/why-legal-identity-crucial-tackling-climate-crisis

  3. The State of Mobile Internet Connectivity Report 2024, GSMA, 2024, https://www.gsma.com/r/somic/

Veröffentlicht: 25.09.2025

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