Der Trend zu Sofortzahlungen
Zahlungen werden schneller und nahtloser. Traditionelle Überweisungen, die früher Tage für die Abwicklung benötigten, werden heute in Sekunden abgeschlossen dank Instant Payments. Dieser Trend hat vor allem in Schwellenländern an Dynamik gewonnen, etwa in Brasilien mit Pix und Indien mit UPI – zwei erfolgreiche Beispiele, die mit nahtloser digitaler Integration und dem Versprechen größerer Inklusion eine breite Akzeptanz erreicht haben. Nun steht die massenhafte Einführung auch in Europa bevor.
Obwohl Banken in der Eurozone bereits seit 2017 über die technische Infrastruktur verfügen, um Instant Payments über SEPA Instant anzubieten, erfolgen derzeit nur 11 % der Euro-Überweisungen tatsächlich in Echtzeit1. Dies dürfte sich mit der EU-Verordnung zu Sofortzahlungen (Instant Payment Regulation, IPR) ändern, die am 9. Oktober 2025 in Kraft getreten ist und alle Banken sowie Zahlungsdienstleister verpflichtet, Euro-Überweisungen zu ermöglichen, die innerhalb von zehn Sekunden abgewickelt werden – rund um die Uhr, an sieben Tagen pro Woche.
Die IPR bietet Banken die Chance, Kundenbeziehungen von den derzeit dominierenden Kartennetzwerken zurückzugewinnen. Konto-zu-Konto-Sofortzahlungen könnten 15 % bis 25 % des zukünftigen Kartenumsatzvolumens ausgleichen2 und es Banken erlauben, die Transaktionsdaten zu behalten sowie neue Umsatzquellen durch Mehrwertdienste wie Echtzeitauszahlungen und Embedded Finance zu erschließen. Banken, die personalisierte Embedded-Finance-Services anbieten, berichten über einen drei- bis fünfmal höheren Customer Lifetime Value (CLV = Wert einer Kundenbeziehung über die gesamte Geschäftsdauer) als solche, die ausschließlich auf traditionelle Modelle setzen3. Händler profitieren von einer schnelleren Abwicklung – ebenso wie Beschäftigte in der Gig Economy, etwa Liefer- oder Fahrdienstfahrerinnen und -fahrer, die ihre Zahlungen nun sofort erhalten können. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ergänzen Instant Payments die bereits breite Palette nahtloser Zahlungsoptionen.
Die Akzeptanz wird jedoch letztlich von der Sicherheit abhängen. Die Geschwindigkeit von Soforttransaktionen verstärkt Betrugsrisiken, insbesondere bei „Authorized Push Payment“-Betrügereien, die jährlich um 20 % bis 25 % zunehmen4. Im Gegensatz zu Kartenzahlungen verfügen Sofortüberweisungen nicht über integrierte Rückbuchungsmechanismen, wodurch Verbraucherinnen und Verbraucher und Unternehmen einem höheren Risiko ausgesetzt sind. Die Branche arbeitet aktiv an Gegenmaßnahmen, während die neue EU-Vorschrift zur Empfängerverifizierung (Verification of Payee), die zeitgleich mit der IPR eingeführt wurde, zusätzlichen Schutz bietet, indem sie die Kontodaten der Empfängerin oder des Empfängers vor der Abwicklung überprüft.






