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Barrierefreie Funktion für Zahlungskarten

Feature

Ein älterer Kunde einer britischen Filialbank wandte sich mit einer Idee direkt an das britische Vertriebsteam von G+D: Zahlungskarten sollten einfacher und komfortabler nutzbar sein. G+D nahm das Feedback auf, analysierte die Anforderungen und entwickelte gemeinsam mit dem Kunden eine Lösung, die den Umgang mit Karten erleichtern kann – insbesondere für Menschen mit Sehbeeinträchtigung oder eingeschränkter Fingerfertigkeit, aber auch für alle, die ein gut gefülltes Portemonnaie nutzen.

Key Takeaways 

  • Kundengetriebene Innovation kann wertvolle Produktveränderungen im Finanzsektor anstoßen. Sie zeigt, wie wichtig es ist, Endnutzern zuzuhören und von ihnen zu lernen, besonders von Menschen, die im Alltag auf Barrieren stoßen.
  • Wer für Menschen mit eingeschränkter Fingerfertigkeit oder Sehbeeinträchtigung gestaltet, schafft nicht nur mehr Barrierefreiheit für diese Zielgruppen. Oft profitieren auch viele andere Karteninhaber davon.
  • Barrierefreiheit ist eine strategische Chance für Kartenherausgeber. Angesichts steigender Kartenzahlen und alternder Bevölkerungen wird sie sowohl zur gesellschaftlichen Verantwortung als auch zum Wettbewerbsfaktor.

Forschung und Entwicklung gelten in Unternehmen meist als Schaltzentralen der Produktinnovation. Teams erkennen oder antizipieren einen Marktbedarf und entwickeln Verbesserungen oder neue Produkte, die genau darauf einzahlen sollen. Doch Produktveränderungen entstehen nicht immer von oben nach unten. Manchmal kommen sie direkt aus der Kundschaft, nicht als bloßer Vorschlag, sondern als nahezu funktionsfähiger Prototyp.

Ein aktuelles Beispiel dafür liefert die Welt der barrierefreien Zahlungskarten. Die Beobachtung und Experimentierfreude eines einzelnen Kartennutzers hat zu einer neuen Kartenfunktion geführt, die den Alltag von Millionen Menschen deutlich erleichtern könnte.

Eddie Hill ist ein pensionierter Unternehmer aus dem Südosten Englands und über achtzig Jahre alt. Wie viele Menschen in seinem Alter erlebt er Situationen, die körperlich zur Herausforderung werden können. Eine davon beschäftigte ihn in den vergangenen Jahren so sehr, dass er beschloss, selbst eine Lösung zu finden.

Der Auslöser für die Innovation bei barrierefreien Karten

„Ich habe chronische Arthritis in den Händen, im Nacken und in den Schultern“, sagt er. „Das beeinträchtigt oft einfache Tätigkeiten. Vor allem hatte ich über mehrere Jahre Schwierigkeiten, Karten an der Kasse oder am Geldautomaten problemlos aus meinem Portemonnaie zu ziehen.“

Diese Alltagshürde verstärkte sein Gefühl von Unsicherheit. „Wenn ich versuchte, eine Karte herauszuziehen, zog ich manchmal gleich mehrere heraus, nur um sie greifen zu können. In einer Warteschlange fühlte ich mich dadurch verletzlich. Ich hätte eine Karte fallen lassen können oder mich gefragt, wer meine Bemühungen beobachtet und darin vielleicht eine Gelegenheit sieht, mein Portemonnaie oder meine Karten zu stehlen. Mir war klar: Wenn ich dieses Problem löse, würde mir das vieles ersparen.“

Mr. Hill ist ein pragmatischer Problemlöser. Fast vier Jahrzehnte lang führte er einen Sanitärbetrieb. Also entwickelte er eine einfache Lösung, mit der er seine Karten besser greifen konnte. Da er wusste, dass moderne kontaktlose Karten elektronische Schaltkreise enthalten, wählte er vorsichtig eine Stelle am Kartenrand aus und feilte auf beiden Seiten zwei kleine Einkerbungen hinein. „Sofort war es besser. Ich konnte eine Karte schnell und einfach aus meinem Portemonnaie ziehen“, sagt er.

Danach übertrug er die Anpassung auf weitere Karten, darunter Debitkarten, Kundenkarten und Treuekarten. Zum ersten Mal seit Jahren konnte er Karten mit einer Hand aus dem Portemonnaie nehmen, erzählt er. Bald baten auch Freunde und Familie um ähnliche Anpassungen, ganz gleich, ob die Karten in Portemonnaies, Handtaschen oder Handyhüllen steckten.

Dieser Praxistest war teilweise erfolgreich, zeigte aber sofort eine Grenze auf. Schon eine dezente Kerbe in der Karte kann die Antenne am Kartenrand beschädigen. Das kann dazu führen, dass kontaktlose Zahlungen oder Abhebungen am Geldautomaten fehlschlagen und dadurch neue Frustmomente entstehen.

Hände halten eine kleine lachsfarbene Geldbörse an einer Tankstelle.

Kontaktaufnahme für Zahlungskartenexpertise

Mr. Hill ließ sich davon nicht entmutigen. Er war überzeugt, „dass es einen Weg geben muss, eine solche Funktion auf den Markt zu bringen“, und kontaktierte britische Banken und Bausparkassen. Die ersten Reaktionen fielen zurückhaltend aus. Durch einen großen Zufall wählte er schließlich eine Telefonnummer auf einer seiner Karten und landete bei G+D in Großbritannien. Dort reagierte das Team deutlich positiver. Ein Kollege nahm den Anruf auf und verfolgte das Thema weiter.

Thomas Tarantino, Technology Director for Card Products R&D bei G+D, erklärt: „Bei G+D entwickeln wir Karten für einige der größten Banken der Welt, viele davon bereits mit Funktionen für mehr Barrierefreiheit. Deshalb waren wir sofort interessiert.“

Das G+D Team lud Mr. Hill in eine Niederlassung in Nordlondon ein. Dort schilderte er die Herausforderung und zeigte seine angepassten Karten. „Ich war beeindruckt, wie schnell G+D verstanden hat, warum eine solche Barrierefreiheitsfunktion gebraucht wird und welches Potenzial darin liegt“, sagt Hill.

Der Besuch gab ihm außerdem einen Einblick in das Innenleben von Zahlungskarten und in die technische Herausforderung, eine physische Vertiefung einzuführen, ohne die elektrische Integrität der Karte zu beeinträchtigen.

Wir haben nicht nur zugehört und dazugelernt, wir haben gehandelt. Entstanden ist ein barrierearmes Feature, das Karten insgesamt nutzerfreundlicher macht.

Thomas Tarantino
Technology Director, R&D Card Products, G+D

Entwicklung eines Prototyps und Testen einer neuen Barrierefreiheitsfunktion

„Wir haben nicht nur zugehört und gelernt, wir haben gehandelt“, sagt Tarantino. „Wir hatten schon länger geprüft, wie sich der Griff einer Karte verbessern lässt. Wir hatten darüber nachgedacht, bestimmte Bereiche der Kartenoberfläche rauer zu gestalten oder die Kartenkante mit einer Struktur zu versehen. Als wir Mr. Hill trafen, sahen wir sofort die Chance und die Möglichkeiten, eine Rille oder Kerbe zu integrieren.“

Er ergänzt: „Es war sehr wertvoll, direktes Praxiswissen von potenziellen Nutzern zu haben, die mit den bereits existierenden Karten tatsächlich Schwierigkeiten hatten. Und es war spannend zu sehen, wie Mr. Hill Karten so verändert hatte, dass sie für ihn besser greifbar wurden.“

Wie Mr. Hill festgestellt hatte, setzt die Karte selbst jedoch klare Grenzen. Die elektrische und kontaktlose Funktionalität basiert auf einer darunterliegenden Verdrahtung. „Uns war schnell klar, dass wir Mr. Hills Idee nicht eins zu eins umsetzen konnten. Also hat unser Team gemeinsam überlegt, wie wir denselben Effekt erzielen können, ohne die elektrische Funktionalität zu gefährden, die für eine Karte zentral ist.“

Auf Basis von Mr. Hills Erkenntnissen experimentierten die Ingenieure mit linearen, rechteckigen und V-förmigen Aussparungen. Sie verfeinerten Position und Tiefe der Einkerbungen. Die Prototypen wurden intern und von externen Nutzern getestet, auch von Mr. Hill und seiner informellen Fokusgruppe.

Wie Tarantinos Team beobachtete, betrifft die Schwierigkeit, eine Karte aus einer Hülle zu ziehen, längst nicht nur ältere oder sehbeeinträchtigte Menschen. „Karten aus dem Portemonnaie zu nehmen, ist für viele Menschen schwierig. Das machte es für uns sehr einfach, verschiedene Optionen intern zu testen.“

Mr. Hill hatte schnell einen Favoriten: „Am besten funktionierte eine L-Form. So entsteht ein Griffpunkt, unabhängig davon, ob die Karte von oben oder von der Seite herausgezogen wird. Sie funktioniert also für Karten im Portemonnaie, in einer Handtasche und in einer Handyhülle.“

Das Ergebnis heißt heute G+D Convego Dexterity Notch. Es handelt sich um ein schmales L nahe der oberen rechten Kartenecke. Die beiden Schenkel sind nur wenige Millimeter lang. Die Vertiefung in der Kartenoberfläche ist so bemessen, dass ein Fingernagel Halt findet, aber nicht so tief, dass sie die darunterliegende Elektronik beeinträchtigt.

Eine lächelnde Frau im roten Shirt nutzt Smartphone und Kreditkarte.

Die Chance für Kartenherausgeber

G+D und Mr. Hill verbinden mit der neuen Barrierefreiheitsfunktion große Hoffnungen auf eine breitere Nutzung, gerade weil die Zahl ausgegebener Karten weltweit weiter steigt. Bis 2029 dürfte die Zahl der weltweit im Umlauf befindlichen Kredit-, Debit- und Prepaidkarten sowie Private Label Cards auf 31 Milliarden steigen. 2024 waren es 28 Milliarden. Nicht eingerechnet sind dabei Kundenkarten und andere Karten, die in vielen Portemonnaies, Handtaschen und Kartenhüllen zusätzlich Platz finden.1 

„Wenn Portemonnaies immer voller werden, kann eine solche Einkerbung nicht nur für Menschen mit eingeschränkter Fingerfertigkeit hilfreich sein, sondern für alle“, sagt Mr. Hill. „Für mich hat sie einen großen Unterschied gemacht. Deshalb glaube ich, dass sie überall nützlich sein könnte.“

Demografische Entwicklungen verstärken diesen Bedarf. Bis 2050 wird die Zahl der Menschen im Alter von 65 Jahren oder älter weltweit voraussichtlich 1,6 Milliarden erreichen,2 Auch die Zahl der Menschen mit einer Form von Sehbeeinträchtigung dürfte stark steigen.3 In alternden Märkten wie Japan, Großbritannien und Italien wird die Ergonomie von Karten an Bedeutung gewinnen.

Eine Bank, die eine Karte mit einer solchen Barrierefreiheitsfunktion anbietet, würde sich mit ihrer Karte definitiv meinen Vorzug sichern und ganz oben in meiner Geldbörse landen.

Eddie Hill
Bankkunde aus Großbritannien

Der bevorzugte Platz im Portemonnaie

Für Banken, die sich in einem zunehmend austauschbaren Markt differenzieren wollen, kann Barrierefreiheit sowohl reputationsseitig als auch wirtschaftlich attraktiv sein. Für jemanden wie Mr. Hill ist eine verbesserte Kartenkante jedenfalls ein überzeugendes Angebot. „Eine Bank, die eine Karte mit einer solchen Funktion anbietet, würde für ihre Karte definitiv meinen bevorzugten Platz im Portemonnaie bekommen“, sagt er.

Für G+D ist es ebenfalls attraktiv, Banken und anderen Kartenherausgebern eine solche Einkerbung als Option anzubieten. „Barrierefreiheit bedeutet, Zahlungssysteme so zu gestalten, dass sie für alle funktionieren. Denn Zahlungen sind fest in den Alltag der Gesellschaft eingebunden. Wir arbeiten seit vielen Jahren daran, die Karten, die wir für unsere Kunden entwickeln, um hilfreiche barrierefreie Optionen zu erweitern“, sagt Tarantino.

Dazu zählen heute unter anderem unterschiedliche Kerben und taktile Punktstrukturen, mit denen sehbeeinträchtigte Kunden Kredit-, Debit- und Prepaidkarten unterscheiden und die Kartenausrichtung an Zahlungsterminals und Geldautomaten leichter erkennen können. Hinzu kommen kontrastreiche Karten mit größeren Schriften und unterschiedlichen Farben für bessere Lesbarkeit, vollständig mit Braille geprägte Karten sowie Prozesse für Onboarding und Aktivierung, die gezielt auf Barrierefreiheit abgestimmt sind.

Banken und Kartenherausgeber treiben ihre Bemühungen voran, Zahlungskarten barrierefreier zu machen. Dahinter steht ein breiterer Branchentrend hin zu inklusivem Design. Die Innovationen richten sich an Kunden mit Sehbeeinträchtigung, körperlichen Einschränkungen oder kognitiven Herausforderungen. Sie verbinden taktile Orientierungshilfen, vereinfachte digitale Prozesse und biometrische Sicherheit, um den Zugang zu etablierten Finanzdienstleistungen zu erleichtern.

Wichtige Entwicklungen sind:

  • Taktile „Touch Cards“ und eingekerbte Kanten: Einige Anbieter nutzen erhabene Punkte oder Braille-Markierungen, um Karten besser unterscheidbar zu machen. Dieser Schritt gewinnt an Bedeutung, weil geprägte Kartennummern, früher ein taktiles Standardmerkmal, weitgehend durch flache, laserbedruckte Designs ersetzt wurden.
  • Gut sichtbare Formate: Für Kunden mit eingeschränktem Sehvermögen haben Banken Karten mit kontrastreichen Farbschemata, größerer Typografie und flach gedruckten Nummern eingeführt, die leichter lesbar sind als klassische Prägungen. Im Mittelpunkt steht eine klare Gestaltung, ohne Abstriche bei Haltbarkeit oder Sicherheit.
  • Integrierte biometrische Authentifizierung: Direkt in Zahlungskarten integrierte Fingerabdrucksensoren entwickeln sich zu einer praktikablen Alternative zur PIN-basierten Verifizierung, insbesondere für vermögendere Kunden. Da Transaktionen per Berührung authentifiziert werden, sinkt die Abhängigkeit von Gedächtnisleistung und Tastatureingabe, vor allem bei höheren kontaktlosen Zahlungen.
  • Barrierefreies Onboarding und Service: Barrierefreiheit reicht über die Karte selbst hinaus. Einige Banken bieten inzwischen eine digitale Aktivierung mit Sprachführung an und stellen PINs in alternativen, barrierefreien Formaten bereit. Diese Anpassungen sollen die Kontoeröffnung und die laufende Nutzung vereinfachen.

Vorschlag für einen universellen Standard für die Barrierefreiheit von Karten

Durch die wachsende Dynamik rund um Barrierefreiheit könnten einzelne Kartenherausgeber die Chance früh ergreifen, sagt Tarantino. „Wir sehen, dass immer mehr Banken mit dem Wunsch nach Lösungen für Menschen mit Beeinträchtigungen auf uns zukommen, damit sie ihnen ein besseres Zahlungserlebnis ermöglichen können“, sagt er. „Herausgeber könnten solche Funktionen als Vorteil für sehbeeinträchtigte Kunden positionieren, als Hilfe für die wachsende Gruppe älterer Erwachsener mit eingeschränkter Fingerfertigkeit oder sogar als allgemeines Feature.“ Erste Rückmeldungen einiger G+D Partner deuten bereits auf Zustimmung hin.

Mr. Hills Erfindergeist kommt zu einem passenden Zeitpunkt. Kurz zuvor hatte die britische Regierung ihre Financial Inclusion Strategy veröffentlicht. Darin formuliert sie ausdrücklich das Ziel, die Standardisierung barrierefreier Karten im Markt zu verbessern. Die Initiative könnte daher genau zur richtigen Zeit in diese Arbeit einfließen, nicht nur, um bestehende Funktionen wie stärkere Farbkontraste und Kartenkerben zu standardisieren, sondern auch, um diese neue Funktion in den kommenden Code of Practice for Accessible Cards aufzunehmen.

Diese Haltung passt zu der jüngsten Zusammenarbeit zwischen G+D und Eddie Hill: Gemeinsam lassen sich Lösungen entwickeln, die Zahlungen für alle barrierefreier machen.

  1. Payment Cards Projected Worldwide 2024–2029, Nilson Report, 2025

  2. Leaving No One Behind In An Ageing World, United Nations, 2023 (PDF) 

  3. Vision Loss Predicted to Surge 55% by 2050, Statista, 2024

Veröffentlicht: 23.06.2026

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