Luftaufnahme einer beleuchteten modernen Stadtlandschaft mit Hochhäusern in der Abenddämmerung.
#Digital Payments

Die vielen Wege, um in Südafrika zu bezahlen

Global Perspective
6 Min.

Südafrika ist in Größe, Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft ein Gigant und als Technologieführer stolz auf seine Selbstständigkeit und Widerstandsfähigkeit. Zugleich zeigt es sich offen für Innovationen aus aller Welt. Die Zahlungslandschaft Südafrikas spiegelt die Vielfalt der Lebensweisen wider. In dieser Ausgabe unserer Länder-Specials – darunter die USA, Brasilien, Lateinamerika, Australien und Indien – zeigen wir, wie die Menschen in Südafrika bezahlen und sich das Ökosystem entwickelt.

Südafrika ist, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, die größte Volkswirtschaft Afrikas1 und gehört sowohl nach Fläche als auch nach Bevölkerungszahl zu den zehn größten Ländern des Kontinents. Die Dimensionen des Staates an der Südspitze Afrikas sind beeindruckend.

Eine Einführung in die "Regenbogennation"

Wer nach Südafrika reist, kann zum Beispiel im kühlen Hochland des Highveld in Johannesburg starten und von dort weiter in die warmen Küstenstädte am Indischen Ozean reisen – nach Durban etwa oder nach Gqeberha (Port Elizabeth). Kapstadt, malerisch zwischen dem Tafelberg und dem Atlantik gelegen, zählt für viele Besucherinnen und Besucher zu den absoluten Traumzielen. Die Stadt zieht nicht zuletzt jene an, die sich vom Leben und Wirken Nelson Mandelas inspirieren lassen.

Südafrika zieht international Aufmerksamkeit auf sich, die weit über seine wirtschaftliche Bedeutung hinausreicht. Das Land ist bekannt für eine ausgeprägte touristische Infrastruktur. Es bietet Reisenden außergewöhnliche Naturerlebnisse, eine reiche Tierwelt und eine vielfältige Küche inklusive Weinen von Weltklasse. Auch Südafrikas Sportmannschaften sowie Athletinnen und Athleten sind international präsent – etwa im Cricket, Rugby oder Golf.

Als regionale Wirtschaftsmacht stützt sich Südafrika auf eine leistungsfähige Finanzinfrastruktur. Seine Währung, der südafrikanische Rand, bildet das Fundament der Common Monetary Area (CMA), zu der auch mehrere Nachbarländer gehören. Das Land verfügt über einen starken Dienstleistungssektor, hat seit Jahrzehnten eine führende Rolle im Bergbau inne und besitzt einen großen Agrarsektor, der Millionen Menschen im weitläufigen Hinterland beschäftigt.

Gleichzeitig ist Südafrika ein Land der Gegensätze. Während die Gründungsgeschichte der „Regenbogennation“ nach dem Ende der Apartheid auf der einen Seite als Vorbild für die Aufarbeitung einer belastenden Vergangenheit und für Versöhnung gilt, treten auf der anderen Seite immer deutlicher die strukturellen Herausforderungen hervor. Zwar schätzt Südafrika Innovation und ist Heimat für einige der leistungsfähigsten Technologieunternehmen des Kontinents, doch existieren zugleich Probleme in der Strom- und Netzinfrastruktur. Und zwar so sehr, dass Touristinnen und Touristen vor ihrer Reise dazu geraten wird, die App des lokalen Stromversorgers herunterzuladen, um über sogenannte Load-Shedding-Zeiten, in denen die Stromversorgung abgeschaltet wird, informiert zu bleiben.2 In den Städten liegen Wohnviertel mit internationalem Standard neben Townships, die von Mittelklassevierteln bis zu einfachen Siedlungen reichen.

„Unsere Zahlungslandschaft spiegelt all diese Realitäten wider“, sagt Jan Niezen, Managing Director von G+D ePayments Southern Africa. „Südafrikanerinnen und Südafrikaner schätzen vor allem zwei Dinge: Widerstandsfähigkeit und Eigenständigkeit. Damit sind wir aufgewachsen. Dieser Wunsch nach Autarkie prägt auch die Art und Weise, wie wir bezahlen.“

Eine lächelnde Frau bezahlt kontaktlos mit ihrem Smartphone in einem modernem Café-Ambiente.

Bargeld bleibt relevant

„Bargeld bietet etwas, das derzeit kein anderes Zahlungssystem leisten kann“, sagt Nairo Nassuirio, Sales Director bei G+D. „Es kann problemlos in jeder Situation verwendet werden. Alle verstehen Bargeld. Lese- oder Schreibkenntnisse spielen so gut wie keine Rolle, denn nahezu jeder und jede ist in der Lage, Geld zu zählen. Und vor allem: Es fallen keine Gebühren an – weder für Händlerinnen und Händler noch für Zahlerinnen und Zahler.“

Dass Bargeld kostenlos nutzbar ist, hat in Südafrika große Bedeutung und unterstreicht eine weitere Besonderheit des Marktes: seine ausgeprägte Kostensensibilität.

„Familien nutzen häufig ein gemeinsames Konto“, berichtet Niezen. „Die Gehälter werden dort gesammelt und alle Transaktionen laufen über dieses eine Konto – schlicht, um Gebühren zu sparen.“

Der Alltag treibt innovative Lösungen

Auch für private Geldtransfers haben sich innovative Lösungen etabliert. Südafrikaner und Südafrikanerinnen, die in der Stadt arbeiten und bei Reisen in ihr ländlich geprägtes Heimatgebiet Zugriff auf Bargeld benötigen, organisieren das oft über nahegelegene Supermärkte. Das Verfahren ist denkbar einfach: Sie händigen dem Personal eine Summe Bargeld aus, weisen ihre Identität nach, hinterlassen ihre Mobilfunknummer, geben eine PIN ein und erhalten eine Abholnummer. Mit dieser Nummer können sie an einem Geldautomaten oder in einer Filiale derselben Handelskette am Zielort Geld abheben. Gegen eine geringe Gebühr erhalten sie so Zugang zu Bargeld, ohne es selbst transportieren zu müssen.3

Dieses Prinzip funktioniert auch von Person zu Person (P2P), wie Niezen erklärt. „Ein Arbeiter kann seinen Lohn erhalten, indem er ihn auf sein Handy überweisen lässt", sagte er. Der Arbeiter braucht kein Bankkonto. Er braucht lediglich eine Handynummer. Die Person, die Geld überweisen möchte, nutzt dann die Wallet ihrer Bank, und der Arbeiter kann sich den Betrag – mit der bereitgestellten PIN oder mit der in der App erteilten Berechtigung – an einem Geldautomaten oder in bar in einem teilnehmenden Geschäft auszahlen lassen. Mehrere südafrikanische Banken bieten diesen Service an, die Cashback-Funktion ist landesweit verfügbar.4

Wir Südafrikanerinnen und Südafrikaner entwickeln Lösungen selbst und auf unsere eigene Art. Schließlich kennen wir unser Land und unsere Bedürfnisse am besten. Das macht uns stärker und widerstandsfähiger.

Jan Niezen
Managing Director von G+D ePayments Southern Africa
Zwei Frauen sitzen in einer hellen Lounge bei einem professionellen Business-Gespräch zusammen.

Kartenzahlungen im Aufwind

Südafrika ist weit von einer Unterversorgung mit Bankdienstleistungen entfernt. Vielmehr zeichnet es sich durch eine sehr integrative Wirtschaft aus, in der über 80 % der Bevölkerung Zugang zu klassischen Bankdienstleistungen haben.5 Wie Nairo Nassuirio betont, verfügen die meisten Südafrikanerinnen und Südafrikaner zumindest über eine Debitkarte. Der Großteil der Kartenzahlungen entfällt denn auch auf Debitkarten, wenngleich zuletzt ein deutlicher Anstieg bei Kreditkartentransaktionen zu beobachten war.6 Insgesamt zeigen sich Ausgabe und Nutzung von Zahlungskarten im südafrikanischen Markt ausgesprochen stabil.

Jan Niezen verweist auf eigene Erfahrungen: Seit 2011 hat G+D gemeinsam mit der Capitec Bank, einem der führenden Finanzinstitute des Landes, rund 100 Millionen Karten ausgegeben. Ein entscheidender Erfolgsfaktor war das genaue Verständnis der Kundenbedürfnisse. Kunden und Kundinnen entscheiden sich eher für eine Karte, wenn sie sofort über sie verfügen können. Sie wollen nicht warten, bis ihre Karte gedruckt und per Post an sie versendet wird. Deshalb ermöglichten Capitec und G+D bereits 2011, dass Kunden und Kundinnen eine Filiale betreten und mit einer vollständig aktivierten Karte wieder verlassen können. Auch nach Ausgabe von 100 Millionen Karten ist die Partnerschaft weiterhin erfolgreich.

Wie überall ist die Kreditkartennutzung unter wohlhabenderen Bürgern höher, wobei die einfache Handhabung und Bonusprogramme als Faktoren genannt werden. Hinzu kommt, dass Kreditkarten innerhalb von Familien häufig gemeinsam genutzt werden, um Ausgaben zu bündeln und Vorteile zu maximieren.7 Auch dies könnte zum jüngsten Anstieg der Kreditkartennutzung beigetragen haben, sagt Nassuirio.

Derzeit werden Kreditkarten über die dominierenden internationalen Systeme angeboten. An einer inländischen Bezahlkartenlösung wird gearbeitet.8

Argumente für digitale Zahlungen

Die Südafrikanische Zentralbank (South African Reserve Bank, SARB) treibt finanzielle Inklusion mittels digitaler Zahlungen voran. Dafür hat sie eine Roadmap für digitale Zahlungen entworfen, besser bekannt als Project Stimela.9 Ein Ergebnis ist PayShap, eine Plattform für Sofortzahlungen, die zusammen mit den großen Banken des Landes entwickelt wurde. Über eindeutige Identitätsnachweise oder die jeweiligen Mobilfunknummern lassen sich Beträge sofort zwischen Nutzerinnen und Nutzern übertragen. Auch Rechnungszahlungen sind möglich. Da alle großen Banken an PayShap teilnehmen, ist Interoperabilität gewährleistet – und ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Südafrikas technologische Agilität hat zudem das schnelle Wachstum von QR-Code-basierten Zahlungen begünstigt. Händler und Händlerinnen zeigen einen Code an, die Kundschaft scannt ihn und zahlt direkt auf das Händlerkonto. Ergänzend dazu stellen einige Banken sogenanntes Tap-on-Phone zur Verfügung, leicht zu installierende Apps, mit denen ein Händler-Smartphone wie ein Kartenlesegerät genutzt werden kann. So deutet derzeit vieles darauf hin, dass digitale Zahlungen in Südafrika vor einem deutlichen Wachstum stehen.

Dennoch bestehen für digitale Zahlungsmethoden noch manche Hürden, wie Niezen betont. Aktuell beschränkt sich die Nutzung auf vergleichsweise niedrige Beträge. Störungen der Strom- und Netzverfügbarkeit sind ein weiteres Hindernis. Auch ein gewisses Maß an Misstrauen spielt eine Rolle, räumt Nassuirio ein. „Viele Menschen müssen die digitale Welt noch besser verstehen und erst noch Vertrauen in deren Sicherheit entwickeln“, sagt er.

Hinzu kommt, dass Banken jeweils eigene Wallets und Lösungen entwickelt haben, um auf spezifische Kundenbedürfnisse eingehen zu können. Zwischen den digitalen Zahlungsmethoden besteht daher ein gewisser Wettbewerb. Trotzdem wirkt angesichts der breiten Unterstützung durch alle wichtigen Akteure die Prognose nicht allzu gewagt, dass digitale Zahlungen in Südafrika weiter an Bedeutung gewinnen werden.

Das Streben nach Autarkie spiegelt sich auch in einer anderen typisch südafrikanischen Sparform wider: dem Sparzirkel oder „Stokvel“. Tief in den Gemeinschaften des Landes verwurzelt, basieren diese Sparvereine auf dem Vertrauen, dass die Mitglieder regelmäßig in ein gemeinsames Konto einzahlen. In der einfachsten Ausprägung wird der monatlich angesparte Betrag reihum an ein Mitglied ausgezahlt – man legt also heute etwas zurück und weiß, dass man morgen davon profitieren wird. Mit komplexeren Sparmodellen lassen sich Hochzeiten, Beerdigungen oder die Ausbildung junger Menschen innerhalb einer Gemeinschaft finanzieren.

Umweltfreundlich und innovativ

„Wir geben sehr viele Karten aus“, sagt Niezen mit einem Lächeln. „Was wir dabei sehen, ist eine zunehmende Nachfrage nach personalisierten Karten, die den Lebensstil und die Ziele der Nutzerinnen und Nutzer widerspiegeln.“ Dazu zählen zum Beispiel Eco-Karten oder Karten aus besonderen Materialien.

Beides gehe Hand in Hand, ergänzt Nassuirio. Eine wohlhabendere Zielgruppe wünsche sich Karten mit Identifikationswert und sei zugleich häufig sensibler für ESG-Kriterien, deren Einhaltung sie von Banken erwarte.

Banken sind sich dieser Erwartungen bewusst. Recycling und andere Nachhaltigkeitskriterien sind heute deutlich häufiger Bestandteil von Ausschreibungen für Bezahlkarten und andere Finanzprodukte. Über das Kartengeschäft hinaus engagieren sich südafrikanische Banken auch in ihren Gemeinden, etwa durch die Unterstützung von Schulen oder Sportteams.

Ein Bereich mit Wachstumspotenzial ergibt sich aus dem umfassenden Wissen, das Banken über ihre Kundinnen und Kunden haben. Das versetzt sie – verbunden mit ihrer Erfahrung in der Datenverarbeitung und -sicherung – in die Lage, gemeinsam mit Behörden den Zugang der Bürgerinnen und Bürger zu Personalausweisen und Reisepässen zu vereinfachen.10 Indem Banken und ihre Apps auf diesem Weg mehr Menschen erreichen, erweitern sie zugleich ihren potenziellen Kundenkreis.

Auch wenn es darum geht, sich über nicht finanzielle Mehrwertdienste von der Konkurrenz abzuheben, zeigen sich südafrikanische Banken agil. So bietet etwa die Discovery Bank ausgewählten Kartenkundinnen und -kunden an bestimmten Flughäfen einen beschleunigten Ablauf bei Sicherheits- und Passkontrollen.11

Am Ende führt vieles wieder zum Prinzip der Autarkie zurück, betont Niezen. „Wir Südafrikanerinnen und Südafrikaner entwickeln Lösungen selbst und auf unsere eigene Art. Schließlich kennen wir unser Land und unsere Bedürfnisse am besten. Das macht uns stärker und widerstandsfähiger“, sagt er.

Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Entwicklung und Umsetzung von SecurityTech in unterschiedlichsten globalen Kontexten versteht G+D den Wert lokaler Expertise und passgenauer Resilienz. Das Unternehmen ist damit gut positioniert, um Institutionen zu begleiten, die im dynamischen Zahlungsökosystem Südafrikas erfolgreich sein wollen.

Key Takeaways

  • Bargeld ist nach wie vor relevant, da es weit verbreitet und gebührenfrei ist.
  • Debitkarten dominieren den Zahlungskartenmarkt.
  • Digitale Zahlungen werden von der Zentralbank gefördert, um die Inklusion zu stärken: PayShap ist ein beeindruckendes Beispiel dafür.
  • Banken erweitern ihre Reichweite, Verifizierungsmöglichkeiten und Märkte auf innovative Weise, unter anderem durch die Feststellung des Wohnsitzes anhand der Telefonnutzung und die Ausstellung nationaler Ausweise.
  1. Top 10 African countries with the highest GDP in 2025, African Business Insider, 2025

  2. Load Shedding in Südafrika (article available only in German)

  3. Send & withdraw instant money at any PEP

  4. South African banks may be ditching ATMs to bet big on digital payments, Techpoint Africa, 2025

  5. How can agency banking deepen financial inclusion in South Africa? Nanziri and Gbahabo/South African Reserve Bank, 2025

  6. Credit card usage in South Africa surges by 43%, Business Report, 2025

  7. Speaking notes for Rashad Cassim Deputy Governor of the SARB at Payments Study Report Launch, SARB, 2024

  8. Consultation paper on the feasibility of establishing a domestic card scheme in South Africa, SARB, (PDF)

  9. Digital Payments Roadmap: towards inclusive, accessible, effective and sustainable digital payments in South Africa, SARB, 2024, (PDF)

  10. Apply for your Smart ID or Passport, Standard Bank

  11. Vitality Travel and travel benefits, Discovery Bank

Veröffentlicht: 05.02.2026

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