Eine Hand mit digitalem Stift zeigt AI-generierten Tech-Code auf einem Tablet.
#AI

Entwickler und KI: eine Studie, die überrascht

Datenbasiert
5 Min.

Wenn es darum geht, wie künstliche Intelligenz künftig das Arbeiten verändert, betrifft das insbesondere Software- und viele andere IT-Expertinnen und -Experten. Wie wird sich KI auf ihre Tätigkeiten auswirken und welche Rolle spielt sie bereits? Machen sie sich Sorgen oder sehen sie die Veränderung positiv? Eine neue Studie hat dazu weltweit Entwicklerinnen und Entwickler befragt und auch Führungskräfte und weitere Fachleute um ihre Meinung gebeten. Das Ergebnis: interessant – und überraschend.

Künstliche Intelligenz (KI) ist mittlerweile allgegenwärtig und wird vielerorts diskutiert. Eine weitverbreitete und hartnäckige Vorstellung ist, dass sich KI am besten für repetitive Aufgaben eignet. Je höher der Automatisierungsgrad, desto hilfreicher und sinnvoller ist ihr Einsatz.

Die Ansicht, dass KI die Menschen künftig dazu befähigt, kreativer zu sein und die beste Version ihrer selbst zu werden, ist jedoch nach wie vor umstritten. Wie man selbst dazu steht, hängt unter anderem auch von den eigenen Vorurteilen ab. Doch wie wäre es, wenn KI nicht nur menschliche Tätigkeiten automatisieren, sondern unsere Fähigkeiten tatsächlich erweitern könnte? Und wie sehen das die Software-Expertinnen und -Experten?

Eine kürzlich weltweit durchgeführte Umfrage unter Entwicklerinnen und Entwicklern und anderen Software-Spezialistinnen und -Spezialisten – darunter auch solche in Führungspositionen – hat einige interessante Erkenntnisse ergeben. Als technologischer Vorreiter ist diese Gruppe derzeit unmittelbar mit KI konfrontiert und sie ist es auch, die KI wirklich tagtäglich benutzt. Auch ihre berufliche Zukunft wird maßgeblich davon beeinflusst sein, wie sich die KI in Zukunft entwickelt. „Diese Personen verfolgen die Trends in der Branche nicht nur, sie setzen sie auch selbst. Was sie über KI denken, sollte für uns alle von Bedeutung sein“, sagt Dr. Isabell Welpe, Lehrstuhlinhaberin für Strategie und Organisation an der Technischen Universität München (TUM).

Ein weiterer Paradigmenwechsel?

Die Studie mit dem Titel „KI in der Softwareentwicklung“ wurde gemeinsam von der Technischen Universität München (TUM), der europäischen Initiative Applied AI, dem Entwicklerverband WeAreDevelopers, G+D Netcetera und G+D durchgeführt. Im Rahmen der Studie fanden Interviews mit Entwicklerinnen und Entwicklern aus der Schweiz, Deutschland, Indien, Finnland sowie vielen anderen Ländern statt. Zusätzlich nahmen 139 Personen, darunter Vorstandsmitglieder, Führungskräfte sowie Software-Expertinnen und -Experten aus Polen, Italien, Großbritannien und den USA, an einer quantitativen Umfrage teil.

Wie stark KI bereits in Arbeitsabläufe und Prozesse integriert ist, variiert zwischen den Unternehmen. 64 % der Befragten gaben an, dass sie aufgrund des technologischen Wandels, den KI mit sich bringt, neue Kompetenzen entwickeln müssen.

Entwickler nutzt ein KI-Tool zur Datenvisualisierung auf einem Monitor, daneben steht ein Laptop.

Entwickler & KI: Chance oder Jobkiller?

Zu den Berufsgruppen, deren Jobs durch KI bedroht zu sein scheinen, zählen auch die Entwicklerinnen und Entwickler. Zu ihrer Tätigkeit gehören viele repetitive Aufgaben, die mithilfe von KI automatisiert und vereinfacht werden können. Manch einer glaubt sogar, dass Entwicklerinnen und Entwickler durch ein paar gezielte KI-Anpassungen komplett überflüssig werden könnten – wenn auch nicht alle, so doch viele von ihnen.

Entwicklerinnen und Entwickler müssten der künstlichen Intelligenz demnach skeptisch gegenüberstehen. Die bereits erwähnte Umfrage kam jedoch zu einem anderen Ergebnis: Die Mehrheit der Befragten gab an, KI bereits im Alltag zu nutzen. 85,7 % bekundeten großes Interesse an KI-Tools und KI-Technologien und 61,9 % gaben an, sich bereits damit zu beschäftigen. In einer anderen Studie heißt es, dass im Jahr 2024 rund 76 % der Entwicklerinnen und Entwickler beim Programmieren KI einsetzen oder einsetzen wollten, während es im Vorjahr noch 70 % waren.1 Auf Organisationsebene gaben 20,9 % an, dass KI bereits in hohem Maße in die Prozesse ihres Unternehmens eingebunden ist. In einer weiteren Studie aus dem Jahr 2024 sagten 88 % der Befragten in den USA, ihr Unternehmen unterstütze zumindest in gewissem Umfang den Einsatz von KI (knapp 40 % gaben an, ihr Unternehmen unterstütze dies „nachdrücklich“).2

Bei den Entwicklerinnen und Entwicklern – und bei den Unternehmen, für die sie arbeiten – herrscht also so etwas wie vorsichtiger Optimismus gegenüber KI.

„Überraschend ist das nicht“, sagt Corsin Decurtins, CTO bei G+D Netcetera. „Technikerinnen und Techniker wissen, dass sie sich mit KI auseinandersetzen müssen und dass das kein vorübergehender Trend ist. Glücklicherweise sind sie am besten dafür gerüstet, KI in ihrem Berufsleben optimal zu nutzen.“

Technikerinnen und Techniker wissen, dass sie sich mit KI auseinandersetzen müssen und dass das kein vorübergehender Trend ist. Glücklicherweise sind sie am besten dafür gerüstet, KI in ihrem Berufsleben optimal zu nutzen.

Corsin Decurtins
CTO, G+D Netcetera

KI steigert die Produktivität

Erwartungsgemäß positiv fallen die Reaktionen aus, wenn KI für repetitive Tätigkeiten eingesetzt wird. Hier gaben 76,3 % der befragten Unternehmen an, dass sie ihre Produktivität steigern konnten, beispielsweise bei der Dokumentation ihrer Arbeit. Diese nimmt bei jedem Projekt in der Regel sehr viel Zeit in Anspruch, die dann für die eigentliche Arbeit fehlt.

Allerdings muss das Ergebnis immer von einem Menschen überprüft werden, wenn Unternehmen ihren Qualitätsstandards entsprechen wollen. Künstliche Intelligenz braucht nach wie vor ein kritisches Auge und viel Aufmerksamkeit.

Vorteile und Risiken von KI-Tools

Bei der Kosten-Nutzen-Frage kam die Umfrage zu einem weiteren interessanten Ergebnis: 60 % der Befragten konnten durch den Einsatz von KI bereits eine positive Kapitalrendite (ROI) erzielen. Das bedeutet, dass die Einsparungen, Effizienzsteigerungen und Umsatzgewinne die ursprünglichen Investitionen der KI-Integration bereits übertroffen haben. 37 % gaben an, dass Kosten und Nutzen bisher in etwa gleich hoch seien. Nur 3 % berichteten von einem negativen ROI.

Doch es gibt auch Vorbehalte, vor allem beim Datenschutz. Für 61 % der Befragten ist dies ein sensibler Punkt, weshalb Fragen zur Rechtssicherheit und Haftung sowie zum sich stetig weiterentwickelnden regulatorischen Umfeld auf der Agenda stehen. Auch ethische Bedenken sind für knapp die Hälfte der Befragten ein wichtiges Thema, insbesondere was die Fairness, Transparenz und Verantwortlichkeit für KI-gesteuerte Entscheidungen betrifft.

Der Widerstand von Betriebsräten gegenüber dem Einsatz von künstlicher Intelligenz wurde ebenfalls als Hindernis genannt, genauso wie die Diskriminierung durch KI, die immerhin 34,6 % der Befragten Sorge bereitet. Ein weiteres Problem ist die sogenannte Shadow AI (Schatten-KI), bei der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne Wissen ihrer IT-Abteilungen eigene KI-Tools für ihre Arbeit nutzen.

Jeder dieser Punkte lässt sich lösen, doch dafür sind klare Richtlinien und stabile Rahmenbedingungen erforderlich, die gleichzeitig innovatives Denken fördern. Sind diese Voraussetzungen gegeben, kann KI erfolgreich in unternehmerische Abläufe integriert werden.

Zwei Entwickler besprechen KI-generierten Code auf großem Bildschirm in einem modernen Büro.

Auf lange Sicht: Was verändert die KI?

Insgesamt wird der Einsatz von KI in der Software-Entwicklung als positiv bewertet. So gaben die Befragten an, dass KI die Software-Qualität verbessern würde (66,2 %) und die Gesamtqualität der Arbeit nachweislich gesteigert werden konnte (55,3 %).

Auch konnten 42,4 % der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer eine verbesserte Nachhaltigkeit von KI-generiertem Code feststellen. Für Unternehmen, die langlebige Systeme planen und entwickeln, ist das ein wichtiger Faktor. An der Nachhaltigkeitskennzahl lässt sich ablesen, über welchen Zeitraum ein Software-Code einwandfrei und sicher funktioniert.

Etwa 40,3 % der Befragten gaben an, sich beruflich zu verändern, weil ihr Unternehmen nun verstärkt mit künstlicher Intelligenz arbeite. Das kann eine neue Position innerhalb der eigenen Firma sein oder woanders. Für Organisationen ist dies ein wichtiger Aspekt bei der Personalplanung.

KI in der Software-Entwicklung: Die Zukunft ist rosig

Die Studie zeigt deutlich, dass die Vorteile und zukünftigen Möglichkeiten der KI für die Mehrheit der Befragten weit über den Aspekt der „Automatisierung“ hinausgehen. Ein Wachstumsbereich ist beispielsweise eine KI, die maßgeschneiderte Unterstützung für Entwicklerinnen und Entwickler bietet. Das umfasst die Anpassung an den eigenen Codierungsstil und persönliche Präferenzen, um gezieltere Verbesserungsvorschläge zu erhalten.

In Zukunft könnte KI somit komplexere Aufgaben übernehmen und Entwicklerinnen und Entwicklern mehr Zeit für Tätigkeiten verschaffen, bei denen menschliche Fähigkeiten gefordert sind. In dieser Entwicklung sehen etwa die Hälfte der Befragten (50,3 %) das Potenzial für neue Geschäftsmodelle.

Künstliche Intelligenz kann mehr als nur die Effizienz steigern. Sie ist in der Lage, die menschlichen Nutzer und Nutzerinnen bei ihrer Arbeit zu unterstützen und ihre Leistung zu steigern. Ein Beispiel ist die Verwendung eines KI-Assistenten, um aus unstrukturierten Daten, die in verschiedenen Formaten innerhalb eines Unternehmens gespeichert sind, verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen.

„Unternehmen, die das erkennen, werden KI auch als Möglichkeit betrachten, menschliches Fachwissen zu fördern“, so Decurtins. „Sie schaffen ein Umfeld, in dem ihre Entwickler und Entwicklerinnen KI bestmöglich nutzen, ohne ihr eigenes kreatives und kritisches Denken aufzugeben.“ Persönliches Fachwissen und Erfahrung kann die künstliche Intelligenz (noch) nicht liefern. Sie bleiben, gepaart mit menschlicher Kreativität, derzeit noch einzigartige Eigenschaften.

Key Takeaways

  • KI kann repetitive Aufgaben von Programmiererinnen und Programmierern sowie Entwicklerinnen und Entwicklern automatisieren und ihre Effizienz steigern – doch das ist bei Weitem nicht alles.
  • KI kann das Know-how erweitern, aber nicht ersetzen, sofern sie klug in bestehende Strukturen eingebunden wird.
  • „Shadow AI“ sowie Fragen zur Ethik, zum Datenschutz und zur Regulierung bleiben wichtige Aspekte, die in die KI-Strategie von Unternehmen einfließen müssen.
  1. 2024 Developer Survey, Stack Overflow, 2024 https://survey.stackoverflow.co/2024/

  2. Survey: The AI wave continues to grow on software development teams, GitHub/Wakefield Research, 2024, https://github.blog/news-insights/research/survey-ai-wave-grows/

Veröffentlicht: 09.09.2025

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