Kontaktlose Zahlung an einem Terminal mit einem digitalen Schloss-Symbol als Overlay
#Digital Payments

Europa übernimmt die Kontrolle mit Click to Pay

Global Perspective
6 Min.

Europäische Banken zeigen, dass Zahlungssouveränität und ein erstklassiges Check-out-Erlebnis dank eigenentwickelter Alternativen nebeneinander bestehen können.

Noch vor gar nicht langer Zeit bestand die einzige Möglichkeit, online zu bezahlen, darin, bei jedem Einkauf manuell eine 16-stellige Kartennummer, das Ablaufdatum der Bezahlkarte und den Sicherheitscode einzugeben. Als wiederkehrender Kunde konnte man zwar eine gespeicherte Karte auswählen, musste aber weiterhin Sicherheitsdaten eingeben, um sich zu verifizieren. In den vergangenen Jahren haben sich jedoch schnellere und bequemere Alternativen in Form von digitalen Wallets und Instant Payments zunehmend durchgesetzt. Statt Kartendaten einzutippen, lassen sich Zahlungen heute dank hochsicherer Zugangsdaten – etwa biometrischer Passkeys, die direkt im Endgerät hinterlegt sind – mit einem einzigen Klick authentifizieren.

Bequemlichkeit ist ein zentraler Treiber dieser Entwicklung: 71 Prozent der befragten europäischen Verbraucher geben einfachere und schnellere Check-outs als Hauptgrund für die Nutzung digitaler Wallets an der Kasse an1. Diese Bequemlichkeit hat jedoch ihren Preis. Die Zahlungsinfrastrukturen, die solche reibungslosen Erlebnisse ermöglichen, befinden sich überwiegend in der Hand außereuropäischer Technologiekonzerne – Apple, Google und PayPal. 2024 entfielen 55 Prozent der Online-Wallet-Zahlungen in Europa auf globale Wallet-Anbieter, während regionale Wallets (sofern verfügbar) lediglich auf 34 Prozent kamen2. Dieses Ungleichgewicht geht Europa derzeit mit Nachdruck an.

„Das europäische Zahlungsökosystem stützt sich auf Infrastrukturen, die von globalen Marken kontrolliert werden. Dadurch fließen Transaktionen durch Systeme, die das Wachstum dieser internationalen Akteure weiter vorantreiben“, sagt Carsten Wengel, CEO von G+D Netcetera. „Was wir derzeit erleben, sind entscheidende Initiativen und Maßnahmen europäischer Institutionen, um die Kontrolle zurückzugewinnen und eine europäische Zahlungssouveränität zu etablieren – und damit die Abhängigkeit von globalen Marken zu reduzieren. Diese in Europa entwickelten Alternativen bieten das gleiche nahtlose Nutzungserlebnis, das Konsumentinnen und Konsumenten erwarten, jedoch zu europäischen Bedingungen und mit europäischen Werten, die in der Architektur verankert sind.“

Für europäische Banken ist der Erfolg beim finalen Bezahl- und Bestellprozess damit zunehmend eine Frage von Souveränität und Kontrolle.

Warum Zahlungssouveränität zählt

In Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen kann der Diskurs über Souveränität schnell mit Nationalismus und Isolationismus vermischt werden. Auch wenn diese Aspekte nicht völlig außer Acht gelassen werden sollten, sind sie nicht die primäre Motivation europäischer Zahlungsplattformen. In der Praxis geht es vor allem um Sicherheit: Die Kontrolle über nationale Zahlungsinfrastrukturen ist letztendlich Sicherheitsfrage. Zahlungssysteme sind – ähnlich wie Energienetze oder Kommunikationsinfrastrukturen – essenzielle Pfeiler moderner Gesellschaften. Versagen sie oder werden sie kompromittiert, kann das erhebliche Schäden nach sich ziehen. Die Reduzierung der Abhängigkeit von ausländischen Zahlungssystemen ist ein Weg, um die Resilienz gegenüber solchen Risiken zu stärken.

Hände tippen auf Laptop-Tastatur mit einem leuchtenden blauen Schutzschild-Icon

Das europäische Zahlungsökosystem ist zunehmend von Infrastrukturen abhängig geworden, die es nicht selbst kontrolliert. Das bedeutet, dass Transaktionen über ausländische Systeme abgewickelt werden – unter fremder Governance und letztlich zugunsten ausländischer Profite. Was sich ändern muss – und was sich gerade ändert – ist, dass europäische Institutionen die Kontrolle zurückgewinnen.

Carsten Wengel
CEO G+D Netcetera

Abseits geopolitischer Überlegungen ist der Schutz von Zahlungsdaten ein weiterer zentraler Beweggrund für europäische Banken. Derzeit werden Transaktionsdaten europäischer Verbraucher außerhalb des Geltungsbereichs europäischer Gerichtsbarkeit und Standards verarbeitet und von Akteuren monetarisiert, deren primäre Rechenschaftspflicht gegenüber Aktionären besteht – nicht gegenüber europäischen Verbrauchern oder Aufsichtsbehörden. Das wirft grundlegende Fragen zu Datenschutz und kommerzieller Verwertung auf.

Hinzu kommen wirtschaftliche Faktoren. Jede Transaktionsgebühr, die an ausländische Zahlungsabwickler fließt, entzieht der europäischen Wirtschaft Wertschöpfung, die andernfalls heimische Innovationen fördern könnte. Händler sind zudem dem Risiko von Gebührenerhöhungen ausgesetzt, solange es keine tragfähigen Alternativen in ihrer Nähe gibt. Gleichzeitig verlieren Banken an Markensichtbarkeit bei ihren Kunden, je häufiger Verbraucher an der Kasse auf Drittanbieter-Wallets zurückgreifen – angezogen von deren Geschwindigkeit und Komfort.

Die jüngste Instant-Payments-Verordnung (IPR) der Europäischen Union ist ein Schritt in die richtige Richtung, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Sie unterstreicht das klare Bekenntnis zur digitalen Zahlungssouveränität, indem sie Banken verpflichtet, Echtzeit-Überweisungen von Konto zu Konto anzubieten. Europäische Banken müssen nur auf erfolgreiche Umsetzungen in Ländern wie Indien und Brasilien blicken, um zu erkennen, warum sich diese Investitionen lohnen.

Instant Payments sind jedoch nicht der einzige Weg, Kunden und Kundinnen zu einem schnellen Check-out-Erlebnis zu verhelfen. Zunehmend führen europäische Akteure eine weitere Zahlungsinfrastruktur ein, die den Komfort eines schnellen Bezahlvorgangs bietet, ohne Datenschutz oder wirtschaftliche Unabhängigkeit zu opfern: Click to Pay.

Das Beste aus zwei Welten

Click to Pay ist der EMVCo-Standard für Ein-Klick-Check-outs. Er ist das Online-Pendant zum kontaktlosen Bezahlen am stationären Terminal und nutzt ein tokenisiertes Kartenprofil, um eine Transaktion schnell zu authentifizieren.

Das Nutzererlebnis ist vertraut und einfach: Verbraucher legen Produkte in den Warenkorb, wählen Click to Pay an der Kasse aus, und der Kauf wird mit einem einzigen Klick authentifiziert und abgeschlossen. Geschwindigkeit und Bequemlichkeit entsprechen den Erwartungen der digitalen Welt – mit dem zusätzlichen Vorteil, dass die Daten gemäß den höchsten europäischen Datenschutzstandards verarbeitet werden.

Auch Händler profitieren von diesem Ansatz. Rund 70 Prozent der Online-Warenkörbe werden vor dem Abschluss abgebrochen3, häufig aufgrund umständlicher Bezahlprozesse. Ein reibungsloseres Check-out-Erlebnis reduziert diese Hürde, steigert die Umwandlungsraten und senkt die Abbruchquoten. Ebenso überzeugend sind die Sicherheitsvorteile: Da Click to Pay mit einem tokenisierten Profil auf dem Endgerät des Verbrauchers verknüpft ist, sinkt das Risiko von Betrug und die Kosten für Rückbuchungen deutlich.

Auch Banken und Zahlungsanbieter ziehen erheblichen Nutzen daraus. Indem sie ihren Kunden eine leistungsfähige Alternative zu internationalen Wallets bieten, bleiben sie zentraler Bestandteil des Zahlungserlebnisses und vertiefen die direkte Kundenbeziehung, statt sie an ausländische Plattformen abzugeben. So verbleibt die wirtschaftliche Wertschöpfung im europäischen Ökosystem – ein Gewinn für Finanzinstitute und den Kontinent insgesamt.

„Europäische Banken müssen sich nicht länger zwischen Nutzererlebnis und Zahlungssouveränität entscheiden“, sagt Carsten Wengel. „Sie können heute beides liefern – auf Basis europäischer Werte wie Datenschutz, Sicherheit und Kontrolle.“

Zwei größere Initiativen setzen diesen Anspruch bereits in verschiedenen europäischen Märkten um.

Zahlungssouveränität in der Praxis

Frankreich: STET und Cartes Bancaires

Frankreich nimmt eine Vorreiterrolle ein mit der Partnerschaft zwischen STET – gemessen am Volumen Europas größtem Retail-Zahlungssystem –, G+D und Cartes Bancaires, dem französischen nationalen Kartensystem. Der Rollout ist für 2026 geplant. Die Initiative implementiert eine EMVCo-konforme Click-to-Pay-Lösung, die speziell an das einzigartige Co-Badging-Umfeld Frankreichs angepasst ist und unterstützt sowohl nationale als auch internationale Karten.

Aufbauend auf bewährter lokaler Infrastruktur entsteht so eine nationale Alternative zu internationalen Wallets, die französischen Händlern, Verbrauchern und Regulierungsbehörden dient und zugleich Zahlungsdaten und wirtschaftliche Wertschöpfung innerhalb des französischen Rechtsgebiets hält. „Die Zusammenarbeit mit einem führenden europäischen Akteur ist für STET eine große Chance, Innovation voranzutreiben und die Souveränität digitaler Zahlungsdienste zugunsten des nationalen Kartensystems Cartes Bancaires und der französischen Bankenlandschaft zu stärken“, sagt Régis Folbaum, CEO von STET.

Eine Frau bezahlt kontaktlos mit ihrem Smartphone an einer Zapfsäule einer Tankstelle

Europäische Banken müssen sich nicht länger zwischen Nutzererlebnis und Zahlungssouveränität entscheiden. Sie können heute beides liefern – auf Basis europäischer Werte wie Datenschutz, Sicherheit und Kontrolle.

Carsten Wengel
CEO G+D Netcetera

Mittel- und Osteuropa: Global Payments Europe

Global Payments Europe (GPE) liefert einen weiteren Praxisbeleg für Click to Pay durch die Partnerschaft mit G+D Netcetera. Angesichts anhaltender Herausforderungen auf Händlerseite – abgebrochene Warenkörbe aufgrund komplexer Bezahlprozesse, Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit und umständlicher Nutzererlebnisse, die die Umwandlung beeinträchtigen – implementierte GPE gemeinsam mit G+D Netcetera Tokenisierung und Click to Pay als SaaS-Lösung über das GP-webpay-Gateway. Der Rollout begann in der Tschechischen Republik und bedient inzwischen Tausende von Händlern in der Region.

Im Gegensatz zur französischen Initiative, die auf die Anpassung an ein spezifisches nationales Kartensystem abzielt, zeigt das GPE-Deployment die grenzüberschreitende Skalierbarkeit von Click to Pay. Die Lösung funktioniert nahtlos in mehreren Märkten innerhalb eines einheitlichen europäischen Regulierungsrahmens und bietet damit ein Modell für regionale Rollouts, die der wachsenden E-Commerce-Nachfrage gerecht werden, ohne separate länderspezifische Implementierungen zu erfordern.

In dieser Phase geht es weniger um technische Fähigkeiten als um den Willen zur Umsetzung. Die Beispiele aus Frankreich und Mittel- und Osteuropa zeigen, dass eigenständige europäische Zahlungsinfrastrukturen ein überlegenes Nutzererlebnis, höhere Sicherheit und wirtschaftliche Resilienz bieten können – bei gleichzeitiger Reduzierung der Abhängigkeit von außereuropäischen Plattformen und Big-Tech-Wallets.

Wenn künftig mehr europäische Banken auf eigenentwickelte Lösungen wie Click to Pay setzen, holt Europa nicht nur gegenüber globalen Zahlungstrends auf, sondern positioniert sich, um die nächste Welle digitaler Zahlungen anzuführen – zu eigenen Bedingungen.

Key Takeaways

  • Die Abhängigkeit Europas von ausländischen Zahlungsplattformen birgt Risiken wie Datenlecks, wirtschaftlichen Wertverlust und den Verlust der Kontrolle über kritische Infrastrukturen in Zeiten geopolitischer Unsicherheit.
  • Click to Pay, eine EMVCo-Standardlösung, ermöglicht das Bezahlen mit einem einzigen Klick unter Einhaltung lokaler Datenschutzbestimmungen und verbindet damit eine Benutzererfahrung auf BigTech-Niveau mit europäischer Souveränität und Datenschutz.
  • Verbraucher profitieren von reibungslosen Checkouts mit Datenschutz, Händler steigern ihre Konversionsrate und reduzieren Betrugsfälle, Banken behalten ihre Transparenz, ihre Beziehungen und ihren wirtschaftlichen Wert im Inland.
  • Die Partnerschaft zwischen STET und Cartes Bancaires in Frankreich (Start 2026) und die Einführung von Global Payments Europe in der Tschechischen Republik belegen die Rentabilität und grenzüberschreitende Skalierbarkeit von Click to Pay.

Click to Pay auf einen Blick

  • EMVCo-zertifiziert für globale Interoperabilität
  • Ein-Klick-Check-out über Karten, Geräte und Kanäle hinweg
  • Tokenisierung schützt sensible Zahlungsdaten
  • Zahlungsdaten werden unter europäischer Jurisdiktion verarbeitet
  • Vorteile für Verbraucher, Händler und Finanzinstitute
  1. State of consumer digital payments in 2024, McKinsey & Company, 2024

  2. State of consumer digital payments in 2024, McKinsey & Company, 2024

  3. Online shopping cart abandonment rate worldwide between 2006 and 2025, Statista, 2025

Veröffentlicht: 17.02.2026

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