Noch vor gar nicht langer Zeit bestand die einzige Möglichkeit, online zu bezahlen, darin, bei jedem Einkauf manuell eine 16-stellige Kartennummer, das Ablaufdatum der Bezahlkarte und den Sicherheitscode einzugeben. Als wiederkehrender Kunde konnte man zwar eine gespeicherte Karte auswählen, musste aber weiterhin Sicherheitsdaten eingeben, um sich zu verifizieren. In den vergangenen Jahren haben sich jedoch schnellere und bequemere Alternativen in Form von digitalen Wallets und Instant Payments zunehmend durchgesetzt. Statt Kartendaten einzutippen, lassen sich Zahlungen heute dank hochsicherer Zugangsdaten – etwa biometrischer Passkeys, die direkt im Endgerät hinterlegt sind – mit einem einzigen Klick authentifizieren.
Bequemlichkeit ist ein zentraler Treiber dieser Entwicklung: 71 Prozent der befragten europäischen Verbraucher geben einfachere und schnellere Check-outs als Hauptgrund für die Nutzung digitaler Wallets an der Kasse an1. Diese Bequemlichkeit hat jedoch ihren Preis. Die Zahlungsinfrastrukturen, die solche reibungslosen Erlebnisse ermöglichen, befinden sich überwiegend in der Hand außereuropäischer Technologiekonzerne – Apple, Google und PayPal. 2024 entfielen 55 Prozent der Online-Wallet-Zahlungen in Europa auf globale Wallet-Anbieter, während regionale Wallets (sofern verfügbar) lediglich auf 34 Prozent kamen2. Dieses Ungleichgewicht geht Europa derzeit mit Nachdruck an.
„Das europäische Zahlungsökosystem stützt sich auf Infrastrukturen, die von globalen Marken kontrolliert werden. Dadurch fließen Transaktionen durch Systeme, die das Wachstum dieser internationalen Akteure weiter vorantreiben“, sagt Carsten Wengel, CEO von G+D Netcetera. „Was wir derzeit erleben, sind entscheidende Initiativen und Maßnahmen europäischer Institutionen, um die Kontrolle zurückzugewinnen und eine europäische Zahlungssouveränität zu etablieren – und damit die Abhängigkeit von globalen Marken zu reduzieren. Diese in Europa entwickelten Alternativen bieten das gleiche nahtlose Nutzungserlebnis, das Konsumentinnen und Konsumenten erwarten, jedoch zu europäischen Bedingungen und mit europäischen Werten, die in der Architektur verankert sind.“
Für europäische Banken ist der Erfolg beim finalen Bezahl- und Bestellprozess damit zunehmend eine Frage von Souveränität und Kontrolle.





