Veröffentlicht: 18.06.2026

Kartenpersonalisierung: Hightech und Präzision
Wie wird aus einem Kunststoffrohling eine funktionierende Zahlungskarte, der täglich Millionen Menschen vertrauen? Und warum ist die Personalisierung ein so entscheidender Erfolgsfaktor? Constantin Hupka, Geschäftsführer der G+D-Kartenpersonalisierungsanlage in Coburg, verrät alles in unserem aktuellen Spotlight-Q&A.
Key Takeaways
- Das Werk von G+D in Coburg produziert täglich rund 170.000 Karten für über 60 Kunden und arbeitet dabei unter strengen Hochsicherheitsprotokollen, die personenbezogene Daten in jeder Phase schützen.
- Die Personalisierung der Karten dauert nur 30 bis 45 Sekunden pro Karte und kombiniert Lasergravur, Prägung und das zunehmend dominierende Drop-on-Demand-Tintenverfahren (DoD).
- Banken wechseln zu vertikalen Kartenlayouts und auffälligerem Branding, um den „Top-of-Wallet“-Effekt zu erzielen – damit wird das Kartendesign zu einem Wettbewerbsvorteil.
- Trotz fortschrittlicher Automatisierung bleibt menschliches Fachwissen von zentraler Bedeutung: Jede Karte wird einer abschließenden visuellen Qualitätskontrolle unterzogen, bevor sie das Werk verlässt.
Constantin, willkommen bei Spotlight. Fangen wir ganz am Anfang an – wie bist du zu deiner Position gekommen?

Das ist eine lange Geschichte! Ich bin vor über 20 Jahren als Praktikant zu G+D gekommen und habe Excel-Makros programmiert. Danach wurde ich Projektmanager und habe sieben Jahre lang für die Gruppe in den USA gearbeitet. Jetzt bin ich Geschäftsführer der Kartenpersonalisierungsanlage hier in Coburg (Deutschland).
Kannst du uns etwas mehr über diese besondere Einrichtung und deine Arbeit hier erzählen?
Wir arbeiten in einer sogenannten HSA – einer High Security Area. Heißt so viel wie: abgeschottet von der Außenwelt. Kein Internet, kein Mobilfunk, Vereinzelungsschleusen für den Zutritt zum Gebäude und immer mindestens zwei Personen in jedem Raum. Das klingt ein bisschen nach Hochsicherheitsgefängnis, hat aber einen guten Grund.
Wir sorgen hier für die Kartenpersonalisierung und verarbeiten täglich die persönlichen Daten von hunderttausenden Menschen. Dabei darf nichts schiefgehen, kein einziger Datensatz darf in fremde Hände geraten. Diese Verantwortung nehmen wir sehr ernst.
Bei uns arbeiten knapp 150 Kolleginnen und Kollegen, 75 davon im Dreischichtbetrieb direkt an den Produktionsanlagen. Wir produzieren täglich etwa 170.000 Karten für mehr als 60 verschiedene Kunden – von der klassischen EC-Karte bis zur Gesundheitskarte.
Wie wird aus einem Stück Plastik eine einsatzbereite Bank- oder Gesundheitskarte?
Wir haben drei Hauptschritte: Die Personalisierung der Karte, den Druck des Anschreibens und die Kuvertierung. Die Personalisierung ist der interessanteste Part. Wir erhalten die verschlüsselten Kundendaten nachts von den Banken und Krankenkassen. Diese Informationen werden nur für den Moment der Personalisierung entschlüsselt – und danach automatisch gelöscht.
Die Maschinen empfangen die Daten für den Auftrag und arbeiten dann eine Karte nach der anderen ab. Dabei sorgen sie automatisch dafür, dass die Informationen auf Vorderseite, Rückseite, Magnetstreifen und Chip zur gleichen Person gehören und exakt zusammenpassen.

Wie lange dauert es durchschnittlich, eine Karte zu personalisieren?
Heute dauert das 30 bis 45 Sekunden – mit Hochgeschwindigkeit mit höchster Präzision. Nachdem die Maschine ihre Arbeit getan hat, prüfen unsere Kolleginnen und Kollegen jede einzelne Karte noch einmal optisch auf Kratzer oder andere Defekte. Wenn eine Karte nicht perfekt ist, wird sie sofort unkenntlich gemacht und nachproduziert.
Bisher setzen wir für die Herstellung hauptsächlich drei Methoden ein: das Laser-Verfahren für klassische EC-Karten, die Hochprägung mit erhabener Schrift für Kreditkarten und das moderne DoD-Verfahren – also ‚Drop on Demand' – bei dem die Schrift mit flüssiger Tinte aufgebracht wird.
In den kommenden anderthalb Jahren werden wir sicher mehr als 80 Prozent unserer Karten mit dem DoD-Verfahren personalisieren. Das eröffnet viele neue Möglichkeiten für individuelles Design. Mit flüssiger Tinte können wir Karten präzise in den Corporate-Identity-Farben von Banken und Versicherern aufbringen. Die Farben sind kräftiger, die Qualität ist höher.
Was sind die größten Veränderungen, die du bei den Anforderungen der Banken an das Aussehen und die Haptik ihrer Karten beobachtest?
Viele Banken wechseln von horizontalen auf vertikale Layouts. Auf der Vorderseite steht oft nur noch der Name des Karteninhabers oder der Karteninhaberin, alle anderen Daten finden sich auf der Rückseite. Dadurch kann das Branding der Bank mehr Platz einnehmen.
Die Zahlungskarte ist gleichzeitig Visitenkarte des Finanzinstituts.
Warum legen Banken so viel Wert darauf?
Die Zahlungskarte ist gleichzeitig Visitenkarte des Finanzinstituts – farbkräftiger, repräsentativer, mit viel Platz fürs Logo und innovative Design-Elemente. Neben der Funktionalität wird die Optik zum Erfolgskriterium. Denn viele Menschen haben mehrere Karten im Portemonnaie. Die Finanzinstitute wollen sich mit einer innovativen Gestaltung den "Top of Wallet"-Effekt zunutze machen: Die Karte mit dem ansprechendsten Design zücken und zeigen wir besonders gerne.
Wie sieht ein typischer Tag für dich als Geschäftsführer einer derart leistungsstarken Anlage aus?
Wir haben eine klare Struktur. Mein Tag beginnt mit zwei Produktionsmeetings. Wir prüfen die Produktionszahlen der letzten 24 Stunden, planen den aktuellen Tag und reagieren auf Störungen. Das ist das tägliche operative Geschäft.
Parallel läuft das Projektgeschäft: Die Kunden arbeiten an neuen Produkten, ändern ihre Anschreiben oder ihre Beileger zu den Briefen. Neue Kunden erhalten ein ‚Onboarding‘. Es gibt viel zu koordinieren und gemeinsam mit den Kunden und unseren Fachleuten pragmatische Lösungsansätze zu entwickeln.
Ein Beispiel: Jeder Kunde möchte das Anschreiben, das wir mit der Zahlungskarte versenden, als Werbung nutzen – am liebsten ohne technische Barcodes. Wir brauchen sie aber, um in der Qualitätssicherung final zu prüfen, ob Karte und Empfänger zusammenpassen. Diesen Balance-Akt zwischen Kundenwunsch und Produktionsrealität zu erklären und zu moderieren, ist ein wesentlicher Teil meiner Arbeit.
Technologie fasziniert mich. Es geht um die Kombination aus Hightech und menschlicher Präzision.
Was begeistert dich nach all den Jahren noch immer an deinem Job?
Technologie fasziniert mich. Es geht um die Kombination aus Hightech und menschlicher Präzision. Wir haben modernste Maschinen, aber das menschliche Auge und die Erfahrung und Professionalität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unersetzlich.
Bei uns arbeiten Expertinnen und Experten aus ganz unterschiedlichen Berufsfeldern – Maschinen- und Anlagen-Spezialist/-innen, Ingenieur/-innen, Qualitätsmanager/-innen. Alle tragen dazu bei, dass die kleinen Wunderwerke der Technik perfekt gestaltet, voll einsatzfähig und vor allem sicher bei den Menschen ankommen.
Millionen Menschen vertrauen darauf, dass wir alles richtig machen – ihre Daten bei uns geschützt sind, ihre Karte funktioniert. Diesem Vertrauen jeden Tag aufs Neue gerecht zu werden, macht mich stolz.
Was sagst du jemandem, der überlegt, bei euch in der Produktion einzusteigen?
Das kann ich nur voll und ganz empfehlen (lacht). Wer einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz in einem hochtechnisierten, innovativen Umfeld sucht, ist bei uns genau richtig. Wir arbeiten mit moderner IT und höchsten Sicherheitsstandards. Bei uns übernimmt jeder und jede Verantwortung – von Anfang an. Wir bieten Jobs mit Sinn, haben eine klare Mission und fertigen Produkte, die Millionen Menschen täglich nutzen. Wir nehmen uns viel Zeit für Einarbeitung und bieten spannende Fortbildungen. Und innerhalb des Konzerns gibt es tolle Entwicklungsmöglichkeiten. Ich bin das beste Beispiel.
Ebenso unersetzlich sind der gute Teamgeist und die freundliche, kollegiale Atmosphäre. Wir scherzen auch ab und zu und können trotz unserer Konzentration gemeinsam herzlich lachen. Das ist wichtig.
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