Nahaufnahme bunter Sicherheitsmerkmale auf einer Banknote
#World of G+D

Visuelle Harmonien: Musik auf Banknoten

Report
5 Min.

Die Ausstellung „Die Welt der Musik auf Banknoten – Ein visuelles Konzert“ vereinte mehr als 50 Objekte aus der Sammlung der G+D Foundation sowie eigens in Auftrag gegebene Kunstwerke der Künstler Pete Jones und Heidi Specker. Von Komponisten, die zu nationalen Symbolen wurden, über historische Instrumente bis hin zu bahnbrechenden Künstlern würdigte die Ausstellung die vielfältigen Arten, auf denen Musik auf Banknoten – den sichtbarsten Symbolen der Identität einer Nation – verewigt wurde.

Key Takeaways

  • Die Banknotensammlung von G+D umfasst mehr als 350.000 sorgfältig zusammengetragene Banknoten aus aller Welt.
  • „Musik auf Banknoten“ ist der neueste Teil einer Reihe, zu der bereits „Sport auf Banknoten“ und „Mode auf Banknoten“ gehörten.
  • Ein zentrales Ziel der G+D-Stiftung ist es, die Sammlung einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und dessen Verständnis für die kulturelle Bedeutung und Geschichte von Banknoten zu vertiefen.

Was vor fast 100 Jahren mit dem Kauf zweier Notgeldscheine durch einen achtjährigen Jungen begann, ist heute zu einer beeindruckenden Sammlung von Banknoten aus aller Welt herangewachsen: der G+D Stiftung Geldscheinsammlung. Eine Ausstellung im Museum für Druckkunst Leipzig unter dem Titel „Die Welt der Musik auf Banknoten – Ein visuelles Konzert“ präsentierte jetzt rund 50 Exponate aus dem Bestand der Stiftung und stellte sie unter das verbindende Thema Musik.

Zuvor war die Wanderausstellung bereits in der Münchner Unternehmenszentrale von G+D sowie in Regensburg und Berlin zu sehen. „Die Geschichte des Papiergeldes und seine Bedeutung als kulturelles Medium zu erschließen, ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit“, sagt Kirsten Donie, Mitglied des Vorstands der G+D Stiftung. „Wir drucken seit Mitte des 19. Jahrhunderts Geld. Banknoten sind weit mehr als ein Zahlungsmittel. Sie spiegeln Geschichte und Kultur eines Landes wider.“

Die Stiftung versteht es als ihren Auftrag, diese sorgfältig zusammengetragenen kulturellen Zeugnisse einem Publikum zugänglich zu machen, das über Numismatiker und Branchenkenner hinausgeht. Für ihre Ausstellungen wählt sie Objekte entlang klar definierter Themen aus und erarbeitet begleitende Inhalte, die Einordnung und vertiefendes Verständnis ermöglichen.

Kuratierung ist entscheidend

Themen zu finden, die ein breites Publikum ansprechen, gehört zur strategischen Ausrichtung der Stiftung. Sammler und Kenner kämen ohnehin, sagt Kirsten Donie mit einem Lächeln. Doch ein größeres Publikum zu gewinnen, erfordert konzeptionelle Präzision.

Musik bietet hier einen naheliegenden Zugang. Entsprechend wurde sie als Leitmotiv der Ausstellung gewählt. Was leicht zu einem nüchternen Rundgang durch eine Sammlung hätte werden können, erhielt durch künstlerische Interventionen zusätzliche Tiefe. Der Frankfurter Fotograf und Konzeptkünstler Pete Jones sowie die Berliner Künstlerin Heidi Specker entwickelten eigenständige Arbeiten, die die ausgestellten Banknoten ergänzten. Sie wecken Neugier und eröffnen neue Perspektiven auf die Objekte.

Deutsche 100-Mark-Banknote mit Porträt von Clara Schumann
Clara Schumann (1819–1896) war eine deutsche Pianistin und Komponistin. Abgebildet hier auf der 100-DM-Banknote vor Einführung des Euro. Copyright: G+D
2.000-Escudo-Banknote aus Cabo Verde mit Cesária Évora
Cesária Évora (1941–2011), kapverdische Sängerin, bekannt als „barfüßige Diva“. Hier abgebildet auf der 2.000-Escudo-Banknote. Copyright: G+D
Indonesische 50.000-Rupiah-Banknote mit W. R. Supratman
Wage Rudolf Supratman (1903–1938), indonesischer Journalist, Liedtexter und Komponist. Hier abgebildet auf der 50.000-Rupiah-Banknote (nicht mehr im Umlauf). Copyright: G+D
Kasachische 5-Tenge-Banknote mit Kurmanghasy Saghyrbayul
Kurmangazy Sagyrbayuly (1823–1889), kasachischer Komponist und Volkskünstler. Hier abgebildet auf der 5-Tenge-Banknote. Copyright: G+D
Aserbaidschanische 1-Manat-Banknote mit Mugham-Trio
Ein aserbaidschanisches Mugham-Instrumententrio, bestehend aus Teer (Tar), Kamantsche und Daf. Hier abgebildet auf der 1-Manat-Banknote. Copyright: G+D

So ist etwa Clara Schumann auf dem 100-D-Mark-Schein abgebildet. Specker unterzog diesen einer präzisen fotografischen Analyse und rückte Strukturen und Muster in den Fokus. Einzelne Ausschnitte wurden in Schwarzweiß neu interpretiert und als eigenständige Bildkompositionen präsentiert. Auf diese Weise entstanden visuelle Erzählräume, die dem bloßen Blick auf die Banknote sonst verborgen geblieben wären.

Auch die großformatigen Arbeiten von Pete Jones lenkten den Blick auf bislang übersehene Details. Der Künstler, der sich selbst als „Photosophist“ bezeichnet, vergrößerte die Banknoten, ohne sie zu verfremden. So wurden feinste Strukturen und Sicherheitsmerkmale sichtbar. Seine Arbeiten machen die gestalterische Qualität und Komplexität dieser Alltagsobjekte erfahrbar.

Eine fortlaufende Reihe mit aktuellen Themen

Bei der Ausstellung handelt es sich nicht um ein Einzelprojekt, betont Donie. „Wir haben uns bereits mit Sport auf Banknoten sowie mit Mode beschäftigt. Unser Archiv umfasst mehr als 350.000 Objekte. Ideen für weitere Ausstellungen gehen uns nicht aus.“

Ziel ist es, Wissen zu vermitteln und Zusammenhänge sichtbar zu machen. Gerade das Thema Musik bietet dafür vielfältige Ansatzpunkte. Um die Vielfalt der Exponate zu strukturieren, wurde die Ausstellung in fünf Themenbereiche gegliedert:

Klassische Musik – Europas klingendes Kulturerbe

Musik prägt seit Jahrhunderten das kulturelle Selbstverständnis Europas, von der frühen Kirchenmusik über Barock und Klassik bis in die Moderne. So zierte der italienische Komponist Vincenzo Bellini im 19. Jahrhundert den 5.000-Lire-Schein, während der französische Komponist Claude Debussy, bekannt für Werke wie „Clair de lune“ und „La mer“, 1990 auf dem 20-Franc-Schein gewürdigt wurde.

Die Geschichte des Papiergeldes und seine Bedeutung als kulturelles Medium zu erschließen, ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit.

Kirsten Donie
Mitglied des Vorstands bei der G+D Stiftung

Komponisten als Identitätsstifter

Wie Banknoten visuelle Symbole einer Nation sind, fungieren Nationalhymnen und prägende Musikwerke als akustische Zeichen kollektiver Identität. Der brasilianische Komponist, Musiker und Pädagoge Heitor Villa-Lobos, eine Schlüsselfigur der Musikgeschichte seines Landes, wurde 1986 auf dem 500-Cruzado-Schein abgebildet.

In Indonesien schuf Wage Rudolf Soepratman Text und Melodie der späteren Nationalhymne. Er erlebte die Unabhängigkeit seines Landes nicht mehr, wurde jedoch im Jahr 2000 auf dem 50.000-Rupiah-Schein geehrt.

Vielfalt auf der internationalen Bühne

Weltstars wie Cesária Évora stehen für ihre Herkunft und zugleich für die verbindende Kraft der Musik. Die als „Barfuß-Diva“ bekannte Sängerin wurde 2014 auf dem 2.000-Escudo-Schein ihres Heimatlandes Cabo Verde porträtiert.

Folklore – lebendige Tradition

Traditionen und Volkskultur spielen eine entscheidende Rolle für das kulturelle Selbstverständnis eines Landes. Komponisten greifen seit jeher auf dieses Reservoir zurück. Der kasachische Komponist Kurmanghasy Saghyrbayul prägte die Musik seiner Region nachhaltig und wurde 1993 auf dem 5-Tenge-Schein verewigt.

Musikinstrumente – klangliche Wurzeln

Musik ist ohne Instrumente nicht denkbar, und auch sie finden sich auf Banknoten weltweit. Aserbaidschan würdigte 2020 sein musikalisches Erbe, indem es Tar, Kamancheh und Daf auf dem 1-Manat-Schein abbildete. Die beiden erstgenannten sind Saiteninstrumente, die Daf ist ein Schlaginstrument. Gemeinsam bilden sie das traditionelle Mugham-Trio.

Mehr als nur Banknoten

„Die Präsentation von Banknoten ist nur ein Teil unserer Arbeit“, sagt Donie. Die G+D Stiftung ist in der Metropolregion München fest verankert und engagiert sich in vielfältiger Weise für die Gesellschaft.

„G+D ist ein international tätiges Unternehmen. Interkulturelles Verständnis ist für uns zentral und prägt auch die Arbeit der Stiftung“, so Donie. „Besonders am Herzen liegt uns die Förderung junger Menschen. Unabhängig von ihrer Herkunft sollen sie die Möglichkeit erhalten, ihre Persönlichkeit und ihre Talente zu entfalten.“ Ob beim Erhalt kulturellen Erbes, bei Sprachförderangeboten für Zugewanderte oder in Innovationsworkshops und Sportprojekten für Jugendliche und junge Erwachsene: Die Stiftung leistet einen aktiven Beitrag für eine offene und vielfältige Gesellschaft.

Veröffentlicht: 02.06.2026

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