Eine Person hebt an einem Geldautomaten, dessen Display „En service“ anzeigt, Bargeld ab
#Tech Innovation

Klicken, wischen, senden: So zahlt Frankreich

Insights
6 Min.

Vor über 40 Jahren haben die großen französischen Banken Cartes Bancaires (CB) gegründet, um sichere Abwicklungsdienste anzubieten. Heute ist CB das dominierende Bezahlkartensystem. Auch Bargeld spielt nach wie vor eine wichtige Rolle, während sich die Verbraucher stetig in Richtung Online-Handel bewegen. Kann Cartes Bancaires seine Dominanz im stationären Handel auf den E-Commerce übertragen? Mehr dazu in unserer neuesten Ausgabe über die Zahlungssysteme verschiedener Länder.

Frankreich ist das flächenmäßig größte Mitgliedsland der Europäischen Union (EU) und liegt bei der Bevölkerungszahl nur knapp hinter Deutschland. Die stark diversifizierte französische Wirtschaft spiegelt diese Größe wider: Sie reicht von der Herstellung von Komponenten für die Luft- und Raumfahrt über Luxusgüter bis hin zu einer boomenden Dienstleistungs- und einer florierenden Tourismusbranche.

Die abwechslungsreiche Landschaft ist Grundlage für einen Agrarsektor, der weltweit bekannte, geradezu ikonische Produkte hervorbringt – darunter herausragende Weine und Käsesorten. Frankreich ist stolz auf seine reiche intellektuelle Kultur, auf seine Innovationskraft und seine historischen Errungenschaften – sowie auf eine besondere Lebensart, die dazu führt, dass Franzosen Dinge gern auf ihre eigene Weise angehen.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass auch die Payment-Landschaft vielfältig ist und die landesspezifische Kultur maßgeblichen Einfluss darauf hat, wie die Französinnen und Franzosen bezahlen. Lesen Sie weiter in dieser Folge unserer beliebten Serie, in der wir einen Blick darauf werfen, wie Menschen in so unterschiedlichen Ländern wie Brasilien, Australien, den USA und Indien bezahlen.

Bargeld bleibt wertvoll

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Banque de France ergab, „dass die überwiegende Mehrheit der Französinnen und Franzosen weiterhin Bargeld schätzt und seine vielen Vorteile anerkennt“.1 Zudem halten 60 % der Verbraucherinnen und Verbraucher es für „wichtig, die Möglichkeit zu haben, mit Bargeld zu bezahlen“.2

In der Studie kam heraus, dass die Bargeldnutzung mit zunehmendem Alter steigt, ältere Menschen also häufiger auf Bargeld setzen. Die Höhe des zu zahlenden Betrags spielt ebenfalls eine Rolle bei der Wahl des Zahlungsmittels: je kleiner die Summe, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Barzahlung. Bargeld wird zudem vor allem für alltägliche Einkäufe bevorzugt – etwa auf Wochen-, Straßen- und Bauernmärkten.3

Nach und nach macht sich nun an den Point-of-Sale-Terminals (PoS) ein deutlicher Wandel bemerkbar.

Zahlungskarten werden am PoS immer beliebter

Während 2022 in Frankreich noch 50 % aller PoS-Transaktionen auf Bargeld entfielen, waren es 2024 nur noch 43 %. Der Anteil der Zahlungskarten stieg im gleichen Zeitraum von 43 % auf 48 %.4

Französische Verbraucherinnen und Verbraucher nutzen ihre Bezahlkarten ausgesprochen intensiv. Dies liegt unter anderem an der starken Präsenz des nationalen Kartensystems Cartes Bancaires (CB bzw. GCB). Wie Philippe Delanoue, CEO für Payment Technology bei G+D in Frankreich, erklärt, geht diese Dominanz auf eine strategische Entscheidung in den 1980er-Jahren zurück: Damals gründeten führende Banken mit Unterstützung der damaligen Regierung ihr eigenes Kartenzahlungssystem.

Eine Frau nutzt ihr Smartphone für Zahlungen nahe dem Eiffelturm an einem sonnigen Tag in Paris

Das nationale System dominiert den Markt

Seit seiner Gründung hat Cartes Bancaires kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Laut einem Bericht befinden sich rund 76 Millionen CB-Karten im Umlauf. Demnach werden zudem zwei Drittel aller Kundentransaktionen über Cartes Bancaires abgewickelt.5

Den Erfolg von CB erklärt Philippe Delanoue mit einer Analogie aus seinem Privatleben: „Ich habe Basketball gespielt und Teams trainiert. Um erfolgreich zu sein, benötigt man als Erstes eine klare Strategie. Cartes Bancaires ist aus der strategischen Entscheidung entstanden, dass Frankreich ein eigenes Kartensystem braucht.“ Er ergänzt: „Wir machen gern unser eigenes Ding. Das macht uns widerstandsfähig.“

Laut der Europäischen Zentralbank (EZB) sind Karten EU-weit das wichtigste elektronische Zahlungsmittel, wobei auf international tätige Anbieter 61 % der Transaktionen entfallen.6 In Frankreich verhält es sich genau umgekehrt.

Um erfolgreich zu sein, benötigt man als Erstes eine klare Strategie. Cartes Bancaires ist aus der strategischen Entscheidung entstanden, dass Frankreich ein eigenes Kartensystem braucht.

Philippe Delanoue
CEO G+D ePayments France

Resilienz als entscheidender Unterschied

„Dank der hervorragenden Arbeit von Cartes Bancaires gelten sowohl physische als auch digitale Karten heute als äußerst zuverlässig“, betont Delanoue. CB ist nicht nur günstiger als internationale Anbieter, sondern auch besonders resistent gegenüber Betrug. Dies verdankt das System seiner robusten Infrastruktur, zu der auch die technische Expertise des Clearing- und Settlement-Partners STET gehört.

„STET ist der Maschinenraum von Cartes Bancaires“, sagt Delanoue. Das Unternehmen befindet sich im Besitz großer französischer Banken, die wiederum Partner von CB sind. Resilienz spielt auch hier eine Schlüsselrolle. Das gilt insbesondere für den schnell wachsenden Online-Markt.

Eine Person nutzt einen Laptop mit der Suchanfrage „paiement par clic“ in der Suchleiste

E-Commerce und Click to Pay

Französische Konsumentinnen und Konsumenten kaufen zunehmend online ein. Der Anteil von Online-Transaktionen stieg von 12 % im Jahr 2019 auf 25 % im Jahr 2024.7

Mit dem Wachstum steigt jedoch auch das Betrugsrisiko. Verbesserte Sicherheitsmaßnahmen wie bei Click to Pay beugen sowohl für den Handel als auch für Kundinnen und Kunden dieser Gefahr vor. Sie gehen idealerweise mit einem besseren Nutzererlebnis einher.

In Frankreich gilt Click to Pay als sicheres Sofortzahlungssystem, das auf der bewährten Karteninfrastruktur basiert. Es erfüllt das Sicherheitsbedürfnis der Verbraucherinnen und Verbraucher, indem es auf EMVCo-Standards setzt – ein entscheidender Faktor für die Förderung des E-Commerce.

Nutzerinnen und Nutzer können ihre Zahlungskarten geräteübergreifend mit einem Klick verwenden, ohne ihre persönlichen Daten ständig neu eingeben zu müssen. Das verbessert das Nutzererlebnis deutlich, während der Handel von höheren Konversionsraten profitiert. Für Finanzdienstleister bleibt die Herausforderung bestehen, alle Beteiligten sowie sämtliche Prozesse zu schützen.

Die Kartennetzwerke sind gut abgesichert und viele der zugrunde liegenden Systeme existieren seit Jahrzehnten. Fest verankert im französischen Payment-Ökosystem und ausgestattet mit breiter Rückendeckung der entscheidenden Akteure sowie einer robusten Technologie, bringt STET ideale Voraussetzungen mit, um die Expansion von Cartes Bancaires voranzutreiben. International tätige Anbieter mögen zwar Giganten sein – doch Frankreichs ausgeprägtes Streben nach Unabhängigkeit und einer widerstandsfähigen Infrastruktur könnte entscheidend prägen.

Blick nach vorn

Mittel- und langfristig werden Kartenzahlungen in Frankreich weiterhin eine zentrale Rolle spielen, auch wenn sich parallel digitale Zahlungssysteme weiterentwickeln. Denn selbst wenn Menschen per Smartphone zahlen, so Delanoue, tun sie das, weil ihre Karten dort hinterlegt sind.

Ein weiterer Vorteil der Bezahlkarte ist ihre physische Verfügbarkeit. International Reisende wissen das besonders zu schätzen, denn digitale Wallets werden längst nicht überall akzeptiert. In solchen Momenten bietet die Karte ein sicheres Back-up. Ein anderes Beispiel für den Wert einer physischen Bezahlkarte ist vielerorts der Moment, wenn Eltern ihren Kindern die erste eigene Karte überreichen, etwa wenn sie mit dem Studium beginnen.

Genauso gibt es für Banken gute Gründe, weiterhin Karten auszugeben. Während Standorte schließen und mobiles Banking den Weg in eine Filiale oft überflüssig macht, wird die Karte mit dem Logo der Bank zum letzten sichtbaren Band zwischen ihr und ihrer Kundschaft. Viel mehr bleibt am Ende nicht, was an diese Beziehung erinnert.

Key Takeaways

  • Zahlungen in Frankreich werden überwiegend mit Karten getätigt, meist mit Debitkarten.
  • Das dominierende System ist das lokale Unternehmen Cartes Bancaires (CB), mit dem internationale Akteure eine Co-Branding-Partnerschaft eingegangen sind.
  • CB steigt in den Click-to-Pay-Markt ein, um seine Dominanz im Point-of-Sale-Bereich auch auf den Online-Bereich auszuweiten.

Vereinfachung des digitalen Handels in Frankreich

Click to Pay von G+D Netcetera wurde ausgewählt, um ab 2026 die Online-Zahlungen französischer Karteninhaberinnen und -inhaber zu bedienen und zu vereinfachen.

Um der wachsenden Kundennachfrage gerecht zu werden und den digitalen Zahlungsverkehr in Frankreich zu modernisieren, haben sich STET, das nach Volumen und Wert größte europäische Zahlungssystem für den Einzelhandel, und Giesecke+Devrient (G+D), das führende Unternehmen für Sicherheitstechnologie, zusammengeschlossen, um das weltweit von G+D Netcetera etablierte Click-to-Pay-SRC-System 2026 auch in Frankreich einzuführen.

Dieser innovative Ansatz kombiniert Fachwissen und Echtzeit-Tokenisierung mit robusten Integrationsmöglichkeiten für Händler, um sichere und nahtlose Transaktionen für französische Karteninhaberinnen und -inhaber zu gewährleisten. Er ist auf das französische Co-Badging-Umfeld zugeschnitten, passt sich den lokalen Zahlungspräferenzen an und unterstützt das führende inländische Kartensystem Cartes Bancaires, das den größten Marktanteil im Bereich Kartenzahlungen hat.

  1. Banque de France Bulletin 256/1, Banque de France, 2025, https://www.banque-france.fr/en/news/french-people-still-value-cash-despite-using-it-less-and-increasingly-turning-cards-and-mobile

  2. Ibid

  3. Ibid

  4. Study on the payment attitudes of consumers in the EU (SPACE) 2024, ECB, 2024, https://shorturl.at/je7u8

  5. JP Morgan joins France’s payments network CB to skirt Visa, Mastercard, Reuters, 2024, https://www.reuters.com/business/finance/jpmorgan-joins-frances-payments-network-cb-skirt-visa-mastercard-2024-03-05/

  6. Most EU countries rely on international card schemes for card payments, ECB report shows, ECB, 2025, https://shorturl.at/9UJpj

  7. Banque de France

Veröffentlicht: 16.12.2025

Diesen Artikel teilen

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Verpassen Sie nicht die neusten Artikel von G+D SPOTLIGHT: Wenn Sie unseren Newsletter abonnieren, bleiben Sie immer auf dem Laufenden über aktuelle Trends, Ideen und technische Innovationen – jeden Monat direkt in Ihr Postfach.

Bitte geben Sie Ihre Daten an: