„There’s an app for that“ (Dafür gibt’s eine App) – so lautete der Slogan von Apples Marketingkampagne im Jahr 2009 zur Einführung der dritten Generation des iPhones. Angesichts des damals neu vorgestellten App Stores hätte wohl kaum jemand vorhergesagt, wie tiefgreifend Apps den Alltag in den folgenden Jahren verändern würden. Heute gibt es tatsächlich eine App für alles – ob zur Verwaltung unserer Finanzen, zur Kalorienkontrolle oder zum Spielen mit Freundinnen und Freunden. Erst durch diese Apps können wir das volle Potenzial der Supercomputer ausschöpfen, die wir in unseren Taschen tragen. Doch da immer mehr Apps um unsere Aufmerksamkeit buhlen, wächst die Ermüdung bei den Nutzerinnen und Nutzern – ein Bericht aus dem Jahr 2024 verzeichnete einen Rückgang der weltweiten App-Installationen um 2,3 Prozent sowohl im Apple- als auch im Google Play Store1. Anstatt also für jede Funktion eine eigene App zu installieren, wächst das Interesse an einer einzigen App, die alles kann: der Super-App.
Das Konzept einer Super-App ist keineswegs neu. In den letzten zehn Jahren hat sich WeChat in China von einer einfachen Messaging-Plattform zu einem allumfassenden digitalen Ökosystem entwickelt, über das mehr als 1,3 Milliarden Nutzerinnen und Nutzer Zahlungen tätigen, Essen bestellen, Fahrdienste buchen und vieles mehr – alles innerhalb einer einzigen App. Ähnliche Modelle wie Grab in Teilen Südostasiens oder Gojek in Indonesien sind diesem Beispiel gefolgt.
Der Reiz einer „All in one“-App liegt auf der Hand: Durch die Bündelung mehrerer Dienste auf einer Plattform schaffen Super-Apps Bequemlichkeit, verringern die Reibungsverluste und erhöhen das Engagement der Nutzerinnen und Nutzer. Sie finden alles, was sie brauchen, an einem Ort, während Unternehmen mehr Kontaktpunkte schaffen und wertvolle Daten gewinnen, um die Kundenbindung zu stärken und letztlich neue Umsatzchancen zu erschließen. Wenig überraschend gewinnt das Super-App-Modell inzwischen auch im Westen an Bedeutung. Klarna hat sein Angebot über „Buy Now, Pay Later“ hinaus auf Mode- und Lifestyle-Dienste erweitert. Revolut bietet – wie andere Neobanken – mittlerweile auch Versicherungen, eSIMs und Reisegeldlösungen an. Selbst Elon Musk macht keinen Hehl aus seiner Ambition, X (ehemals Twitter) in eine „Everything App“ zu verwandeln – mit XMoney, einem Peer-to-Peer-Zahlungsdienst, der noch 2025 starten soll.
Für etablierte Banken und Zahlungsdienstleister klingt die Super-App wie eine verlockende Chance. Denn würde nicht derjenige, der sein digitales Angebot nicht ausbaut, Gefahr laufen, sich überflüssig zu machen? Ganz so einfach ist es nicht. Digitalisierung ist zweifellos notwendig, aber die Super-App ist nicht zwangsläufig das richtige Modell für Finanzinstitute. Im Gegenteil: Wer ihm blind folgt, riskiert, das Fundament des eigenen Geschäfts zu untergraben – Vertrauen.





