Bargeld – öffentliches Risiko oder öffentliches Gut?

„Cash Matters“, eine Initiative der International Currency Association ICA, hat eine aktuelle Studie zum Bargeld veröffentlicht. Die Untersuchung von Dr. Ursula Dalinghaus zeigt, dass es keine Argumente für den Ansatz gibt, mit einer Begrenzung des Bargelds die Finanzierung von Kriminalität und Terrorismus zu unterbinden. Wer die Abschaffung von Bargeld anstrebt, zielt am Problem vorbei.

In ihrem Whitepaper "Keeping Cash – Assessing the Arguments about Cash and Crime" argumentiert Dr. Ursula Dalinghaus, Wissenschaftlerin am Institute for Money, Technology & Financial Inclusion der University of California, dass „die Kürzung von Bargeld wenig hilfreich ist, wenn Kriminelle bereits ein breites Portfolio an Zahlungstechnologien und -arten nutzen". Schließlich würden elektronische Formen der Übermittlung und Umwandlung von Werten immer wichtiger, um kriminelle und terroristische Aktivitäten zu unterstützen. Stattdessen sollte das gesetzliche Zahlungsmittel – in Form von Bargeld – als öffentliches Gut angesehen werden, das einfache Handhabung, leichte Zugänglichkeit, ein hohes Maß an Privatsphäre sowie viele andere einzigartige Eigenschaften kombiniere und garantiere. Die Ergebnisse der Studie wurden in eine EU-weite öffentliche Umfrage eingebracht, die von der Europäischen Kommission in Brüssel zur Ermittlung der politischen Auswirkungen von Bargeldbeschränkungen herangezogen werden soll.

Dr. Ursula Dalinghaus ist Wissenschaftlerin am Institute for Money, Technology & Financial Inclusion (IMTFI) der University of California, Irvine.

Die Studie enthält den momentan umfassendsten Ansatz zum Thema Bargeld im Zusammenhang mit kriminellen oder terroristischen Aktivitäten. Sie stützt sich auf eine breite Palette institutioneller, juristischer, wissenschaftlicher, politischer sowie anderer Quellen und ferner auf Zitate von Experten aus den Bereichen Kriminologie und Terrorismusfinanzierung, Banken, Industrie sowie Sozialwissenschaften. Viele der in dieser Abhandlung zitierten Quellen, Daten und Fakten wurden bisher noch nie berücksichtigt, was neue Erkenntnisse und Perspektiven für die Debatte eröffnet.


Weniger Bargeld führt nicht zu weniger Kriminalität und Terrorismus

EU-Initiative zur Begrenzung von Barzahlungen

Cash Matters, eine Initiative der International Currency Association (ICA), hat eine Studie zum Thema Bargeld und Kriminalität herausgegeben, “Keeping Cash – Assessing the Arguments about Cash and Crime”. Das Whitepaper wurde Anfang 2017 in Auftrag gegeben, nachdem die EU ihre Initiative zur Einführung einer harmonisierten Obergrenze für Barzahlungen in den EU-Mitgliedstaaten veröffentlicht hatte. „Wir wussten, dass substanzielle, stichhaltige und wissenschaftlich fundierte Argumente nötig sind, um in den EU-Gesprächen überzeugend für das Bargeld zu plädieren", erklären Andrea Nitsche und Gerben van Wijk, die für Cash Matters verantwortlich sind. „Das IMTFI genießt einen ausgezeichneten Ruf, und wir waren sehr erfreut, als es einer wissenschaftlichen Arbeit zu diesem Thema zugestimmt hat.“ Die Bekämpfung von Kriminalität und Terrorismus erfordere konzertierte gesellschaftliche Anstrengungen und Aktivitäten in einer Vielzahl von Bereichen, argumentiert Nitsche: „Eine Konzentration auf das Bargeld wird nicht die gewünschten Ergebnisse bringen."

Cash Matters ist eine pro-Bargeld-Initiative. Sie stellt Daten, Fakten und Studien zur Verfügung, die demonstrieren, dass Bargeld integraler Bestandteil der Währungssysteme ist - heute und in Zukunft.

Die Bekämpfung von Kriminalität und Terrorismus erfordert Anstrengungen und Aktivitäten in einer Vielzahl von Bereichen. Eine Konzentration auf das Bargeld nicht die gewünschten Ergebnisse bringen.

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Andrea Nitsche, Cash Matters

Zentrale Erkenntnisse der Studie

Die Abhandlung "Keeping Cash – Assessing the Arguments about Cash and Crime" stützt sich auf globale Daten und Fakten, die weit über den europäischen Rahmen hinausgehen. Eine Vielzahl neuer Materialien und bislang unbekannter Untersuchungen tragen dazu bei, die Diskussion neu zu beleuchten und andere Perspektiven zu eröffnen. Basierend auf der Einschätzung dieser Daten und Fakten stellt die Studie fest, dass eine Politik, die allein auf die Beschränkung von Bargeld zur Eindämmung von Kriminalität und Terrorismus setzt, nicht nur kurzsichtig ist, sondern auch das falsche Problem angeht.

  • Vielfältige Ansätze: Digitale Zahlungsmittel sind ebenfalls missbräuchlich verwendbar und gewährleisten nicht zwangsläufig eine Transparenz, die zur Verfolgung von Finanzkriminalität beitragen könnte. Darüber hinaus bergen die Digitalisierung und die Abkehr vom Bargeld neue Risiken für die Menschen.

  • Unterschiedliche Rechtsordnungen: Die Entwicklung von Werten in verschiedenen Rechtsordnungen unterliegt unterschiedlichen regulatorischen Rahmenbedingungen und Zahlungskulturen. Ein isolierter Fokus auf das Bargeld berücksichtigt dieses Zusammenspiel nicht.

  • Neue Belastungen: Forscher, die die Auswirkungen von Geldentwertung und Kapitalkontrollen untersuchen, haben beobachtet, dass Bargeldbeschränkungen neue soziale und wirtschaftliche Belastungen mit sich bringen. Außerdem werden die Kosten an kleine Unternehmen und benachteiligte Gruppen verlagert.

  • Stabilitätsfaktor: Physikalische Bargeldbeträge konkretisieren den Wert und wirken als Stabilisator im Finanzsystem.