High Appspectations

Von „Dafür gibt es eine App“ zu „Künstliche Intelligenz als neue Elektrizität“: Wenn Kunden hohe Erwartungen an praktische Apps stellen, bedeutet das für Banken noch höhere Sicherheitsanforderungen. Diese Lücke zu schließen erfordert den Mut, jeder Technologie Zeit zum Reifen zu geben.

Dieses kleine Gerät, das nur wenige Zentimeter, aber Milliarden an Zahlen groß ist, soll die Erweiterung des menschlichen Gehirns sein. Ein Tippen hier, ein Wischen dort, und die Denkmaschine beginnt zu blinken und zu piepen. Wenn die Hirnrinde die äußere, neuronenreiche Schicht des menschlichen Gehirns ist, dann ist das Smartphone sein virtueller Schädel. 2017 gab es weltweit fast 8 Milliarden aktive Mobiltelefonleitungen. Anders gesagt: In wenigen Monaten wird es mehr Gehirne in den Händen der Menschen geben als in ihren Köpfen. Zunächst ist das Gehirn in der Hand ein recht einfacher, nackter Computer, der erst zum Leben erwacht, wenn er mit Einsen und Nullen gefüttert wird. Wird er gut gemästet, entwickelt er sich jedoch zu einem cleveren Kraftprotz. „Dies ist weit mehr als eine weitere industrielle Revolution. Es geht über die Menschheit, ja selbst Biologie hinaus“, erklärt Professor Jürgen Schmidhuber, Direktor des Schweizer Forschungsinstituts für KI, IDSIA, der auch „KI-Pionier“ oder „Vater der KI“ genannt wird. Laut Schmidhuber soll die Menschheit schon in wenigen Jahren Künstliche Intelligenz entwickeln, die der von Tieren gleichkommt: „Wenn Maschinen so intelligent wie Affen sind, werden wir kurz darauf eine KI auf menschlichem Niveau mit grenzenlosen Möglichkeiten haben.“

Eine „neue Elektrizität“

Einige Experten sehen das umfangreiche, vage und ungreifbare Phänomen Künstlicher Intelligenz als eine „neue Elektrizität“, die jeden Wirtschaftszweig transformieren wird. Und das Potenzial von KI ist in der Tat elektrisierend: „Es gibt einige KI-Anwendungen, deren ausgeprägte Fähigkeiten in Sachen visuelle Wahrnehmung und Informationsverarbeitung in den kommenden Jahren sehr gefragt sein könnten“, erläutert McKinsey-Berater Gaurav Batra in „Artificial Intelligence: The Time to Act is Now“ („Künstliche Intelligenz: Jetzt ist die Zeit zu handeln“). Regierungen könnten Künstliche Intelligenz nutzen, um öffentliche Orte zu überwachen und verdächtige Aktivitäten zu erkennen; Banken haben bereits begonnen, KI zur Erkennung verdächtigen Verhaltens zu nutzen, beispielsweise bei Mustern, die auf Geldwäsche hindeuten.

Das „intelligente Zeitalter“ hat begonnen. KI lässt sich zudem einfach mit Sensoren und Apps verbinden, sodass es schwierig ist, den Fokus auf nur eine nützliche Anwendung zu legen. Gleichzeitig bietet unsere mobile Welt mit ihrem Heer an Smartphones eine wichtige Verbindung zwischen Unternehmen oder Institutionen und ihren Kunden. Aus dem Kopf in die Hand und wieder zurück: Die Weiterentwicklung der KI-Technologie hat die Neubewertung der bestehenden Benutzererfahrung von Smartphones zur Folge. Benutzer haben begonnen, von mobilen Apps Leistung zu erwarten, die tiefer geht und vorausschauender ist. Das intelligente Zeitalter ist gleichzeitig auch das „Zeitalter intelligenter Kunden“.

Die größte Herausforderung wird darin liegen, diese Diskrepanz zwischen den Bedürfnissen des Endkunden auf der einen und den Anforderungen der Banken auf der anderen Seite aufzulösen.

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Martin Spengler, Bereichsleiter „Work Automation“ bei Appway

Doch im Hinblick auf KI oder maschinelles Lernen ist die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit noch recht tief: „Eine KI, die meine finanzielle Situation nach einem individuell festgelegten Ziel verwaltet und dabei alle wichtigen Variablen berücksichtigt, sowohl in meiner beruflichen als auch privaten Situation, und mir dann den Weg zu diesem Ziel aufzeigt – davon sind wir noch Meilen weit entfernt“, so Jürg Truniger, Leiter Produktmarketing bei Appway, einem Softwareunternehmen aus Zürich. Zweifellos werden Kunden jederzeit und von überall aus mit Banken interagieren wollen. Für die Banken wird es immer entscheidender, zu lernen, wie sie sich in die von Kunden genutzten Plattformen integrieren können, denn Gesprächsschnittstellen und Plattformen wie Alexa von Amazon oder Google Home werden immer alltäglicher. „Es wird durchaus erwartet, dass der Zugang zur Bank auch über rein digitale Kanäle wie Apps oder Chatbots ermöglicht wird“, so Martin Spengler, Bereichsleiter „Work Automation“ bei Appway.

Ein kleiner Klick für einen Menschen

Gleichzeitig kollidiert diese Erwartung an Funktionalität und Dienstleistung regelmäßig mit den Sicherheitsanforderungen der Bank. „Die größte Herausforderung wird darin liegen, diese Diskrepanz zwischen den Bedürfnissen des Endkunden auf der einen und den Anforderungen der Banken auf der anderen Seite aufzulösen“, glaubt Spengler. „Momentan befinden wir uns noch in einer Übergangsphase, in der uns noch einige Fehler und Fehlentwicklungen bevorstehen.“

Schmidhuber, der „Vater der KI“, fasst das Konzept der Übergangsphase noch weiter: Er sieht KI in Apps und darüber hinaus als evolutionären Quantensprung. „Glauben Sie nicht, der Mensch sei die Krone der Schöpfung“, so Schmidhuber: „Sehen Sie die menschliche Zivilisation viel mehr als Teil einer größeren Sache an, als einen wichtigen Schritt auf dem Weg des Universums hin zu höherer Komplexität.“ Laut Schmidhuber ist die Zeit gekommen, den nächsten Schritt zu gehen – einen Schritt, der mit der Entstehung des Lebens vor mehr als 3,5 Milliarden Jahren vergleichbar ist.


Das intelligente Zeitalter erfordert intelligente Sicherheit

Drei Fragen an Dr. Silke Bargstädt-Franke, Senior Vice President und Head of Product Management bei Veridos

Wir stehen an der Schwelle des intelligenten Zeitalters. Was bedeutet das für den Prozess der Verifizierung persönlicher Identitäten?

Im digitalen Zeitalter werden mobile Strategien und Biometrie zweifellos eine wichtige Rolle bei der Bewältigung aktueller Herausforderungen spielen. Identitäten werden auf benutzerfreundliche, aber sichere Weise verifiziert. Wir beschäftigen uns aktuell mit verschiedensten Fragen: von der Frage, welche Möglichkeiten die Biometrie uns bietet, über welche Risiken berücksichtigt werden müssen, bis hin zu wie wir biometrische Sensoren so kalibrieren können, dass sie verlässliche Ergebnisse liefern. Hier kommt unsere Kernkompetenz ins Spiel: unsere staatlichen Auftraggeber beraten und mit ihnen Lösungen entwickeln, um diese nächste Phase über die Idee gewöhnlicher Sicherheitsdokumente hinaus erfolgreich zu gestalten.

Die zentralen Anforderungen der Bürger als Endkunden sind ...

... zum Beispiel praktischer, mobiler und geräteunabhängiger Zugang zu einer E-Government-Plattform, die umfassende Dienstleistungen bietet, wie die Möglichkeit zur Beantragung einer Geburtsurkunde, zur elektronischen Steuererklärung oder eine App für Ausweisdokumente – also für alle Interaktionen zwischen Behörden und Bürgern.

Kann die Realität mit diesen Erwartungen mithalten?

Es gibt immer mehr Anwendungsfälle für behördliche Dienstleistungen und es gelingt uns immer besser, die Menschen von der Sicherheit dieser Dienste zu überzeugen. Realität und Erwartung wachsen also zunehmend zusammen. Nehmen wir zum Beispiel den Kosovo: „Intelligentes Zeitalter“ bedeutet in diesem Fall, dass wir eine App für die Bürger Kosovos eingeführt haben, mit der sie ihren Führerschein auf ihrem Smartphone anzeigen lassen können. Behörden können den Führerschein dann mithilfe einer entsprechenden, ebenfalls auf Smartphones verfügbaren App überprüfen, die auf Daten im Backend-System zugreift. So kann man seinen Führerschein praktisch nicht liegen lassen – denn letztendlich erfordert das intelligente Zeitalter vor allem auch intelligente Sicherheit.


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