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#Border Control

Morphing – von Identitätsbetrug bis Spoofing

Neue Technologie
6 Mins.

Kriminelle nutzen mit Morphing-Angriffen immer häufiger leicht zugängliche digitale Manipulationstechniken. Da Morphing-Angriffe schwerer zu entlarven sind als klassische Täuschungsversuche, sogenannte Präsentationsangriffe, sehen sich Regierungen gezwungen, die Ausstellung von Reisepässen strenger zu kontrollieren. Gleichzeitig wird verstärkt an einer besseren Morphing-Erkennung mithilfe von fortschrittlichen computergestützten Verfahren geforscht

Erinnern Sie sich noch, als man bei der Grenzkontrolle stundenlang in der Schlange stehen musste, um seinen Reisepass manuell überprüfen zu lassen? An vielen Flughäfen gehört das zum Glück der Vergangenheit an.

Automatisierte Gesichtserkennung beschleunigt die Sicherheitschecks am Flughafen, sodass Sie sicherer, reibungsloser und bequemer durch die Passkontrolle kommen.

Ob bei der Grenzkontrolle oder zum Entsperren von Smartphones, biometrische Erkennungssysteme werden immer verbreiteter und durchdachter. Wie bei jeder neuen Technologie gibt es aber auch einige Schwierigkeiten: Die biometrische Authentifizierung kann nämlich Ziel von Morphing- oder Präsentationsangriffen werden.

Was ist Morphing?

Die Definition des US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology (NIST) lautet: „Gesichts-morphing ist eine Bildmanipulationstechnik, bei der die Gesichter von zwei oder mehr Personen übereinandergelegt werden, um auf einem Foto ein einziges Gesicht zu bilden.“1

Mit Morphing versuchen Kriminelle, Gesichtserkennungssysteme, wie sie bei der Grenzkontrolle eingesetzt werden, auszutricksen. Beim Antrag auf einen neuen Pass reichen sie zu diesem Zweck ein Foto ein, auf dem die Gesichter von zwei oder mehr Personen zu einem verschmolzen wurden.

Auf diese Weise können zwei oder mehr Menschen einen Pass mit diesem Foto nutzen. Im Unterschied dazu müssen bei einem klassischen Präsentationsangriff unrechtmäßig reisende Personen eine Maske tragen oder das automatisierte Gesichtserkennungssystem durch andere Mittel täuschen.

Ähnlich, aber nicht gleich

Das Gesicht einer Frau in drei Morphing-Stufen
Morphing-Angriffe sind viel schwerer zu entdecken als klassische Täuschungsversuche

Morphing ist definitiv eine Methode, die man ernst nehmen sollte, denn ein solcher Angriff ist deutlich schwerer zu entlarven als ein klassischer Präsentationsangriff.

Das Foto muss von speziellen Algorithmen verarbeitet werden, um die durch das Morphing verursachten Unregelmäßigkeiten zu erkennen. Neue Morphing-Techniken befinden sich in einem konstanten Wettlauf gegen neue Erkennungsmethoden. Deshalb muss in diesem Bereich immer weiter geforscht werden. Künstliche Intelligenz spielt heutzutage eine große Rolle beim Erkennen solcher Angriffe.

Die beste Möglichkeit, Morphing zu verhindern, ist aber natürlich, dafür zu sorgen, dass das Foto bei der Erstellung nicht manipuliert werden kann. Dies sei aber nur möglich, wenn man die Kontrolle über den Ausstellungsprozess habe, was bei ausländischen Pässen nicht der Fall sei, erklärt Frank Schmalz, VP Head of Innovations bei der Veridos GmbH.

“Neue Morphing-Techniken befinden sich in einem konstanten Wettlauf gegen neue Erkennungsmethoden“
Frank Schmalz
VP Head of Innovations bei der Veridos GmbH

EU-Forschung: PROTECT und D4FLY

Als einer der führenden Anbieter für Identitätslösungen sorgt Veridos dafür, dass sich die vom Unternehmen eingesetzte Biometrietechnologie kontinuierlich weiterentwickelt, um immer einen Schritt voraus zu sein. So könnten smarte Grenzkontrollen in Europa gestärkt werden und diese wiederum die Strafverfolgung unterstützen, sagt Rafaela Pernice, Deputy Head of PR & Marketing Communications bei der Veridos GmbH.

Um das zu erreichen, leitet Veridos ein von der EU finanziertes Forschungsprojekt namens D4FLY. Das Unternehmen arbeitet hierbei mit 18 Partnern zusammen, um den Grenzübertritt schneller und sicherer zu gestalten und Betrugsfälle deutlich zu reduzieren.

Derzeit werden modernste Grenzkontrolllösungen untersucht, darunter Biometrieverfahren, die Erkennung von gefälschten Dokumenten und die Vorteile der Blockchain-Technologie in der Identitätsüberprüfung.

Zudem steckt D4FLY viel Energie in die Entwicklung neuer Methoden zur Morphing-Erkennung durch KI. Versuchs- und Demonstrationsprojekte konzentrieren sich auf vier verschiedene Grenzkontrollpunkte und ein Expertenzentrum für Dokumentenbetrug im Vereinigten Königreich, Griechenland, Litauen und den Niederlanden.

Zudem ist Veridos an PROTECT beteiligt, einer weiteren EU-finanzierten Forschungsinitiative zu Biometrie und automatisierten Grenzkontrollen.

Das Projekt beschäftigt sich mit neuen und kontaktlosen Biometrieverfahren und unauffälligeren Methoden zur Erfassung und Überprüfung biometrischer Daten. Eine der untersuchten Entwicklungen sind sogenannte biometrische Korridore, durch die sich Reisende bewegen können, ohne anzuhalten.

  1. NISTIR 8292 Face Recognition Vendor Test (FRVT) Part 4: MORPH – Performance of Automated Face Morph Detection, Mei Ngan, Patrick Grother, Kayee Hanaoka, Jason Kuo, 2020

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