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#Currency Management

Ungarischer Bargeldkreislauf setzt auf NotaTrays

Technische Innovation
5 Min.

Auf der Suche nach einem schlankeren, effizienteren und gleichzeitig nachhaltigen Bargeldkreislauf entschied sich die ungarische Zentralbank für das NotaTray® Ökosytem.

 

Viele Staaten und Unternehmen haben sich in den letzten Jahren ehrgeizige Net-Zero-Ziele gesetzt. Konkrete Schritte zur Erreichung dieser Ziele sind jedoch bisher ausgeblieben.1 Die globalen Herausforderungen zum Schutz der Umwelt werden auch in Zukunft groß bleiben. Unternehmen und Organisationen in allen Bereichen sind gefordert, ihre Anstrengungen für mehr Nachhaltigkeit zu verstärken. Dies muss jedoch nicht zwangsläufig zulasten anderer unternehmerischer Ziele gehen. Vielmehr lassen sich durch mehr Nachhaltigkeit die Wirtschaftlichkeit und auch die Sicherheit erhöhen.

In den vergangenen Jahren haben die Akteure der Bargeldbranche eine Reihe innovativer Maßnahmen ergriffen, um den Bargeldkreislauf nachhaltiger zu gestalten,  beispielsweise durch die Einführung umweltfreundlicher Banknoten. Für die Herstellung dieser neuen „Green Banknote“ von G+D werden erneuerbare Materialien und umweltschonende Druckfarben verwendet, außerdem ist ihr CO2-Ausstoß geringer als der von Banknoten aus Polymer. Aber auch der Verzicht auf Einwegplastik für die Verpackung und den Transport von Banknoten sowie eine höhere Automatisierung und der Einsatz innovativer digitaler Technologien sorgen für einen effizienten, sicheren und nachhaltigen Bargeldkreislauf.

Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung mag die Existenz von physischem Bargeld als Widerspruch erscheinen. Bei der Vielzahl der heute verfügbaren digitalen Zahlungsmöglichkeiten liegt die Frage nahe, ob es in Zukunft überhaupt noch eine Rolle spielen soll. Doch solche Überlegungen sind voreilig. Bargeld ist ein vertrauenswürdiges, integratives, resilientes und beliebtes Zahlungsmittel, das uns auch weiterhin erhalten bleiben wird.

Für die Stakeholder des Bargeldkreislaufs lautet die Frage also nicht: „Schaffen wir das Bargeld ab?“, sondern vielmehr: „Wie gestalten wir den Umgang mit Bargeld möglichst nachhaltig, sicher, widerstandsfähig und effizient?“

Die ungarische Zentralbank (Magyar Nemzeti Bank, MNB) und ihre Geschäftspartner wie Criterion haben darauf eine Antwort gefunden: Sie entschieden sich für die Einführung eines schlanken und umweltfreundlichen Kooperationsmodells, des NotaTray® Ökosystems. Damit wurde nicht nur der CO2-Fußabdruck des ungarischen Bargeldkreislaufs reduziert, sondern auch die Sicherheit der Cash Center erhöht und die Effizienz im gesamten Betrieb deutlich gesteigert. Die Umsetzung verlief folgendermaßen:

Anforderungen an eine Notenbank

Seit den 1980er-Jahren setzt die MNB Hochgeschwindigkeits-maschinen zur Bearbeitung von Bargeld von G+D ein. Bis vor Kurzem wurden die Banknoten in Kisten aus Karton oder mit zusätzlichem Einwegverpackungsmaterial in Aluminium- behälter verpackt und anschließend von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern manuell wieder entpackt. Bei bis zu 270.000 Bündeln, die pro Jahr von der MNB bearbeitet werden – die Hälfte davon sind nicht mehr umlauffähige Banknoten –, erwies sich diese Methode als zeitaufwendig und ineffizient, ganz zu schweigen von der beträchtlichen Menge an Abfall, die täglich anfiel.

Im Jahr 2022 entschied sich die Zentralbank daher, das NotaTray®-System von G+D für den Transport, die Lagerung und die Bearbeitung nicht mehr umlauffähiger Banknoten in ihren bestehenden Automatisierungsprozess zu integrieren. NotaTrays ermöglichen eine nahtlose Logistik sowie die automatische Zuführung loser Banknoten in und aus Bargeldbearbeitungssystemen, ohne dass Banderolenpapier oder Kunststoffverpackungen benötigt werden. NotaTrays sind standardisierte Mehrwegbehälter, die auch in der Bargeld- logistik eingesetzt werden können. Die positiven Effekte sind allein schon aus ökologischer Sicht nicht von der Hand zu weisen.

„Das NotaTray®-Ökosystem hilft uns, unsere Nachhaltigkeitsziele zu erreichen“, sagt Péter Klein, Head of Control and Technology Support bei der MNB. Durch die Umstellung von Einwegverpackungen auf NotaTray®-Behälter kann die Zentralbank im gesamten Bargeldbearbeitungsprozess jährlich große Mengen an Papierbanderolen und Plastikfolien einsparen.

Außer für Abfallvermeidung sorgt NotaTray® auch für mehr Sicherheit. „NotaTray® erhöht die Sicherheit, indem es unser operatives Risiko reduziert“, sagt Dr. Anikó Bódi-Schubert, Head of Cash Issuance Strategic Department bei der MNB. „Wenn eine Sendung in einer NotaTray®-Box ankommt, ist sie verschlossen und versiegelt und kann direkt im Tresor gelagert werden. Die weitere Abwicklung erfolgt, ohne dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst noch einmal Hand anlegen müssen.“ Somit haben sie keinen direkten Kontakt mehr mit den Banknoten.

Zu den größten Vorteilen des Einsatzes von NotaTrays gehört, dass die Effizienz nicht nur innerhalb der Zentralbank, sondern im gesamten Bargeldkreislauf steigt: Die Geschäftspartner müssen die Banknoten nicht mehr mit Einwegverpackungsmaterial verpacken und auf der anderen Seite muss die Zentralbank kein Zeit mehr investieren, um die Banknoten wieder zu entpacken. Um diese Vorteile voll ausschöpfen zu können, war es für die MNB wichtig, die Unterstützung weiterer Stakeholder im Bargeldkreislauf, wie beispielsweise der Geschäftsbanken und Werttransportunternehmen, zu gewinnen. Eine derartige Umstellung ist eine Herausforderung, die Geduld und Zusammenarbeit erfordert.

Zusammenarbeit entlang des Bargeldkreislaufs

„Dass eine Marktneuheit zunächst befremdlich wirkt, ist ganz normal“, sagt Bódi-Schubert. „Neue Ideen erfordern eine neue Art zu denken, eine neue Art zu arbeiten.“ Um den Abschied von gebündelten Banknoten zu erleichtern, stellte die MNB ihren Partnern neben kostenlosen NotaTrays auch alle notwendige Unterstützung zur Verfügung. „Wir haben ein enges Verhältnis zu unseren Partnern“, so Klein, „und sind fast täglich im Gespräch, um eine gemeinsame Basis zu finden, wie wir die Kosten senken und gleichzeitig die Sicherheit und Nachhaltigkeit erhöhen können.“

“Dass eine Marktneuheit zunächst befremdlich wirkt, ist ganz normal. Neue Ideen erfordern eine neue Art zu denken, eine neue Art zu arbeiten.“
Dr. Anikó Bódi-Schubert
Head of the Cash Issuance Strategic Department, MNB

Einer dieser Partner ist Criterion, Ungarns größtes Werttransportunternehmen, das sich vor einer besonderen Herausforderung sah. „Wir bewegen eine riesige Menge Geld, rund 18 Billionen ungarische Forint“, erklärt Robert Juhos, CEO der Criterion Holding. „Allein im Jahr 2022 ist das Bargeldvolumen um 32 Prozent gestiegen. Wie können wir auf dieses Wachstum reagieren und dabei das gleiche Maß an Effizienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit aufrechterhalten?“

Für den Versand nicht mehr umlauffähiger Banknoten hat die MNB den Einsatz von NotaTrays gesetzlich vorgeschrieben. Mit der Einführung des NotaTray®-Ökosystems ist es Criterion wie auch den anderen Teilnehmern am Bargeldkreislauf in Ungarn gelungen, alle diesbezüglichen Ziele zu erreichen.

Effizienter und nachhaltiger

Das ist jedoch noch nicht alles. Nach der erfolgreichen Implementierung von NotaTrays und der Entwicklung von Best Practices für die Bearbeitung nicht mehr umlauffähiger Banknoten besteht die nächste Etappe darin, das NotaTray®-Ökosystem auch für umlauffähige Banknoten zu adaptieren. Entsprechende Machbarkeitsstudien und erste Testrunden sind bereits angelaufen. 

Für Ungarn ist dies ein wichtiger nächster Schritt auf dem Weg zu einem Bargeldkreislauf von morgen. Ein Bargeldkreislauf, der ein umfassendes Bekenntnis signalisiert, den Prozess der Bargeldversorgung so effizient, sicher und nachhaltig wie möglich zu gestalten.

Key Takeaways

  1. Die Magyar Nemzeti Bank (MNB) und ihre Geschäftspartner wie Criterion haben NotaTrays für den Austausch nicht umlauffähiger Banknoten im Jahr 2022 integriert.
  2. Das NotaTray® Ökosystem reduziert den Abfall, erhöht die Widerstandsfähigkeit der Cash Center und steigert die Effizienz und Sicherheit im gesamten Bargeldkreislauf.
  3. Die MNB treibt die weitere Integration von NotaTrays voran, was den CO2-Fußabdruck des ungarischen Bargeldkreislaufs weiter verringern wird.
  1. Net Zero Stocktake 2023, Net Zero Tracker, 2023

Veröffentlicht: 06.06.2024

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