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Digitales Bezahlen – aktuelle Trends und Chancen

Trends
9 Min.

Die Payment-Branche entwickelt sich ständig weiter. Über die größten Trends 2023 und die Herausforderungen und Chancen für Banken und Zahlungsdienstleister sprechen wir mit Maud Prévert-Augustin, Market Intelligence Card & Digital Payments bei G+D und Kurt Schmid, Managing Director Digital Banking, Netcetera.

Spotlight-Interview

Unser Interview auf Spotlight mit Maud Prévert-Augustin, Market Intelligence Card & Digital Payments bei G+D und Kurt Schmid, Managing Director Digital Banking, Netcetera.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Payment Trends in diesem Jahr?

Portrait von Kurt Schmid, Managing Director Digital Banking, Netcetera
Kurt Schmid, Managing Director Digital Banking, Netcetera

Kurt Schmid: Nachhaltigkeit ist sicherlich eines der übergreifenden Themen. ESG (Umwelt, Soziales, Governance) steht ganz oben auf der Agenda jeder Bank, die ihren CO2-Fußabdruck reduzieren will. Dieser Trend wird auch langfristig relevant sein – auch weil Nachhaltigkeit von den Kunden immer stärker eingefordert wird.

Ein weiterer Trend ist die immer größere Verbreitung von Neo-Banken und digitalen Wallets, die den traditionellen Bankensektor weiter beeinflussen werden. Das überschneidet sich in gewisser Weise mit dem Thema „embedded finance“, da immer mehr Nicht-Banken Finanzdienstleistungen in ihre Apps und Produkte einbetten, um die Customer Journey ihrer Kunden zu vereinfachen und zu verbessern.

Und natürlich ist künstliche Intelligenz gerade ein Thema, das breit diskutiert wird. Es gibt eine Reihe interessanter KI-Anwendungsfälle– von der Verbesserung von Nutzeroberflächen bis hin zur personalisierten Kreditangeboten, die passend zu den vorhandenen Kundendaten erstellt werden.

Maud Prévert-Augustin: Auch Peer-to-Peer-Payments und Micropayments werden immer beliebter, da Privatpersonen damit  einfach und schnell kleinere Transaktionen vornehmen können. Ein weiterer Trend ist „Inclusive Finance“, ein Thema, das besonders von Fintechs auf der Suche nach neuen Nischen im Markt vorangetrieben wird.

8 top trends in payment

Das sind einige spannende Themen! Fangen wir vorn an: Wie können Banken nachhaltiger werden?

Maud Prévert-Augustin: Bei G+D haben wir uns 2022 verpflichtet, ab 2030 in allen unseren Karten keine neuen Kunststoffe mehr zu verwenden, um so unsere Partnerbanken dabei zu unterstützen, nachhaltiger zu werden. Wir waren die ersten in der Payment-Branche, die eine solche Verpflichtung eingegangen sind. Das wird sicherlich andere inspirieren, es uns gleichzutun.

Kurt Schmid: Ein weiteres konkretes Beispiel ist, Bankkarten aus sogenanntem Ocean Plastic – aus dem Meer geborgenem Plastikmüll –  herzustellen oder gar gänzlich auf Plastik zu verzichten und auf  Biokunststoffe auszuweichen. Viele Banken tun dies bereits.

Persönlich würde ich mir auch wünschen, dass digitale Quittungen die Norm werden. Es ergibt keinen Sinn, dass wir alles digital bezahlen können, aber immer noch Papierquittungen erhalten. Das ist eine Verschwendung von Papier und Tinte. Und wenn wir sie brauchen, finden wir sie in der Regel eh nicht wieder.

Es wäre nicht nur nachhaltiger, sondern auch bequemer. Ist das auch der Reiz von digitalen Wallets?

Kurt Schmid: Genau. Mit digitalen Wallets oder Super-Wallets kann man ja viel mehr erledigen als nur zu bezahlen. Ein gutes Beispiel ist WeChat in China. Da hast du alles in einer Plattform: Social Media, Textnachrichten, bis hin zu Einkäufen auf E-Commerce-Seiten  – sogar auf Kredit. WeChat hat den Grundstein gelegt für viele Super-Wallet-Funktionen, auch wenn das Modell aufgrund von Datenschutzbestimmungen nicht überall zu 100 % übernommen werden kann.

Maud Prévert-Augustin: Drei weitere Beispiele sind Grab in Südostasien und PicPay oder Mercado Pago in Lateinamerika. Wir sehen sehr viel Wachstum im Super-Wallet-Bereich, besonders in den Schwellenländern. Die große Frage ist, wie sich diese Apps weiterentwickeln und welche Auswirkungen sie auf die Banken-Infrastruktur und den Umgang mit persönlichen Daten haben – und auch, welche Möglichkeiten zum Betrug sie bieten.

Wie können Banken das Potenzial von Super-Wallets nutzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

Maud Prévert-Augustin: Wir arbeiten mit unseren Bankkunden zusammen, um herauszufinden, wie sie ihre Geschäftsmodelle anpassen und in diesem Bereich eine führende Rolle übernehmen können. Der Vorteil für Banken ist, dass sie das Vertrauen auf ihrer Seite haben. Das bietet ihnen die perfekte Ausgangposition, um Wallets und Apps zu entwickeln, deren Funktionen über reine Bankgeschäfte und Zahlungen hinausgehen. Dafür sollten sie agile Partner integrieren, die Services wie Versicherungen, Sonderaktionen und Treueprogramme anbieten. Zusätzlich muss der Komfort einer Super-App mit Kundenauthentifizierung und Zahlungssicherheit gepaart sein.

Wie lässt sich das mit Embedded Finance zusammenbringen?

Kurt Schmid: Produkte im Bereich Embedded Finance sind im Grunde nur eine weitere Möglichkeit, Teil der Buyer Journey zu werden – besonders wenn es um Finanzierungen geht. Statt also E-Commerce-Services oder Versicherungen in einer eigenen App anzubieten, würden Banken ihre Finanzprodukte in die Plattformen von Drittanbietern einbetten.

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen im Internet einen neuen Kühlschrank. Sie melden sich bei einem Online-Shop an, geben Ihre Daten ein und werden beim Bezahlen gefragt, ob Sie den Kühlschrank per Kredit kaufen möchten. Der Kredit selbst wird von einer Bank zur Verfügung gestellt, aber der gesamte Kaufvorgang und der Datenaustausch erfolgen durch den Händler. Der Händler freut sich über den Verkauf, und die Banken sind zufrieden, da sie nun die Möglichkeit haben, den Kundinnen und Kunden weitere Produkte zu verkaufen. Es ist eine Win-Win-Situation. In Zukunft werden wir mehr Zusammenarbeit dieser Art zwischen Banken und Händlern sehen.

Embedded Finance ist also das Gegenmodell zu eigenen digitalen Wallets der Banken – aber das schließt sich nicht gegenseitig aus?

Kurt Schmid: Ganz genau. Es kommt wirklich auf die Situation an. Es ist unwahrscheinlich, dass sich ein Kunde oder Kundin in seine Banking-App einloggt und denkt: „Ich muss einen Kühlschrank kaufen“ – so beginnt ein solcher Kaufprozess üblicherweise nicht. Daher wäre hier eine eingebettete Finanzlösung die bessere Wahl. Aber wenn es darum geht, Produkte vor Ort zu bestellen oder Dienstleistungen wie Versicherungen oder Sonderangebote in Anspruch zu nehmen, wäre es für den Verbraucher praktisch, dies direkt über eine Banking-App oder ein digitales Wallet zu tun.

Um beim Thema Kredite zu bleiben: Buy Now, Pay Later (BNPL) ist ein weiterer Trend, der in den letzten Jahren geradezu explodiert ist und viel diskutiert wird. Wie können Banken diesen Trend für sich nutzen?

Portrait von Maud Prévert-Augustin, Market Intelligence Card & Digital Payments bei G+D
Maud Prévert-Augustin, Market Intelligence Card & Digital Payments, G+D

Maud Prévert-Augustin: BNPL läuft mal besser, mal schlechter, aber es bleibt für viele eine attraktive Option. Es ist schnell und bequem – besonderes für Jüngere und für Menschen, die keine Kreditkarten benutzen. Leider ist vielen immer noch nicht die möglichen Nachteile klar, wie etwa die Gefahr, sich an langwierige und teure Ratenzahlungspläne zu binden. Dies hat zu einer strengeren Regulierung geführt und viele BNPL-Anbieter haben in den letzten zwei Jahren einige harte Lektionen lernen müssen.

Banken können die Kontrolle über Verbraucherkredite zurückgewinnen, indem sie Trends wie BNPL auf eine nachhaltigere Art und Weise aufgreifen. So könnten Banken die Daten aus dem eigenen digitalen Wallet dazu nutzen, um festzustellen, ob Kunden bereits an Ratenzahlungsverträge gebunden sind und welche Kreditsumme sie sich höchstwahrscheinlich leisten können.

Welche weiteren Herausforderungen gibt es in Sachen Sicherheit in der Payment-Branche?

Kurt Schmid: In den letzten zehn Jahren haben das kontaktlose Bezahlen, Mobile Wallets und Smartwatches das Einkaufen in Geschäften viel einfacher gemacht. Gleichzeitig wurden die Zahlungen sicherer – durch biometrische Geräte, PIN-Codes und andere Möglichkeiten, sich zuverlässig zu authentifizieren. Die Herausforderung – oder besser gesagt, die Chance – besteht nun darin, das Bezahlen im Onlinehandel genauso unkompliziert zu machen. Noch immer werden 20 % der Käufe abgebrochen, weil die Kunden sich nicht authentifizieren können oder weil die User Journey zu kompliziert ist. Wir arbeiten intensiv mit der Branche zusammen, damit das Bezahlen auch dort sicherer und bequemer wird.

“Nachhaltigkeit steht bei jeder Bank ganz oben auf der Tagesordnung und wird von den Kunden immer stärker eingefordert. Dieser Trend wird anhalten.“
Kurt Schmid
Managing Director Digital Payment, Netcetera

Wie genau sieht diese Zusammenarbeit aus?

Kurt Schmid: Eine Möglichkeit, die Sicherheit beim Online-Bezahlen zu erhöhen, ist die Tokenisierung. Dabei werden Zahlungsdaten an einem sicheren Ort gespeichert, dem die Kunden vertrauen. So lassen sie sich leichter verwalten und die Gefahr sinkt, dass Kreditkarteninformationen gestohlen werden können. Im Kern bedeutet es, dass wir sensible Zahlungsinformationen wie Kreditkartennummern durch eine eindeutige Kennung, das „Token“ ersetzen.

Viele haben heute ihre Zahlungsdaten bei Dutzenden von Online-Händlern gespeichert. Da ist es schwer, den Überblick zu behalten und unsere Daten effektiv zu verwalten. Die Tokenisierung löst dieses Problem: Unsere Zahlungsinformationen sind alle an nur einem Ort zusammengefasst. So sind sie einfacher zu verwalten und das Betrugsrisiko sinkt. Und wenn wir statt einer Kreditkarte ein Token verwerden, sind unsere Daten auch geschützt, wenn dem Händler eine Datenpanne unterläuft.

Auch das Bezahlen selbst wird einfacher. Sie müssen nur Ihre Karte über Ihre Banking-App beim Händler hinterlegen. Dann generiert die Banking-App beim Online-Bezahlen das Token und schickt es direkt an den Händler. Wir sind stolz darauf, dass wir in diesem Markt gemeinsam eine ganze Reihe guter Services anbieten können.

Eine weitere Möglichkeit ist eine Technologie namens EMV®® Secure Remote Commerce (SRC). Das ist ein neuer Standard, der es Kunden ermöglicht, per „Click to Pay“ zu bezahlen, anstatt bei jedem Händler ihre Kreditkartendaten einzugeben. SRC vereinfacht den Bezahlvorgang und bietet mehr Sicherheit, da die Nutzer und ihre Endgeräte automatisch erkannt werden.

Was ist mit Konto-zu-Konto-Zahlungen (A2A) – werden die auch immer beliebter?

Maud Prévert-Augustin: In einigen Bereichen ist das so, ja. Auch hier geht es um Schnelligkeit und Bequemlichkeit. Früher dauerte eine Überweisung von Konto zu Konto mehrere Tage oder gar Wochen. Seitdem die Neo-Banken hier als Akteure in Erscheinung getreten sind, ist der Zahlungsverkehr viel digitaler und Überweisungen gehen sofort durch.

A2A wird vor allem von Händlern vorangetrieben, die angesichts der hohen Gebühren in einigen Regionen ihre Kosten für Überweisungen senken wollen. Es ist für sie günstiger, wenn die Kunden alternative Zahlungsmethoden wie A2A oder BNPL nutzen, statt herkömmliche Kreditkarten zu verwenden. In Regionen, in denen nur wenige POS-Terminals zur Verfügung stehen, können auch QR-Codes Sofortzahlungen erleichtern.

Schließlich spielen auch Vorgaben der Regierung eine Rolle. In Indien waren die Demonetisierung und Digitalisierung eine treibende Kraft hinter dem Unified Payments Interface (UPI), während Brasilien die Zentralbank Pix geschaffen hat, um Sofortzahlungen einzuführen. In Europa oder Nordamerika hingegen fassen diese Sofortzahlungen nicht wirklich Fuß. 

Wie kann KI – auch gerade ein Riesentrend – genutzt werden, um die Payment-Branche zu bereichern?

Kurt Schmid: Jeder Kunde hat andere finanzielle Bedürfnisse. Das heißt, dass Banken flexibler werden müssen. KI kann Banken und Zahlungssystemen dabei helfen, ihre Kundendaten besser auszuwerten, um bessere, personalisiertere Services in Echtzeit anzubieten.

Maud Prévert-Augustin: KI wird vor allem das Open Banking verbessern. Dieses starke Werkzeug hat schon jetzt die Möglichkeiten erhöht, die sich durch die gesteigerte Personalisierung der Services bieten. Zahlungsdienstleister könnten zum Beispiel KI nutzen, um das Konsumverhalten ihrer Kunden besser zu verstehen. So können sie ihnen maßgeschneiderte Angebote für Hypotheken und Kredite anbieten. Das funktioniert natürlich nur, wenn Kunden dem Open Banking zustimmen und ihren Banken den Zugriff auf ihre Daten gestatten – aber es eröffnet viele Möglichkeiten.

Ist Financial Inclusion auch eine Form der Personalisierung, da man so besser auf die Bedürfnisse aller Kunden eingehen kann?

Maud Prévert-Augustin: Das kann man schon so sagen. Diversität ist ein großer Trend, und wir sehen viele Fintech-Unternehmen, die Produkte für spezielle Gruppen anbieten. Etwa für kleine bis mittlere Unternehmen, ethnische Minderheiten oder Senioren – die "Silver Aged", wie Kurt sie gern nennt! Das ist eine Chance, die Fintechs gut genutzt haben und die traditionelle Banken genauer unter die Lupe nehmen müssen. Einige Banken kaufen diese Fintechs sogar auf, um so ihr eigenes Portfolio zu vergrößern. Bei G+D arbeiten wir daran, barrierefreiere Zahlungslösungen zu entwickeln.

Barrierefreiheit ist also auch ein wichtiges Thema?

Kurt Schmid: In der Tat. Ältere Menschen gehen immer noch lieber in die Filiale, um ihre Bankgeschäfte zu erledigen, aber viele Filialen werden geschlossen. Vor allem auf dem Land. Manche Leute mögen die digitalen Apps nicht, weil sie zu schwierig sind oder die Schrift zu klein ist. Für junge Leute ist das in Ordnung, sie sind mit der Technik aufgewachsen, aber bei älteren Menschen dauert es länger, bis sie mit Dingen wie Online-Banking vertraut sind. Es gibt keine Einheitslösung; es muss eine Mischung aus Service vor Ort und digitalen Kanälen geben, wenn es um Bankgeschäfte und Zahlungen geht. Ich denke, dass dies in Zukunft eine immer größere Rolle spielen wird.

Veröffentlicht: 28.04.2023

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