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#Card

Auswirkungen der globalen Chip-Knappheit auf den Zahlungsverkehr

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6 Mins.

Milliarden von Menschen sind weltweit auf Bezahlkarten angewiesen. Die globale Chip-Knappheit dominiert die Schlagzeilen, dennoch wird kaum über die Folgen für die Zahlungskartenbranche gesprochen

Wer den Wirtschaftsteil der Zeitung liest, dem wird nicht entgangen sein, dass die Halbleiterindustrie in den letzten Monaten einen Umbruch erlebt hat. Insbesondere auf die Autoindustrie und Unterhaltungselektronikbranche, deren Produktion ins Stocken kommt, hat dies enorme Auswirkungen. Aber auch viele andere Branchen sind auf Chips angewiesen und sind ebenfalls betroffen. Ihnen wird jedoch kaum Beachtung geschenkt.

Im Lauf der letzten zehn Jahre ist die Nachfrage nach Chips gestiegen, da sie für immer mehr Geräte, von Autos und Spielkonsolen bis hin zu Smartphones und intelligenten Zählern, gebraucht werden.

Neben dieser wachsenden Nachfrage haben Handelsstreitigkeiten – zum Beispiel zwischen China und den USA – und die Corona-Pandemie zu unerwünschten Turbulenzen geführt. Einige Hersteller bestellten im Jahr 2020 mehr Chips als üblich, um angesichts der pandemiebedingten Unsicherheit auf Nummer sicher zu gehen. Jene Unternehmen, die die Bestellmenge hingegen zu Beginn der Pandemie reduzierten, haben nun Schwierigkeiten, Chips zu bekommen, obwohl die Nachfrage nach ihren Produkten wieder steigt. Das Angebot kann einfach nicht mit der Nachfrage Schritt halten. Die Folge? Eine weltweite Chipknappheit und somit deutlich längere Lieferzeiten.

Einfach mehr herstellen und liefern? Das ist leichter gesagt als getan. Foundries, also Halbleiter-Hersteller, arbeiten Berichten zufolge mit voller Kapazität. Der Aufbau neuer Anlagen dauert Jahre und ist äußerst kostspielig. Am Ende bekommen es die Verbraucher zu spüren, wenn die Preise steigen oder sie länger auf ihre Geräte warten müssen.

Obwohl Automobil-, Computer- und Elektronikhersteller zusammen mit Telekommunikationsunternehmen weltweit die größte Chipnachfrage haben, sind auch andere Branchen darauf angewiesen. Bezahlkarten sind zwar nicht in derselben Preisklasse wie ein Tesla oder eine PlayStation, haben aber dennoch eine wichtige Bedeutung für Milliarden von Menschen und Unternehmen auf der ganzen Welt.

Eine Frau, die mit Kreditkarte bezahlt

Wir brauchen Bezahlkarten, und Bezahlkarten brauchen Chips!

Moderne Bezahlkarten – sogenannte EMV-Chipkarten – enthalten Speicherchips und Mikroprozessoren, die Daten speichern und es der Karte ermöglichen, beispielsweise mit Geldautomaten oder Kartenlesegeräten wie Point-of-Sale-Terminals (POS) zu interagieren. Ohne diese Karten können keine digitalen Zahlungen getätigt werden.

Ende 2020 waren laut EMVCo 10,8 Milliarden EMV-Chipkarten weltweit im Umlauf. Die Organisation verwaltet die Spezifikationen, die die Zusammenarbeit von kartenbasierten Zahlungsprodukten ermöglichen.1

Die alltägliche Bedeutung von Bezahlkarten für Verbraucher, Banken, Händler und viele andere Akteure des Ökosystems sollte nicht unterschätzt werden. Ohne Zahlungskarten könnten Millionen von Menschen kein Bargeld am Automaten abheben. Dies ist besonders in Märkten wichtig, in denen Bargeld nach wie vor das dominierende Zahlungsmittel ist: In Japan beispielsweise macht Bargeld immer noch 54 Prozent des gesamten Transaktionsvolumens aus.2

“Ende 2020 waren 10,8 Milliarden EMV-Chipkarten weltweit im Umlauf.“
EMVCo

Aber auch für das kontaktlose Bezahlen, für E-Commerce-Transaktionen oder die Nutzung mobiler Bezahl-Apps sind Zahlungskarten von entscheidender Bedeutung. Wenn sie online shoppen möchten, müssen Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Debit- oder Kreditkartendaten eingeben. Und auch für die Einrichtung eines Apple- oder Google-Pay-Kontos ist eine Bezahlkarte erforderlich. In manchen Metropolen wie London dienen Bezahlkarten sogar als Fahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel. Elektronische und digitale Zahlungen erfreuten sich bereits vor der Pandemie rund um den Globus größter Beliebtheit. Doch infolge der Corona-Krise ist das kontaktlose Bezahlen beliebter denn je.

So können Banken die Risiken einschätzen und mindern

Es ist äußerst besorgniserregend, dass sich die weltweite Chipknappheit auf die Zahlungskartenindustrie auswirken könnte, zu der Kartenanbieter, ausstellende Banken, Händler, Zahlungsdienstleister, Acquiring-Banken und Kartennetzwerke sowie Verbraucherinnen und Verbraucher gehören. Denn jedes Jahr werden über drei Milliarden EMV-Karten neu ausgegeben.

Banken müssen sich konkret mit drei Risiken auseinandersetzen. 1. Die Chipkrise könnte zur Folge haben, dass Banken ihrer Kundschaft bei Bedarf keine neuen oder Ersatzkarten zur Verfügung stellen können. 2. Es besteht ein potenzieller Einnahmeausfall, wenn Zahlungen nicht getätigt werden können. 3. Die Reputation der Banken ist gefährdet, da sie Gefahr laufen, ihre bestehende oder künftige Kundschaft zu verlieren.

Banken können einiges tun, um diese Risiken zu mindern. Als Erstes sollten sie sich ein klares Bild davon verschaffen, wann und wie viele Karten genau gebraucht werden, und mit ihrem Bezahlkartenanbieter abklären, ob er den Bedarf decken kann. Außerdem könnten Banken nach Möglichkeiten suchen, um bestehende Prozesse wie Bestandsverwaltung und Kartenneuausstellung zu optimieren. Darüber hinaus könnten sich Banken an Bankenverbände, Zentralbanken und Regierungen wenden, um diese wichtigen Akteure auf die Chipknappheit aufmerksam zu machen und mit ihnen die Auswirkungen auf Zahlungskarten zu besprechen. Damit soll sichergestellt werden, dass Chiphersteller die Bedürfnisse der Branche bei der Planung knapper Chipmengen entsprechend berücksichtigen.

Die Vorteile der Zusammenarbeit

Die globale Bezahlkartenindustrie konnte in Zusammenarbeit mit Banken, Zahlungssystemen und lokalen Regierungen die Herausforderungen der Pandemie gut meistern. Sie wird daher auch mit den Folgen des Chipmangels zurechtkommen, welche Form diese auch immer annehmen werden.

Insbesondere sollten Banken eng mit ihren Anbietern zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass ihre Kundschaft den gewünschten Service erhält; aber auch mit Verbänden und Aufsichtsbehörden, um angemessenen Druck auf die Chipanbieter auszuüben.

  1. EMVCo Reports Over 10 Billion EMV Chip Cards in Global Circulation, EMVCo, 2021

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