Chart einer Aktie vor dem Hintergrund einer stark vergrößerten Dollar-Banknote
#Tech Innovation

Digital, mit Karte – oder mit Scheck? In den USA ist beim Bezahlen (fast) alles möglich

Insights

Der US-amerikanische Zahlungsverkehrsmarkt ist hochinnovativ, vielfältig und wird allen Bedürfnissen gerecht. Bezahlt wird mit Bargeld, Karten, digitalen Geldbörsen oder Schecks. Aus diesen scheinbaren Gegensätzen entstehen flexible Lösungen, insbesondere für Karten- und digitale Zahlungen. Der Rest der Welt kann von einem so großen und innovativen Markt wie dem wichtigsten Finanzmarkt der Welt, den USA, viel lernen. In dieser Artikelserie werfen wir einen Blick auf die US-amerikanische Zahlungslandschaft und konzentrieren uns dabei auf den Bereich des digitalen und elektronischen Zahlungsverkehrs.

Von außen betrachtet, erscheint der Zahlungsverkehr in den USA den meisten Menschen ebenso so groß wie weit entfernt. Akteure wie Venmo und Zelle sind in anderen Ländern kaum bekannt und können dort auch nicht genutzt werden. Gleichwohl handelt es sich um große Technologieunternehmen in einem weltweit bedeutenden Markt.

Neue Bezahlformate werden von den technikaffinen Nutzerinnen und Nutzern in den USA schnell angenommen. Trotzdem sind Bar- und Verrechnungsschecks noch weit verbreitet und es gibt zahlreiche Möglichkeiten, diese einzulösen. Dies gilt insbesondere für den Teil der Bevölkerung, der keine Bankverbindung hat. Darüber hinaus wird in erheblichem Umfang Bargeld genutzt.

Die enorme Bedeutung der US-Wirtschaft macht sie zu einem attraktiven Forschungsobjekt für internationale Analystinnen und Analysten. Ein Aspekt ist die Größe des Zahlungsverkehrssektors: Eine kürzlich durchgeführte Studie beziffert die Größe des Marktes auf 10,3 Billionen USD1 mit einer Wachstumsprognose von über sieben Prozent CAGR (Compound Annual Growth Rate, eine Methode zur Darstellung der durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate) bis 2027. Die Komplexität und die Reichweite des amerikanischen Zahlungsverkehrssektors sind ein wichtiger Innovationstreiber, insbesondere für Bezahlkarten und digitale Zahlungen – Entwicklungen, die auch für den Rest der Welt von großer Relevanz sind. Gleichwohl zeichnet sich der Bereich in vielerlei Hinsicht durch Hyperlokalität aus und wird von geografischen und demografischen Merkmalen bestimmt, die so vielfältig und weitläufig sind wie die USA selbst. 

Der US-Zahlungsverkehrsmarkt sei, so Traci Skala, Market Segment Director bei G+D, für das PayTech-Geschäft „eben einfach anders“. Warum das so ist, soll im Folgenden näher erläutert werden.

Digitaler Zahlungsverkehr: groß und weiter wachsend

In einer McKinsey-Umfrage aus dem Jahr 2022 gaben knapp neun von zehn Befragten an, „zumindest eine digitale Zahlungsmethode“ zu nutzen.2 Und der Anteil derer, die angaben, zwei oder mehr digitale Zahlungsarten zu nutzen, war im Vergleich zum Vorjahr (51 Prozent) auf 62 Prozent gestiegen.3  „Wenn es um die Art des Bezahlens geht, hat jeder seine ganz eigenen Präferenzen“, sagt Skala.

Die Möglichkeiten zur Sofortzahlung per digitale Geldbörse sind beispielsweise vielfältig. Banken, aber auch Unternehmen wie PayPal, dessen Tochter Venmo oder Zelle bieten digitale Geldbörsen an, ebenso die Technologiegiganten Apple und Google. Einige unterscheiden sich durch Aspekte wie die Abrechnung in Echtzeit, andere sind in der Registrierung für ein bestimmtes Bankkonto enthalten. Digitale Geldbörsen würden von allen Bevölkerungsschichten und Altersgruppen genutzt, so Traci Skala. Ihre Mutter bevorzuge beispielsweise PayPal, ihre Geschwister hingegen Zelle und Venmo. Entscheidend sei die Akzeptanz bei Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie bei Verkäufern.

In den USA funktionieren digitale Geldbörsen auf unterschiedliche Weise, etwa durch das Scannen von QR-Codes, die Eingabe von E-Mail-IDs oder Telefonnummern oder sogar durch die Angabe des Empfängernamens.

Facts & figures

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Amerikanerinnen und Amerikanern nutzen bereits eine digitale Zahlungsmethode.

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der Amerikanerinnen und Amerikaner besitzen mindestens eine Kreditkarte.

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Kartenzahlungen wurden im Jahr 2021 getätigt.

Wie bezahlt wird, ist nicht entscheidend

„Der Markt akzeptiert fast alles“, sagt Skala. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist das kontaktlose Bezahlen. Während es in den USA bis 2019 nur einen kleinen Teil des gesamten Zahlungsmarkts ausmachte, sind kontaktlose Zahlungen weltweit zu einem der am schnellsten wachsenden Bereiche geworden.4 Als Schlüsselfaktor für dieses Wachstum nennt der Bericht die seit 2015 rasant gestiegene Ausgabe von EMV®-Karten (Europay-, Mastercard-, Visa-Karten) und EMV®-fähigen Terminals. Da die meisten dieser Terminals auch NFC-fähig (Near Field Communication; Nahfeldkommunikation) sind, wurde kontaktloses Bezahlen zu einer bequemen Alternative.

Die Corona-Pandemie hat die Nachfrage ebenfalls stark angekurbelt. In Ballungszentren sowie bei überregionalen Handelsketten und anderen großen Einzelhändlern ist die Akzeptanz kontaktloser Bezahlverfahren besonders hoch. Interessanterweise sind kartenbasierte Tap-and-Go-Transaktionen nach wie vor die häufigste Form kontaktloser Zahlungen, obwohl die mobile Variante stark aufholt.5

Trotzdem spielt Bargeld als Zahlungsmittel weiterhin eine wichtige Rolle. Zwar ist der Gesamtwert der Bargeldabhebungen leicht zurückgegangen, aber der durchschnittliche Dollarbetrag pro Abhebung ist gestiegen.6

Ein Portemonnaie mit einem hundert Dollar Schein

Ein interessanter Nebeneffekt ist laut Skala die Tatsache, dass Bar- und Verrechnungsschecks nach wie vor fester Bestand des amerikanischen Zahlungsverkehrssystems sind. Auch wenn ihr Anteil am gesamten Zahlungsverkehr zurückgeht, ist ihre Popularität in den USA mit keinem anderen Markt vergleichbar. Verbraucherinnen und Verbraucher, insbesondere diejenigen, die vor der Digitalisierung aufgewachsen sind, schätzen dieses Zahlungsmittel als handfesten Nachweis für geleistete oder erhaltene Zahlungen. Darüber hinaus sind Scheckzahlungen mit geringen oder gar keinen Kosten verbunden, da die meisten Banken weder dem, der zahlt noch dem, der die Zahlung empfängt, Gebühren in Rechnung stellt. 

Und manche Menschen haben gar nicht die Wahl, etwas anderes als Bargeld oder Schecks zu verwenden. Eine kürzlich durchgeführte Studie hat ergeben, dass 4,5 Prozent aller Haushalte in den USA noch immer kein Bankkonto besitzen und weitere 14,1 Prozent keinen Zugang zu Bankdienstleistungen haben.7 Wer nicht die entsprechenden Dokumente vorlegen kann, hat Schwierigkeiten, ein Bankkonto zu eröffnen. Manchen Amerikanerinnen und Amerikanern fehlt das Geld für eine Mindesteinlage, anderen das Vertrauen in das Bankensystem.8

Die Folge ist eine erhöhte Nachfrage nach Scheckzahlungen, die in anderen Ländern ungewöhnlich erscheinen mag. Wer sein Gehalt per Scheck erhält, kann diesen zu einer Einlösestelle seiner Wahl bringen, die den Scheckbetrag nach Abzug einer Gebühr in bar auszahlt. Von der Miete bis zu Lebensmitteln kann damit alles bezahlt werden.

Die Liebe der Amerikaner zu ihren Karten

Wie bereits erwähnt, werden kontaktlose Transaktionen in den USA hauptsächlich mit Karten durchgeführt. Tatsächlich sind es vor allem die Bezahlkarten, die für das Wachstum des bargeldlosen Marktes verantwortlich sind. Mit 157 Milliarden Zahlungen im Jahr 2021 wurden 77 Prozent aller bargeldlosen Zahlungen über Karten abgewickelt.9 Debitkarten machten dabei den größten Anteil aus, gefolgt von Kreditkarten und Prepaid-Debitkarten. 

Einem kürzlich erschienenen Zeitschriftenartikel zufolge besitzt der durchschnittliche Amerikaner 3,84 Kreditkarten, während die Generation Z im Durchschnitt 2,1 Kreditkarten besitzt. Das Leben auf Kredit beginnt also schon früh.10 

„Ich habe auch eine stattliche Anzahl an Karten“, sagt Skala. „Aber vor etwa fünf Jahren haben die Digitalisierung und natürlich die Pandemie die bisherige Kartenindustrie grundlegend verändert. Heute spielen mobile Apps, digitale Karten, Wallets, QR-Codes und biometrische Daten die Hauptrolle in unserer Branche. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass verschiedene Generationen die gleichen Dinge unterschiedlich betrachten.“

“Die USA sind ein Schmelztiegel. Das spiegelt sich in unserem Bezahlsystem wider, denn wir versuchen, alle Menschen, alle Generationen und alle Hintergründe zu bedienen.“
Traci Skala
Market Segment Director, G+D

Das Beispiel ihrer Tochter, die mit digitalen Medien aufgewachsen ist, zeigt, dass diese ihr mobiles Gerät für viele Dinge nutzt, aber nicht zum Bezahlen. Im Vergleich zu einer digitalen Geldbörse empfinde sie eine Bezahlkarte als beruhigend verlässlich – und weniger anfällig als ein Smartphone. Über Social Media, Influencerinnen und Influencer und dergleichen haben Trends aus den USA einen immensen kulturellen Einfluss auf den Rest der Welt. Dies zeigen Studien, die untersuchen, wie junge Erwachsene in den USA unter anderem die Bereiche Bildung, Unterhaltung und Konnektivität prägen: Auch das Zahlungsverhalten junger Amerikanerinnen und Amerikaner ist von globaler Relevanz.

Die Generation der Millennials, der auch Traci Skala angehört, nutzen aus Gewohnheit einen Mix aus Kartenzahlung und digitalem Zahlungsverkehr. Die Generation zwischen ihr und ihrer Tochter setzt dagegen auf digitale Geldbörsen. Allerdings sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ein rein digitales Zahlungsmittel funktioniert, je weiter man sich von den Ballungszentren entfernt. Solange digitale Geldbörsen nicht flächendeckend akzeptiert werden, bleiben Bezahlkarten weiterhin gefragt.

Bargeld und Bezahlkarten

Auf dem Kartenmarkt ist Differenzierung gefragt

In den USA sind mehr als eine Milliarde Kreditkarten im Umlauf, 84 Prozent der Erwachsenen haben mindestens eine Kreditkarte in ihrer Brieftasche.11 Debitkarten, sowohl Prepaid- als auch Non-Prepaid-Karten, sind dabei noch nicht mitgerechnet. Angesichts der Größe des Marktes und der Nachfrage nach immer neuen Karten bieten sich hier gute Chancen für Kartenanbieter. Allerdings muss man sich von der Konkurrenz abheben.

„Man muss verstehen, dass es sich um einen segmentierten, hyperlokalen Markt handelt“, sagt Skala. „Die USA sind ein Schmelztiegel. Das spiegelt sich in unserem Bezahlsystem wider, denn wir versuchen, alle Menschen, alle Generationen und alle Hintergründe zu bedienen.“ Umweltfreundliche Karten aus recyceltem Meeresplastik funktionieren gut in bestimmten Regionen, während individuelle und luxuriöse Karten aus Metall in anderen Gegenden beliebt sind. Lokales Marktwissen und Expertise sind deshalb ebenso wichtig wie innovative Bezahlkarten-Lösungen – mit beidem unterstützt G+D seine Bankpartner, damit deren Kundinnen und Kunden ihre Karten als bevorzugtes Zahlungsmittel nutzen können.

Online-Handel: Chance und Herausforderung

Der Online-Handel hat exponentiell zugenommen, was nicht zuletzt auf globale Aktionen wie Black Friday, Cyber Monday und das (Vor-)Weihnachtsgeschäft zurückzuführen ist. In diesem Zusammenhang gewinnt der BNPL-Sektor (Buy-now-pay-later) durch innovative Kreditangebote und das große Verbraucherinteresse an Fahrt. Niedrigzins-Finanzierungen, kombiniert mit einem starkem Marketing seitens der Finanzdienstleister (FSPs) und dem Verlangen der Verbraucherinnen und Verbraucher nach sofortiger Wunscherfüllung, ergeben einen belebenden Konsum-Cocktail.

Während die Betrugsfälle in amerikanischen Ladengeschäften durch die Umstellung auf EMV®-Chips reduziert werden konnten, haben sich die Betrügerinnen und Betrüger auf Online-Transaktionen verlagert. Schätzungen zufolge wird der durch E-Commerce-Betrug verursachte weltweite Schaden von 38 Milliarden Dollar im Jahr 2023 auf 91 Milliarden Dollar im Jahr 2028 ansteigen. 41 Prozent davon entfallen allein auf den nordamerikanischen Markt.12

Traci Skala zufolge befindet sich die Bezahlbranche hier in einem Dilemma: Einerseits will niemand Geld an Betrügerinnen und Betrüger verlieren, andererseits ist die Betrugsbekämpfung sowohl teuer als auch zeitaufwendig. Die Auseinandersetzung mit betrügerischen Aktivitäten ist ressourcenintensiv und kann dem Ruf schaden. Die Banken müssen daher den Spagat zwischen höchster Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit meistern.

Dynamische digitale Kartenprüfnummern (CVV), Tokenisierung und adaptive Zahlungsauthentifizierung sind einige der verfügbaren Lösungen. 

Ein geeignetes Produkt muss Folgendes sein:

  1. technisch effektiv
  2. agil und anpassungsfähig an ein sich schnell veränderndes Umfeld
  3. übereinstimmend mit den Preisvorstellungen aller 
  4. langlebig, mit einem Lebenszyklus, der die Anfangsinvestition amortisiert

Basierend auf großer Erfahrung in den Bereichen der Sicherheitstechnologie und des Zahlungsverkehrs,ermöglicht G+D nachhaltige Lösungen zur Betrugsbekämpfung im Online-Bereich.

Komplexität mit fundiertem Fachwissen meistern

Einen Markt wirklich zu kennen, bedeutet, die lokalen Nuancen zu verstehen. Diese werden unter anderem durch Geografie, Alter und kulturelle Faktoren bestimmt. Für die komplexen Fragestellungen des amerikanischen Marktes gibt es keine Einheitslösung. Nur wer diese Komplexität versteht, kann ein Portfolio anbieten, das den spezifischen Kundenbedürfnissen gerecht wird. Partner mit fundierten Kenntnissen wie G+D können Banken und andere Finanzinstitute dabei unterstützen. Partner wie G+D können mit ihrer Expertise Banken und andere Finanzinstitute bei einer solchen Markteinschätzung und -analyse unterstützen.

Key takeaways

  1. Moderne digitale Zahlungen und analoge Scheckzahlungen: Auf dem US-Zahlungsmarkt ist beides möglich – und noch einiges mehr
  2. Die Zunahme von Betrug im Online-Handel, einem globalen Wachstumsmotor, gibt weltweit Anlass zur Sorge. Die Beteiligten handeln schnell, um der Gefahr zu begegnen.
  3. Der Rest der Welt kann von den unterschiedlichen Zahlungspräferenzen der Generationen lernen. Denn was sich in den USA durchsetzt, etabliert sich früher oder später auch anderswo.
  1. United States (US) cards and payments – opportunities and risks to 2027, Global Data, October 2023

  2. Consumer trends in digital payments, McKinsey, October 2022

  3. Ibid

  4. Continuing the momentum of contactless adoption in the US, Mastercard 2023

  5. Ibid

  6. Federal Reserve payments study (FRPS), Federal Reserve System, 2022

  7. 2021 FDIC national survey of unbanked and underbanked households, FDIC, updated July 2023

  8. Ibid

  9. Federal Reserve payments study (FRPS), Federal Reserve System, 2022

  10. How many credit cards should I have? The experts weigh in, Ivana Pino/Fortune Recommends, Fortune, 2023

  11. Number of credit cards and credit card holders, WalletHub, 2023

  12. Online payment fraud, Juniper Research, 2023

Veröffentlicht: 13.03.2024

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