#Digital

Interoperabilität: Ein Treiber für den Erfolg von CBDC

Insights
4 Mins.

Immer mehr Länder und Zentralbanken ziehen die Einführung einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC) in Betracht. Dass der private und der öffentliche Sektor dabei zusammenarbeiten sollten, haben die meisten mittlerweile erkannt. Es gibt jedoch noch weitere Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt: Damit eine digitale Zentralbankwährung ihr volles Potenzial entfalten kann, müssen die Verantwortlichkeiten aller beteiligten Akteure klar definiert werden. Darüber hinaus sollte Fragmentierung vermieden und Interoperabilität im gesamten CBDC-Ökosystem gewährleistet werden.

Interoperabilität bezeichnet das Zusammenspiel verschiedener, miteinander verbundener Systeme, die Informationen austauschen und nutzen. Daher ist Interoperabilität auch ein wichtiges Erfolgskriterium für digitale Zentralbankwährungen. Der Begriff ist jedoch breit gefächert und sowohl technische als auch regulatorische Aspekte spielen eine Rolle. Welche unterschiedlichen Facetten von Interoperabilität gibt es und welche Auswirkungen haben diese auf die beteiligten Akteure?

Interoperabilität stellt im gesamten CBDC-Ökosystem den nahtlosen Geldfluss zwischen verschiedenen Systemen sicher. Sie ermöglicht somit, dass sich eine digitale Zentralbankwährung optimal in die vielschichtige Bezahllandschaft einreiht. Dadurch wird außerdem sichergestellt, dass sich CBDCs auch zukünftig an die sich kontinuierlich ändernden Zahlungsanforderungen anpassen können.

Die Umsetzung ist hierbei entscheidend: Die Fragmentierung, unter der die heutige digitale Zahlungslandschaft leidet, muss unbedingt vermieden werden, wenn CBDCs eine Plattform sein sollen, die Inklusion und Innovationen fördert. Und dafür ist Interoperabilität eine wichtige Grundlage.

Verschiedene Akteure mit unterschiedlichen Bedürfnissen

Das Konzept der Interoperabilität sollte in hohem Maß berücksichtigt werden, damit eine digitale Zentralbankwährung für verschiedene Zwecke voll einsatzfähig ist. Dazu zählen beispielsweise kontobezogene Zahlungen innerhalb bestehender Zahlungssysteme und Echtzeit-Bruttoabwicklungssysteme (RTGS-System) für Transaktionen mit Wholesale CBDC (CBDC nur für Geschäftsbanken und Finanzinstitute). Darüber hinaus sollte eine digitale Zentralbankwährung auch mit neuen tokenbasierten Instrumenten, die digitale Assets repräsentieren, und in Smart Contracts funktionieren, um programmierbare Anwendungsfälle wie M2M-Zahlungen zu ermöglichen.

Um ihr volles Potenzial auszuschöpfen, müssen digitale Zentralbankwährungen auch international funktionieren. Verträge und der dazugehörige Zahlungsverkehr gelten schließlich oft über Ländergrenzen hinweg.

Es überrascht wohl kaum, dass die verschiedenen Stakeholder unterschiedliche Anforderungen an die Interoperabilität von digitalem Zentralbankgeld haben. Finanzsysteme beeinflussen schließlich fast alle Bereiche des Zusammenlebens und je nach Akteur liegt der Fokus auf individuellen Aspekten:

  • Kundinnen und Kunden erwarten Zugang zu digitalem Bargeld, einen 1:1-Umtausch ihres Geldes und ein nahtloses Nutzererlebnis.
  • Einzelhändler möchten Kosten sparen und die digitale Zentralbankwährung in vorhandene Zahlungssysteme integrieren können.
  • Konzerne wollen ihre Effizienz durch intelligente programmierbare Verträge (Smart Contracts) steigern.
  • Für Finanzdienstleister liegt der Schwerpunkt auf der Integration in den Finanzhandel und auf grenzüberschreitenden Transaktionen.

Letztlich wird sich eine digitale Zentralbankwährung hinsichtlich ihrer Benutzererfahrung gegen andere Zahlungssysteme behaupten müssen – davon wird auch ihre Akzeptanz und Verbreitung abhängen.

Partnerschaften und Kooperationen

Die Einführung einer digitalen Zentralbankwährung wird sich auf viele bestehende Geschäftsmodelle auswirken und auch Möglichkeiten eröffnen. Der private Sektor spielt in diesem neuen Ökosystem eine entscheidende Rolle – und zwar auf vielen verschiedenen Ebenen.

Laut einem kürzlich erschienenen Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich1 würde ein CBDC-System wahrscheinlich ähnliche Elemente und Funktionsweisen wie traditionelle Zahlungssysteme aufweisen. Finanzdienstleister werden weiterhin als Bindeglieder fungieren und das digitale Zentralbankgeld in Umlauf bringen, Identitätsprüfungen mit dem Know your customer (KYC)-Prinzip durchführen und digitale Wallets bereitstellen. Zahlungsanbieter werden bei der Verbreitung der digitalen Währung eine Schlüsselrolle einnehmen, indem sie neue Produkte und Dienste mit Mehrwert anbieten. Und darüber hinaus wird es auch neue Akteure geben, die mit der CBDC neue, bisher ungeahnte Möglichkeiten zur Wertschöpfung entwickeln.

3D-Modell einer Weltkugel, die von digitalen Linien und Nullen und Einsen überlagert ist

Um dieses Ökosystem zu schaffen, müssen Zentralbanken eine Infrastruktur bereitstellen, die Verbindungen mit anderen Systemen zulässt. Darüber hinaus sollten sie auch den regulatorischen Rahmen für die Nutzung der digitalen Zentralbankwährung bereitstellen. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit und gemeinsame Standards.

Interoperabilität bildet also das Fundament, damit eine CBDC optimal funktioniert, bargeldähnliche digitale Zahlungen ermöglicht und dabei Wettbewerb und Innovation, finanzielle Inklusion und Programmierbarkeit fördert.

“Akzeptanz, Koexistenz, Innovation und Effizienz lassen sich nur durch Interoperabilität erreichen“
Raoul Herborg
Managing Director, Central Bank Digital Currencies, bei G+D

Damit eine digitale Zentralbankwährung flächendeckend akzeptiert wird, muss sie ein nahtloses Nutzererlebnis bieten. Dafür sollten Zentralbanken mit Akteuren aus dem privaten Sektor zusammenarbeiten, um die CBDC nicht nur in die Bezahllandschaft zu integrieren, sondern sie auch zu einer attraktiven Alternative zu bestehenden Zahlungssystemen zu machen.

Die Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor wird in jedem Land, das ein erfolgreiches CBDC-Ökosystem aufbauen will, von entscheidender Bedeutung sein. Durch diese Partnerschaft kann zudem ein sehr großer Markt geschaffen werden – größer, als ihn ein einzelner Akteur allein aufbauen könnte. Die Zusammenarbeit ermöglicht auch eine breitere Palette von Dienstleistungen, die sowohl Verbraucherinnen und Verbrauchern als auch Unternehmen Vorteile bringen.

Die Bezahllandschaft bietet zweifellos genug Platz für eine CBDC und für private Zahlungsangebote. Die Einführung einer digitalen Zentralbankwährung wird jedoch grundlegende Veränderungen mit sich bringen und die Auswirkungen auf das Finanzsystem werden viel größer sein als die von Krypto-Assets. Denn eine CBDC wird viel umfangreicher in Wirtschaft und Gesellschaft integriert sein. Auch im Einzelhandel wird sich eine digitale Zentralbankwährung positiv bemerkbar machen. Darüber hinaus werden sich die Geschäftsmodelle von privaten Dienstleistern transformieren, weg von reinen Zahlungsdiensten hin zu einem breiteren Angebot.

Technische Erfolgsfaktoren

Aus technologischer Sicht gibt es eine Reihe von Funktionen, die Interoperabilität unterstützen. Das CBDC-Kernsystem sollte natürlich ein sehr hohes Sicherheitslevel aufweisen, gleichzeitig aber auch mit anderen Systemen kompatibel sein. Eine gut konzipierte CBDC-Plattform muss mit neuen und bestehenden Systemen zusammenarbeiten. Darüber hinaus ist Flexibilität ein entscheidendes Kriterium, um auch zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden. Die interoperable Infrastruktur der G+D-Lösung Filia® ermöglicht es Akteuren im privaten Sektor, eine CBDC in bestehende Systeme zu integrieren und für diese neue Anwendungen mithilfe von Software-Development-Kits zu entwickeln.

Diese Art von Technologie bildet das Fundament für eine interoperable digitale Zentralbankwährung. Je mehr Zentralbanken sicherstellen, dass ihre digitalen Währungen mit bestehenden Konten, Zahlungen und Vertragssystemen kompatibel sind, desto mehr Flexibilität bringt dies für Gesellschaft und Unternehmen. Dieses Vorgehen wiederum baut das Netzwerk auf, das für eine breite Akzeptanz und den Erfolg einer digitalen Zentralbankwährung maßgeblich ist. Letztlich geht es darum, allen einen Zugang zur digitalen Wirtschaft zu ermöglichen. Digitales Zentralbankgeld ist ein öffentliches Gut und als solches ein Katalysator für wirtschaftliche Beteiligung, Entwicklung und Wachstum.

  1. Bank of International Settlements, Central bank digital currencies: system design and interoperability, September 2021

Diesen Artikel teilen

Abonnieren Sie unseren Newsletter und bleiben Sie immer auf dem Laufenden

Informieren Sie sich über aktuelle Neuigkeiten und Ideen von G+D. Abonnieren Sie unseren Newsletter und wir sicher, dass Sie neue und wichtige Infos sofort erfahren.
Anmelden

Kontaktieren Sie uns

G+D ist ein weltweit tätiges Unternehmen: Wir sind immer und überall für Sie da. Wir finden die richtige Antwort auf Ihre Fragen. Füllen Sie einfach das Kontaktformular aus – wir melden uns! Wir freuen uns auf Ihre Anfrage und die gemeinsame Entwicklung von Sicherheitstechnologien und –lösungen, die Ihre Bedürfnisse erfüllen.

Abonnieren und G+D Artikel anhören

Sie sind unterwegs? Jetzt können Sie noch leichter auf unsere Artikel zugreifen, immer und überall. Einfach abonnieren und anhören.