Blockchain-Netzwerk, das sich über die Frankfurter Skyline und die Europäische Zentralbank bei Nacht erstreckt
#G+D World

Eine Basis für Vertrauen

Neue Technologie
8 Mins.

Gemeinsam mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) hat G+D eine Co-Investmentplattform gegründet. Mit insgesamt 50 Millionen Euro soll sie europäische TrustTech-Startups in der Frühphase unterstützen. Investiert wird über die Venture Capital Einheit G+D Ventures. Aber was genau ist TrustTech, und welche Rolle streben Startups in diesem Segment an?

Individuen, Unternehmen, Regierungen und Endgeräte sind heutzutage eng miteinander vernetzt. Bei Anwendungen wie etwa digitalem Banking, E-Commerce, Social-Media-Aktivitäten, Remote-Zusammenarbeit oder B2B-Transaktionen und -Prozessen werden teils sensible Informationen gespeichert und ausgetauscht. Dieses umfassende Konnektivitäts-geflecht bildet in unserer Gesellschaft die Basis für unser Vertrauen („Trust Backbone“ – siehe untenstehende Grafik)

Diese Vertrauensbasis (Trust Backbone) besteht aus mehreren Ebenen, von denen jede zu Sicherheit und Verlässlichkeit des gesamten Ökosystems beiträgt:

Infografik über die Vertrauensebenen
  • Die digitale Infrastruktur Ebene, über die Daten ausgetauscht werden, besteht aus Computer-Netzwerken, Servern, Software-Anwendungen und Endgeräten, die wir alle tagtäglich nutzen.
  • Die Identitätsebene stellt sicher, dass nur autorisierte Parteien (Menschen, Organisationen, Maschinen) am Datenaustausch teilnehmen können.
  • Die regulatorische Ebene setzt zum einen Regulatorik durch, die staatliche Autoritäten erlassen haben, um die Grundrechte der Transaktionsbeteiligten zu schützen (beispielsweise Datenschutz, Informationstransparenz und faire Geschäftsabwicklung), zum anderen bewahrt sie die Gesellschaft vor betrügerischer und krimineller Aktivität wie Geldwäsche und Terrorismus-Finanzierung.
  • Die ethische Ebene sorgt dafür, dass auch solche gesellschaftlichen Regeln, die nicht ausdrücklich von Gesetzen und Regulierungen geschützt sind, Beachtung finden. Dazu gehören beispielsweise der Schutz vor Fake News oder eine unethische Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI).

Bedrohungen der Trust Backbone nehmen zu

In einer zunehmend digitalisierten Welt ist die Vertrauensbasis permanent und auf jeder Ebene bedroht. So nehmen zum Beispiel Cyberattacken auf Endgeräte sowie Server und dadurch auf die Digitalinfrastruktur permanent zu und haben sich während der Corona-Pandemie, als viele Menschen Remote-Arbeit nutzten, sogar noch verstärkt.

Online-Transaktionen stellen eine besondere Herausforderung dar, weil dabei die Identitäten der beteiligten Parteien validiert und verifiziert werden müssen. Häufig fallen dabei betrügerische Transaktionen, gefälschte Accounts, Identitätsdiebstähle und Täuschungsversuche auf, was das Vertrauen auf der Identitäts-Ebene bedroht.

Bei unseren täglichen digitalen Transaktionen entsteht eine riesige Menge an Daten. Die Notwendigkeit, mit solchen persönlichen Daten angemessen umzugehen, hat die Regulierungsbehörden dazu veranlasst, umfangreiche Datenschutz-Regulierungen wie DSGVO zu erlassen. Ein Nichtbeachten durch Unternehmen kann empfindliche Strafen nach sich ziehen.

Ein anderes Beispiel ist Geldwäsche: Hier haben die Fälle in den vergangenen Jahren stetig zugenommen, Finanzaufsichtsbehörden verhängen dafür zunehmend höhere Strafen. Dadurch sind die Anforderungen strenger geworden, Kontrollmaßnahmen und Sanktionsüberprüfungen gegen Geldwäsche einzuhalten. Zudem ist davon auszugehen, dass sich die regulatorischen Anforderungen kontinuierlich weiterentwickeln – was stetige Anpassungen auf der regulatorischen Ebene erfordert.

Ein Beispiel für eine Bedrohung auf der Ethik-Ebene ist der Missbrauch von KI-Algorithmen. Korrekt eingesetzt kann KI beispielsweise Produktions- und Supply-Chain-Prozesse verbessern oder Mediziner/-innen bei der Krebserkennung unterstützen. Bei missbräuchlicher Anwendung allerdings lässt sich KI auch dazu trainieren, „deep fakes“ zu erschaffen, um beispielsweise Fake News zu verbreiten oder arglose Anwender/-innen bei Betrugsversuchen zu täuschen. Eine weitere Bedrohung der Ethik-Ebene ist KI, die nicht in der vorgesehenen Weise funktioniert. Dazu gehören zum Beispiel Situationen, in denen KI-Entscheidungen, die auf Vorurteilen basieren, zur Diskriminierung bestimmter sozialer Gruppen führen.

TrustTech sorgt für mehr Vertrauen in der Gesellschaft

Selbstbewusste, junge asiatische Geschäftsfrau mit Smartphone und Smartwatch im Finanzdistrikt der Stadt, die in den Himmel schaut

Bei einer Betrachtung der unterschiedlichen Ebenen der Trust Backbone wird offensichtlich, dass Cybersicherheit allein nicht ausreicht, um Vertrauen wieder herzustellen und es zu schützen. Cybersicherheit ist ein essenzieller Baustein für Vertrauen – allerdings konzentriert sie sich vor allem auf die Digitalinfrastruktur-Ebene der Trust Backbone. Es besteht darum Bedarf an zusätzlichen Tools und Technologien, um auch die anderen Ebenen zu schützen.

Hier kommt TrustTech ins Spiel, das sich nicht auf Cybersicherheit beschränkt. So können Lösungen zur Deepfake-Erkennung dafür sorgen, dass im Fall einer nicht überprüften KI-Nutzer/-innen ausschließlich mit vertrauenswürdigen Videos, Bildern und Audiodaten konfrontiert werden. TrustTech-Lösungen können dafür sorgen, dass eine KI so arbeitet, wie sie ursprünglich entworfen wurde, indem sie die Verlässlichkeit einer KI sicherstellen, die sogenannte „KI-Robustheit“. TrustTech-Lösungen können zudem auf der regulatorischen Ebene hilfreich sein – beispielsweise durch innovative Anwendungen gegen Betrug oder gegen Geldwäsche (anti-money laundering = AML).

Zum einen ist TrustTech für Unternehmen ein zusätzliches Werkzeug, um unter Einhaltung der Datenschutzrichtlinien Daten austauschen und bearbeiten können. Zu den wichtigen Anwendungen bei der Datenverarbeitung unter Wahrung der Privatsphäre gehören homomorphe Verschlüsselung und Lösungen zur Datenanonymisierung, die sicherstellen, dass datenschutzrelevante Informationen richtlinienkonform genutzt werden.

Zum anderen bietet TrustTech zusätzliche Lösungen an, um betrügerische oder gesetzeswidrige Transaktionen zu identifizieren. Hier sind KI-basierte Lösungen gegen Betrug oder Netzwerk-basierte Lösungen gegen Geldwäsche zu erwähnen, die häufig unter dem Begriff „RegTech“ zusammengefasst werden. Zu den Einsatzmöglichkeiten auf der regulatorischen Ebene gehören zudem die sogenannten „Supervisory Technologies“ oder „SupTech“), die Regulierungsbehörden und Unternehmen dabei unterstützen, das Finanz-Ökosystem als Ganzes im Blick zu behalten.

Das Innovationsfeld TrustTech entwickelt sich schnell. Heute fallen in diese Kategorie zahlreiche weitere Konzepte wie etwa Post-Quanten-Kryptografie, Blockchain-basierte Lösungen sowie neue Authentifizierungsmöglichkeiten (etwa Biometrie-basierte Authentifizierung). Künftig werden mit Sicherheit neue Konzepte entwickelt, die das breite Spektrum von TrustTech ergänzen – und mit dafür sorgen, in unserer digitalbasierten Gesellschaft ganz allgemein Vertrauen wieder herzustellen.

“TrustTech erweitert die herkömmliche Definition von Cybersicherheit um Werkzeuge und Technologien, die das Vertrauen auf allen Ebenen unseres digitalen Ökosystems stärken: Infrastruktur, Identität, Regulatorik und Ethik.“ “
Dr. Michael Hochholzer
Geschäftsführer G+D Ventures

Die EU als Katalysator für TrustTech

Die Europäische Union hat mehrere auf Vertrauen fokussierte Richtlinien erlassen. Dazu zählen unter anderem die DSGVO, Richtlinien gegen Geldwäsche sowie Regulierungen im Blockchain Bereich wie die MiCA. Letzteres soll Nutzer/-innen vor den Risiken bei der Nutzung von Krypto-Wertanlagen schützen (beispielsweise indem sie für angemessene Sicherheit von Wallets auf Kryptobörsen sorgen). Man könnte einwenden, dass solche Regulatorik Innovationen behindert. Aber G+D glaubt, dass das Gegenteil zutrifft, und betrachten solche Regulierungen als eine Quelle für Innovationen und technologische Weiterentwicklungen.

Zusätzlich dazu unterstützen die Regierungen vieler europäischer Länder TrustTech-Innovationen durch große Forschungsbudgets. Zudem gibt es einen breiten Konsens zwischen Endnutzer/-innen und Unternehmen, dass es wichtig ist, in digitalen Ökosystemen Vertrauen zu schaffen. So ist z.B. die estnische Regierung ein Vorbild für technische Innovation im Bereich digitale Identitäten und digitaler Verwaltung. Dies hat im Gegenzug die Zahl der estnischen TrustTech-Startups rapide wachsen lassen – seit 2015 wurden mehr als 100 gegründet.

In ganz Europa hat sich die Zahl der TrustTech-Startups zwischen 2015 und 2021 mehr als verdreifacht. Und das investierte Venture Capital – ein guter Indikator für technologische Trends – ist bei disruptiven Anwendungen wie RegTech, SupTech, Vertrauen in Blockchain und KI-Nachvollziehbarkeit seit 2015 um das 20-Fache gestiegen.

G+D Ventures: ein wertvoller Partner für TrustTech-Startups

Obwohl die Startup-Finanzierung insgesamt konstant ansteigt, mangelt es bislang noch an dedizierten Investoren im europäischen TrustTech-Ökosystem.

Um diese Lücke zu schließen, hat G+D zusammen mit der Europäischen Investitionsbank, die Finanzierungsinstitution der Europäischen Union, eine 50 Millionen Euro schwere Co-Investment-Plattform ins Leben gerufen. G+D Ventures investiert in TrustTech-Startups in der Frühphase mit Sitz in Europa. Die finanzierten Unternehmen profitieren von unserer Expertise und unserem Netzwerk in diesem Sektor.

Die G+D-Gruppe ist in Europa führend bei vertrauensbasierten Technologien und Dienstleistungen. Mit der Unterstützung von G+D können wir unseren Startups ein einzigartiges globales Netzwerk (CISOs, akademische Einrichtungen, Kunden, Partner und interne Expert/-innen) zur Verfügung stellen. Das öffnet Türen für Unternehmen aus unserem Portfolio. Unser Team besteht aus erfahrenen Investoren mit jahrzehntelanger VC-Expertise sowohl in finanzgetriebenen Fonds als auch Corporate Fonds. Unser Ansatz ist es, bei Investitionen schnell zu handeln, ein finanzielles Mindset zu haben und trotzdem alle strategischen Vorteile der G+D Gruppe nutzen zu können.

Mit Alberto Pérez Arranz als Investment Manager hat das G+D Ventures Team kürzlich sein viertes Mitglied begrüßt. Arranz war vorher bei Telefónica Deutschland für Frühphasen-Investitionen in der DACH-Region zuständig, mit einem besonderen Fokus auf KI und Cybersicherheit.

„Die Digitalisierung hat für die meisten Organisationen viele Jahre lang eine Schlüsselrolle gespielt. Als Ergebnis dieser neuen digitalen Ansätze stehen Endnutzer/-innen, Unternehmen und Institutionen vor neuen Sicherheits- und Datenschutzen-Risiken“, sagt Alberto Pérez Arranz. „TrustTech bildet eine horizontale Ebene und kann für mehr Vertrauen, Sicherheit und Verlässlichkeit in vielen Industrien sorgen. TrustTech ist eines der Segmente, von dem wir in den kommenden Jahren exponentielles Wachstum erwarten.“

Das Team von G+D Ventures
Das Team von G+D Ventures (von links nach rechts): Andreas Barthelmes, Assaf Shamia, Dr. Michael Hochholzer, Alberto Pérez Arranz

Erfolge unserer TrustTech-Partnerschaften

Bislang hat G+D Ventures in mehrere TrustTech-Unternehmen investieret. Dazu gehört unter anderem FNA (Financial Network Analytics), in das G+D Ventures 2021 investiert hat. FNA betreibt eine hochmoderne Plattform für Netzwerk-Analyse und -Simulation. Das Unternehmen arbeitet mit einigen der weltweit größten und wichtigsten Zentralbanken, Regierungsbehörden und Finanz-Unternehmen zusammen.

Neben SupTech-Aktivitäten und dem Bereitstellen von Lösungen zur Liquiditätsoptimierung für kommerzielle Banken sind Stresstests auf Makro-Ebene des Finanz-Ökosystems eine wichtige Anwendung der FNA-Technologie. Damit lassen sich Finanzkrisen vorhersagen.

Neben seinem Investment hat G+D Ventures zudem eine Partnerschaft zwischen FNA und dem Team von G+D Filia® ins Leben gerufen. Diese entwickelt gerade eine digitale Form von Bargeld (Central Bank Digital Currency oder CBDC). Ein Ergebnis der Partnerschaft ist ein gemeinsames Produkt, der „CBDC-Simulator“. Damit wird es erstmals möglich zu beurteilen, welche Risiken eine CBDC-Einführung für Marktteilnehmer wie etwa kommerzielle Banken birgt.

Kimmo Soramäki, CEO und Gründer von FNA: „Wir sind sehr froh über G+D Ventures als Investoren – der Kontakt zu G+Ds Filia®-Team war extrem wertvoll und hat die Entwicklung unserer Simulationstechnologie für CBDCs entscheidend vorangebracht. Neben der großartigen Verbindung zu G+D schätzen wir auch die praxisorientierte Einstellung des Teams von G+D Ventures und ihre TrustTech Erfahrung.“

Insgesamt geht G+D Ventures davon aus, dass TrustTech einen wichtigen Beitrag dazu leisten wird, mehr Vertrauen in die Welt zu bringen. Wir werden weiter zum Wachstum dieses Segments beitragen, indem wir herausragende TrustTech-Startups identifizieren und mit ihnen zusammenarbeiten. Sie profitieren sowohl von unserer Finanzierung als auch von unserer Erfahrung, unserem Branchennetzwerk und der Unterstützung, die der Zugang zur gesamten G+D-Gruppe mit sich bringt.

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